Frage von marcoo996, 66

LKW extrem langsam linke Spur?

Hallo Ich wüsste gern was das Gesetz zu folgender Situation sagt: Ich fahre auf einer 2 Spurigen Autobahn ohne Tempolimit. Sehr von weitem einen LKW der auf der linken Spur fährt, da 500m hinter ihm betätige ich einmal die Lichthupe, keine Reaktion. Der Lkw fährt mit weniger als 100km auf der linken Spur neben einem anderen LKW der das gleiche Tempo hält, neben mir ist ein weiterer LKW und da hinter noch mehr. So wird mindestens 10km gefahren zwischen zwei Ausfahrten. Bis zu meiner Ausfahrt sind aber 1000m geblieben. Nach vorne geht nicht, der LKW bleibt neben dem anderen, nach rechts geht auch nicht und langsamer werden auch nicht da sich bereits ein Stau gebildet hat.

Was ist in diesem Fall die richtige Reaktion, knapp vor meiner Ausfahrt kam ich zwar raus, aber ich glaub kaum das meine Reaktion gesetzlich korrekt war

Es gab keinen erkennbaren Grund für die beiden LKW den Verkehr so aufzuhalten, beschleunigen konnte er ja als es mir vor meiner Ausfahrt zu bunt wurde und ich mich mit der (Licht)Hupe bemerkbar machen musste

Antwort
von TheGrow, 39

Hallo marcoo996,

das Gesetz sagt zu Deiner Frage folgendes (Auszug):

*************************************************************************************

§ 5 StVO - Überholen

(2) Überholen darf nur, wer übersehen kann, dass während des ganzen Überholvorgangs jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist. Überholen darf ferner nur, wer mit wesentlich höherer Geschwindigkeit als der zu Überholende fährt.

(4) Wer zum Überholen ausscheren will, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist. Beim Überholen muss ein ausreichender Seitenabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere zu den zu Fuß Gehenden und zu den Rad Fahrenden, eingehalten werden. Wer überholt, muss sich so bald wie möglich wieder nach rechts einordnen. Wer überholt, darf dabei denjenigen, der überholt wird, nicht behindern.

*************************************************************************************

Mit einer wesentlich höheren Geschwindigkeit ist eine Differenz von ca. 20 km/h und mehr gemeint.

Und hier kommen wir zum eigentlichen Problem für die LKW - Fahrer.

Du schreibst:

Der Lkw fährt mit weniger als 100km auf der linken Spur neben einem anderen LKW der das gleiche Tempo hält, neben mir ist ein weiterer LKW und da hinter noch mehr

LKW könnten zwar technisch gesehen problemlos 100 km/h und weit höhere Geschwindigkeiten erreichen, aber

  1. darf ein LKW auch auf der Autobahn nur max. 80 km/h schnell fahren
  2. sind alle LKW´s seit 1992 elektronisch auf max. 90 km/h begrenzt.

Viele LKW Fahrer halten sich strickt an die 80 km/h Reglung. Will nun ein LKW den anderen Überholen, kann er maximal nur 10 km/h schneller fahren, als das Fahrzeug was er überholt. Das macht Überholvorgänge für LKW´ s schon recht Zeit und Streckenintensiv.

Dann gibt es LKW Fahrer, die meinen sich als Oberlehrer aufspielen zu müssen, wenn ein Fahrzeug mit mehr als 80 km/h überholt und beschleunigen ebenfalls bis 90 km/h, sprich bis zum eingreifen der Tempospeere und lassen den LKW neben sich stumpf verhungern und verhindern somit dass der andere LKW den Überholvorgang abschließen kann.

Das führt dann wie in Deinem Fall zu einem 10 Kilometer anhaltenden Elefantenrennen, welches alle nachfolgenden Fahrzeuge behindert.

Im Grunde genommen, müsste der LKW der am Überholen ist, den Überholvorgang abbrechen. Das ist aber wiederum gar nicht so ungefährlich,  weil der nachfolgende Verkehr, in dem Fall Du nicht mit rechnest, dass der LKW vor Dir abbremst um wieder hinter dem LKW einzuscherren, den er schon fast überholt hat.

Wie gesagt, der LKW hat aufgrund der Temposperre keine Möglichkeit den LKW auf 100 km/h und mehr zu beschleunigen um zügig zu überholen.

Die Gesetzgeber sind deshalb schon am überlegen, ein generelles Überholverbot zu erlassen. Das würde zwar das Problem diese Elefantenrennen beseitigen, aber auf der anderen Seite hätten LKW´s keine Möglichkeit mehr einen langsameren LKW zu überholen. Gerade am Berg, wo alte LKW´s teilweise mit 40 Tonnen beladen nur noch auf 50 km/h kommen, müssten alle LKW´s auch dann dahinter bleiben, wenn sie mit 40 km/h Differenz überholen könnten. Das würde wiederum lange LKW Kolonen verursachen, die wiederum den Verkehr behindern.  

