Die Tochter meines Bekannten möchte Kunstgeschichte studieren. Sie ist sich aber nicht sicher, was man damit anfangen kann. Ist das Kunstgeschichte-Studium brotlose Kunst, oder wozu kann man dieses Studium brauchen?
Es ist sicher nicht leicht, eine Stelle zu bekommen, aber brotlos ist es auf keinen Fall. Brotlos ist nie etwas, was man mit Leib und Seele macht. Eine Freundin von mir studiert es jetzt schon im 9. Semester und ist bald fertig, und bei ihr mache ich mir keine Sorgen, dass sie keinen Job findet, weil sie schon viele Praktika gemacht hat, sich wirklich engagiert und gute Noten hat. Eine andere Freundin von mir hat Kunstgeschichte studiert und arbeitet in einer Gemäldegalerie und es macht ihr großen Spaß
Als brotlose Kunst würde ich ein Kunststudium nicht bezeichnen. Es gibt so viele Museen, Galerien, Kunst-Ausstellungen, wo immer Fach-Leute benötigt werden. Ich könnte mir denken, dass man auch als Lehrer arbeiten kann, womöglich auch wieder an der Universität.

Nur für's Lehramt - sonst kannst es vergessen!
Es gibt kein "Kunstgeschichte-Lehramt" - die Studiengänge Kunstgeschichte und Kunst-Lehramt sind völlig unterschiedlich. Ich hab auch mal ein paar Semester Kunstgeschichte studiert und da waren keine Lehrämter dabei oder fast keine - die müssen vielleicht ein paar Veranstaltungen machen oder so. Aber im Vergleich dazu, bestehen die Seminare in der Alten Geschichte (Magisterstudiengang) zu mehr als der Hälfte aus angehenden Geschichtslehrern.
Kann aber sein, dass das an anderen Uni anders ist.
Liebe Eloisa, grundsätzlich sollte man studieren, wofür man sich interessiert, dann aber 100% und sich von niemandem beirren lassen. Denn richtig gute Kunstgeschichtler gibt es genauso wenig wie etwa richtig gute Juristen oder Lehrer. Aber Kunstgeschichte gilt nicht ganz zu Unrecht als brotlose Kunst. Außerdem als ein Fach für, entschuldige, "höhere Töchter", denen nichts Besseres eingefallen ist. Die Stellen sind rar gesät, denn eigentlich kommen ja nur Museen, Denkmalämter und ein paar Verlage in Frage. Vom Journalismus auf diesem Gebiet oder Reiseführungen zu leben ist schwer. Es dauert lange, bis man fertig ist (Promotion), wird oft hingehalten mit Zeitverträgen und einem Praktikum nach dem nächsten. Aber, wie gesagt, was ist heutzutage schon sicher? Wenn es Dic wirklich interessiert, nur zu!
Die Frage "wozu brauche ich das" sollte man in vielen Fällen einfach nicht stellen. (In anderen aber schon, z.B.: "Brauche ich ein Auto, dass 300 km/h fahren kann" - aber das nur am Rande).
Der Knackpunkt ist: viele Absolventen kriegen keinen oder nur einen sehr schlechten Job. Das liegt aber nicht nur am Fach, sondern auch an ihnen. Wie "AnnaJ" schon geschrieben hat, so kommt man immer unter, wenn man etwas wirklich gut kann. Dann können es sich gute Museen/Verlage/Institute garnicht erlauben, eine/n Schlechtere/n zu nehmen. Und wenn doch jemand schlechteres genommen wird, so kann man sich damit beruhigen, dass vermutlich dort nur schlechte Leute arbeiten, die ihresgleichen vorziehen. Dort hätte man an der Arbeit dann auch keinen Spaß (ich kenne Fälle, wo das durchaus so ist).
Gerade im Fall Kunstgeschichte hängt viel an einem selbst: Praktika machen, Beziehungen knüpfen (nicht vermittelt werden, sondern selber erarbeiten!). Auch mal ins Kalte Wasser springen und für ein Semester in ein Land gehen, dessen Sprach man (noch) nicht spricht...
Wenn mansich richtig reinhängt, dann kommt auch was bei raus.
Und als ausgleichende Gerechtigkeit: eine recht gut bezahlte Stelle als Kunsthistorikter ist hundertmal abwechslungsreicher und spannender und erfüllender, als ein sehr gut bezahlter Job als bspw. Gesäßchirurg ;)
Ich habe auch überlegt Kunstgeschichte und Archäologie zu studieren habe es doch gelassen und hab das eher so als Hobby. Aber wenn du mit Leib und Seele dabei bist, gute Noten schreibst und viel praktische Erfahrung sammelst und schon früh Kontakte knüpfst probiere es!!