Frage von pHreflux, 172

Wo kann man Laborglas kaufen?

Hallo, ich habe seit einiger Zeit vor, mir ein Labor einzurichten, da meine Kenntnisse in der Chemie zwar recht adäquat, aber doch recht theoretisch vorhanden sind. Daher mein Plan mit dem Labor. Doch wie ihr sicherlich wisst, ist Laborglas, vor allem für Privatpersonen, sehr teuer. Daher suche ich seit einiger Zeit nach Alternativen diesbezüglich, jedoch kommt China-Kram für mich nicht in Frage. Ich suche nach normalen Destillationsgeräten (Dimroth-,Allihn-,und Liebigkühler), Krümmern, Mehrhalskolben und anderen Schliffgeräten. Habt ihr da Vorschläge? Danke für jede hilfreiche Antwort.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von mgausmann, Community-Experte für Chemie, 103

Deinen Gerätebeispielen zufolge scheinst du direkt eine große Synthese-Karriere in deinem Keller zu planen. Wenn du direkt mit Kühlern, Schliffapparaturen etc. loslegen willst ist das zum scheitern verurteilt.

1. Du brauchst für diese dinge wirklich stabile Stative (Mehrzahl!). idealerweise sogar in einem Abzug verbaut. Sonst bekommt man das nicht stabil konstruiert und du zerstörst dir möglicherweise das teure Laborglas.

2. Wenn du für deine Reaktionen schon Mehrhalskolben brauchst, glaube ich kaum, dass du diese Synthesen/Reaktionen als Laie vernünftig hinbekommst. Es gibt ziemlich viel zu beachten, wenn man organische Synthesen kochen will, dafür brauchst du erstmal etwas theoretischen Hintergrund und dann lernt man allmählich die Praxis.

3. Brauchst du für die ganzen Reaktionen Ölbäder, Magnetrührplatten (in einem Rundkolben gibt es kaum eine andere Rührmöglichkeit, außer Magnetrührer oder KPG-Rührer. Für den Start eines Labores wird dir das schätzungsweise deinen finanziellen Rahmen sprengen. Für vollständige organische Reaktionen/Synthese brauchst du außerdem noch einiges mehr, was du jetzt vermutlich noch gar nichts bedenkst. Das fängt bei Tropftrichtern, Scheidetrichtern an und endet realistischerweise in einem Rotationsverdampfer.

4. Die Reaktionen die man mit solchen Geräten kocht, verlangen in der Regel Stoffe, die du ohne Abzug keinesfalls handhaben willst. a) weils stinkt (Lösungsmittel etc...) b) weils oft giftig oder krebserregend ist. Ohne professionellen Abzug - NO GO.

Fazit: Fang mit überwiegend anorganischer Chemie an. Dafür tun's fast immer Bechergläser, Erlenmeyerkolben, Spatel, Trichter, Filter, Abdampfschalen/Kristallisierschalen, Tiegel, Bunsenbrenner, Reagenzgläser, Glasröhrchen, Pipetten, Gaswaschflaschen, Schläuche etc.
Das ist noch verhältnismäßig günstig alles und wenn du dir wirklich alles kaufst was man so braucht (am anfang kann man viel auch improvisieren), ist das auch schon ne Stange Geld. Falls du es denn möchtest, kannst du dir natürlich eine einfach Destillationsbrücke (Liebig) mit 2 Kolben kaufen. Ich rate da allerdings zu Erlenmeyerkolben mit Schliff, in Kombination mit einer herkömmlichen Heizplatte (da kann man halt auch BG's und Erlys draufstellen). Da bist du dann für die Destillationsapparatur für ~50-60€ Dabei. Als Thermometer tuts auch nen normales Laborthermometer mit "Quickfit". Schliffthermometer kosten nochmal ~30€-50€.

Rundkolben, Rückflusskühler, Mehrhalskolben sind ein Luxus, den man sich vielleicht nach ein paar Jahren mal gönnen kann. Der Grund warum man hauptsächlich Rundkolben den Erlenmeyerkolben vorzieht ist meist sowieso der, dass man Rundkolben evakuieren kann und Erlenmeyerkolben nicht. Ansonsten kann man fast alles was in Rundkolben passiert auch in Erlenmeyerkolben machen. Und Vakuumdestillationen, Sublimationen, Schutzgasarbeiten, Entfernen von Lösemittelrückständen hattest du erstmal nicht vor vermute ich mal...

Außerdem solltest du dir natürlich Gedanken um einen Abzug machen, wenns über Essigsäure und Backpulver hinaus gehen soll.

