Frage von johnhh7632, 131

Leben wir in einer Welt, in der wir zu viele Informationen haben und keine Zusammenhänge mehr erkennen können?

Antwort
von Imago8, 50

Ich würde nicht sagen, dass es zu viele Informationen gibt. Aber die Informationswege haben sich enorm verändert. "Reine" Information gibt es kaum, sie wurde fast immer schon von jemand anderem in eine bestimmte Form gebracht. Heute werden wir regelrecht mit Meinungen und Bildern überflutet, die alle schon "vorverdaut" wurden.

Vor allem durch das Internet ist es jedoch auch möglich geworden, in kurzer Zeit zu einem bestimmten Thema an sehr viele Informationen zu kommen. Nur nutzt diese Möglichkeit nicht jeder. Viele Menschen lassen sich passiv von Bildern und Meinungen berieseln, statt aktiv nachzuforschen, wenn sie etwas interessiert. Dabei kann ein völlig falscher Eindruck von Weltgeschehen eintstehen, weil die Informationen, die man uns gibt, schlecht aufbereitet oder
sogar falsch sein können, oder politische Motive dahinterstecken, die den Empfänger manipulieren sollen. Und dann ist natürlich auch die Gefahr höher, falsche Schlüsse zu ziehen oder falsche Zusammenhänge herzustellen.

Ein wichtiges Stichwort ist Medienkompetenz. Wir müssen lernen, wie wir richtig mit der Informationsflut umgehen, woran man eine seriöse Quelle erkennt und welche man besonders hinterfragen sollte. Man muss lernen, sensibel für rethorische Fangstrategien oder Meinungsmache zu werden und sich nicht von platten Werbestrategien einlullen zu lassen.

Antwort
von Suboptimierer, 56

Bestimmte Bereiche wie Wirtschaft oder Politik kann man nicht mehr so gut begreifen, ohne Experte zu sein. Das sehe ich auch so. Das liegt denke ich an der Globalisierung.

Aber auch in anderen Bereichen wird es schwieriger. Was kann man von einem normalen, nicht spezialisierten Bürger an Physikkenntnisse verlangen? Sollte man Quantenmechanik der breiten Masse zugänglich machen oder überfordert es sie? Früher hatten wir in der Schule Farbenlehre und Magnetismus, sowie irgendwelche Hebelgesetze. Das konnte man noch ohne Vorkenntnisse verstehen.

Meine Eltern hatten z. B. mit Ableitungen und pq-Formel usw. in Mathe noch gar nichts am Hut. Heute ist das Standardstoff.

Die Technik entwickelt sich. Der Umfang des Geschichtsunterrichts wird auch nicht geringer. Was müssen erst die Leute in 5.000 Jahren alles wissen? Geschäftsmodelle entwickeln sich und verzahnen sich. Die Rechtsordnung und Bürokratie wird auch nicht abgespeckt. Wir leben alle nach Gesetzen, die wir gar nicht beim Namen nennen können. Wir können nur hoffen, dass unser Gefühl keinem Gesetz widerspricht. Zum Durchlesen aller AGB aller Verträge, die man abschließt, kann man bald jemanden einstellen.

Versicherungsleistungen sind schlechter vergleichbar. Auto-Angebote sind schlechter vergleichbar. Mediale Manipulation wirkt immer mehr auf unsere Gefühlsentscheidungen ein.

Entweder man spezialisiert sich oder ist verdammt, nur grobe Aussagen oder Gefühlsaussagen machen zu können.

Kommentar von haku7 ,

Oder man überlässt die Datenanalyse und Auswertung gleich den computersystemen mit immer besser werdender künstlicher Intelligenz.

Kommentar von Suboptimierer ,

Stimmt, Wissensoutsourcing ist Mode.

Es wird alles immer weniger überprüfbar, immer virtueller, immer weniger fassbar, immer abstrakter.

Antwort
von Ottavio, 33

Meine Antwort ist ein klares Jein.

Früher, als ich jünger war als heute, hatte ich weniger Informationen, und die, die ich hatte, schienen es mir leicht zu machen, Zusammenhänge zu "erkennen". Die "Erkenntnisse" schienen mir oft zuzufliegen. In Wirklichkeit waren es aber meine eigenen Konstrukte, Erklärungsmodelle, die meine wenigen Informationen in einen Zusammenhang brachten. Als ich dann später Wissenschaft betrieben habe, wurde mir klarer, welche verschiedenen Erklärungsmodelle für die gleichen wenigen Informationen es gab. 

