Frage von Noidea333, 58

Läuft euer Leben nach Plan oder herrscht doch immer totales Chaos?

Hallo Leute,

diese Frage würde mich mal interessieren, weil es doch immer wieder Leute gibt, die total verzweifelt sind und nicht wissen, in welche Richtung sie laufen sollen.

Ich persönlich hole gerade nach der Arbeit mein Abi an einem Abendgymnasium nach und bin froh, wenn das endlich vorbei ist. Und danach muss ich mal schauen, wie es mir gesundheitlich geht und was ich für Noten habe. Denn studieren möchte ich eigentlich schon :-)

Aber ich habe ja einen festen Beruf. Von daher herrscht in meinem Leben keine Planlosigkeit, wie bei anderen Menschen teilweise nach dem Abi.

Nur ein Beispiel von mir...

Wie ist das bei euch? Seid ihr im Grunde genommen zufrieden? Oder wünscht ihr euch schon einiges anders gemacht zu haben? Und wenn ja, konntet oder könntet ihr etwas daran ändern? Oder müsst ihr einfach jetzt damit leben? Denn ich denke, dass man "fast" immer Möglichkeiten hat, etwas zu ändern, wie z.B. Abi nachholen auf dem zweiten Bildungsweg etc. ... Auch Ausbildungen kann man wechseln und neu anfangen...

Auch privat kommt es ja häufiger vor, dass man den falschen Leuten vertraut...

Über Antworten würde ich mich sehr freuen, wenn ihr gewisse Erfahrungen hier mit anderen teilen wollt :-)

Danke und Gruß

Noidea333

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Enzylexikon, 20

Läuft euer Leben nach Plan?

Ich verlasse mich grundsätzlich nicht auf Pläne.

Es entspringt dem Bedürfnis nach Sicherheit, das Leben zu planen. Eine klare Vorstellung davon zu haben, was man zu welchem Zeitpunkt erreicht haben wird - Ehe, Familie, Beruf, Rente - gibt ein Gefühl von Sicherheit.

Doch erstens kommt es anders - und zweitens als man denkt.

Es gibt junge Menschen, die gerade einmal ihren Status als Beamter erreicht haben, aber bereits jetzt an Besoldungsstufen und Steuerklassen, sowie ihren Renten herumrechnen, als stünden sie bereits vor dem Ruhestand.

Dieses Haften an Plänen finde ich bizarr. Wem nutzen denn diese Pläne? Wer sagt denn überhaupt, dass man es bis zum Rentenalter schaffen wird?

Ein einziges Ereignis kann das Leben völlig verändern und die ganzen bisherigen Pläne über den Haufen werfen.

Zu glauben, mit "mein Haus, mein Auto, mein Swimmingpool" sei alles gesichert, ist aus meiner Sicht ein schwerwiegender Irrtum.

Herzinfarkt, Hirnschlag, Krebs, Unfall - es gibt so viele Ereignisse, die dazu führen, dass das Kartenhaus der Sicherheit zusammenbricht.

Wirklich sicher ist nur die Unsicherheit.

Natürlich muss man in gewissen Rahmen planen - die Einkaufsliste für morgen, die Terminarbeit für nächste Woche, oder die Vorbestellung des Urlaubsflugs.

Doch man sollte diese Pläne nicht zum persönlichen Maßstab von Glück und Zufriedenheit machen.

Ich halte es für wichtig, das eigene Befinden, den Seelenfrieden, nicht von der Erfüllung persönlicher Wünsche und Pläne abhängig zu machen

Seid ihr im Grunde genommen zufrieden?

Ja, auf jeden Fall. Mir geht es gesundheitlich gut, ich lebe in einem wohlhabenden Land ohne gewalttätige Konflikte, habe freundliche Menschen in meinem Umfeld und genieße Luxus, wie etwa eine Internetverbindung.

Es gibt zwar noch ein paar Wunschvorstellungen, die ich gerne erfüllt hätte - aber sollte sich das nicht ergeben, ist das auch kein Beinbruch.

Oder wünscht ihr euch schon einiges anders gemacht zu haben?

Für mich ist die Vergangenheit vergangen. Man kann Dinge nicht rückgängig machen und sollte diese Tatsache einfach akzeptieren. 

