Frage von Belvedere21, 25

Lang gezogener WR Vortrag über Geld?

Hey Leute, an diesem wunderbaren Wintertag mit 16 C im Schatten ;D. Ich habe einen WR Vortrag über Geld zu bewältigen. Leider ist mir jetzt aufgefallen, dass man ja so endlos viel darüber reden kann. Man muss die Zusammenhänge erklären und auf die meisten Themengebiete eingehen. Ich habe keine Peilung, über was ich alles reden soll. Und wie erkläre ich alles so, dass es auch Dummies verstehen?

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Antwort
von berkersheim, 9

Die oft zu vernehmende Aussage, dass sich Geld vermehrt, ist ein Märchen! Römische Münzen, die hunderte Jahre in der Erde geschlummert haben, sind um keine Sesterze mehr geworden. Sie haben Sammlerwert, mehr nicht. Als Geld sind Sesterzen nicht mehr im Umlauf und vollkommen wertlos. Auch wenn sie mal Geld waren, haben sie sich durch Verleihen nur zu Zeiten vermehrt, als die Kreditnehmer mit den geliehenen Sesterzen lukrative Geschäfte finanzieren konnten, wovon sie dem Verleiher einen Zins zahlen konnten. Geld fördert ökonomisch lukrativere Ideen und gibt ihnen Potential, wirksam zu werden.

1)Wer Geld nicht versteht, versteht die Menschen nicht. Denn Geld ist nur die Materialisierung von Werten, die die Menschen den Dingen immer und überall beilegen. Wir Menschen werten ununterbrochen, vergleichen oder schätzen ein. Das entspricht unserem Ur-Überlebenstrieb und Du musst schon die Menschen abschaffen, wenn Du die letzte Ursache von Geld abschaffen willst. Erst wenn niemand mehr wertet, wird es keine Repräsentanz für Werte geben.

2)An der Entwicklung des Geldes (ist die Primitivform) und der differenzierten Formen (Finanzwirtschaft) kann man den Entwicklungsstand von Gesellschaften ablesen. Je komplexer eine Gesellschaft, desto komplexer die finanziellen Beziehungen als spezielle Rechtsbeziehungen. Erst in einer entwickelten Gesellschaft wird nach und nach der Austausch von Werten über Geld geregelt, denn Geld verlangt bereits ein gewisses Abstraktionsvermögen, weil es als Tauschmedium bereits mehrere gesellschaftliche Funktionen automatisch einschließt.

3)Man kann sagen, dass die Hauptabsicht, Geld als leicht handhabares Tauschmittel zu haben ungefragt einige Nebenwirkungen nach sich zieht, wie z.B. die Wertaufbewahrungsfunktion und über Wertaufbewahrung die Verfügbarkeit und über Verfügbarkeit und gesellschaftliche Potenz z.B. die Macht. Der Philosoph Popper hat das gezeigt, dass die angenehme Handhabung, zu zählen und zu rechnen automatisch die Primzahlen im Gepäck hatte. Die ersten Menschen, die mit dem Zählen und Rechnen begonnen haben (auch eine abstrakte Funktion), ahnten nicht, was für eine Mathematik sie installiert hatten, die erst nach und nach als erweiterte Funktion entdeckt wurde. So ist es auch mit dem Geld. Schon sehr früh haben z.B. mit den ersten Münzen die Ägypter entdeckt, dass man Münzen als Herrschaftsmittel, als Machtbeleg verwenden konnte, indem man das Konterfei des Herrschers aufdruckte als Beleg, dass er sich vorbehielt, den Wert des Geldes zu bestimmen.

4)Geld an sich hat keinen Wert. Werte verleihen nur Menschen. Der Grundwert des umlaufenden Geldes entspricht im Ursprung dem Gegenwert der zu tauschenden Waren. Vermehrt ein Herrscher (heute die EZB) das umlaufende Geld, ohne die Warengesamtheit zu vermehren, verliert die einzelne Münze an Wert, was man Inflation nennt. Aber diese einfache Beziehung gilt nicht mehr, denn Geld wird ja langsam abgeschafft. Wir stehen an der Schwelle, reine Werte auszutauschen, die nur noch in Dateien festgehalten werden und z.B. per Karte hin- und herverschoben werden. Geld vermehrt sich nicht - Werte schon - ha! das ist ein Riesenunterschied. Wenn sich jemand Geld für eine Investition leiht und das mit Zinsen aus dem Mehrprodukt zurückzahlt, hat sich tatsächlich Wert vermehrt in Form der Mehrprodukte, die damit ermöglicht wurden. Werte vermehren sich durch technischen Fortschritt und Effektivitätssteigerung. Ein Verbraucherkredit, nur um einen PC zu bezahlen, hat nie eine Wertvermehrung, denn es ist nur eine Verschiebung zwischen dem Gläubiger und dem Schuldner, wer das Geld ausgibt.

