Frage von ChiwiChicki, 88

Kunde zahlt Ware (20€) nicht. Niemand hilft. Pech gehabt?

Kurzversion (Lange Version siehe unten): - Kunde erhielt Ware und behauptet bezahlt zu haben (was nicht wahr ist) - Anwalt: "Nein, Rechttschutz greift nicht ein. Streitwert zu wenig. Kosten für uns: 150€" - Google: 1) Polizei - max. Anzeige wegen Betrugs. 2) Inkasso: Streitwert vmtl zu wenig. Kostenübernahme: wer?. Seriös?

Lange Version: Kunde bestellt Essen. Während der Lieferfahrer ruft er an und meint, er habe kein Bargeld da und habe in unserer Broschüre gesehen, dass da nichts mit Bezahlung mit ECc-Karte stand. Und entschuldigte sich. Wir entgegneten: "Kein Problem. (war nicht so viel los). Der Fahrer kann Sie zur nächsten Bank fahren". (Bemerkung: Wir haben viele [ältere] Kunden, die manchmal danach fragen. Also völlig normal, weil wir lieb sind).

Er meinte daraufhin, dass er dafür keine Zeit hätte. Die Pizza würde doch im Müll landen, wenn er sie nicht annehmen würde. Also können wir sie ihm doch auch schenken. (das bitte im ziemlich dreisten Ton vorstellen).

Wir haben daraufhin mir rechtlichen Konsequenten gedroht, sodass er nachgegeben hat und behauptete, er würde demnächst bei uns vorbeischauen und bezahlen, nannte dabei Datum und Zeitpunkt. Er erhielt seine Bestellung und schrieb auf den Lieferschein/Rechnung: "Noch nicht bezahlt!. Werde am [Datum/Uhrzeit] vorbeikommen und zahlen. [Unterschrift]" Er erschien nicht. Und als Tage später immer noch nicht von ihm kam, riefen wir ihn an. Und er behauptete er war bereits an diesem Datum da und habe die Rechnung beglichen.

Daraufhin haben wir einen Anwalt angerufen, der sich nicht damit nicht befassen wollte, da es um zu wenig Geld ging und unser Rechtsschutz nicht eingreifen würde. Kosten würden sich auf 150€ belaufen. Wollte Mahnungen schreiben (im unseren Rechtsschutzpaket sind solche Schreiben als Vorlagen inklusive), aber bringt ja nichts, wenn er behauptet, gezahlt zu haben. Dann im Internet nach Polizei und Inkasso gesucht. Ersteres kümmert sich nicht darum. Können maximal eine Anzeige wegen Betrugs raushauen. Für letzteres findet man nur Streitwerte über 500€ und wer die Kosten übernimmt ist völlig unklar. Von Abzocke (unseriöser Inkassounternehmen) stand auch nicht wenig.

Ich meine, ich hab ein von dem Kunden verfasstes Schreiben (handschriftlich), dass er noch nicht bezahlt hat, sowie Zeugen, die zu dem von ihm genannten Zeitpunkt da anwesend waren und weder wer noch sein Geld gesehen haben. Und da es um zu wenig Geld geht, will sich keine damit befassen.

Ach ja, habe mit dem Rechtsschutz telefoniert. Der Fall wäre leider nicht abgedeckt, aber sie würden mir aus Kulanz den Geldbetrag erstatten. Es ging mir nicht wirklich darum, sondern darum, dass solche dreisten Menschen nicht ungeschoren davon kommen sollen. Was würdet ihr machen? Gibt es Alternativen? Ich will einfach nur, dass der Kunde für seine Dreistigkeit bestraft wird.

Antwort
von kevin1905, 79

Der strafrechtliche Aspekt wäre schon Thema der Polizei, wenn es sich hier um einen Betrug handelt, bringt dir aber dein Geld nicht wieder.

Für letzteres findet man nur Streitwerte über 500€ und wer die Kosten übernimmt ist völlig unklar.

Die Musik zahlt wer sie bestellt!

Ein Schuldner muss nur in den seltensten Fällen Inkassokosten ersetzen.

Dir bliebe als Möglichkeit die Einleitung des gerichtlichen Mahnverfahrens. Kostet aber auch wieder 32,- € Verfahrensgebühr. Alternativ oder im Falle eines Widerspruchs, bleibt die Zivilklage.

Dann müsst ihr nachweisen, dass die Forderung berechtigt ist und sich der Schuldner in Verzug befindet. Kostenpunkt hier mind. 80,- €.

Deine Denkweise ist als Unternehmer keine sehr vorteilhafte. Es obliegt dir das zu tun, was für dein Unternehmen wirtschaftlich am sinnvollsten ist, nicht was der Gerechtigkeit genüge tut.

Kommentar von mepeisen ,

Ich würde:

1. Strafanzeige erstatten wegen Betruges.

2. abwarten, ob dieser Druck hilft (jemand, der mit Anzeige konfrontiert ist, zahlt dann eventuell, um seine Strafe abzumildern.)

3. Falls das nicht hilft, Mahnbescheid beantragen. Sollte er widersprechen, eine Klage vor Gericht anstrengen.

Solange der Kunde keine Quittung hat, dass er bezahlt hat und diesen Schuldschein unterschrieben hat, ist das vor Gericht eigentlich ein Selbstläufer.

Die einzige Gefahr besteht darin, dass der Kunde dauerhaft unterhalb der Pfändungsfreigrenze lebt und man bei ihm nie etwas wird pfänden können. Auch in 30 Jahren nicht.

Kommentar von geheim007b ,

zu 1) auf so Strafanzeigen hat die Staatsanwaltschaft keinen Bock und lässt sie fallen.