Kommentar von pHreflux ,

Erstmal ein dickes Danke für die Antwort! Ich habe schon einiges an Laborglas, sprich Scheidetrichter, Troftrichter, Schliffthermometer, Pumpen und Kühlbäder, Kristallisierschalen, einen 2l Topf für Ölbäder, Stativ; ist im Abzug verbaut, Muffen, Klemmen, der Abzug; ein spezieller Axialplastikrohrventilator mit einer Kapazität von 680 m³/h, A-Kohlefilter, das ganze verbaut in einem PVC-Rohrsystem, und nein, einen Rotationsverdampfer Brauche ich wirklich nicht ;) Habe das ganze mit meinem Vater einem ehemaligen Laboranten und Chemiestudenten geplant und gebaut, Saugflasche und B-Trichter hab ich auch schon... Ich habe mir wie schon gesagt, ein adäquates Wissen, auch in der organischen Chemie, weil ich seit ca. 1 Jahr außerhalb der Schule ebenfalls Chemie lerne und mich über die physikalischen Grundlagen von Lösungsenthalpien, Extraktionen, Reaktionsethalpien und Massenberechnungen etc. informiere. Irgendwie kam es mir, während ich deinen Kommentar gelesen habe, so vor, als ob du mich für so nen CrazyRussianHacker hälst, der mal zum Spass n bisschen Schwefelsäure und Zucker zusammenkippt XD. Nein, ich sage dir ernsthaft, ich finde, einfach irgendetwas zusammenzumixen, ohne das man weiß, was man da tut, lächerlich.Ich will immer den Hintergrund von Synthesen und Reaktionsmechanismen verstehen, weil es mich interessiert. Also dir nochmal vielen Dank für deine Antwort und die Zeit, die du dir dafür genommen hast. Trotzdem kam dein Text stellenweise etwas arrogant rüber, wobei ich mir nicht denken kann, dass das deine Absicht war... Gruß, pHreflux

Kommentar von mgausmann ,

Mit Arroganz hat das wenig zu tun. Aber weißt du wieviele Leute hier mit solchen Fragen ankommen, die sich ganz offensichtlich wie CrazyRussianHacker aufführen? Das hier ist das Internet, natürlich sollte man solche Leute erstmal auf den Boden der Tatsachen holen. Und auch wenn du dir vielleicht viel angelesen hast - das kann ich nicht beurteilen - rate ich dir: fange trotzdem klein an. Wirklich sauberes Arbeiten im Labor lernt man nicht in einem Jahr im Keller. Und vorher solltest du die Finger von Bromdestillationen und ähnliches lassen, nur weils "cool" ist.

Die Praxis ist etwas vollkommen anderes und wenn man eben schon danach fragt, dass man eben Dinge mit Stoffen wie Chromylchlorid oder auch Brom arbeiten will, dann hört sich das eher nach dem Reiz des Verbotenen an. Denn mal Hand aufs Herz: Chromylchlorid ist eigentlich komplett unbrauchbar, Brom braucht man hauptsächlich in der organischen Chemie. Also wieso sollte ein Anfänger gerade das herstellen wollen? Erwachsen an die Sache rangehen sieht anders aus.

Wie auch immer, wenn du richtig in die Hobbychemie einsteigen möchtest, ist das hier sowieso die falsche Plattform. Wende dich am besten an illumina-chemie.de, dort sind quasi alle deutschen Hobbychemiker versammelt und werden dir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Kommentar von pHreflux ,

Gut, danke für den Link, bin im Moment viel in solchen Foren unterwegs, tatsächlich aber bis auf chemieonline.de, nur in englischen ... Ich glaube ich habe mich etwas ungenau ausgedrückt, weil ich nicht sagen wollte, dass ich gleich mit Brom-Synthesen anfangen will. Ich hatte des nur eben mal geplant, für die ferne Zukunft, weil in die Bromierung, wie auch die Umsetzung von Alkenen zu Aldehyden, (deshalb des Chromylchlorid) für hochinteressante Themen halte. Außerdem vermute ich, meine Frage hat den Eindruck hinterlassen, dass ich überhaupt keine Erfahrung in der Versuchschemie habe. Das ist aber falsch, da ich in der anorganischen Chemie schon recht viel experimentiert (Synthesen, keine Show-Versuche) habe. BGs und Erlys hab ich neben einfachen Schliffkram und den Standardgeräten schon länger da und auch benutzt. Ich wollte sagen, dass meine Praxiserfahrung in der organischen Chemie recht übersichtlich ist und ich kein absoluter Anfänger bin. Ich denke ich werde mich demnächst mal n bisschen bei illumina herumtreiben, vielleicht trifft man sich ja mal

Expertenantwort
von musicmaker201, Community-Experte für Chemie, 78

Ich würde mal bei ebay oder in Foren nach gebrauchten Geräten ausschau halten. Neu sind die alle nämlich sehr teuer, auch wenn man sich nur die EK Preise anschaut...