Heute ist eine  Fülle von Informationen für jede_n einsehbar, ab er für niemanden mehr übersehbar. Oft erkennen wir, dass unsere alten Erklärungsmodelle nicht ausreihen, weil sie zu einfach waren, aber wir finden keine neuen, die alle neuen Informationen erklären.

In der Mathematik gibt es den Begriff der Überbestimmtheit: Den Funktionsterm einer quadratischen Funktion kann ich bestimmen, wenn ich drei Punkte ihres Graphen habe. Habe ich vier, dann geht es zumeist nicht mehr, und ich muss mir etwas Neues ausdenken.

Ich habe in den letzten sechs Wochen nach der Bedeutung eine Wortes geforscht und sowohl abstrakte als auch konkrete Bedeutungsinhalte bekommen. Ich bin so klug als wie zuvor: Es waren viel zu viele Informationen, und ich kriege sie einfach nicht unter einen Hut. Ich bin mir noch nicht einmal ganz sicher, dass sich die Bedeutung des Wortes nicht schon innerhalb dieser sechs Wochen geändert hat.

Die Antwort ist also wohl eher ja als nein.

Antwort
von Steffile, 32

Ich denke. die Gefahr war immer da, haengt aber weniger von der Menge an Informationen, als von Qualitaeten wie Kritikfaehigkeit und Kreativitaet ab. Diese Qualitaeten haben eher etwas mit Bildungsstand und Alter zu tun, als mit der Menge an Informationen, die zugaenglich sind.

Prinzipiell behaupte ich, dass Wissen an sich gut ist, und es geht ganz klar aus Statistiken hervor, dass es den Menschen in Laendern mit guter Bildung besser geht, als den Menschen in Laendern mit wenig Bildungschancen.

Antwort
von Noidea333, 82

Hört sich an, wie eine Abituraufgabe ;-)

Ich denke schon, dass all die Technik viele Nachteile mit sich bringt. Welche Informationen entsprechen noch der Wahrheit? Aber Fakt ist, dass man auch für sich selber viele Nutzen aus den ganzen Quellen ziehen kann.

Solange man noch seinen eigenen Verstand gebraucht um Informationen zu verarbeiten und richtig einzuordnen, ist noch alles in Ordnung. Problematisch wird es eben erst dann, wenn man sich blindlings berieseln lässt und alles sofort glaubt.

Kommentar von MadXMario ,

Und zu Zeiten als Tele- und Printmedien noch als einzigen Informationsquellen dienten, hatten diese Nachteile noch keinen Tatbestand?

Antwort
von tanztrainer1, 4

Je nach Bildungsstand werden ja leider auch die wahnwitzigsten Zusammenhänge konstruiert. Und manche unbedarften Zuhörer glauben dann diesen Sch@ auch noch.

Antwort
von Herb3472, 32

Früher hat man keine Zusammenhänge erkennen können, weil es an Informationen gemangelt hat.

Zu viele Informationen kann man eigentlich gar nicht haben - das Problem ist die Informationsbewertung und Informationsselektion. Wenn jemand für alles offen ist, muss er/sie sich fragen, ob er/sie noch ganz dicht ist.

Antwort
von VanesLavin, 70

Hallo

Schade das Du die Frage nicht genauer definiert hast.

Aber ich persönlich finde eher das wir zu wenige Informationen bekommen und deswegen die tatsächlichen Zusammenhänge und Unterschiede nicht erkennen können.

Für mich gibt es nie zuviel Information. Es gibt kein zuvuel ausser ich stehe mittendrin.

Kommentar von johnhh7632 ,

Die Tatsache, dass im Internet viele in ihrem eigenen Segment unterwegs sind und das Internet auch eine gewaltige Maschine zur Bestätigung von Vorurteilen ist, weil man sich meistens genau das heraussucht, was man ohnehin schon denkt, bestärkt doch die Störung der Öffentlichkeit?!

