Frage von GabiGabsn, 88

Kann ich die Rentenversicherung aufgrund verletzter Informationspflicht anfechten?

Hallo, vielen Dank vorab für alle Antworten zu meiner Frage.

Folgende Situation: Meine Großmutter hat für mich und meine Geschwister im Jahr 2013 je eine Lebensversicherung abgeschlossen. Jährlich wurde die Lebensversicherung mit ca. 260€ bei einer Verzinsung von 1,75% bespart. Bei Abschlusskosten von ca. 400€ ist nach 3 Jahren nicht mehr viel übrig. Zusätzlich werden durch den Vertrag jährlich ca. 50€ Verwaltungsgebühren erhoben. Kurzum, der Vertrag ist unten den Vorzeichen oben für jeden Menschen, der das kleine 1x1 beherrscht nicht sinnvoll. Leider gab der Versicherungsmakler die Zahlen nur in die "Mathematikmaschine" (Zitat) ein und kann nicht selbständig rechnen.

Meine Geschwister und ich haben erst im Februar erfahren, dass die Verträge bestehen. Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt auch keinerlei Informationen zu dem Vertrag. Nachdem ich die Situation wie oben aufgedeckt habe, bin ich fast vom Glauben abgefallen und möchte die Verträge nun natürlich kündigen.

Die Frage ist, ob ich die Verträge anfechten und die gezahlten Einlagen zu 100% zurückfordern kann? Schließlich ist die Versicherung ihrer Informationspflicht gegenüber den Versicherungsnehmern (meine Geschwister und Ich) nicht nachgekommen.

Nachtrag: Shame on Me :( Es ist eine Rentenversicherung. Es besteht auch noch eine Lebensversicherung aus dem Jahr 1999 und deshalb habe ich es verwechselt...tut mir leid, vor allem für die netten Leute die bereits geantwortet haben. :(

Ich würde mich über konstruktive Antworten freuen. Danke & Viele Grüße GabiGabsn

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Apolon, 88

 Folgende Situation: Meine Großmutter hat für mich und meine Geschwister im Jahr 2013 je eine Lebensversicherung abgeschlossen.

Meine Geschwister und ich haben erst im Februar erfahren, dass die Verträge bestehen.

Da passt etwas nicht:

Vermutlich hat die Großmutter die Versicherungsverträge auf ihren Namen abgeschlossen und die Enkel nur als Bezugsberechtigte bei Ablauf bzw. im Todesfall eintragen lassen.

Ansonsten, wenn die Enkel als Versicherungsnehmer oder als versicherte Personen im Antrag stehen würden, hätten diese den Vertrag mit unterschreiben müssen.

Bitte informiere dich noch einmal über den abgeschlossenen Vertrag.

Nur der Versicherungsnehmer hat die Möglichkeit einen Vertrag zu kündigen, bzw. beitragsfrei zu stellen.

Außerdem irritiert mich, dass die Großmutter noch eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, denn ab einem höheren Alter lohnt bzw. lohnte sich dies noch nie.

Oder handelt es sich vielleicht gar nicht um eine Lebensversicherung, sondern um eine Rentenversicherung ?

Kommentar von FreierBerater ,

Oder aber eine Term-Fix-Konstellation!

Kommentar von Apolon ,

Was man auch immer darunter verstehen kann ?

Kommentar von GabiGabsn ,

Danke vielmals für deinen Kommentar. Dadurch habe ich nochmal in den Unterlagen gekramt und es handelt sich tatsächlich um eine Rentenversicherung.

Also gleiche Situation nur als Rentenversicherung. Der Versicherungsberater (Bitte nicht wieder die Bezeichnungen auf die Goldwaage legen) möchte nun dass wir den Vertrag kündigen. Meine Großmutter hat den Vertrag für unsere Altersvorsorge abgeschlossen und es sicherlich gut gemeint.

Wenn es unmöglich ist, die bereits abgezogenen Abschluss- und Verwaltungskosten zurückzuerhalten, ist das auch eine Aussage mit der ich arbeiten kann.

Dann würden wir den Vertrag jeweils kündigen und das was noch übrig ist erhalten.

Jedoch kommt mir die Konstellation seltsam vor, da meine Großmutter einen Vertrag für uns Kinder abgeschlossen hat. Lt. seiner Aussage sind die Kinder der Versicherungsnehmer. Nach erst oberflächlicher Recherche muss aber auch der Versicherungsnehmer über das Produkt informiert werden, was leider nicht geschehen ist.

Deshalb die Frage. Vielen Dank!

Kommentar von Apolon ,

 Der Versicherungsberater (Bitte nicht wieder die Bezeichnungen auf die Goldwaage legen) möchte nun dass wir den Vertrag kündigen.

Sorry - gerade in diesem Fall muss ich den Begriff auf die Goldwaage legen.  Ein Versicherungsberater darf einen Kunden nur beraten wie z.B. ein Rechtsanwalt und darf selbst keine Verträge vermitteln und auch keine Provision erhalten.

