Frage von Rumpelstilzchen1, 18

Letzte Woche war doch Themenwoche bei ARD "Zukunft der Arbeit", was haltet ihr davon wenn in absehbarer Zeit mehr Maschinen unsere Arbeit erledigen?

Und findet Ihr dass Ihr ein Gesamtkonzept (fernsehseitig, politisch) präsentiert bekommen habt oder tuen nur einige Hersteller zeigen was sie können ohne den gesellschaftlichen, sozialen Hintergrund den so eine Veränderung braucht.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von PolluxHH, 10

Die Frage ist, wie sich die technologische Rationalisierung auswirkt. Zunächst erhöht es die Produktivität des Arbeitsfaktors "Mensch" bei gleichzeitiger Reduktion der in den Produktionsprozeß integrierten Menschen. Unsere Lohnstrukturen sind weitestgehend an Produktivitätszahlen der menschlichen Arbeitskraft in der Industrie gekoppelt, was einen Lohnanstieg für wenige Arbeitnehmer bei vermehrter Arbeitslosigkeit bewirkte.

Gleichzeitig aber stiegen auch die Löhne in arbeitsintensiven Sektoren wie Handwerk. Ein Beispiel: es sei angenommen, daß eine Friseurin 20 Euro brutto pro Stunde erhielte, was Kosten für den Arbeitgeber in Höhe von ca. 40 Euro pro Stunde bedeutete. Dazu kämen Raum- und Investitionskosten, Verbrauchskosten (Strom, Wasser, Verbrauchsmaterial). Von diesen 60 Minuten entfallen netto höchstens 40 Minuten auf eine handwerkliche Betätigung. Im Schnellverfahren brauch Waschen/Schneiden/Föhnen 20 Minuten. Um überhaupt die Arbeitskraft bezahlen zu können, müßte dann Waschen/Schneiden/Föhnen ca. 30 Euro kosten, darunter begänne dann der defizitäre Bereich. Aktuell geht der Trand deshalb auch zu "Selbständigkeitsmodellen" wie gemieteten Stühlen, da hier zwar Preisbindung über den Vermieter vorliegt, hingegen keine Bindung an den Mindestlohn existiert. Wer in einem solchen Vertrag hängt, ist aktuell meist schlechter gestellt als früher ein(e) Angestellte(r) mit 5 € brutto im Monat. Die Option ist Outsourcing.

Genau dies ist die Wirkung von Rationalisieung unter den aktuellen Gegebenheiten: vermehrte Arbeitslosigkeit, Modelle von Selbständigkeit, welche zur Verelendung führen, erhöhte Ungleichverteilung von Arbeitseinkommen und Vermögen.

Die USA zeigt, daß es dafür keines anderen Hintergrunds braucht, solange man eine Verelendung breiter Teile der Gesellschaft billigend in Kauf nimmt. Will man dies nicht, müßte man Einkommen von Leistung abkoppeln, doch das hat sich auch nicht als gangbar erwiesen, denn das scheitert am aktuellen Bewußtsein des Menschen.

Unsere Gesellschaft funktioniert nur, wenn man auch Leistung honoriert, also zu einem guten Teil auf Leistungsgerechtigkeit abstellt, reine Bedarfsgerechtigkeit in der Mittelverteilung stellt keinen Ansporn zur Leistung bereit. Aktuell bewegt sich dabei die Gesellschaft immer stärker in Richtung einer egozentrischen und hedonistischen Einstellung, welche den anderen immer weniger als gleichberechtigtes Wesen wahrnimmt (was mir Spaß macht ist richtig und zulässig, was anderen Spaß macht und mich stört gehört unterbunden), was gerade inkompatibel mit einer verstärkten Abstellung auf Bedarfsgerechtigkeit ist.

Kommentar von Rumpelstilzchen1 ,

Danke für Deine umfangreiche Antwort. Es wird nicht so kommen wie Du es denkst und auch nicht wie ich es denke. Aber ich habe etwas worüber ich nachdenken kann und ich sehe Dir geht es auch so!

Kommentar von PolluxHH ,

Gesellschaftlich-ökonomische Vorgänge lassen sich nicht über einen einzigen oder zwei Aspekte abbilden, so eine Betrachtung kann nur den Sinn haben, zu sensibilisieren, aber nicht den Anspruch, zu prognostizieren. Dafür ist die menschliche Gesellschaft zu komplex.

Wir haben schon viel zu lange eine multiple monokausale Optimierung betrieben. Nehmen wir "Bildung". Hier wurde jahrzehntelang sozial optimiert, allerdings unter abschlußbezogener Definition von Bildung. Das Ergebnis ist katastrophal. Zuletzt wurde dann auch noch ein international erfolgreiches Konzept, das Diplom, gegen Bachelor und Master ausgetauscht. So wie es aber in anderen Ländern Sinn macht, ein ein- bis zweigliedriges Schulsystem zu betreiben, so wenig Sinn macht es in Deutschland, denn in den anderen Ländern hat man statt einer vertikalen Differenzierung eine horizontale Differenzierung und die Abschaffung der vertikalen Differenzierung ohne Einführung einer horizontalen Differenzierung (Eliteschulen) führt zu einer eklatanten Unterqualifizierung in Deutschland im internationalen Vergleich.

