Frage von Haena, 53

Lehrer sein?

Guten Abend,

Ich habe überlegt auf Lehramt zu studieren, bin mir aber nicht sicher ob das das Richtige für mich ist.
Wisst ihr Aspekte des Lehrerseins die man bei der Entscheidung berücksichtigen sollte ?
Ratschläge aller Art sind gerne willkommen 😊

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von chog77, Community-Experte für Schule, 10

Ich habe das zwar hier schon ein paar mal gepostet, aber ich gebe auch dir mal einen Einblick von den Dingen, die wir Lehrer  tun, ihr Schüler  aber nicht seht. Lehrer sein ist ein spannender Job, aber auch ein sehr anstrengender. Es ist keineswegs ein Halbtagsjob mit viel Ferien, wie es immer noch in vielen Köpfen herumgeistert - eine 40 Stunden-Woche habe ich selten, meist liegt mein Zeitaufwand höher.

Will jetzt nicht meckern, denn ich mach meinen Job gerne. Aber um dir mal einen Überblick zu geben:

- 25-28 Unterrichtsstunden pro Woche (je nach Bundesland und Schulart)

- diese wollen vor- und nachbereitet sein, da brauche ich als erfahrener Lehrer ca. 20 min für das Wegräumen des Materials der alten Stunden und Raussuchen des neuen Materials. Wenn eine Stunde / Unterrichtseinheit neu erarbeitet wird, ist der Zeitaufwand deutlich höher.

- Korrekturarbeiten ( Zeitaufwand pro Klassenarbeit: 20-30 min Unterstufe, 30-45 min Oberstufe, das Ganze mal 30 Schüler)

- Beratungsgespräche mit Schüler/ Eltern/Schulsozialarbeit/Jugendamt: Im Schnitt 2-3 pro Woche á 20- 30 Minuten, bei schwierigen Problemen länger oder mehr. Elterngespräche sind nicht immer einfach, da man den Eltern bisweilen Dinge sagen muss, die sie nicht hören wollen/ akzeptieren wollen.

- Psychische Belastung: Teilweise musst du als Psychologe, Sozialarbeiter, Therapeut (obwohl du dafür in keinster Weise ausgebildet wirst. Du erfährst bisweilen Dinge von Schülern, Familien, die du eigentlich gar nicht wissen willst. Und deren Schicksalsschläge du erst selbst mal verdauen musst, wenn du empathisch bist. Sich abgrenzen können ist enorm wichtig., denn man kann nicht immer helfen.

- Absprachen mit der Schulleitung/ Schulverwaltung

- Konferenzen (oft ganze Nachmittage), Absprachen mit Kollegen (zwischen Tür und Angel)

- Materialsichtung und Materialherstellung - kopieren, laminieren, PPT-Präsentationen erstellen

- Fortbildung (auch ich muss mir Apps und neue Methoden erarbeiten, die ich im Unterricht einsetze), auch Tagesfortbildungen außer Haus, der Unterricht muss trotzdem am nächsten Tag stehen, wenn man von 8- 18 Uhr sich weiterbildet.

- Schulentwicklung - wie gehe gehen wir als Kollegium mit schulpolitischen Veränderungen um, Diskussion und Entscheidungen (sehr viel Arbeit!!!)

- Gutachten , Beurteilungen, Zeugnisse, Arztrückmeldebögen ausfüllen, mit dem Therapeuten /Psychologen kommunizieren

- Referendare und Praktikanten ausbilden und Rückmeldegespräche geben.

- Konfliktlösungsgespräche mit Schülern führen, Schüler betreuen und ein offenes Ohr für eure Probleme haben und nach Möglichkeit euch helfen, diese zu lösen.

- Strafarbeiten eintreiben, Schüler disziplinieren, Nachsitzer betreuen, vergessenen Klassenarbeiten eintreiben, Gelder einsammeln

- Jede Menge Statistik und Verwaltungskram (v.a. wenn man Klassenlehrer ist)

- Prüfungsvorbereitung und Durchführung, inklusive Beratungen außerhalb der Regelarbeitszeit

- Planung und Durchführung von Ausflügen, Lerngängen, und Klassenfahrten

- Klassenfahrten bedeuten 24 Std rund um die Uhr Verantwortung für 25-30 Kinder/Jugendliche, Schlaf wird dabei überbewertet, es ist alles andere als Urlaub, ein Dankeschön dafür gibt es in der Regel nicht.

- Und dann sollen wir immer gut drauf sein, fair bleiben und euch eure Unarten verzeihen.

Eine 40 Std. Woche habe ich selten/ Ferien sind nicht gleichbedeutend mit Urlaub!

Ich liebe meinen anstrengenden spannenden Job, aber es gibt mit Sicherheit einfacher und leichter verdientes Geld. Langweilig wird es uns in der Regel nicht. Jetzt ist es an dir zu entscheiden,ob du das willst und ob du dem Arbeitspensum gewachsen bist.




Antwort
von NameInUse, 13

Bürokratie bzw. blöde Vorgaben von Oben; Schüer und Eltern die nicht nett sind; je nach Ausrichtung nur Angestelltenverhältnis; Je nach Stufe und Schulart Kooperation mit anderen Institutionen/Einrichtungen/Akteuren; Starre Arbeitszeiten, kaum Ausweichmöglichkeiten mit dem Studium was anderes zu machen

Antwort
von blackforestlady, 10

Das ist Deine Entscheidung. Keine Ahnung warum jeder Lehramt studieren will. In der heutigen Zeit ist Lehrer sein kein Zuckerschlecken mehr. Schüler, die ihre Lehrer anzeigen wegen Kleinigkeit, Eltern die ihrer Brut Recht geben und nicht mit den Schulen arbeiten, sondern gegen. Lehrer, die nur ein Zeitvertrag bekommen und in den Ferien sich arbeitslos melden müssen. Nix da mit sechs Wochen Ferien, entweder beim Arbeitsamt sitzen oder in der Schule um Vorbereitungen zu treffen. Verbeamtet wirst Du heute nur noch ganz selten. Wenn Du Lehrer werden willst, dann ist es Berufung und mit Leidenschaft geprägt, ansonsten suche Dir eine andere Tätigkeit.

Kommentar von grubenschmalz ,

Bis auf Ostdeutschland verbeamtet jedes Bundesland.

Kommentar von Chinanski ,

Stimmt, einzelne Lehrer werden in fast jedem Bundesland noch verbeamtet. Aber es ist ein Glücksspiel und hat übrigens nicht zwangsläufig etwas mit guten Examensnoten etc. zu tun. Der Rest bleibt auf der Strecke. Dann gibts ein paar Verträge hintereinander und wenn Du dann nicht wenigstens eine Planstelle abbekommen hast, bist Du raus aus der Verteilung in diesem Bundesland. Sonst müssten sie dir nämlich wegen der Kettenverträge ne Stelle anbieten.

So rosig ist es nicht.

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