Sollte es sich also um einen Versicherungsberater handeln, dann wundert mich die Auskunft die ihr bekommen habt, denn dieser müsste wissen, dass wenn die Enkel als VN im Vertrag stehen, dieser Vertrag nicht rechtswirksam geschlossen wurde und somit aufgehoben werden müsste. Denn grundsätzlich muss der Versicherungsnehmer den Vertrag unterschreiben.

Allerdings vermute ich eher dass es sich um einen Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler handelt. In diesem Fall solltest du dir allerdings einen anderen Vermittler suchen, denn diesem fehlen etliche Kenntnisse.

Dann hättest Du auch kein Forum benötigt um deine Fragen zu stellen, denn dann hätte dieser dir Tipps gegeben, wie man aus der Sache wieder raus kommt.

Schreibe einfach den Versicherer an, teile ihm mit, dass der Vertrag ohne die persönliche Unterschrift des Versicherungsnehmers zustande gekommen ist und verlange die rückwirkende Vertragsauflösung und Erstattung aller Beiträge.

Alternativ einen Anwalt damit beauftragen (Schwerpunkt Versicherungsrecht)

Eine weitere Möglichkeit wäre noch den Ombudsmann der Versicherung kontaktieren.

http://www.versicherungsombudsmann.de/home.html

Gruß N.U.

Kommentar von GabiGabsn ,

Vielen Dank, das hilft mir sehr weiter! Super!

Kommentar von Apolon ,

Danke für den Stern.

Antwort
von Dackodil, 73

Du und deine Geschwister sind nicht die Versicherungsnehmer sondern die Begünstigten der LV.

Es herrscht Vertragsfreiheit in Deutschland. Insofern gilt der Vertrag, wenn deine Oma ihn unterschrieben hat.
Und auch nur der/die Geschädigte könnte den Vertrag anfechten und das wäre deine Oma, die ja nun tot ist.
Eine Anfechtung wäre meiner Meinung nach nur möglich, wenn der Vertag sittenwidrig oder betrügerisch wäre.

Daran stellt der Gesetzgeber aber andere Ansprüche als wir Normalverbraucher.

Der Tipp mit der Verbraucherzentrale ist gut, vor allem fast kostenlos. Beim Anwalt würdest du wahrscheinlich mehr Geld los, als du im besten Falle raus bekommen würdest.

Kommentar von GabiGabsn ,

Danke, meine Oma ist aber nicht Tod. Sie hat die Lebensversicherung als Altersvorsorge für uns abgeschlossen, ist aber noch quicklebendig. Die Versicherung würde greifen, wenn ich oder eins meiner Geschwister sterben würden.

Kommentar von Dackodil ,

Sorry, das mit deiner Oma, lange möge sie leben, habe ich falsch verstanden.

Es ist aber sehr ungewöhnlich die Enkel bei einer Lebensversicherung zu versichern. Wer ist denn Versicherungsnehmer und wer ist Begünstigter, d.h. wer kriegt Geld, wenn wer  stirbt?
Bin verwirrt.

Kommentar von FreierBerater ,

"Die Versicherung würde greifen, wenn ich oder eins meiner Geschwister sterben würden."  ==> Das ist definitiv NICHT möglich!

Vielmehr hört es sich nach einer Term-Fix-Versicherung an, die auch fällig wird, wenn Omi "unterwegs" versterben sollte.

Kommentar von Apolon ,

 Die Versicherung würde greifen, wenn ich oder eins meiner Geschwister sterben würden.

Auch hier noch einmal der Hinweis: Dies ist nicht möglich, denn dann hätten die Enkel die Gesundheitsfragen beantworten müssen und auch den Vertrag unterschreiben müssen.

Antwort
von GabiGabsn, 5

UPDATE:

Ich habe mich nun nochmal mit dem VersicherungsMAKLER zusammen gesetzt und ihm dargelegt, weshalb ich den Vertrag für nichtig halte.

Er hat meiner Argumentation auch zugestimmt.

DENN, er hat drei Verträge mit meiner Großmutter abgeschlossen, in denen meine Geschwister und ich als Versicherungsnehmer eingetragen sind. Da wir bei der Vertragsunterzeichnung durch meine Großmutter nicht anwesend waren, konnte er die VN auch nicht ausreichend über Risiko etc. aufklären. Somit hat er seine Informationspflicht verletzt und der Vertrag kann so nicht bestehen.

Jedoch ist mein Vertrauen iin die Kompetenz dieses Maklers natürlich nachhaltig beschädigt.

Er möchte nun dass wir den Vertrag kündigen und eine Verlusterklärung ausfüllen, da wir die Police nicht mehr finden können. Kann er uns dadurch eine Falle stellen, so dass wir durch Kündigung als Versicherungsnehmer die Versicherung anerkennen und die Anfechtung dadurch unwirksam wird?

