Man hört doch immer wieder, dass die Flaschen mit Plastikverschluss billig sind und deshalb auch schlecht. Aber hat das wirklich etwas mit dem Verschluss der Flasche zu tun?
Es kommen immer mehr Weine mit Kunststoffkorken auf den Markt. Ist auch verständlich, denn wenn man eine teuren Wein kauft und der dann "korkt" ist man als Kunde erstmal enttäuscht. Das kann bei Kunststoff nicht passieren und die sehen auch täuschend echt aus. Beim Sekt od. besser Champagner wird allerdings ein hochwertiges erzeugnis keinen Plastikkorken haben. Mir schmeckt übrigens trotzdem der Auerbach Sekt von ALDI mit Plastikkorken sehr gut.
Nein, dies hat mit der Art des Verschlusses nichts zu tun. Plastikverschlüsse sind sogar besser (länger haltbar), da auch z.Zt. der Kork keine gute Qualität aufweist. Es ist lediglich eine optische Geschmackssache.
Ob ein Sekt qualitativ gut oder schlecht ist, hat am allerwenigsten etwas mit dem Flaschenverschluss zu tun. Die Qualität eines Sektes hängt vor allem von der Qualität der verwendeten Weinen ab und von "Sektherstellung" (welche Gärhefen werden z.B. verwendet, wie lange reift der Sekt noch im Tank oder in der Flasche usw.) Früher konnte man sagen, dass ein Sekt mit einem Kunststoffverschluss, sehr wahrscheinlich, kein Spitzensekt war. Denn da hat der Hersteller überall darauf geachtet, einen billigen Sekt herzustellen. Also waren die verwendetet Grundweine billig, die verwendete Hefe billig und der Verschluss billig. Heute kann man das nicht mehr so unbedingt sagen, denn man versucht das Problem des "Korkschmeckers" (das ist der Geschmack, der durch einen schlechten Kork in den Wein oder Sekt übergeht), dadurch zu verhindern, indem man Verschlüsse verwendet, die keinen geschmacklichen Einfluss auf den Flascheninhalt haben. Im Grunde wäre es also richtiger, für Sekte und Champangner der höchsten Qualität perfekte Kunststoffverschlüsse zu verwenden und nur noch für billige Sekte Korkverschlüsse zu verwenden. Denn bei einem "Korkschmecker" ist der Inhalt mehr oder weniger wertlos geworden. Und das ist bei einem Spitzensekt dann für den Hersteller und den Händler, der dann kostenlosen Ersatz oder Gelderstattung leisten muss, schlimmer als bei einem billigen Sekt.
Aber der Verzicht auf Kork ist eben auch ein Bruch mit einer alten Tradition. Und daher getrauen sich gerade die Hersteller von Spitzensekten (noch) nicht, auf den Kork zu verzichten. Aber das zeigt halt auch, wie dumm die Menschen sind, für die es unbedingt Kork sein muss, auch wenn es dafür keine vernünftige Erklärung gibt.
Reiner, Bretzenheim / 18.01.07