Also kurz gefast: Viel dagegen unternehmen kannst Du nicht, wenn sich zwei solcher LKW´s ein Elefantenrennen liefern. Und der überholende LKW kann nicht mal eben etwas mehr Gas geben um vorbeizuziehen.

Du könntest zwar den LKW Fahrer anzeigen, weil er mit eben nicht wesentlich höherer Geschwindigkeit überholt hat, aber meist lag die Länge des Elefantenrennens garnicht an den Fahrer der Überholt hat, sondern an den anderen Fahrer der einfach ebenfalls beschleunigt hat um ein Überholen zu verhindern.

Schöne Grüße
TheGrow

Kommentar von TheGrow ,

Nachtrag:

Habe gerade den folgenden Artikel gefunden der die Problematik der Elefantenrennen aufgreift:

http://www.trucker.de/bgl-lkw-auf-tempo-80-drosseln-1140403.html

Vielleicht ist der Artikel ja interessant für Dich

Kommentar von Franz577 ,

Bin selbst auch mal eine Weile nebenberuflich LKW gefahren und kenne daher diese Problematik nur zu gut.


Will nun ein LKW den anderen Überholen, kann er maximal nur 10 km/h schneller fahren, als das Fahrzeug was er überholt. Das macht Überholvorgänge für LKW´ s schon recht Zeit und Streckenintensiv.

10km/h ginge ja noch! Das sind ja im LKW-Bereich Welten und mit 10km/h Differenz wäre man eigentlich auch noch ganz zügig am anderen vorbei. 10km/h ist etwa das Tempo eines gemütlichen Joggers und bis der an einem stehenden LKW vorbeigelaufen ist, dauert es nicht sehr lange.

Meist sind es aber nur etwa 1 bis 3 km/h Differenz und dann zieht es sich natürlich.



Dann gibt es LKW Fahrer, die meinen sich als Oberlehrer aufspielen zu müssen, wenn ein Fahrzeug mit mehr als 80 km/h überholt und
beschleunigen ebenfalls bis 90 km/h, sprich bis zum eingreifen der
Tempospeere und lassen den LKW neben sich stumpf verhungern und verhindern somit dass der andere LKW den Überholvorgang abschließen kann.

Eigentlich fast undenkbar, daß es solche Kollegenschweine tatsächlich gibt, aber das sind diejenigen, die sofort aus dem Verkehr gezogen gehören. Ich glaube, wenn ich als Fahrer so einen am nächsten Rastplatz getroffen hätte, dem hätte ich ein paar aufs Maul gehauen.

Daß es solche Oberlehrer-A...löcher unter Autofahrern zu genüge gibt, ist ja schon schlimm genug. Aber unter LKW-Fahrern sollte es eigentlich ein Ehrencodex sein, sich nicht gegenseitig bei der Ausübung dieses nicht gerade einfachen Jobs unnötig zu behindern.

Abgesehen davon handelt es sich bei den Fahrern, die strikt ihre 80km/h einhalten, obwohl sie auch knappe 90 fahren könnten und auch noch dürften, wirklich um die große Ausnahme. Denn Zeit ist für jeden Fahrer das allerhöchste Gut und die hat er nicht zu verschenken. Oft können ein paar Minuten (die man vielleicht zu spät zum Laden oder Entladen kommt) darüber entscheiden, ob man einen ganzen Tag verliert (was auch manche für andere unsinnig erscheinenden Überholvorgänge erklären dürfte). Und der Verkehr ist ja auch nicht berechenbar, weshalb vermutlich mehr als 95% aller Fahrer schon ihre Höchstgeschwindigkeit ausreizen.

Allerdings sind eben nicht alle LKW exakt beim selben Tempo abgeregelt oder der eine hat etwas mehr PS als der andere oder ist leer und der andere voll beladen, was schon bei geringen Steigungen einen Vorteil bzw. Nachteil verschafft.

Verstehen kann man LKW-Fahrer eigentlich nur, wenn man selbst auch fährt oder gefahren ist. Sonst weiß man nicht, wovon man spricht (zeigt sich deutlich an den geforderten 100km/h des Fragestellers).

Kommentar von Crack ,

Abgesehen davon handelt es sich bei den Fahrern, die strikt ihre 80km/h einhalten, obwohl sie auch knappe 90 fahren könnten und auch noch dürften, wirklich um die große Ausnahme.