Wenn man aus den vergangenen Erfahrungen etwas für die Gegenwart gelernt hat, dann waren es wertvolle Erfahrungen - auch wenn sie nicht angenehm waren.

Der Mensch der ich heute bin, bin ich durch meine Erfahrungen. Hätte ich andere Erfahrungen gemacht, wäre ich vermutlich ein anderer Mensch.

Aber mit "hätte", "wäre" und "vermutlich" kommt man nicht weiter. Solche Gedanken mache ich mir gar nicht.

Denn ich denke, dass man "fast" immer Möglichkeiten hat, etwas zu ändern

Für einen persönlich halte ich es wichtiger zu erkennen, dass sich alles ständig ändert und wir auch dieser Veränderung unterliegen. Man kann nicht immer alles zurecht biegen.

Die Vorstellung, immer alles "unter Kontrolle" zu haben und alles "nach Plan" verlaufen zu lassen, ist eine Illusion die so lange dauert, bis das Schicksal sie einem aus der Hand schlägt.

Es ist ein Unterschied ob man sagt "jeder hat seine Verantwortung und ist dennoch seines Glückes Schmied", oder ob man sich einbildet, der "große Macher" zu sein, der alles nach eigenen Wünschen formen kann.

Ich denke, das Wesentliche, an dessen Änderung man wirklich arbeiten sollte, ist die eigene Geisteshaltung  - der Sicherheitswahn, der Kontrollzwang, das Anhaften an Plänen - die einen letztlich nur begrenztes Wohlbefinden geben.

Heutzutage will man alles "optimieren", und "das Beste" erreichen - wohl bemerkt, in der Regel für sich selbst und nicht für die Allgemeinheit.

Wenn ihr gewisse Erfahrungen hier mit anderen teilen wollt

Ich habe viele Erfahrungen gemacht und festgestellt, dass es für mich nur ganz grundlegende Punkte gibt

  • Alles ist der Veränderung unterworfen
  • Nichtakzeptanz der Veränderung ist zwecklos
  • Loslassen von der Vorstellung der Konstanz und Sicherheit
  • Jeder muss seine Verantwortung selbst tragen
  • Niemand ist eine Insel
  • Erkenne dich selbst

Ansonsten halte ich es weitgehend mit John Lennon:

Ich rate nicht dazu, Vermeidungsverhalten zu zeigen und sich jeder Verantwortung zu entziehen, um Nabelschau zu betreiben - wir haben schließlich auch eine Verantwortung gegenüber Anderen.

Andererseits hat der Liedtext durchaus Recht - es ist eine ungemein befreiende Erfahrung, das Karussell der gesellschaftlichen Anforderungen und Erwartungen zu verlassen und die Rolle des Beobachters einzunehmen.

Wir spielen ständig verschiedene Rollen und nehmen jede so ernst, als wäre sie das wichtigste auf der Welt - nur um kurz darauf die nächste Rolle mit der gleichen Verbissenheit zu spielen.

Wir nehmen die falschen Dinge einfach unglaublich ernst.

Es ist sehr wohltuend, Dinge relativer und weniger absolut zu betrachten. Das gilt gerade auch für scheinbare "Sicherheiten" und "Pläne"

Einfach mal mental aus dem Hamsterrad des Lebens aussteigen und die ganzen Pläne, Hoffnungen und Erwartungen fallen lassen.

Seitdem ich mich nicht mehr so ernst nehme und dennoch meiner Verantwortung stelle, geht es mir viel besser, als es mir mit irgendwelchen absoluten Plänen und Zielen jemals ging.

Kommentar von Allexandra0809 ,

Eine super tolle Antwort. Das Leben zu planen kann zu viel kostbare Zeit in Anspruch nehmen. Der Einkaufszettel ist oft schon genug Planung.

Kommentar von Noidea333 ,

Ja genau, meine Rede :-) Ich sehe es ja genauso und wollte nur wissen, wo die anderen Leute momentan in ihrem Leben stehen.

Kommentar von Enzylexikon ,

Vielen Dank für den Stern. :)

Antwort
von Allexandra0809, 23

Auch Du wirst, wenn Du älter bist, feststellen, dass Du manches hättes vielleicht anders machen können. Daran lässt sich aber nach einigen Jahren nichts mehr ändern.