5)Als letztes: Was da als Besitz von Kapital deklariert wird, ist etwas anderes als Geld, das Du im Beutel oder auf der Bank hast. Da handelt es sich um Produktionskapital, Grundstücke, Maschinen, Werksgebäude usw.. Dieses Kapital ist nicht frei verfügbar sondern in diesen Anlagen gebunden. Außerdem kann kein Kapitalbesitzer damit machen, was er will, denn in allen Ländern ist Kapital an Regeln gebunden. Du kannst mit Deinem Auto auch nicht machen, was Du willst. Da gibt es die Straßenverkehrsordnung, die Parkordnung, Vorschriften zur Entsorgung usw.. Und wenn Du es in der Stadt abstellen willst, musst Du dafür löhnen. Schon mal einen Blick in die dicken Bücher des Wirtschaftsrechts geworfen. Ins Steuerrecht? Unsere Gesellschaft ist von einem dichten Netz von Rechtsbeziehungen durchzogen. Darum gibt es knapp 200.000 Rechtsanwälte in Deutschland. Wir leben in einer sehr komlexen Gesellschaft, ohne die und die vielfältigen Beziehungen man 80 Millionen Menschen nicht ernähren könnte! Wenn in Deutschland wichtige Banken zusammenbrechen, bricht Chaos aus und Hungersnot. Da wird manchen zu spät klar, wie wichtig Geld als Medium der Transformation ist.

Es war ein Riesenunterschied, ob man früher Waren gegen Waren getauscht hat, weil das sehr aufwändig war. Über Güter, die mehrheitlich als Tauschgüter benutzt wurden, kam man zu einem rein abstrakten Geld, das als reines Tauschprodukt den Tausch nur vermittelt hat. Obwohl in beiden Fällen nur Werte getauscht worden sind, war die Einführung von Münzen und später Scheinen eine ungeheure Beschleunigung von Wirtschaftsaustausch. Man konnte in viel höherem Maße Verfügung über Werte horten und auch zu Zwecken der Macht einsetzen. Ein gleich großer Umbruch ist der Wechsel von "Geld" auf reine direkte Wertverschiebung auf Bankkonten. "Plastikgeld" ist ein irreführender Begriff. In Wirklichkeit fällt der Wechsel zu materialisierten Werten weg. In den USA ist erkennbar, dass viele keine Kontrolle mehr über ihre Wertkapazitäten haben und irre verschuldet sind. Das führt zu einer neuen Sklaverei! Und Politiker wie Banker fordern die Abschaffung des realen Geldes, weil sie viel leichter per Beschluss auf die Konten zugreifen können. Das ist ein weiterer Schritt nicht nur zum gläsernen Bürger, indem die Vertreter der Macht nicht nur einsehen können, was jeder hat, sie können ungefragt direkt darüber verfügen! Das ist eine neue Qualität von Abhängigkeit.

Insgesamt ist ein Geldschein rechtlich ein Schuldschein, für dessen Wert die Gemeinschaft, auf die er bezogen ist, haftet, vor allem, wenn er außer Landes geht. Darum sind die immensen Schulden, die seit den 70er Jahren angehäuft wurden und die gewaltigen Garantien und die Target2-Salden der Bundesbank keine Kinkerlitzchen. Auch das Ausmaß, in dem Banken "faule Kredite" vergeben können und vergeben, bzw. "faule Schuldverschreibungen" als angebliche Sicherungswerte anerkennen ist ein Problem. Das ist aber kein Problem des Geldsystems als solchem sondern der Gesellschaften und vor allem der Politiker, die in ihrer Gier Schulden in Massen auf künftige Generationen verschieben, was die nie abtragen können. Das war aber nicht anders, als noch ein Wertgeld in Form von Edelmetallen herrschte. Ein Geldsystem ist ein Vertrauenssystem, egal auf welcher Grundlage. Was unsere Politiker machen ist, die Leute für dumm verkaufen und ihr Vertrauen missbrauchen, weil diese die abstrakten Vorgänge in ihrer Komplexität nicht durchschauen.

Schulden sind kein Problem, wenn sie wie vereinbart zurückgezahlt werden. Das Problem sind nicht die Schulden, sondern dass das Versprechen der Rückzahlung gebrochen wird oder abgegeben wird, obwohl man genau weiß, dass es nicht einzuhalten ist. Schulden für Konsum sind nur ein in der Zeit gemachter Tausch zwischen Schuldner und Gläubiger. Funktioniert millionenfach z.B. beim Autokauf oder Häuserkauf und schmiert die Wirtschaft. Wenn alle fein zurückzahlen, was meist der Fall ist, ist das kein Problem. Schulden für Investitionen beschleunigen das Wachstum der Wirtschaft, wenn sie fair laut Vereinbarung zurückgezahlt werden. Schulden sind eine Vereinbarung: Du gibst mir Geld jetzt, ich zahle Dir später mit einem Aufschlag zurück. Solange die Vereinbarungen eingehalten werden, sind Schulden kein Problem sondern eher förderlich für die Wirtschaft.

Antwort
von FrageSchlumpf, 4

Diese Unsitte greift immer mehr um sich - da bekommen Leute einen Auftrag einen Vortag zu halten, die keine Ahnung von der Materie haben und keine Hilfmittel an die Hand bekommen, sich das notwendige Wissen anzueignen - armes Deutschland.

Kein Lehrbuch, kein Zugriff auf eine Bibliothek ???

Vlt ein paar wichtige Randnotizen

Zentralbankgeld und "Geld" sind zwei paar Stiefel.

Bargeld ist Geld, Buchgeld ist auch Geld ( und nicht irgendwelche Mickey Mouse Luftbuchungen wie manche behaupten ).

Geld existiert netto nicht, da jeder Geldforderung eine Geldverbindlichkeit gegenübersteht.

Ohne "Kreditgewährung aus dem Nichts" gäbe es auch nichts. Keine Wirtschaft die über einfachste Selbstversorger hinausgeht.

Und !!! Versuche am besten, denn Begriff "Geldschöfpung" nicht zu verwenden. Durch diesen Prozess wird kein Geld "geschöpft" in dem Sinne, dass jemand Geld hat, der vorher keines hatte.

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