Strich 80km/h findet man in der Regel nur bei Gefahrguttransporten.
Darüber hinaus gehen aber immer mehr Speditionen dazu über ihren Fahrern im Rahmen eines Flottenmanagements Höchstgeschwindigkeiten von 85 oder 83km/h vorzuschreiben.
Das kann man durch eine Abregelung der Fahrzeuge machen, oder über die Technik der LKW sehr einfach kontrollieren.

Kommentar von Franz577 ,

Naja, also dieses Gefeilsche um einzelne km/h halte ich schon für kleinlich. Besonders, wenn der Fahrer auch noch gezwungen ist, das einzuhalten. Als ob das immer auf das km/h genau möglich wäre.

Wenn eine Spedition ein "internes" Höchsttempo festlegt, dann sollen sie ihre LKW genau auf dieses Tempo begrenzen lassen, aber nicht ihre Fahrer dazu nötigen, auch noch darauf achten zu müssen (als ob sie nicht schon so genügend Stress hätten und auf genügend viele Dinge achten müßten).

Kommentar von Crack ,

Ist alles nur eine Gewöhnungssache...

Tempomat auf 85km/h, holt man dann doch mal einen ein kann man auch mit 90km/h locker überholen.

Kommentar von Franz577 ,

Halte ich trotzdem für arg bevormundend, den Fahrern auch noch innerhalb der erlaubten Toleranz Vorschriften zu machen.

Angenommen, so ein Fahrer stand im Stau, hat dadurch Zeit verloren und weiß, daß er sein Ziel an diesem Tag wenn überhaupt nur noch äußerst knapp erreicht. Ansonsten müßte er bis zum nächsten Tag warten, um laden oder entladen zu können. Oder schlimmstenfalls sogar das komplette Wochenende im LKW verbringen.

Wie quälend muß das für den sein, wenn er nur 85 fahren darf, obwohl er auch 90 könnte.

Klar, 5km/h klingen nach nicht viel, aber nach 1 Stunde ist man mit 90 eben schon 5 km weiter als mit 85.

Und manchmal können eben wie gesagt nur wenige Minuten darüber entscheiden, ob man am selben Tag noch seine Ware zustellen kann oder nicht.

Manche Firmen sind da knallhart und machen z.B. um Punkt 17Uhr ihre Schotten dicht. Da heißt es dann Feierabend, Pech gehabt, morgen früh wieder.

Wer sowas als Fahrer schon mal erlebt hat, der läßt sich kein bestimmtes Tempo aufzwingen. Zumindest dann nicht, wenn es wirklich mal knapp wird.

Kommentar von Crack ,

Es soll auch Speditionen geben die nicht versuchen alles was rechnerisch möglich ist zu 100% ausreizen.
Das geht vielleicht oft gut, hat in der Regel aber mehr Nach- als Vorteile... 😄

Kommentar von claushilbig ,

Halte ich trotzdem für arg bevormundend, den Fahrern auch noch innerhalb der erlaubten Toleranz Vorschriften zu machen.

Jein - das sind zum Teil knallharte geschäftliche Gründe: Jeder km/h mehr kostet zusätzlichen Sprit - und bei einer großen Fahrzeugflotte lassen sich durch eine solche Order tausende Liter Diesel einsparen

Ich glaube, im "Notfall" dürfen die Kollegen dann aber auch gern mal schneller fahren ;-)

Kommentar von Crack ,

Das würde wiederum lange LKW Kolonen verursachen, die wiederum den Verkehr behindern.  

Auch aktuell gibt es schon Autobahnen mit Überholverboten von 40km/h und mehr. Das macht es nicht nur für die LKW-Fahrer zum Stresstest sondern birgt weitere Gefahren.

  • Wenn es dann zu Situationen kommt das ein LKW stark bremsen muss schiebt sich die gesamte Kolonne zusammen, hat dann einer gepennt und/oder zuwenig Abstand gehalten ist der Unfall da.
  • Auch gibt es andere Fahrzeuge die nicht wesentlich schneller sind als LKW wie z.B. Reisebusse, Wohnmobile oder PKW mit Anhänger. Diese dürfen dann zwar überholen - müssten dann aber die ganze Kolonne mit max.+20km/h überholen was auch eine gefühlte Ewigkeit dauert, oder immer mal wieder in den Sicherheitsabstand von 2 LKW einscheren und so die Nachfolgenden zum Bremsen zwingen.
  • Außerdem ist zu bedenken das es an Ab- und Auffahrten je nach Verkehrsaufkommen viele Fahrzeuge gibt die zumindest kurzzeitig auch diesen Fahrstreifen nutzen müssen. Während die Abfahrenden von Spur 2 meist noch problemlos eine Lücke in Spur 1 nutzen können um dann erst auf dem Verzögerungsstreifen zu bremsen kommt es an Auffahrten regelmäßig zu Situationen in denen sich mehrere Fahrzeuge in eine Lücke pressen die eigentlich nur für Einen reicht.
Kommentar von CYB3RSH0CK ,

