Links und Rechts, das eine verstehe ich, dass andere nicht?

... komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Was Du beschreibst hat nichts mit dem politischen Lager zu tun, sondern mit der Natur des Menschen.

Für Menschen typisch ist eine egozentrische Denkweise, die - Neurosen gehören zum menschlichen Alltag - regelmäßig nur wenig gefiltert wird. Modern ist dabei eine "empathisch-emotionales Denken", was aber eher eine Form der Meinungsäußerung darstellt, aber dennoch als gesicherte Tatsache gehalten zu werden, was über soziale Bestätigung geschult und verfestigt wird. Meinungen werden zu Dogmen und das Verletzen von Dogmen ist sträflich. Dies tritt im Verbund mit unsauberen Begriffsverwendungen auf. Meinungen, die im Rahmen einer sozio-politischen Gruppe zu Dogmen erhoben wurden, haben aber die Tendenz, jegliche Kritik sofort negativ "einzupolen", da solche Dogmen gerade auch definitorische Qualität für das Gruppenverständnis besitzen. Hier kritisch zu sein hieße, die Gruppe in Frage zu stellen, aber die Gruppe in Frage zu stellen, griffe das Selbstverständnis des Einzelnen an und die Neurosen bekommen Fresschen... etwas überzeichnet.

Nehmen wie "soziale Gerechtigkeit". Was gerne übersehen wird: soziale Gerechtigkeit besteht aus mindestens zwei Grundpfeilern, der Bedarfs- und der Leistungsgerechtigkeit, zwischen denen zu diskontieren ist. Schon Macchiavelli hat es vorgemacht, daß Feudalismus ebenso als sozial gerecht eingestuft werden könnte wie ein System, in dem denen, welche nicht arbeiten, weit mehr Mittel zugestanden würde, als der arbeitenden Bevölkerung, da sie ja weit mehr Freizeit und damit auch einen deutlich höheren Bedarf haben. Was ist also "soziale Gerechtigkeit"? Nur eine Worthülse, die fast jeder verwendet, aber wovon die meisten nur eine recht geringe Vorstellung davon haben, was das heißen könnte, aber es ja so toll klinge ... . Im Ergebnis reden alle, die nur über "soziale Gerechtigkeit" reden, aneinander vorbei, denken aber, daß man das gleiche meine. Doch wehe es wagte jemand, dies zu hinterfragen und den so kuscheligen Scheinkonsens zu zerstören.

Das gleiche läuft in Deinem Beispiel ab. Wer eine kritische Frage zum Islam stellt, der wird etwas gegen den Islam haben [unzulässiger Analogieschluß], wer etwas gegen den Islam hat, der diskriminiert, wer diskriminiert gehört ins rechtes Lager, rechtes Lager ist böse ... . [Anm.: eine rassistische Diskriminierung ist von einer religiösen Diskriminierung streng zu trennen.]

Natürlich läuft sowas nicht bewußt ab, sondern eher wie konditioniert:

Ich frage z.B. in einer Gruppe, wie viele Muslime denn denken, dass der Koran wichtiger ist, als das Deutsche Gesetz

"glockebimmel* *speichelfließ*

... der hat was gegen den Islam, der ist intolerant ...

Wie gesagt, typisch menschlich ... (und läuft bei Rechtsradikalen nach dem gleichen Schema, nur mit anderen Vorzeichen).

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von PolluxHH
06.07.2016, 09:10

Was ich gestern vergaß: ich hätte es Dir aus dem Aufhänger selbst erklären können.

Es gibt zwei Fassungen, die eine stellt den Koran über nationales Recht, die andere die Scharia. Dabei kennt der Islam neben Koran und Sunna eigentlich keine weitere, absolute religiöse Autorität und die Scharia als tradiertes Recht soll zwar eine rechtliche Auslegung sein, die sich in Übereinstimmung mit dem Koran befindet, aber ist keine religiöse Instanz, sondern eben ungeschriebenes Recht.

Die eigentliche (und m.E. berechtigte) Kritik setzt bei jenen an, welche die Scharia über nationales Recht stellen, denn das beinhaltet quasi aktiven Widerstand im Sinne eines Versuchs, vorsätzliche Verstöße gegen nationales Recht dadurch zu legitimieren. Die Scharia aber ist keine religiöse Autorität im Islam, damit ist es auch nicht Religionsausübung, hier nationales Recht zu brechen.

Anders sieht es in dem Fall aus, da man sich auf den Koran beruft, denn das hebt gerade nicht auf aktive Übertretung, sondern nur auf passiven Widerstand ab. Damit ergibt sich, daß unter dieser Maßgabe einem Moslem nur gestattet ist, was nach nationalem Recht UND Koran zulässig wäre, also die Schnittmenge. Sowas kennt auch das Christentum und findet z.B. über die Kriegsdienstverweigerung Ausdruck im deutschen Recht. Warum sollte man dem Islam eine entsprechende Handhabung vorwerfen?

Und damit wären wir auch wieder bei Deiner Frage. Was muß bei den Gesprächspartner angenommen werden, wenn sie entsprechend reagierten? Zunächst einmal dürfte eine große Portion Unwissenheit in der Sache vorgelegen haben und man hat Dich gleich in das Lager gesteckt, welches die Scharia-Fassung aufgreift, um Polemik gegen den Islam zu üben, also unzulässiger Analogieschluß. Und wieder Glocke ... Speichel ... .

Dabei wäre es so einfach gewesen, alleine schon auf der Basis eines durchschnittlichen Allgemeinwissens wie gerade gezeigt.

Aber mit Allgemeinwissen ist es nicht weit her. Nehmen wir Frau Roth, die am 17. Dezember 2015 Asyl als in Art. 16 GG begründet und Syrer als grundsätzlich asylberechtigt bezeichnete. Seit 1993 ist das Asylrecht in Art. 16a GG fixiert und 2015 wurden knapp 95% der Syrien-Flüchtlinge eine Flüchtlingseigenschaft ohne Asylberechtigung zugesprochen, eine Asylberechtigung wurde nur ca. 1% zugestanden, was nicht mehr als "grundsätzlich" zu werten ist. Sowas nennt man zwei unwahre Tatsachenbehauptungen, doch wenn Frau Roth es sagt, muß es ja stimmen ... .

0

Die Frage war ja auch Unsinn und du hättest die dir selber lösen können:

Was ist denn wohl wichtiger? Das absolute Gesetzt des allmächtigen Gottes, oder irgendwelche menschengemachte Regeln? Dass du dabei nur Muslime fragst ist leicht tendenziös, da es für Christen und Juden und auch andere Religionen zutrifft:

Die Antwort ist natürlich klar: für einen Gläubigen müssen die Gesetze Gottes wichtiger sein als die von irgendwelchen Menschen. Die Frage ist also nur, ob man als Gläubiger sich dennoch an die menschlichen Gesetze halten darf/soll/muss/kann. Und hättest du die Frage so gestellt, wärst du auch nicht kritisiert worden.

Schaf

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung