Frage von Manleitner, 84

Latein-Substantive deklinieren?

Hallo Leute.

der Herr -> DOMINUS wird ja im Genitiv: DOMINI

wieso wird aus

Werk -> OPUS: OPERIS und nicht OPI

Danke :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DieChemikerin, Community-Experte für Schule, 53

Hi :-)

Nur, weil die Substantive auf -us enden, müssen sie nicht zwangsläufig der o-Deklination angehören. Nöglich sind auch

a) Dritte Deklination, z.B. -us, -eris, -eri etc.

b) u-Deklination, z.B. domus, -us (langes -u!)

Bei der dritten Deklination haben wir bei einigen Wörtern die Besonderheit, dass sich der Stamm ändern kann! Diesen Fall hast du hier. 

Die Endungen der dritten Deklination sind folgende:

  • Nom.Sg. -x (eigentlich beliebig)
  • Gen. Sg. -is
  • Dat. Sg. -i
  • Akk. Sg, -em
  • Abl. Sg. -e
  • Nom. Pl. -es (m/f) / -a (n)
  • Gen. Pl.  -ium
  • Dat. Pl. -ibus
  • Akk. Pl. -es / -a
  • Abl. Pl. -ibus

Da opus, operis, Neutrum der dritten Deklination angehört, hat es im Nomination und Akkusativ Plural die Endung -a.

Bei der dritten Deklination musst du IMMER den Genitiv mitlernen! Denn nur daran erkennst du den Wortstamm! Er steht nicht umsonst dabei!

Also haben wir opus, oper-is. Weiter ginge es mit oper-i, opus (da Neutrum!), oper-e etc.!

Wenn noch Fragen sind, melde dich gern :)

LG

Kommentar von fysohard ,

Achtung: Gen. Pl. endet nicht immer auf -ium. Auch auf -um ist möglich!

Gen. Pl. auf -um ist der Regelfall, -ium haben:

-Gleichsilbige Substantive aus -is/-es 

-Ungleichsilbige Wörter, die im Wortstock mit zwei oder mehr Konsonanten enden 

-Neutra aus -er, -al, -ar

Es gibt auch hier Ausnahmen, aber normalerweise kann man nach dem Schema gehen

Kommentar von Manleitner ,

Ich verstehe es nicht. man kann doch nicht zu JEDEM einzelnen existierenden Wort auswendig lernen (wenns z.B. auf -us endet) ob es jetzt zur o-Deklination gehört oder zu einer anderen.

Kommentar von Wurzelstock ,

Doch! Das kann man nicht nur bei jedem einzelnen Wort mitlernen, sondern das muss man sogar. In der Pennälersprache heißt das "Pauken".

Eine Fremdsprache erschließt sich nie über die Regeln der Logik in der eigenen Sprache. Das gilt nicht nur für Latein.

Kommentar von Manleitner ,

Es gibt also KEINE Regel mit den Endungen auf -us? Es steht in meinem Buch nämlich i-was "wenn der Wortstamm auf einen Konsonanten endet" oder irgendwie so. Also ich glaube es gibt irgendeine Regel :0  Aber ich verstehe sie nich t:D

Kommentar von Volens ,

Selbstverständlich gibt es für -us eine Regel:

Heißt das Wort z.B. dominus, domini, gehört es zur o-a-Deklination;
heißt es opus, operis, dann ist es konsonantisch, 
und heißt es exercitus, erercitūs, dann gehört es zur u-Deklination.

Die haben dann ein paar Endungen, die man einmalig lernen muss.

Im Deutschen lernst du auch die Endungen von der, des, dem, den usw. Und vorher musstest du noch entscheiden, ob etwa eine Wand männlich wäre oder ein Tisch weiblich.
So what?

Kommentar von Manleitner ,

ok aba dazu muss ich immer den Genitiv wissen oder? AUSWENDIG

Kommentar von Willy1729 ,

Latein ist eben nichts für Faulpelze. Lerne - oder geh unter.

Willy

Kommentar von fysohard ,

Was anderes bleibt dir nicht übrig. Sonst müsstest du ja immer raten und das funktioniert so nicht. 

Indem du den Genitiv mitlernst kennst du auch den Wortstamm und weißt somit wie die anderen Endungen lauten müssen.

Kommentar von Wurzelstock ,

Nein, es gibt dafür keine praktikablen Regeln, Manleitner. Deshalb muss ein lateinisches Wort mit Nominativ, Genitiv. und Genus gelernt werden. Für letzteres gibt es auch keine Regel.

Also:

Dominus, -i, masc. der Herr

Domus, - us, fem. das Haus

Opus, operis, n. das Werk

Wie Du siehst, weicht in zwei Fällen das Genus im Deutschen von dem im Lateinischen ab.

Möglicherweise gibt es Erklärungen dafür. Das gehört aber in den erweiterten Bereich der Sprachwissenschaften. Beim Erlernen einer Sprache kann es nicht verstanden werden.

Möglich ist es nicht einmal immer bei Tochtersprachen. Was im Lateinischen maskulinum war, bleibt es meistens auch im Italienischen Spanischen, Französischen, u.s.w.