Dann gibts noch diese Gottlosen A****löcher, welche nichts besseres zu tun haben, als mit 70-75 auf der Autobahn rum zu tuckern, um die gestressten Fahrer hinter sich zu provozieren und dann wenn der mit Zeitdruck auf höhe Kabine ist gibt er Vollgas und fährt 90. Dann denkt man der ist erwacht und geht wieder hinten rein. Dann lässt das A****loch seine Dreckskarre wieder auf 70 zusammenbrechen. Und so geht das weiter bis der, der noch gerne am gleichen Tag ans Ziel kommen möchte die Nerven endgültig verliert und auf stur stellt. In diesen momenten ist der Fahrer des überholenden LKWs der art am abdrehen, dass er gar nicht schnallt was er grad macht. Und das A****loch rechts von ihm, geilt sich daran auf. Meistens sind es Italiener die dieses Spiel spielen. Auf der Gotthardroute hatte ich des öfteren dieses Problem. Aber das sieht die Rennleitung natürlich wiedereinmal nicht.

Antwort
von Flohrianus, 34

Blinke Rechts und warten/hoffen, dass dich jemand reinlässt.

p.s. Elefantenrennen sind verboten, aber die meisten LKW dürfen nicht schneller als 100 fahren

Kommentar von marcoo996 ,

Wäre er denn wenigstens 100 gefahren und der andere so freundlich ihn durchzulassen

Antwort
von EStar1233, 29

der LKW der vor dir war hätte dort nicht fahren dürfen .
Er müsst beschleunigen und vor den anderen LKW fahren
Du hättest in diesem Fall einfach den blinker nach rechts setzen können sodass der LKW neben dir Platz macht weil rechts überholen darf er nicht

Kommentar von Crack ,

Wie kommst Du denn zu der Annahme der LKW hätte rechts überholt?

Antwort
von MrMiles, 28

Eine Fahrspur zu blockieren und andere Verkehrsteilnehmer auszubremsen ist ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und daher eine Straftat.

Kommentar von Flohrianus ,

es wurde doch niemand ausgebremst! Von daher lediglich Ordnungswiedrigkeit.

Kommentar von MrMiles ,

Wenn er ~10km bei unter 100kmh hinter dem LKW hing und sich schon ein Stau hinter dem LKW gebildet hat, dann könnte man das durchaus als Ausbremsen auslegen.

Kommentar von marcoo996 ,

Da das wohl ne Straftat ist hätte ich das eventuell melden können aber da meine Reaktion wahrscheinlich auch ne kleine Ordnungswidrigkeit war lass ich das sein.

Wäre mein Arbeitstag nicht so stressig gewesen und mit einigen Überstunden hätte ich mich vielleicht etwas dezenter bemerkbar gemacht

Kommentar von TheGrow ,

Eine Fahrspur zu blockieren und andere Verkehrsteilnehmer auszubremsen ist ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und daher eine Straftat.

So ein Unfug

Ein "Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr" erfolgt immer von außen in den Straßenverkehr und nicht zwischen Verkehrsteilnehmern

Wenn überhaupt würde eine "Gefährdung des Straßenverkehrs" gem. § 315c StGB in Anbetracht kommen, wenn ein Verkehrsteilnehmer den Anderen gefährdet.

Aber eine Gefährdung im Sinne des § 315c StGB liegt nicht vor, nur weil ein LKW den nachfolgenden Verkehr über 10 Kilometer durch ein Überholmanöver behindert.

Kommentar von MrMiles ,

Wenn es dadurch zu tödlichen Auffahrunfällen am Stauende kommt würde ich das schon als Gefährdung einstufen.

Kommentar von TheGrow ,

Interessante Auffassung von einem Stauende zu sprechen, wenn ein LKW mit über 80 km/h fährt.

Zweitens, wenn es zu einem Auffahrunfall an einem Stauende kommt ist der Auffahrende Schuld, weil  er sich nicht an den folgenden Paragraphen gehalten hat:

***********************************************************************

§ 4 StVO - Abstand

(1) Der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug muss in der Regel so groß sein, dass auch dann hinter diesem gehalten werden kann, wenn es plötzlich gebremst wird. Wer vorausfährt, darf nicht ohne zwingenden Grund stark bremsen.

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