Frage von Lufti69, 45

Laut Arzt kein BG Unfall?

Meine Frau arbeitet im unqualifizierten Krankentransport. Vor 3 Wochen musste sie einen schweren Patienten mit einer Kollegin zusammen tragen. Durch einen Fehler der Kollegein musste meine Frau Die Patientin durch schnelles Anheben vor einem Sturz bewahren. Dabei ist ihr die Bandscheibe geplatzt. Nun hieß es vom Durchgangsarzt dies sei kein BG Unfall da sie ja selbst entschieden habe wieder anzuheben. Kann das sein?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von michi57319, 23

Gerade bei Rückenproblemen ist der Nachweis nicht möglich, ob nicht auch z.B. das Anheben eines vollen Mülleimers zu Hause nicht zu ähnlichen Problemen geführt hätte.

Bandscheibenprobleme werden nicht als Unfall anerkannt, weil sie in diesem Status bei vielen, auch alltäglichen Bewegungen hätten passieren können.

Niemand bekommt jährlich ein CT, um seinen Status der Bandscheiben zu dokumentieren.

Weil das so ist, wird das in diesem Fall nicht als Arbeitsunfall anerkannt. Vorschäden unbekannt, ursächlicher Zusammenhang unklar.

Der eine verschleißt früher, der andere später.

Gute Besserung für deine Frau!

Antwort
von emib5, 14

Es hat nichts damit zu tun, dass Deine Frau diese Handlung aus freier Entscheidung gemacht hat.

Hier geht es eher um die sogenannte "Gelegenheitsursache", das kommt oft bei Gesundheitsschäden durch Heben von Lasten zum tragen.

Grundsätzlich ist ein Unfall nach Definition immer ein kurzzeitiges Ereignis, durch das es zum Gesundheitsschaden kam. 

Das wäre hier (auf den ersten Blick) geheben. Anheben = Kurzzeitig.

Aber...

Bei solchen Fällen der Gelegenheitsursache ist es so, dass dieses kurzzeitige Ereignis (Anheben) bei einen gesunden Körper, ohne Vorschädigung, nicht diesen Gesundheitsschaden hervorgerufen hätte.

Der Gesundheitsschaden ist also überwiegend bedingt durch den schon bestehenden Verschleiß des Körpers und die auslösende Handlung hat dann den Rest gegeben, war aber eigentlich nicht die Hauptursache, nur der Auslöser. 

Und nun kommen quasi zwei Aspekte zum Tragen: Zum einen hätte der Gesundheitsschaden auch bei jeder privaten Handlung auftreten können, wie z. B. beim nächsten Einkauf, wenn sie den Kasten Wasser in den Kofferraum gehoben hätte. Es war also nur Zufall, dass es auf der Arbeit passierte.

Der zweite Aspekt, die Zahlen sind fiktiv und dienen nur zur Verdeutlichung: Die Verletzungsursache liegt jetzt beispielsweise zu 90 % im Verschleiss und zu 10 % im letzten Anheben. Nun ist es also nicht mehr das Ergebnis eines kurzzeitigen Ereignisses, denn der Verschleiß kam ja über die Zeit. Somit kann es (gemäß Definition) kein Unfall mehr sein. Denn ein Unfall hat seine Ursache immer im kurzzeitigen Ereignis.

Dies festzustellen ist aber dann Sache der BG, wobei der Arzt Euch natürlich darauf hinweisen darf und sollte. 

Das gemeine dabei ist, dass man Bandscheibenverschleiß nicht merkt, und dann selbst bei soetwas der Meinung ist, man hatte ja nichts, war also top gesund, obwohl dies in Wirklichkeit anders aussieht.

Je nachdem, woher die Bandscheiben(vor)schädigung kommt, könnte es sich dann aber um eine Berufserkrankung handeln. Wobei das bei Rücken immer schwierig ist, da Rückenprobleme Volkskrankheit sind und eine Abgrenzung der Ursachen in Privat und Beruf oft nicht möglich.

Antwort
von Lokicorax, 6

Hoi.

Zu emib5 Ausführungen ist nicht viel hinzu zufügen.

Lass aber bitte die Ärzte ein Prüfung auf die Berufskrankheit Nr.2108 machen:

"Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch langjähriges Heben oder Tragen schwerer Lasten oder durch langjährige Tätigkeiten in extremer Rumpfbeugenhaltung, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können"

"Ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von bandscheibenbedingten Erkrankungen der Lendenwirbelsäule konnte auch für Beschäftigte in der Krankenpflege, insbesondere bei Pflegehelferinnen gesichert werden(Videmann et al. 1984, Venning et al. 1987...)"

http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Berufskrankheiten/pdf/Merkblatt-2108.pdf;js...

Ciao Loki

Antwort
von promooo, 14

Also bei so Sachen zum Anwalt gehen...das kann sonst bzgl. Rente und BU gravierende Folgen haben...apropo das war ja im Affekt, schnell reagiert, ohne nachzudenken...also Reflex...somit mMn nicht vorsätzlich 

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