Kommentar von VanesLavin ,

Ja in dem Punkt hast du Recht. Ich habe es jetzt allein aus meiner Sicht betrachtet. Ich habe keine Vorurteile und versuche möglichst viel Informationen zu sammeln. Ich suche die Informationen aber auch bei den Menschen die eben Vorurteile haben. Erst wenn ich beide Seiten genauestens beobachtet habe lege ich eine Entscheidung für mich fest. Aber auch da kann sich meine Meinung weiterentwickeln.. aber du hast Recht viele Personen sehen nur einseitige Informationen und das ist dann natürlich nicht richtig.

Antwort
von haku7, 35

Nun ich würde sagen wir als Menschen sind nicht in der Lage die Information zu verarbeiten oder geschweige denn Zusammenhänge zu finden. Da hilft weder Bildung noch Training. Denn die Informationen wachsen exponentiell unsere Fähigkeiten aber stagnieren.

Um das hinzubekommen wird enorme kognitive Leistung benötigt. Im Grunde ist das Auswerten von Informationen und das Ermitteln von Zusammenhängen heute großteils Sache von Computer und Software.

Antwort
von Nunuhueper, 37

Ja. Die Gefahr besteht. Lies mal von Christoph Kucklick :

"Die granulare Gesellschaft"

Danach versteht man mehr, warum die Übersicht verloren geht.

Antwort
von Aleqasina, 62

Kommt auf den jeweiligen Informationsnutzer an.

Wenn ich mir die Fragen hier im Portal angucke, dann denke ich, vielen fehlen die allernotwendigsten Informationen. ("Ist Plastik ein Metall?" usw.)

Antwort
von warehouse14, 12

Es gibt zwar (zu) viele Informationen, aber auch wesentlich mehr Zusammenhänge als früher.

Das Verhältnis ist wohl nicht wirklich anders. Aber schlimmer. ;)

warehouse14

Antwort
von 1988Ritter, 47

Ganz im Gegenteil.

Aufgrund der Medienvielfalt kann man sich auch in Bezug auf ausländische Informationsquellen wesentlich bessere Bilder machen.

Denken wir nur knapp 90 Jahre zurück. Ein Adolf Hitler wäre Heute nicht machbar.

Das beste Beispiel für die funktionierende Medien- und Informationsvielfalt liefert zur Zeit die Türkei.  Was da abgeht grenzt an einen Schurkenstaat.

  • beste Kontakte zu IS
  • statt IS zu bekämpfen werden die Gegener (Kurden) der IS attackiert
  • Frauenrechte werden beschnitten (Vorfälle am Frauentag)
  • freie Presse wird verboten
  • Mitverantwortlich an der Flüchtlingskrise
  • usw. usw.

Ohne die Informationsmöglichkeiten der heutigen Zeit würden wir doch alle unbedarft mit der Türkei umgehen.

Kommentar von johnhh7632 ,

Die Tatsache, dass im Internet viele in ihrem eigenen Segment unterwegs sind und das Internet auch eine gewaltige Maschine zur Bestätigung von Vorurteilen ist, weil man sich meistens genau das heraussucht, was man ohnehin schon denkt, bestärkt doch die Störung der Öffentlichkeit?!

Kommentar von Steffile ,

.. tun die meisten trotzdem, besonders wenn sie Fluechtlinge einkaufen. 

Sonst haetten doch nicht alle EU Staaten dem Deal gestern zugestimmt, trotz Einwaenden von UN und Amnesty International?!

Antwort
von Mirarmor, 49

Zu viele Informationen, um sie alle perfekt und zeitnah zu verarbeiten, ja.

Und manche Menschen erkennen dann mehr Zusammenhänge als da sind. Dann sind die Kondensstreifen am Himmel Chemtrails der Regierung, die uns alle krank machen...

Kommentar von tanztrainer1 ,

Es gibt aber auch sehr viele Informationen, die eigentlich unwichtig sind, aber was einen wirklich interessieren sollte, das erfährt man nicht unbedingt!

Wenn zum Beispiel in einer "Nachrichten"-Sendung ein Bericht über irgendwelche (meiner Meinung nach) unwichtigen C-Promis gesendet wird, zweifle ich schon mal die Seriosität eines solchen Senders an!

Kommentar von Mirarmor ,

Ja, das verstehe ich. Das zeigt aber auch, dass mit solchen C-Nachrichten wohl leider gut Geld zu verdienen ist, also mehr Quote zu machen ist als nur mit "seriösen" Nachrichten.

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