Frage von marillion03, 33

Lebenserfahrung gefragt - vermeintliche Verwirklichung oder Studium nach rational ökonomischen Kriterien wählen?

Liebe Community,

ich bin nun 20 Jahre alt und habe nun eine Entscheidung zu treffen, die viele andere meiner Altersgenossen schon lange getroffen haben. Zu meiner Person : Ich bin 20 Jahre alt, habe mein Abitur (2,9) gemacht und war danach ein halbes Jahr im Ausland um etwas „Lebenserfahrung“ zu sammeln. Ich bin ein sehr selbstbewusster, offener und lernwilliger Mensch. So wie manche Menschen schon von klein auf wissen, dass sie z.B Arzt werden wollen, wollte ich immer den Beruf des Lehrers ergreifen. Mir gefällt der Gedanke ein Mensch zu werden der vielleicht in irgendeiner Weise, einem jungen Menschen helfen kann bzw. ihn sogar ein Stück weit prägen kann, so wie ich von meinen Lehrern geprägt wurde. Natürlich habe ich genug Realitätssinn um zu verstehen das dies ein hochgestecktes Ziel ist und sich nicht jeder helfen lassen will, auch wenn man es noch so gut mit einem meint. Da ich nach meiner Zeit im Ausland mehr oder weniger mit einer Entscheidungsparalyse zurückkam und eine Zeit lang gar keine Lust auf den Beginn eines neuen Lebensabschnittes hatte,entschloss ich mich für ein freiwilliges soziales Jahr in einer Schule, um den vermeintlichen „Traumberuf“ näher kennenzulernen. Die Zeit in der Schule ist sehr anstrengend, aber auch sehr schön und ich merke das es mir Freude bereitet mit den Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Nun bin ich an dem Punkt an dem es langsam ernst wird und ich mich an einer Uni einschreiben sollte. Der Beruf des Lehrers bereitet mir Sorgen, da ich von den Kollegen in der Schule einige Horrorgeschichten (Zeitverträge ohne Übernahmechance, Heimkehr in sein ursprüngliches Bundesland verhindert durch die ADD) gehört habe.Außerdem ist Tatsache,dass ich kein Mathe und Physik studieren werde,welches im Moment so sehr gefragt ist. Wie überall gibt es nur Prognosen die eintreffen könnten. Mir ist bewusst das jeder die Berufswahlentscheidung selbst treffen muss, jedoch würde mich durchaus interessieren wie stark Ihr mir eine Richtung raten würdet. Sollte ich mich von meinen Wünschen und ungewissen Visionen leiten lassen, oder doch eher wie meine Eltern einen rationalen Weg einschlagen und WiWi studieren? Gibt es überhaupt etwas wie Sicherheit? Oder bin ich nicht besser dran wenn ich einen unbefristeten Job habe den ich wenigstens ausstehen kann. Ich richte mich an Mensch mit etwas mehr Lebenserfahrung und möchte wissen mit welcher Entscheidung Sie besser gefahren sind. Bei der Wahl des Studiums auf finanzielle Möglichkeiten Wert legen oder der vermeintlichen Erfüllung in Form einer Kombi die vielleicht weniger Entwicklungsmöglichkeit/Gehalt aber auch mehr Freude verspricht zu wählen. Ich weiß das dies alles subjektive Meinungen sind, allerdings erhoffe ich mir ein paar Gedankengänge die mir vielleicht einen neuen Blickwinkel auf das Thema ermöglichen. Danke für die Zeit sich dieses wirre Gedankenkarussell durchgelesen zu haben.

Gruß

Marillion

Antwort
von starchild311228, 6

Es ist eigentlich egal, ob du Wiwi oder ein nicht gefragtes Lehramt studierst... wirklich gute Chancen hast du am Ende nur mit super Noten und irgendwelchen tollen Praktika oder Zusatzqualifikationen.

Als Lehrer ist es auch empfehlenswert, gleich 3 Fächer zu studieren, damit du dann mehr Auswahl hast bei den Stellen. Momentan kann man auch wenn man nur zwei Fächer studiert hat relativ einfach ein drittes nachmachen, ich will z.B. jetzt evtl. doch noch Mathe machen, wenn ich dafür wenigstens ne Stelle kriege. Der Aufwand ist dann nicht mit Studium vergleichbar, sondern es ist wesentlich einfacher. Dennoch ärger ich mich, dass ich nicht noch ein Drittfach studiert hab.