Das sagt nicht aus, dass Dein Leben nicht gut gelaufen ist, es hätte aber vielleicht auch anders sein können.

Mit meinem Leben bin ich zufrieden, auch wenn ich es an manchen Stellen heute anders machen würde. Das merkt man aber oftmals erst später, wenn man gewisse Erfahrungen hat.

Kommentar von Noidea333 ,

Das stimmt schon. Mein Leben ist nicht rosig verlaufen, aber dennoch bereue ich auch nicht, wie es sich entwickelt hat. Nur wenn man so zurückdenkt, gibt es schon so einige Ecken und Kanten, an denen man sich immer wieder gedanklich stößt.

Kommentar von Allexandra0809 ,

Wärst Du heute nochmals an diesen Stationen würdest Du wahrscheinlich wieder so entscheiden. Du hast ja nicht die Erfahrung und weißt nicht, wie sich die Entscheidungen später noch auswirken werden.

Deswegen ist es schon so gut, wie es verlaufen ist. Manche Zeiten möchte man vielleicht gerne nochmals erleben, während man andere lieber ausklammern möchte.

Das nennt sich einfach Leben.

Antwort
von AndrewBehring, 18

Also bei mir läuft alles nach plan. In der Schulzeit war ich eher der klassenclown, habe aber dann die Kurve bekommen und einen guten Abschuss gemacht. Ich habe mir immer eine eigene Familie gewünscht und das ist in Erfüllung gegangen. Ich habe eine Freundin, die ich seit der Schulzeit kennen und lieben lernte. Wir haben eine wunderbare Tochter, die unser leben zum besten auf erden macht. Ich habe meinen Traum Beruf als LKW bzw. Kraftfahrer, ich liebe die Fahrten zu den Kunden und jedes mal neue Leute kennen zu lernen :)

Kommentar von Noidea333 ,

Freut mich zu hören. Ich wünsche euch alles Gute für die gemeinsame Zukunft :-)

Kommentar von AndrewBehring ,

Vielen dank :) ich wünsche dir auch alles gute für die Zukunft :)

Antwort
von Kasumix, 28

Bei mir gibt es keinen Plan den ich abarbeite - ich glaube dafür sprechen die Erfahrungen, die man bisher gesammelt hat ^^

Man hatte Vorstellungen - die zum Teil eingetroffen sind, zum Teil nicht.

Manche Dinge kann man im Leben beeinflussen... viele machen es sich selbst schwer. Manche Dinge werden durch den Zufall oder das Schicksal bestimmt.

Ich bin nicht unzufrieden - alles was ich in der Hand habe, versuche ich nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Manchmal spielen da eben auch noch andere Menschen mit rein... aber auch die haben ihre eigenen Ansichten, die man nicht immer beeinflussen kann ;)

Antwort
von Zorrulu, 20

Hmm, schwierige Frage. Im Moment ist mein Leben perfekt, da ich keinen fixen Plan im Kopf habe. Ich lasse alles auf mich zu kommen und es funktioniert. Es ist quasi ein ungeplantes Chaos, welches ganz gut klappt. 

Wenn ich denn drang hätte, etwas zu ändern - und es auch in meiner Hand läge - dann würde ich es sofort tun; wir sind alle für unser eigenes Leben verantwortlich. 

Auf jeden Fall bin ich glücklich!

Antwort
von ASW19, 19

Läuft euer Leben nach Plan oder herrscht doch immer totales Chaos?

Planlos geht der Plan los.

Wie ist das bei euch? Seid ihr im Grunde genommen zufrieden?

Nein. An einem Punkt, an dem man nicht zufrieden ist, sollte man etwas ändern. Dies werde ich zeitnahe machen.

Oder wünscht ihr euch schon einiges anders gemacht zu haben? Und wenn ja, konntet oder könntet ihr etwas daran ändern?

Nein, ich glaube nicht. Natürlich gibt es Erfahrungen, auf die man selbst im Nachhinein verzichten könnte, aber... Dann hätte man sie noch vor sich ;-)

Oder müsst ihr einfach jetzt damit leben?

Das ist dann so. Immer das Beste draus machen...

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