Kommentar von mgausmann ,

Auch ein guter Tipp... oft findet man bei ebay sogenannte "Labor-Konvolut". Da hat dann jemand das Labor einer Praxis o.ä. aufgelöst und verkauft alle Laborgläser in einer Auktion. Da kann man oft Schnäppchen machen, so viele Leute kaufen sowas glücklicherweise nicht gebraucht, Firmen machen sich nicht die Mühe ihr Laborglas auf ebay zu suchen...

Oft sind die Gläser allerdings sehr alt... Macht aber in den meisten Fällen nichts ;)

Antwort
von MedDeutsch, 90

Laborglas ist nicht nur für Privatpersonen teuer. Auch meine Uni zahlt für einen Liebigkühler 60€. 

Wenn man vernünftige Teile haben möchte, muss man entweder bei eBay und Co. Glück haben oder eben das Geld zahlen.

Antwort
von PeterKremsner, 104

Du kannst mal in Apotheken suchen, ich habe meine Geräte von einer, ein anderer Anlaufpunkt könnten größere Drogerien sein.

Kühler Krümmer usw sind aber in normalerweise recht teuer.

China-Kram für mich nicht in Frage

Das solltest du nicht so eng sehen, wenn du einfache Experimente machen willst dann reichen die Vollkommen aus, es sei denn du willst Salpetersäure abdestillieren, da kann es dann sein dass das Glas unter Umständen angegriffen wird aber auch erst nach längerer Zeit.

Ich habe ein paar billige Erlenmeyerkolben die sehen noch aus wie am ersten Tag und da hatte ich schon Knabberwasser (Schwefelsäure + Wasserstoffperoxid) und Königswasser drinnen.

Ich kann mir aber Vorstellen dass sich vielleicht bestimmte Bestandteile des Glases lösen und zu Fehlergebnissen bei genauen Tests führen können. Aber für den Hobbybereich sollte das keine Rolle spielen.

Kommentar von pHreflux ,

meine Geräte habe ich alle schon, in sehr gutem Preis-Leistunsverhältnis auf eBay ersteigert (Magnetrührer usw.). Ich habe eben vor, im Hobbylabor auch mit starken Säuren und Laugen zu arbeiten, und ein Bekannter von mir, der für seine Laborantenausbildung immer dieses Glas gekauft hatte, meinte, dass dieses Glas oft Normales - und kein Borosilikatglas wäre. Er sagte, er hätte einen dieser Chinakolben zweimal nachkaufen müssen, bis er verstanden hätte, dass das Glas nicht wegen seiner Unachtsamkeit, sondern wegen der schlechten Qualität kaputt gegangen sei. Da ich auch vorhabe, mit aggressiveren Stoffen wie Chromylchlorid, Brom, Chlor usw. zu experimentieren, (Für einen Abzug ist gesorgt) ist für mich dieses Glas eher ungeeignet.

Kommentar von mgausmann ,

Kalksodaglas ist chemisch genauso beständig wie Borosilikat. Das ist also kein Argument.

Der unterschied ist die Wärmebeständigkeit, bzw. die Widerstandskraft bei schnellen Temperaturwechseln...

Kommentar von mgausmann ,

Nebenbei ist es ziemlich leichtsinnig direkt mit Chromylchlorid, Brom etc. zu arbeiten. Starke Laugen/Säuren sind eine Sache, Verätzungen sind immernoch besser als Krebs.
Wenn du keine chemische Ausbildung genossen hast, solltest du zunächst die Finger davon lassen.

Kommentar von pHreflux ,

Es geht nicht um Kalksodaglas, das ist kein Thema. Das "Chinaglas" das ich meinte ist oft gar kein Boro- oder Kalksodaglas, sondern "Glasabfälle" aus einer Mischung von Gläsern. Das hat zur Folge, dass das Glas zum einen nicht sehr Temperaturbeständig ist und das leichter Risse entstehen können, weil die leicht unterschiedlichen Glasarten unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten haben. Sowas brauchen ich nicht. Ich haben dann lieber höhere Anschaffungskosten als ein schnell defektes Produkt.

Kommentar von PeterKremsner ,

Naja das musst du dir wie gesagt selbst Überlegen, aber wenn man das Glas nicht wirklich heiß machen musst dann kannst du das "Chinaglas" auch nehmen.

Hatte bisher noch keine Probleme, maximale Temperatur die die Dinger hatten waren allerdings nur 65°C.

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