Frage von MyNameIsS, 107

Lohnsteuer bei Kurzfristiger Beschäftigung?

Hallo, ich bin zurzeit Studentin und würde gerne nebenbei als Hostess auf Messen tätig sein. Ich habe aber eine Frage, weil auf der Homepage von InStaff (Agentur für Vermittlung von Hostessen) stand, dass man als Hostess als "kurzfristig Beschäftigter" zählt und somit auch die Lohnsteuer bezahlen muss. ich verstehe aber nicht ganz wieso und ob es Ausnahmen gibt. Als geringfügig Beschäftigter darf man ja bspw bis zu 450€ im Monat verdienen ohne jegliche Steuerabgaben zahlen zu müssen. Was wenn ich als Hostess nicht mehr verdiene als jemand der geringfügig beschäftigt ist? Muss ich dennoch die Lohnsteuerkosten tragen ? Gibt es einen Freibetrag oder einen Weg die Lohnsteuer zu umgehen? Oder wäre es einfacher sich einen Job mit geringfügiger Beschäftigung zu suchen?

Vielen Dank im Voraus !! Vielleicht ist ja jemand auch selbst als Hostess tätig und kann aus eigenen Erfahrungen berichten.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von MFKunz, 84

Hallo MyNameIs,

mein Name ist Max Kunz, ich bin einer der Gründer von InStaff und habe an dem oben beschriebenen Artikel mitgearbeitet, daher hier kurz ein paar Erklärungen dazu.

Vorab: Bitte nicht als rechtliche Beratung auffassen - das ist angelesenes Wissen, das aber gegebenenfalls auch nicht 100-prozentig richtig ist.

1) Art der AbrechnungDu kannst für kurzfristige Jobs auf mehrere Arten abgerechnet werden, wobei es hauptsächlich 2 Arten gibt, die hier in Frage kommen:

  1. 450 EUR Job (Geringfügige Beschäftigung)
  2. Kurzfristige Beschäftigung

Der hauptsächliche Unterschied ist: Beim 450 EUR Job ist man auf einen gewissen Lohn (nämlich 450 EUR pro Monat) beschränkt, bei der kurzfristigen Beschäftigung auf eine gewisse Zeit (nämlich 70 Tage pro Jahr).

Bei InStaff haben wir manche Mitarbeiter, die pro Monat auf mehr als 450 EUR Verdienst kommen. Da mehrere Abrechnungsarten sehr kompliziert darzustellen wären, überprüfen wir bei allen Mitarbeitern die Voraussetzungen, um eine kurzfristige Beschäftigung durchführen zu können und rechnen diese dann möglichst so ab.

2) Unterschiede bei den Abgaben von 450 EUR Job und kurzfristiger Beschäftigung
Beim 450 EUR Job müssen für dich Sozialversicherungsabgaben (SV-Abgaben) geleistet werden und diese werden vom Staat nicht zurückerstattet. Daher ist diese Abrechnungsart nicht so beliebt, wenn man einen Job macht, bei dem man sowohl auf kurzfristige Beschäftigung, als auch auf 450 EUR Basis abgerechnet werden kann. Lohnsteuern fallen in der Regeln hier nur in geringem Maße an (meist pauschal mit 2 % des Verdienstes) und sind vom Arbeitgeber zu tragen.

Bei der kurzfristigen Beschäftigung hingegen ist es so, dass keine Sozialversicherungsabgaben anfallen, da der Gesetzgeber hier davon ausgeht, dass du einer anderen Hauptbeschäftigung nachgehst.

3) Umgehung der Lohnsteuer
Die Lohnsteuer ist eine so genannte "Abzugsteuer". Das bedeutet, du kannst sie nicht umgehen, weil sie vom Arbeitgeber direkt einbehalten und an das jeweils zuständige Finanzamt abgeführt wird. 

Die Berechnung der Lohnsteuer erfolgt dabei auf Basis des Lohns, den du im jeweiligen Zeitraum verdienst hast. Beispiel: Du verdienst pro Tag brutto 120 EUR und arbeitest 3 Tage, insgesamt 360 EUR. Das System geht aber ab dem 1. Tag davon aus, dass Du dies das ganze Jahr über tust. Insgesamt käme bei 365 Tagen also ein Bruttoverdienst von 43.800 EUR zustande. Auf diesen Jahresverdienst wird die Steuerlast berechnet und wieder auf einen Tag heruntergerechnet, bzw. auf die 3 Tage und durch den Arbeitgeber als Vorauszahlung an das Finanzamt abgeführt.

ABER: Dies ist eine Vorauszahlung und wenn Du im Gesamtjahr weniger als die Freibeträge von ca. 8.400 EUR verdienst, kannst Du diese Steuer-Vorauszahlung wieder zurückerhalten, wenn Du eine Steuererklärung abgibst.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu langweilig. Wenn es noch nicht klar war, kannst du das auch noch einmal unter dem von Helefant geposteten Link nachlesen.

Viele Grüße
Max

Antwort
von Helefant, 96

Weil Du es vorgezogen hast, uns mitzuteilen, was auf der Homepage steht, ohne einen Link anzugeben, hab ich mir das mal hergesucht: https://www.instaff.jobs/arbeitsrecht/kurzfristige-beschaeftigung-lohnsteuer .

Ja, scheinbar haben die die geringfügige Beschäftigung ganz ausgeblendet. Auch die Erläuterungen zum Lohnsteuerabzug dort sind recht sonderbar. Im Endergebnis stimmt es natürlich: wenn Du als Arbeitnehmer zehntausendnochwas im Jahr verdienst und sonst keine Einkünfte hast, dann bekommst Du jedenfalls spätestens mit der Einkommensteuererklärung alle Steuern zurück.

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