Frage von HilsHorses, 57

kutschunfall?

Hallonzusammen. Ich stecke in einer Versicherungsangelegenheit fest, vielleicht hat jemand etwas dazu zu sagen oder eigene Erfahrungen gemacht. Ich habe 5 Pferde, mit einem hat ein etwa 70 jähriger nachbarschaftlicher Ferund im letzten Jahr mehrmals am Boden mit Geschirren geübt. Nun hatte er den Traum, zum Vatertag mit der Kutsche bei eseinen Kumpeln vorbeizufahren, Ein Arbeitswagen wurde besorgt und er hat dass Pferd angespannt. ich äußerte meine Zweifel und erzählte ihm auch von bereits schief gegangenen Experimenten mit diesem Pferd., habe es ihm aber auch nicht ausdrücklich verboten, sondern ihn auf seine eigene Verantwortung hingewiesen.Er wollte auch unbedingt und liess sich von seinem Vorhaben nicht abbringen. Es kam also schliesslich zu einem grauenhaften Unfall,das Pferd ging im Wald durch beim Immerschnellerwerden des Wagens , welcher über Wurzeln sprang und viel zu hart aufgepumpt war. Der Freund wurde in hohem Bogen heruntergeschleudert,und es gab einen rieseigen Rettungseinsatz.mit Hubschrauber und mehreren Feuerwehrwagen. Er lag mehrere Wochen im KH und ist wieder ok ohne Folgeschäden.Seine Haftpflichtversicherung hat seine Brille eretzt(!!) und das wars. Nun soll der Rettungseinsatz und der KH Aufenthalt bezahlt werden, das sind etwa 9000,00 Euro. Meine Haftplichtversicherung hat von mir die info bekommen, das der Mann aus eigener Verantwortung gehandelt hat. er möchte dies jetzt aber nicht unterschreiben. und einfach abwarten. Ein Pferd wird versicherungstechnisch als Sache oder Ding behandelt. Meinem besten Pferd ist glücklicherweise nichts passiert, zumindest äusserlich. Seitdem Unfall ist es schreckhafter geworden und hat trotz viel Vertrauensarbeit etwas Vertrauen verloren. Ich fühle mich schuldig,aber eher meinem Pferd gegenüber. Dass ich es jemandem anvertraut habe ,der vorgab, davon Ahnung zu haben und in eigener Sache gehandelt hat. Hier kommt viel zusammen. Wer zahlt alles ,was sich auf den Unfall bezieht? Danke für Antworten.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde, 23