Dafür geht es aber mit den Wortstämmen und den Deklinationen oft kunterbunt durcheinander: Der chattische Soldat der kaiserlichen Leibwache hatte in Rom die gleichen Probleme mit dem Latein, wie der heutige Sextaner in Hamburg.

Wenn er aber ins Theater ging, um sich eine Komödie von Plautus anzusehen, dann reichte sein Latein vielleicht, um sich vor dem Eingang schnell noch "kaufe halbe Hähnche"; denn das Kauderwelsch des Plautus verstanden nicht einmal alle Römer - falls sie nicht in Africa gedient hatten.

Konzentriere dich beim Verständnis auf Casuslehre und Synthax - da ist nämlich Verständnis in hohem Maße gefragt! Alles andere muss gepaukt werden. Wie das kleine Einmaleins.

Expertenantwort
von Volens, Community-Experte für Latein, Schule, Sprache, 28

Du sollst ja auch gar nicht zu jedem Wort die ganze Deklination lernen, sondern es gibt mal gerade 6 Deklinationen mit bestimmten Eigenheiten, die man dann auf alle anwenden kann, die jeweils dazu gehören.

Du prägst dir nur Nominativ, Genitiv und Genus ein. 
Natürlich gibt es dann Ausnehmen, für die es auch Merksprüche gibt.

Und das alles ist immer noch einfacher als Deutsch, wo es unvorhersagbare Geschlechter gibt, die nicht in Endungen, sondern durch Artikel abgebildet werden,
sowie wirklich für jedes Substantiv einen eigenen Plural.

Schon mal darüber nachgedacht? Es hilft, den Schwierigkeitsgrad einer anderen Sprache als der deutschen richtig einzuschätzen.

Kommentar von Manleitner ,

du meinst ich soll mir einfach merken:
Dominus- domini (daher weiß ich o-dekl.)
Opus- Operis (daher weiß ich 3. dekl.)

Also immer den Genitiv dazu damit ich weiß zu welcher Deklination es gehört oder? (trotzd. steht in meinem Buch, dass es eine gewisse Regel gibt- aber egal)=

Kommentar von Volens ,

Es gibt Regeln, die die Zugehörgkeit steuern. Die brauchst du aber genauso wenig auswendig zu können wie die 1000 Regeln, die der Duden für die deutsche Sprache hat. Das kann man gar nicht.

Man merkt sich das, was sinnvoll für den Gebrauch ist, und das ist der Genitiv Singular bei der Deklination, wobei man noch dazu sagen muss, dass bei der o-a-Deklination (das ist die auf -us, -a, -um) der Genitiv (meist) nicht im Vokabular steht, weil er ungefähr so selbstverständlich ist wie die 2 bei der 2. Wurzel. Die lässt man ja auch weg. Bei allen anderen Deklinationen steht der Genitiv dann (manchmal abgekürzt: opus, -eris, n.)

Expertenantwort
von Bswss, Community-Experte für Schule, 22

Weil es nicht nur EINE, sondern meines Wissens (mindestens?)  DREI verschiedene Deklinationen im Lateinischen gibt, und deshalb eben auch unterschiedliche Endungen in jeder dieser Deklinationen.

Kommentar von Volens ,

Es gibt 6 Deklinationen, wenn man o-a als eine nimmt, sonst 8.
Die so genannte 3. Deklination hat zwar diesen hübschen Namen, besteht aber ihrerseits auch aus 3 Deklinationen, -i-, konsonantisch und gemischt.

Kommentar von Bswss ,

Gratias tibi ago.

Kommentar von Volens ,

Och, da nich füä, sag ich mal schlicht hamburgisch.

Antwort
von hydrahydra, 41

Weil 'dominus' zur o-Deklination gehört und 'opus' zur dritten.

Kommentar von Manleitner ,

ja  aba wieso?

Kommentar von hydrahydra ,

Weil das so ist. Grammatik ist nicht logisch.

Kommentar von DieChemikerin ,

Eben genau HIER ist die grammatik logisch! ALso Französisch finde ich gefühlt tausend mal verwirrender! Habe beides und Altgriechisch (der Struktur Latein ähnlich), also ja :D

Kommentar von hydrahydra ,

Nö, es gibt keinen logischen Grund, dass die Wörter in die Deklinationen gehören, in denen sie nunmal sind.

Kommentar von Wurzelstock ,

Griechisch und Latein ähnlich? - Nicht die Bohne!

Vielleicht so ähnlich wie Türkisch und Französisch ;-)))

Kommentar von DieChemikerin ,

Ich meine ähnlich von der Syntax. ;-)

Kommentar von Wurzelstock ,

Jau - das kann man gelten lassen. Sind ja beides indo-germanische Sprachen :-)

Kommentar von Wurzelstock ,

... bin da übrigens vorgestern über so eine Wortverwandschaft gestolpert:

(griech.) oinos,

(latein) vinum,

(deutsch) Woi.

Sofern man Pfälzisch als Deutsch gelten lässt. Wird da nämlich immer noch so gesprochen wie vor 2000 Jahren in den anderen beiden Sprachen.

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