Frage von Wildcatgirl, 52

Leben ohne mein Eltern - unmöglich?

sorry ich muss mir das mal alles von der Seele schreiben ich hoffe dennoch das sich ein paar Menschen die Zeit nehmen und mir vielleicht sogar antworten ...

Ich bin 18 Jahre alt und eigentlich verlief mein Leben in recht geregelten Bahnen,trotzdem kam ich 2014 an einen Punkt an dem ich nicht mehr Leben wollte ...

Ich bin nun seit eineinhalb Jahren in Psychotherapie und habe dort auch schon große Fortschritte gemacht, meine Diagnose lautet abhängige Persönlichkeitsstörung in Kombination mit Depressionen. Doch ein Thema , die größte Angst meines Lebens kreist immer und immer wieder in meinen Gedanken rum, sie zwingt mich zu Heulanfällen und raubt mir sämtliche Energie. Ich liebe meine Eltern über alles, sie sind mein Leben , dank Ihnen lebe ich und für sie lebe ich. Sie sind mein doppelter Boden, mein Halt im Leben. Ich kann nicht ohne sie leben. Ich könnte diesen Schmerz nicht ertragen. Das Leben wäre nicht schön genug um ohne sie zu leben. Ich könnte niemals so weitermachen wie jetzt , jetzt wo ichs geschafft habe meinen Schulabschluss mit 1,7 zu bestehen, ich im zweiten Ausbildungsjahr zur Krankenschwester bin und die Zwischenprüfung als 2. Beste bestanden habe doch das ist alles nur Fassade , Ich hasse diese Fassade und ich hasse diese Ausbildung( verstehet mich nicht Falsch die Arbeit an sich ist toll ,ich bekomm viel soziale Nähe und Menschen zu helfen ist das größte) aber sie zwingt mich von Zuhause auszuziehen weil es zum Fahren von Daheim aus zu weit ist. Das klaut mir Lebenszeit mit meinen Eltern die ich niemals mehr nachhohlen kann, weil ich weiß die Zeit meiner Eltern läuft rückwärts. Wie oft durfte ich mir schon von vielen Therapeuten anhören, dass dies der Lauf der Zeit sei, doch das kann ich nicht so hinnehmen, ich weiss es ist nicht änderbar aber es tut so unendlich weh. Mittlerweile habe ich Strategien gelernt um mich selbst auslenken zu können, doch bei diesem Wunden Punkt schaff ichs bis jetzt nicht. Ich bin so froh bei meiner Therapeutin gelandet zu sein, es ist echt unbezahlbar so eine tolle Hilfe zu bekommen und sie hat mich wirklich schon stark gefestigt aber ich habe das Gefühl, wenn der Super Gau eintreten sollte, ist der ganze therapeutische Erfolg zu nichte gemacht. Ich versuche nicht an diese Zeit zu denken und doch überkommt die Angst mich fast täglich, wie könnte ich es schaffen davor weniger Angst zu haben ( In der Therapie haben wir das schon öfters durchgekaut doch eine wirklich zufriedenstellende Antwort habe ich noch nicht bekommen , laut meiner Therapeutin sei ich noch nicht stabil genug um dieses Thema tiefer zu behandeln und deswegen lenke sie mich dann immer aus , aber ob mir das wirklich hilft weiss ich nicht wenn man mich davor "verschont" obwohl es so in mir brodelt)

Antwort
von Kessie1, 12

Negative Gedanken in positive Gedanken umzuwandeln ist unendlich schwer, aber machbar! 

Du bist mit 18 Jahren noch sehr jung und ich nehme an, dass auch deine Eltern noch relativ jung sind. Wahrscheinlich bleiben euch noch Jahrzehnte zusammen, in denen ihr euch sehen könnt und die du gemeinsam mit ihnen genießen kannst. Der Tod ist für uns Menschen etwas sehr beängstigendes, da er endgültig ist. Wir werden den geliebten Menschen danach nie wieder sehen. Aber in unserem Herzen wird er bleiben und ist damit unsterblich für uns.

Schon abends beim Einschlafen solltest du für dich positive Gedanken formen wie: "Ich bin glücklich so tolle Eltern zu haben" oder "Morgen sehe ich meine Eltern wieder...". 

Irgendwann wirst du ein unabhängiges Leben von deinen Eltern führen, vielleicht heiraten und Kinder haben. Aber deine Eltern bleiben dennoch in deinem Leben mit einem hohen Stellenwert. Aber wenn die Zeit gekommen ist, dann ist es ganz wichtig für dich, dass du geliebte Menschen um dich herum hast, um mit der Trauer umzugehen und mit dem Verlust zu leben. Und jeder positiver Moment mit deinen Eltern wird dir dabei helfen. 

Nur musst du lernen dein Leben in den Griff zu bekommen und negative Gedanken an dich nicht heranzulassen. Mit der Therapie bist du schon auf dem richtigen Weg! Deine Eltern haben dir das Leben geschenkt und wollen das du glücklich bist und am Ende deines Lebens positiv zurück blicken kannst. 

