Frage von jank123, 72

Leben wir in einer Rape culture ( Vergewaltigungskultur) ?

Habe das oft von Feministen gehört.

Antwort
von Amarantyne, 49

Ja, tun wir. Der Begriff wird oft falsch verstanden: die "Vergewaltigungskultur" besteht nicht darin, dass die Mitglieder einer Gesellschaft Vergewaltigung gut finden oder sie dort nicht strafbar ist, sonder v.a. darin, dass Straftaten verharmlost werden und Opfern nicht geglaubt wird ("victim blaming"), und praktisch immer - manchmal offen, aber vor allem unterbewusst - zumindest eine Teilschuld beim (meist weiblichen) Opfer gesucht wird.

Diese Vergewaltigungskultur besteht übrigens in den Köpfen aller Mitglieder der Gesellschaft und ist keineswegs nur ein Problem der Männer - auch Frauen sagen ja zu Vergewaltigungsopfern gerne Sachen wie "Hättest du halt keinen so kurzen Rock getragen!" und ähnliches. Dabei ist gerade diese Darstellung eigentlich extrem männerfeindlich, stellt sie doch Männer als wilde Tiere dar, die beim Anblick einer attraktiven Frau sofort die Kontrolle verlieren.

Ich kann für mich persönlich sagen, dass ich eine Vergewaltigung wahrscheinlich nur bei hieb- und stichfester Beweislage anzeigen würde - ansonsten würde ich mir den öffentlichen Spießrutenlauf durch die Behörden eher ersparen. So denken viele Frauen - allein das ist bezeichnend: gäbe es keine Rape Culture, würden Vergewaltigungen genauso zur Anzeige gebracht, wie andere Straftaten auch.

Hier noch ein guter Artikel zum Thema: http://www.taz.de/!5075574/

Kommentar von Dahika ,

Dass den Opfern nicht geglaubt wird, dass ihnen eine Teilschuld gegeben wird, war früher aber wesentlich verbreiteter.

Kommentar von Amarantyne ,

Es ist mit Sicherheit schon viel besser als "früher", aber weg ist das Problem nicht.

Es geht auch wie gesagt gar nicht darum, dass diese Schuldzuweisungen öffentlich geäußert werden: vielmehr um den Alltagssexismus vieler Mitglieder der Gesellschaft (Männer und Frauen), der die Opfer von vornherein zur Überzeugung bringt, dass ihnen sowieso nicht geglaubt werde/sie mitbeschuldigt würden.

http://alltagssexismus.de/

Antwort
von Peterwefer, 51

Nein, die Feministen übertreiben manchmal! Noch heute gilt Vergewaltigung (und deren Heraufbeschwören) als abartig (und wird strafrechtlich verfolgt).

Kommentar von Amarantyne ,

Peter, darum geht es gar nicht. Der Begriff wird oft falsch verstanden: die "Vergewaltigungskultur" besteht nicht darin, dass die Mitglieder einer Gesellschaft Vergewaltigung gut finden oder sie dort nicht strafbar ist, sonder v.a. darin, dass Straftaten verharmlost werden und Opfern nicht geglaubt bzw. grundsätzlich eine Mitschuld gegeben wird. Und das ist auch kein reines Männerproblem, sondern in den Köpfen aller Mitglieder der Gesellschaft so verankert.

Kommentar von Peterwefer ,

Das Straftaten verharmlost werden, kommt leider vor. Nicht nur Vergewaltigungen, auch Einbrüche werden mitunter verharmlost und den Opfern die Schuld gegeben. Dennoch spreche ich nicht von einer Einbruchskultur. Und dass manche Mädchen so - ich nenne es mal freifleischig - in die Schule gehen, somit Unglück heraufbeschwören, ist leider auch wahr! Und dann gibt es unter den Frauen so etwas wie Schlangen, die jemanden der Vergewaltigung bezichtigen, der so etwas nie machen würde. Jawohl, solche Fälle hat es gegeben. Bedauernswert, wenn das Unglaube oder Verharmlosung oder auch Schuldbezichtigungen nach sich zieht. Aber so etwas gibt es eben.Eine solche Schlange hat schon einmal nachts um drei Uhr bei der Polizei angerufen und behauptet, in meiner Wohnung würden Sex-Partys mit 9jährigen Mädchen ablaufen! Ich habe fast einen Raptus gekrigt und die Polizisten erbost gefragt: "Und Sie glauben den Unsinn! Nun gut, Beamte! Nicht eben Anwärter auf den Nobelpreis!"

Kommentar von Amarantyne ,

Ja, das gibt es alles. Ich möchte aber einen Einwand erheben:

"Und dass manche Mädchen so - ich nenne es mal freifleischig - in die Schule gehen, somit Unglück heraufbeschwören, ist leider auch wahr!"

Genau dieser Satz ist Rape Culture! Denn es ist völlig gleichgültig, wie leicht bekleidet die Mädchen in die Schule oder sonstwohin gehen - eine Vergewaltigung ist auch dann illegal, wenn das Opfer nackt herumläuft! Sie ist immer gleich illegal, mit der Bekleidung des Opfers hat es nicht das geringste zu tun.

Mit deinem Satz sagst du unterschwellig: "Wenn Männer sowas sehen, können sie sich halt nicht mehr beherrschen" oder "Wenn eine Frau so rumläuft, gelten die Regeln für sie nicht mehr" - was ja beides nicht dein Ernst sein kann!

Ich will dir auch gar nicht unterstellen, dass du wirklich so denkst, aber genau das sind die unbewussten, uns über Generationen eingefleischten Denkmuster, die hinter so einem Satz stecken - und genau das ist mit Rape Culture gemeint.

Kommentar von Peterwefer ,

Wenn eine Frau freifleischig herumläuft, beschwört sie Unglück herauf. Mir zu unterstellen, dass ich es gut finde oder auch nur rechtfertige, dass ihr ein solches Unglück passiert, ist - maßvoll ausgedrückt - unangebracht. Wenn ein Bettler zur Toilette geht und seinen Becher mit Münzen einfach stehen lässt, beschwört er herauf, dass er ihm geklaut wird. Wenn ich das fest stelle, ist es - maßvoll ausgedrückt - ein wenig daneben, mir nachzusagen, ich würde es gut finden. Natürlich bleibt Vergewaltigung illegal, auch wenn ein Mädchen nackt herumläuft (Erregung öffentlichen Ärgernissen, ein anderes Kapitel). Aber sie beschwört damit Unglück herauf! Wenn ich das sage, sage ich keineswegs, die Regel 'Illegal' gilt nicht mehr. Und dass sich Männer halt nicht mehr beherrschen können, wenn sie so etwas sehen, habe ich nie gesagt. Gut, zu lesen, dass Du erkennst, dass das nicht mein Ernst sein kann. Aber der Satz, den Du so schwer kritisierst, ist im Grunde nichts mehr als eine spezielle Version des apokryphischen "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um!" Anzunehmen, dass ich es rechtfertige, ist - maßvoll ausgedrückt - Unsinn.

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