Was für eine schlimme Sache. Und wie gut, dass der Unfall am Ende noch glimpflich ausgegangen ist und niemand sein Leben gelassen hat. Es gab ja in diesem Jahr leider deutschlandweit mehrere Kutschunfälle, bei denen Menschen gestorben sind.
Als Mensch würde ich das Ganze am liebsten so sehen, dass Du zwar der Halter des Pferdes bist, die Verantwortung jedoch auf einen anderen Erwachsenen in diesem Fall übertragen hattest und dieser nun die Konsequenzen auch übernehmen müsste. Das würde mein Gerechtigkeitsempfinden sagen.
Doch rechtlich wird das im Falle von Luxusgütern tatsächlich anders gesehen. Pferde gelten rechtlich als Luxusgut. Und in der Regel ist im Falle dieses Luxusgutes der Tierhalter dran.
Der Tierhalter haftet sogar dann, wenn er das Schadensereignis gar nicht mitbekommt und den Schaden nicht verhindern kann. Aus diesem Grund hoffe ich, dass Du eine Tierhaftpflichtversicherung mit Fremdreiterrisiko abgeschlossen hast, die solche Schäden dann übernehmen kann und sollte.
Allerdings decken manche dieser Versicherungen nur Schäden ab, die ein Reitpferd angerichtet hat, nicht ein gefahrenes Pferd. Anders ist es, wenn der Versicherungsvertrag die Klausel enthält „Kutschpferde sind nicht mitversichert". Diese Regelung ist unklar: sie kann einerseits so verstanden werden, dass das Pferd grundsätzlich versichert ist, aber nicht in dem Zeitraum, in dem es als Kutschpferd verwendet wird. Sie kann aber auch so verstanden werden, dass ein Pferd, das schwerpunktmäßig als Kutschpferd verwendet wird, generell nicht versichert werden kann. Diese Unklarheit geht zu Lasten der Versicherung, eine solche Klausel ist daher unwirksam (OLG Oldenburg). Deshalb bei der eigenen Versicherung nachhaken!
Allerdings gibt es auch Ausnahmen, was die Haftung des Halters angeht, nämlich dann wenn dem Geschädigte ein Mitverschulden an der Situation nachzuweisen ist.
Es gibt da auch verschiedene Urteil was die Verkehrssicherheit eines Pferdes angeht und das Führen eines nicht verkehrssicheren Pferdes, zum Beispiel vom OLH Hamm: Im öffentlichen Verkehr sind nur verkehrssichere Pferde zugelassen. Autoscheue oder übernervöse Pferde sind in der Regel im Straßenverkehr nicht zugelassen, da nicht ausreichend auf sie eingewirkt werden kann. Verkehrsungewohnte Pferde müssen geführt werden (evtl. von einem Helfer), wenn eine Verkehrsgefährdung nicht auszuschließen ist. Der BGH: Wer ein junges, noch nicht verkehrssicheres Pferd auf öffentlichen Straßen führt, hat besonders strengen Anforderungen hinsichtlich der Beaufsichtigung des Tieres zu genügen.
Sie müssen von geeigneten Personen begleitet werden, die ausreichend auf sie einwirken können, § 28 StVO. Der Gespannfahrer muss körperlich und geistig in der Lage sein, die Pferde zu beherrschen. Er muss die nötige Erfahrung, Geschicklichkeit und Kraft besitzen, um ausreichend auf die Pferde einzuwirken. Es dürfen keine körperlichen oder geistigen Mängel vorhanden sein, die ein sicheres Führen des Gespannes im Straßenverkehr nicht zulassen. Bislang gibt es noch keinen verpflichtenden „Kutschenführerschein". Allerdings machen viele Haftpflichtversicherungen die Geeignetheit des Fahrers daran fest, ob dieser das Fahrabzeichen besitzt. Ist dies nicht der Fall, kann es große Probleme mit der Versicherung geben.
Liest man sich durch all die Urteile durch, wird deutlich, dass Du nicht nr ein Gespräch mit Deinem Versicherungsmenschen brauchst, sondern auch das Gespräch mit einem guten Anwalt.

Kommentar von Sallyvita ,

Vielen Dank! Und ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass am Ende nicht Du derjenige bist, der den Schaden hat. 

Antwort
von FelixFoxx, 13

War das Pferd überhaupt für das Fahren versichert? Sonst zahlt die Tierhalterhaftpflichtversicherung den Schaden nicht! Du als Halter bist für den Schaden verantwortlich, den Dein Pferd angerichtet hat. Es hätte Dir außerdem äußerst spanisch vorkommen müssen, dass man ein Pferd einspännig eben mal so einspannt, um bei Kumpels vorzufahren. Wer so etwas macht, hat definitiv keine Ahnung.

Antwort
von 1abc1, 27

Hallo

böse böse , aber gut das es noch so ausgegangen ist.

Du hast hoffentlich alles ehrlich deiner THV mitgeteilt und das sollte reichen. Eigentlich jetzt nur Versicherungssache ( deshalb hast du sie ja) Unterschreibe nichts !!!!!.

Wie der Mann versichert ist , kann dir egal sein und geht ja auch niemanden etwas an .

  Wenn du nicht zu Ruhe kommst : mit deinem  Versicherungsmenschen nocheinmal in Ruhe ein Gespräch führen  um für dich Klarheit zu bekommen. Erkläre es Sachlich ohne etwas zu verschweigen oder dazuzu schummeln.

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