Viele - leider auch Kinder - leben so, als ob das Leben eine Lotterie sei. Solange man an den Hauptgewinn glauben kann, ist alles okay, bekommt man ihn aber nicht, verliert plötzlich das Leben seinen Sinn. Dies ist auch letztlich im Satz "der Ernst des Lebens kommt noch früh genug" versinnbildlicht, denn man kann dann, wenn man sich dem Ernst des Lebens stellen muß, ohne es vorher eingeübt zu haben, kaum noch umschalten.

Eine Prognose will ich mir nicht erlauben, aber eines ist gewiß: wenn sich nicht schnell etwas ändert, dürfte in 15 Jahren das Sozialsystem in Deutschland zusammenbrechen, von Hartz IV über Bildung, Gesundheitswesen inkl. Pflege bis hin zur Rente. Aktuell sind in den Unternehmen gemäß Studien die geburtenstarken Jahrgänge die Leistungsträger in inländischen Unternehmen, sobald die in Rente gehen, wird nicht nur die Altersverteilung in der Gesellschaft kritisch werden.

Antwort
von unlocker, 5

Ich habe die Sendung nicht gesehen, aber auch andere machen sich Gedanken darüber, z.B. Elon Musk. http://derstandard.at/2000047084972/Elon-Musk-Brauchen-Grundeinkommen-wenn-Robot... Es müsste dann etwas wie eine Grundsicherung geben, und vor allem müssten Weltkonzerne endlich Steuern zahlen, um die finanzieren zu können... 

Antwort
von blackforestlady, 18

Wenn Azubis eh keine Lust mehr haben einen Finger krumm zu machen, dann ist eine Alternative für die Zukunft.

Antwort
von maroc84, 14

Den zweiten Teil deiner Frage habe ich nicht ganz verstanden.

Zum ersten Teil. Es war schon immer so, dass die Arbeit, die vorher "so" gemacht wurde später vereinfacht wurde, sei es durch neue Prozesse, Werkzeuge und Maschinen. Jetzt sind es die Computer und Roboter, die das Arbeitsleben erleichtern (sollen) dabei fallen früher notwendige Arbeitsschritte oder Eingriffe von Menschenhand jedoch zwangsläufig irgendwo weg und werden unnötig.

Wie gesagt.. das war schon immer im gewissen Maße so. Durch die Industrialisierung hat sich das Tempo jedoch rasant verändert.

Gruß

Kommentar von Rumpelstilzchen1 ,

Na ja das kann ich erläutern! Heute zahle ich Lohnsteuer, Rentensteuer u.s.w. Wenn immer mehr Maschinen die Arbeit übernehmen (z.B.Taxifahrer vielleicht bald nicht mehr Menschen sind, weil Autopilot) wäre es dann nicht logisch das die Maschinen auch so etwas wie Lohnsteuer zahlen !?

Kommentar von maroc84 ,

Die Logik, die sich dahinter sicher irgendwo verbirgt, will sich mir noch nicht ganz erschließen ;)

Die Maschinen werden von Unternehmen betrieben, Betriebe zahlen Gewerbesteuer. Bis eine Maschine/ein Roboter den rechtlichen Status als Arbeitnehmer oder eigenständiges Individuum erhält, werden noch viiiiele Jahre/Jahrhunderte vergehen.

Kommentar von Rumpelstilzchen1 ,

wie ich sehe hast Du meine Logik verstanden. Nur willst Du diese nicht mitgehen. Ist in Ordnung ! Schließlich wollte ich auch wissen was Ihr dazu denkt. Und nicht: wisst Ihr was ich dazu denke?

Antwort
von Saisonarbeiter2, 18

oder tuen nur einige Hersteller zeigen was sie können ohne den
gesellschaftlichen, sozialen Hintergrund den so eine Veränderung
braucht.

klingt für mich so, als hätte du dir die themenwoche gar nicht selbst angeschaut. sonst müsstest du uns das jetzt nicht fragen?

Kommentar von Rumpelstilzchen1 ,

bist du Hobbypsychologe? Natürlich habe ich es mir angeschaut! Nur einige Antworten habe ich nicht gesehen. Ich schaue ja auch nicht 168 Stunden fernsehen. Hast Du den geguckt?

Kommentar von Saisonarbeiter2 ,

dann schau dir in der mediathek an, was dir fehlt

Kommentar von Rumpelstilzchen1 ,

Fragen zu beantworten ist wohl nicht deine stärke !

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten