Frage von Hamburger1863, 9

Laut Testament mit Vermächtnis weniger als Pflichtteil?

Ausgangssituation:

Der Erblasser ist im Januar 2016 gestorben. Der Ehepartner des Erblassers ist bereits 1 Jahr zuvor verstorben.

Laut Testament vererbt er sein gesamtes Vermögen zu ½ der Tochter Renate und je ¼ den 2 Enkeln Michael und Thomas die an Stelle der 2. Tochter Helga treten, die bereits von 25 Jahren verstorben ist.

Alle 3 Erben sind mit folgenden Vermächtnissen beschwert. Jeder Urenkel und Enkel der nicht in der direkten Erbfolge ist soll 1000 Euro bekommen. Dies betrifft die 2 Kinder von Tochter Renate und je zwei Urenkel von Michael und Thomas. In Summe 6 .

Als Vorabvermächtnis soll ein vom Ehepartner des Erblassers vergebener Kredit aus dem Jahre 2010 mit einen Restwert von 50.000 Euro dem Kreditnehmer ( Enkel Michael der sich die letzten Jahre um die Pflegebedürftigen Großeltern gekümmert hat ) erlassen werden.

Erbverwalter mit ausgestatteter Generalvollmacht des Erblassers ist auch Enkel Michael.

Das Erbe besteht aus insgesamt 100.000 Euro ( 50.000 Euro bar und 50.000 Euro Rest vom Privatkredit ) 10.000 Euro sind die Nachlasskosten

Wenn das Testament akzeptiert wird das Geld folgender Maßen verteilt:

100.000 Euro Erbsumme - 10.000 Euro Nachlassverbindlichkeiten - 50.000 Euro Vorabvermächtnis für Enkel Michael - 6.000 Euro Vermächtnisse an 6 Enkel und Urenkel - 17.000 Euro Tochter Renate( ½ Teil nach Vermächtnissen ) ( Pflichtteil wären 22500 Euro ) - 8.500 Euro Enkel Michael ( ¼ Teil nach Vermächtnissen ) ( Pflichtteil wären 11250 Euro ) - 8.500 Euro Enkel Thomas ( ¼ Teil nach Vermächtnissen ) ( Pflichtteil wären 11250 Euro )

Der Nachlassverwalter Michael hat gleich 2 Tage nach dem Todesfall das Testament in Kopie und ein Nachlassinventar für alle Erben zur Verfügung gestellt. Ferner hat der Nachlassverwalter mehrmals per Whatsapp angefragt ( wurde auch gelesen ) ob noch Unterlagen gewünscht oder benötigt werden. Diese Möglichkeit wurde nie in Anspruch genommen oder gar eingefordert.

Über einen Anwalt von Tochter Renate wurde 7 Wochen nach dem Todestag allen Vollmachten des Enkel Michael widersprochen. Danach kam 4 Monate nix. Auf Anfrage bei Ihrem Anwalt kam keine Reaktion.

Nun die Fragen:

1.) Tochter Renate und Enkel Thomas bekommen laut Testament weniger als ihren Pflichtteil. Können sie ihren Pflichtteil einfordern ? ( Enkel Michael hat durch das Vorabvermächtnis ja mehr als den Pflichtteil ) 2.) Wäre der richtige Weg für die Einforderung der Pflichtteile eine Ausschlagung des Erbes ? 3.) Wenn ja…. Sind die Pflichtteilsberechtigten an die 6 Wochen Ausschlagungsfrist gebunden ? 4.) Wenn auch hier ja …. Was passiert wenn sie die Frist versäumt haben. Ist das Testament dann so gültig und die Erbteile können ausgezahlt werden ? 5.) Wären Whatsapp Nachrichten vor Gericht als Beweis zulässig um den Empfang der des Testamtens zu bestätigen um den Ablauf der 6 Wochenfrist zu belegen ? 6.) Können die Vermächtnisnehmer ihren Anteil vorab vom Erbverwalter Einfordern obwohl er Erbe und Vermächtnisnehmer i

Antwort
von sassenach4u, 7

Eine Erbausschlagung wäre der falschste Weg, dann kann man auch keinen Pflichtteil mehr einfordern- man verzichtet GANZ auf das Erbe.

Du rechnest falsch. Zum  Zeitpunkt des Todes sind nur 50.000,-- Euro da, die es nach Abzug der 10.000,-- Euro zu verteilen gibt.6.000,-- für die Enkel, 17.000,-- für Renate, je 8.500,-- für Michael und Thomas. Damit ist der Teil der u.g. Antwort richtig.

Kommentar von Hamburger1863 ,

Ich habe dazu schon die unten gepostete Möglichkeit herausgefunden. Meine Frage sollte deshalb viel eher heißen ob die Ausschlagung die einzige Möglichkeit ist um an den Pflichtteil einzufordern und diese Möglichkeit nach 6 Wochen verstrichen ist.....

Die taktische Ausschlagung durch den Pflichtteilsberechtigten

Im Normalfall verliert ein Erbe mit der Ausschlagung sowohl sein

Erb- als auch sein Pflichtteilsrecht. Von diesem Grundsatz macht § 2306
BGB für den pflichtteilsberechtigten Erben aber eine Ausnahme.

Immer dann, wenn der Erblasser seinen dem Grunde nach

pflichtteilsberechtigten Erben in seinem letzten Willen durch die
Einsetzung eines Nacherben, die Ernennung eines Testamentsvollstreckers
oder eine Teilungsanordnung beschränkt mit einem Vermächtnis oder einer Auflage beschwert hat, so kann der betroffene Erbe diese Erbschaft ausschlagen und seinen Pflichtteil fordern.

Der pflichtteilsberechtigte steht hier im Einzelfall also vor der
Wahl: Erbe mit den vom Erblasser angeordneten Einschränkungen annehmen
oder Erbe ausschlagen und den unbelasteten Pflichtteil fordern.

Kommentar von Hamburger1863 ,

Als Nachlass zählen alle Gegenstände. Das beinhaltet logischer Weise auch den restlichen Kredit von 50.000 Euro die zur Erbmasse dazugehören ( Wenn auch nicht bar . ) . Abzüglich der 10.000 Euro der Nachlasskosten gilt es 90.000 Euro zu verteilen. Die Vermächtnisse sind in Summe 56.000 Euro. Das heißt das laut Testament nur noch 34.000 für die 3 Erben da wären

Antwort
von Sachbearbeiter2, 7

ein fachanwalt berät dich


Wären Whatsapp Nachrichten vor Gericht als Beweis zulässig um den Empfang der des Testamtens zu bestätigen um den Ablauf der 6 Wochenfrist
zu belegen ?


ganz sicher nicht...


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