Danke & Viele Grüße

GabiGabsn

Antwort
von Samy795, 54

Lebensversicherungen sind zu 99% Kostenfallen.
Anfechtung deswegen werden schwer, vorausgesetzt Produktinformationen etc. wurden ordnungsgemäß ausgehändigt. Eine Beratungsdokumentation wird Dein Großvater auch unterzeichnet haben.
Möglich wäre eine Anfechtung, wenn (wie derzeit in einigen Fällen) die Widerrufserklärung fehlerhaft wäre. 2013 sollte die aber wohl bereits stimmen.
Im Zweifel müsste das ein spezialisierter Rechtsanwalt prüfen. Allgemein seh ich da aber wenig Chancen. Die Versicherungen sichern sich insbesondere bezüglich der katastrophalen Kostenstruktur zumeist recht ordentlich ab.

Antwort
von FreierBerater, 63

Rethorisch frage ich, was dich die Entscheidung deiner Omi überhaupt insofern angeht, obwohl du überhaupt nicht beschwert bist!?

Weiter frage ich, ob du den Unterschied zwischen Makler und Vertreter sowie zwischen kurzfristigen Anlagen und langfristigem Versicherungssparen kennst? Die Differenz zwischen Garantieverzinsung (1,75%) und dem Rechnungszins auf das Deckungskapital kennst du jedenfalls schon mal nicht.

Ohne Irgendwen verteidigen oder angreifen zu wollen: Ein Bausparvertrag mit 0,75% Zinsen bei hohen Kosten ist auch nicht "das Gelbe vom Ei!"

Die Sinnhaftigkeit einer Kapitalanlage i.d.H.v. knapp 22EUR monatlich ist allerdings grundsätzlich zu hinterfragen...

Die Antwort auf deine Frage lautet natürlich: NEIN - und zwar, weil Versicherungsnehmer ausschließlich deine Omi ist!!!

Ich hoffe, das war konstruktiv genug.

Kommentar von GabiGabsn ,

Nun ja, wer lässt ein Familienmitglied schon gerne Geld verbrennen? Aber letztlich geht es eben darum den Abschluss zu machen.

Ich habe mE nirgends einen Bausparer erwähnt. Ich denke aber das die Einzahlung auf ein Tagesgeldkonto in dem Fall mehr Sinn gemacht hätte.

Natürlich weiß ich, dass Garantieverzinsung und Rechnungszins nicht das gleiche sind.

Vielen Dank für deine Antwort, die sehr aufschlussreich war.

Antwort
von eulig, 33

habt ihr denn ein Beratungsprotokoll? das solltet ihr euch zunächst erstmal vom Vermittler bzw. Versicherungsanbieter einholen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Beratungsprotokoll_(Versicherungsvermittlung)

Antwort
von MoechteAWissen, 63

benötige mehr Info... 

Wie alt sind Sie ?
Sind Sie sicher, dass Sie als versicherte Person eingetragen sind? 

Kommentar von GabiGabsn ,

Wir sind 28, 27 und 22 und sind definitiv die Versicherte Person. ACHTUNG: Ich habe fälschlicherweise eine Lebensversicherung angegeben. Es handelt sich aber um eine Rentenversicherung. Tut mir leid & Danke für Ihre Antwort.

Antwort
von Messkreisfehler, 50

Nein, den kannst Du nicht anfechten.

Der Begünstigte in der Lebensversicherung ist auch unerheblich. Der Vertrag wurde von deiner Großmutter abgeschlossen, also musste sie informiert werden.

Kommentar von GabiGabsn ,

Vielen Dank für die schnelle Antwort!

Demzufolge müsste meine Großmutter auch die Kündigung unterschreiben und nicht ich oder?

Kommentar von Messkreisfehler ,

Wenn sie den Vertrag abgeschlossen hat dann muss sie ihn auch kündigen.

Antwort
von rommy2011, 53

also mit dieser sache würde ich zu einer verbraucher-schutz zentrale gehen und mich dort beraten lassen. das ist ein hammer und dagegen kann man doch sicher etwas unternehmen, das sollte aber kompetent eingefädelt sein, wirtschaftsanwalt usw. aber wie gesagt, zuerst würde ich mir von der verbraucherzentrale einen weg aufzeigen lassen.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

ich schätze die Sache ganz anders ein ......

bei einer Lebensversicherung wird nach § 2 VVG-Info-V auf die Kosten hingewiesen ......

ich denke nicht, dass sich die Versicherung die Blöse gibt und die Informationen nicht ausgehändigt hat (welche i.d.R. bei der Police dabei sind .... nur lesen die meisten nur den monatlichen Beitrag .... und hören dann auf zu lesen ...)

Somit dürfte die Lebensversicherung ihren Pflichten nachgekommen sein.

Wenn die Oma hiergegen nicht vorgegangen ist, dürfte der Weg "dicht" sein

Kommentar von FreierBerater ,

"das ist ein hammer"   ==>  Was denn eigentlich???

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community