Du kannst eigentlich jedes Fach studieren. Ich finde, dass man unbedingt das machen sollte, womit man sich "verwirklichen" kann, denn auch Mathe nützt dir nix, wenn du es grade so mit ner 4 schaffst und es dich täglich ankotzt, was jeder an der Schule sofort merken wird und was dir noch mehr schlechte Beurteilungen einbringt, weil jeder Arbeitgeber erwartet, dass du total viel Spaß an deinem Job hast... auch wenn wir ja fast alle eigentlich nur arbeiten, um davon zu leben...

Das wichtigste ist, dass du etwas machst, was du gerne machst und wo du richtig gut drin bist. Alles andere ist sinnlos. Wenn du dein Referendariat mit 1,5 abschließt, ist es egal, welches Fach du hast, da musst du dich nicht mit Vetretungen rumschlagen. Nur um das zu schaffen musst du halt absolut überzeugt sein, dass du diesen Beruf liebst und auch Bock haben, dich täglich mit dem ganzen Kram zu befassen.

Und das mit der Rückkehr ins Heimatbundesland versteh ich nicht. Dann mach doch das Referendariat im Wunschbundesland, andererseits ist aber ein 2. Staatsexamen ein 2. Staatsexamen und sollte in jedem Bundesland als solches zählen (notfalls vorher konkret informieren!) und das 1. Staatsexamen wird eigentlich immer anerkannt. Probleme gibts da nur mit Quereinstiegen (z.B. Master of Science und du willst plötzlich Mathelehrer werden) oder ausländischen Abschlüssen evtl.

Je nach Stellensituation ist das Schulsystem ganz schön durchlässig. Ich hab z.B. Gym studiert, bin nach dem Ref jetzt für Gym und Gesamtschule qualifiziert und arbeiten tu ich grad an einer Grundschule, wo ich auch nach ca. einem Jahr mit relativ wenig Aufwand verbeamtet werden kann (was ich nicht will, weil ich jetzt schon höher qualifiziert bin und mich der Job dauerhaft total unterfordert...), weil die totalen Mangel haben. Und wenn man in meinem Bundesland grad nochmal eine Art Ref macht, kann man auch als Sonderschullehrer verbeamtet werden, obwohl man was anderes studiert hat. Oder halt dieses Mathe-Ding, manche Stellen mit Mathe, Physik, Info etc. sind für Leute mit allen möglichen Fächern offen und die werden dann halt nachqualifiziert und sobald das abgeschlossen ist verbeamtet.

Das Lehrergehalt find ich übrigens gut, das steigt ja auch mit der Zeit.

Achso, und du hast ja wohl den coolsten Benutzernamen aller Zeiten. :D

Antwort
von WelleErdball, 20

Ich finde, 100%ige Sicherheit hast du nie. Man kann nur tendenziell sagen wo es besser oder schlechter aussehen könnte. Ich hatte es so gehalten: Ich habe eine handfeste Berufsausbildung gemacht wo ich weiß, dass ich wieder zurückgehen könnte wenn ich wollte und habe danach ein Studium begonnen, das meinen Interessen entspricht, bekam auch nicht wenige Klischees um die Ohren geworfen und konnte heute, in meiner jetzigen Arbeitsstelle beide Berufe (artverwandt) miteinander verknüpfen. Mit Sicherheit spielen immer mehrere Faktoren zusammen: Ein klares Ziel (überlegtes Vorgehen), Ehrgeiz, Glück und was man abseits der Ausbildung noch an Fähigkeiten und Fertigkeiten mitbringt.

Expertenantwort
von Kristall08, Community-Experte für Studium, 12

Wenn du dafür gemacht bist, Lehrer zu sein, werd bitte Lehrer.

Allzu viele ergreifen diesen Beruf, weil sie zu schlecht sind, um in der freien Wirtschaft zu bestehen oder weil sie sich ein sicheres Leben als Beamter erhoffen. Es endet dann damit, dass sie Kinder quälen, weil sie den Beruf eigentlich hassen.

Lehrer ist doch immer noch einer der sichersten Berufe, insofern man überhaupt von Sicherheit reden kann. Bist du einmal drin, fliegst du nie wieder raus.

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