Frage von volkansstore, 64

Leben Wir in einer Matrix Welt?

Hallo Community,

vorab möchte ich erwähnen, dass ich mehrere Fragen stelle, um deutlich zu machen, in welche Richtung so meine Gedankengänge gehen. Doch möchte ich auch darauf aufmerksam machen, wieso ich keine explizite Frage gestellt habe, ganz einfach weil ich der Meinung bin, dass solch komplizierte oder nennen Wir sie abstrakte Themen, nicht einfach so vermittelt werden können.

Ist unsere Humane Gesellschaft theoretisch nicht ein Organisches Geflecht aus Informationen, die sich durch durch neue Erkenntnisse vieler Individuen weiter entwickelt?

Ich denke, dass Wir nicht mehr ''nur'' als Individuen leben, sondern uns zu einem riesen Organismus entwickelt haben, so eine Art lebende Kolonie auf einem Planeten.

Doch was ist, wenn nur ein Individuum existiert bzw. durch seine Gedanken eine eigene Welt erschafft, in der es immer weiter neue Erfahrungen macht, ist das möglich? Wie kann das Individuum, wenn es so wäre, neue Erfahrungen machen, ohne wirklich reale Erfahrungen zu machen (als auch keine reale Fantasie besitzen, jedenfalls nicht in der vorgestellten Welt) und zugleich seine fiktive Welt weiter auszubauen?

Bsp: Ein Neugeborenes Baby, was nicht hören,sehen, riechen, fühlen (nicht emotional) und schmecken kann. Dieses Baby ist zudem in einer art Koma, schon seit es im Mutterleib ist. Im laufe der Zeit wird das Baby älter und entwickelt ein ''Bewusstsein'', es ist und war aber die ganze Zeit im Koma. Wäre es somit nicht möglich, dass ein Baby, Kind, Erwachsener in diesem Fall im Schlaf (Koma) eine art Matrix entwickelt hat?

Sicherlich werden alle oder fast alle diese Fragen beneinen, was auch kein Problem ist, jedoch ist mir dieser Gedanke mal gekommen, deswegen bitte ich um Verständnis und um Sachliche als auch nicht angreifende Kommentare, vielen Dank.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 45

Philosophisch erscheint mir die ganze Ideologie der Matrix auf dem Zusammenmixen zweier grundverschiedener Glaubenshaltungen zu bestehen, zwei verschiedener Metaphysiken.

Das eine ist die dualistische Weltsicht, die Trennung in Geist und Materie. Doch die "alte" Auffassung von Geist als schöpferischem, gestaltendem Element ist in die materielle Sicht gerutscht und man fasst menschliches Bewusstsein oder gar eine künstliche Intelligenz (von Menschen geschaffen) als den Hintergrundschöpfer und Lenker auf. Auf den Menschen bezogen ist das Vorbild das angeblich alles steuernde Gehirn. Die kritische Frage an den "Schöpfergott", wer denn diesen geschaffen habe, gilt natürlich um so mehr an ein beherrschendes Matrixbewusstsein.

Das zweite ist die Grundauffassung des Monismus, das Sein als ein einziges (Parmenides), in sich verflochtenes Gefüge in ständigem Wandel (Heraklit), oder wie dann von Epikur aktualisiert, das Sein als ein Netz miteinander verwobener Beziehungen der gegenseitigen Beeinflussung. Auf den Menschen bezogen hat Epikur ein ganzheitliches Menschenbild, bei dem alle Teile des Menschen bis in die kleinste Zelle mitwirken am Überleben und dem Bewusstsein, das diesem Ziel dient. Diese Auffassung ist widerspruchsfrei, wenn dieses Sein als ewig aufgefasst wird in einem ständigen Wandel ohne Ziel. In der Matrix-Ideologie klingt ja auch noch etwas quasimarxistisches mit, dass ein Ziel, die absolute Macht und die Ausbeutung unterschoben wird.

Die Grundwidersprüche der modernen Matrix-Ideologie liegen genau darin, dass diese beiden Metaphysiken sich nicht widerspruchsfrei kombinieren lassen. Zudem schwingt eine Grundangst mit, die bereits im Frankenstein beschrieben wird, dass die künstliche Intelligenz nicht nur alles Vermögen sondern auch alle Entartungen des oder der Schöpfer in sich trägt, die Machtbesessenheit und die skupellose Ausbeutung im eigenen Interesse. Damit ist aber nur gezeigt, welche Fehlentwicklung die reine Fortentwicklung der technischen Intelligenz mit sich bringen kann, wenn sich nicht gleichzeitig auch die soziale Intelligenz mitentwickelt. Da herrscht aber großer Pessimismus und ein Bestreben, das zu ändern, ist nirgendwo zu sehen. Die weitere Möglichkeit aber wäre nicht die Matrix, sondern dass sich der einseitig mit technischer Intelligenz aufgepowerte Steinzeitmensch selbst zerstört. Irgendwann wird die "technische Keule" unbeherrschbar.

Kommentar von berkersheim ,

Danke für den Stern. Wenn Dich das Thema interessiert, so gibt es bei der Gesellschaft für kritische Philosophie in Nürnberg eine Sonderveranstaltung zum Thema Transhumanismus und Posthumanismus, philosophische Richtungen, die genau in die Tendenz gehen, wie es von MATRIX angedeutet wird.

http://www.trans-humanismus.de/

Antwort
von Suboptimierer, 64

Ist möglich, aber nicht für einen Menschen, aber für eine Maschine aus der Zukunft oder einen Gott wäre es möglich, eine Welt zu konstruieren, die nicht auf Erfahrungen beruht (und es gibt ganz viele, die das sogar glauben).

Du kannst dir aber nichts vorstellen, was nichts mit deiner jetzigen Realität zusammenhängt. Selbst wenn du dir ein Einhorn vorstellen würdest, wäre es letztenends doch nur ein Pferd mit einem Horn.

Kommentar von volkansstore ,

Kann sich nichts, nichts vorstellen, was nichts mit seiner Realität zusammenhängt?

Kommentar von Suboptimierer ,

Kann ich mir nicht vorstellen :P

Spaß. Natürlich könnte man sich etwas vorstellen, was sich etwas vorstellen könnte, das nichts mit seiner Realität zutun hat. Aber Menschen können das nunmal nicht.

In meinem Beispiel wäre das ein Gott oder Supercomputer der Zukunft (du kannst aber auch dir irgendein Wesen ausdenken und ihm diese Eigenschaft zumessen).

Antwort
von OriginKnight, 30

Die Frage, was Realität eigentlich ist, lässt sich hier gut miteinbeziehen. Realität ist die allgegenwärtige Wahrnehmung mit allen Sinnen und den höheren Hirnfunktionen. Aber neurologisch betrachtet ist die Realität nur eine Interpretation von elektrischen Impulsen im Gehirn. Das heißt, dass wir in einer Matrix leben könnten, weil besagte Matrix unserem Gehirn die Signale vermittelt, die uns als Realität bekannt sind.

Antwort
von Karenuki, 17

Das mit dem Baby, was ganz allein auf der Welt ist, ist sehr utopisch. Eigentlich so nicht möglich. Aber selbst wenn, würde es entweder sterben oder sich an Tieren orientieren. Ohne Orientierung fehlt etwas lebensnotwendiges. Also, eine eigene Matrix? Wohl eher nicht...

Antwort
von SafeZone, 49

Vielleicht. Wie sollen wir das rausfinden? es gibt keinen Weg, also können wir nur eines tun. In dieser Welt weiterleben, bis irgendwann etwas passiert das uns entweder aufklärt oder uns zeigt das es nicht so ist...

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