Ein Geheimrezept kann dir leider Niemand geben, da jeder Mensch anders ist und bei jedem Menschen andere Wege zum Erfolg führen. Du sollst auch nicht deine Ängste verschweigen, sondern darfst mit vertrauten Menschen natürlich darüber reden. Nur bestimmen lassen solltest du dich nicht von der Frage nach dem:"Was wäre wenn...". 

Profitiere von den Erfahrungen deiner Therapeutin. Wenn sie der Meinung ist, dass du noch nicht so weit bist, dich gänzlich mit dem Thema auseinander zu setzen, dann vertraue ihr! Du musst erst in deiner Persönlichkeit gefestigt werden! An deiner positiven Haltung arbeiten und somit an dir... Die Angst wird zwar immer da sein, aber du wirst lernen damit zu leben und vor allem dich nicht davon verrückt machen zu lassen und dein Leben davon bestimmen zu lassen...

Alles Liebe und Gute für dich!

Antwort
von N3kr0One, 9

Als Jemand der sehr früh einen tollen Vater verloren hat und ganz lange damit zu kämpfen gehabt habe, kann ich dir vielleicht ein paar helfende Worte sagen.
Ich war in einem Alter (8, fast 9) in dem ich das Ganze noch gar nicht richtig realisiert habe. Das kam erst nach und nach.
Ich dachte auch ich werde ewig nicht mehr glücklich...er war mein Vorbild, einer der großartigsten Menschen mit Herz...solch ein Mensch hätte man mit Gold nicht aufwiegen können...das wurde mir auch immer bewusster, je mehr ich über ihn erfahren habe.
Er war ein Familienmensch durch und durch.

Ich habe, Gott sei Dank, tolle Familienmitglieder, die trotz eigener Trauer auch viel für mein Bruder, meine Mum und mich da waren. Sie haben sich alle quasi gegenseitig Kraft gegeben und uns versucht trotzdem ein normales Leben zu ermöglichen.
Die Trauer blieb, das kann keinem von der Schulter genommen werden, aber ich habe aus eigener Kraft einen Weg entwickelt damit um zu gehen (und das ist wohl jetzt der spannendste Teil für dich).

Ich habe mir irgendwann klar gemacht, dass die größte Ehre für ihn wäre, wenn ich sein "Erbe" weiter lebe...wenn ich Taten vollbringe, auf die er stolz wäre, wenn ich mich um seine Eltern (sprich meine Großeltern) kümmere, für die Familie da bin. Vielleicht auch wenn ich selbst eine Familie gründe und für meine Kinder so da bin, wie er es war.

Das alles hat mir geholfen, war mein Leitfaden im Leben. Ich bin nicht so wie er, das geht gar nicht, aber viele sagen mir, dass ich nach ihm komme. Was mich auch stolz macht.

Mittlerweile habe ich über 11 Jahre Beziehung mit einer tollen Frau hinter mir, sind nun seit kurzem verheiratet und planen auch alles Weitere.
Mein Leben verläuft in guten Bahnen und ich kann glücklich sein, denn das hätte er auch gewollt.

Also hier noch ein Rat: sei mutig, sei tapfer...dass es passiert kannst du nicht verhindern...aber du kannst sie stolz machen, indem du ihre Früchte weiter trägst. Sie haben dich zu dem gemacht, was du bist, gib das weiter...mehr würde sich kein Elternteil von seinem Kind wünschen.

Alles Gute

PS: ich entschuldige mich für jedweden Rechtschreibfehler, ich hab schnell und viel geschrieben und keine Lust alles zu kontrollieren ;)

Antwort
von OnkelTheodor, 10

Das war bei mir genauso,ich liebte meine Eltern ueber alles und kanns dem Herrgott niemals verzeihen,dass er meine Mutter mit 64 aus der Gesellschaft und mit 73 aus dem Leben gerissen hat.

Weisst Du,ein wenig abnadeln ist fuer Dich jetzt ganz wichtig,aber Du kannst doch taeglich mit Deinen Eltern telefonieren und wenns nicht allzuweit weg ist auch nach Hause fahren.

Meine Frau sagt immer,es ist ganz wichtig,dass die Eltern nicht ins Grab der Kinder schauen muessen und mir hilft das schon weiter.

Du solltest jetzt Deinen Weg zukunftsorientiert gehen,da werden Deine Eltern stolz auf Dich sein,auch wenn das alles mit schrecklichem Heimweh und Sehnsucht gepraegt ist.Deine Eltern wollen doch auch,dass Du in sicheren Haenden und abgesichert bist.

Ich weiss was Du durchmachst und wahrscheinlich vor Dir herschleppst,aber zeig Deinen Eltern dass Du auch mit Deiner Psyche gut meistern kannst und Freunde hast.

Vielleicht bin ich Dein Freund,ich wuensche Dir alles erdenklich Gute

Franz

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