3) gerade bei lokalen unternehmen knallhart durchziehen... auch wenn es mehr kostet als einbringt. Sehr oft kennen sich die Kandidaten untereinander und warnen ihre Kollegen oder geben ihnen Tipps. Man darf nur nicht glauben das man durch eine gewonnene Zahlungsklage etwas erreicht, diese Leute sind unter der Pfädnungsgrenze.... aber sie verlieren auch leicht ihre Jobs durch Lohnpfändungsversuche (selbst wenn die Antwort war unter der Pfändungsgrenze). Eine erzieherische Maßnahme wo der Staat auf normalen weg versagt. Reagiert man nur durch abschreiben der Forderung zieht man solche Leute an wie Schmalzfliegen.

Antwort
von Mignon2, 76

Selbstverständlich gibt es Inkassobüros, die Forderungen unter € 500 eintreiben.

Alternativ kannst du einen Mahnbescheid beim zuständigen Amtsgericht beantragen. Der Kunde muß beweisen, dass er die € 20 bezahlt hat. Wenn er keine Quittung hat, dann ist es sein Pech. Er könnte alternativ noch eine Person benennen, der er angeblich das Geld übergeben hat. Die würde dann als Zeugin geladen und vernommen werden.

Kommentar von ChiwiChicki ,

Klingt doch gar nicht so schlecht. Ich kenne mich da nicht aus, aber für einen Mahnbescheid muss man doch bestimmte Voraussetzungen erfüllen oder? (Dass man mind. 3 Mahnungen rausgeschickt hat oder irre ich mich? Danke!

Kommentar von Mignon2 ,

3 Mahnungen stimmt nicht. Du kannst dem Kunden, wenn du willst, eine schriftliche Mahnung mit Fristsetzung senden, bis wann er die € 20 bezahlen muß.

Meines Wissens mußt du aber gar keine Mahnung senden.

Kommentar von mepeisen ,

Genauer steht im §286 BGB, wann der Verzug ausgelöst wird. Und wie du richtig sagst: Eine Mahnung reicht. Alles darüber hinaus ist rechtlich ohne Bedeutung.

Ob man sich diese eine Mahnung sparen kann, naja, ich würde es mit Ja beantworten. Im Endeffekt war Bezahlung bei Übergabe vereinbart und das ist durch die Unterzeichnung des Schuldscheins klar. Auch ist eindeutig klar, wann der Termin zur Bezahlung war. Das war beiderseitig vereinbart. Damit liegt eine der Ausnahmen vor und man braucht nicht zu mahnen.

Zudem könnte man noch argumentieren, dass sich der Kunde endgültig und ernsthaft verweigert hat. Auch dann braucht man nicht nochmal zu mahnen.

Kommentar von kevin1905 ,

Nö. Du musst nur die Gerichtsgebühr bezahlen.

Antwort
von tanzegern, 88

Die Rechtslage ist doch unkompliziert.

Er hat schriftlich bestätigt, dass er die Ware erhalten hat. Wenn er jetzt Erfüllung einwendet, kann er diese nicht beweisen, weil er eben noch nicht erfüllt (gezahlt) hat.

Man kann auch klagen, ohne dass eine Rechtsschutzversicherung das bezahlt. Die Kosten werden ein Vielfaches des geforderten Betrages sein, aber letztlich muss er die Kosten ja tragen. Das einzige Risiko, welches ich sehe, ist, dass er vielleicht so pleite ist, dass man das Geld nicht beitreiben kann.

Kommentar von ChiwiChicki ,

Also der Anwalt meinte, dass wir die Kosten tragen müssten, nicht der Kunde

Kommentar von tanzegern ,

Zunächst ja, aber ihr könnt die Kosten dann von dem Kunden zurück fordern.

Ganz ohne Ironie: Wenn etwas eine Frage des Prinzips ist, sollte man nicht auf die Kosten schauen. Entweder freundet man sich damit an, dass man im Geschäftsleben gelegentlich verar*** wird - dann betrachtet man das wirtschaftlich.

Oder man kann damit nicht leben. Dann sollte das Prinzip wichtig genug sein, um auch mal drauf zu zahlen.

Kommentar von kevin1905 ,

Der Verlierer eines Rechtsstreits zahlt die komplette Zeche. Wenn ihr ein Gericht anruft oder einen Rechtsbeistand bestellt, müsst ihr natürlich in Vorleistung gehen, da ihr die Auftraggeber wärt.

Kommentar von geheim007b ,

wenn er denn zahlen kann :). Sicher ist zunächst das der Kläger vorstrecken muss.

Antwort
von Hexe121967, 62

setz den kunden auf die liste der unerwünschten kunden die nicht mehr beliefert werden und gut ist. 

Antwort
von Owntown, 77

Ich würde Ihn zur rede Stellen und ihm vor der Wohnungstür ne richtig peinliche Szene machen. Wenn er dann nicht freiwillig mit dem Geld rausrückt kannst du wohl leider echt nich viel machen :/

Ich weiß mir würde es wie dir gehen, da geht es ums Prinzip. Aber immerhin kannst du ihn aus der Kundenliste streichen dann soll er sich einen anderen Pizzaservice suchen bei euch kann er bestellen und auf sein essen warten bis er die 20 € vorbeigebracht hat.

Eine Anzeige wegen Betruges bei der Polizei kostet ja nichts und wenn du dir die Mühe machen willst würde ich das tun. Dieser P****r will das einfach aussitzen.

Kommentar von ChiwiChicki ,

Ja, theoretisch.. praktisch bin ich nicht so für Konfrontationen geeignet. So wie ich ihn einschätze, wird er den Spieß umdrehen und mir ne Szene machen ^^
Ja, selbst wenn er die 20€ bezahlt hätte, dürfte er nicht mehr bestellen. Aber stört ihn nicht.. hier in der Gegend gibt es dutzende Alternativen für ihn.
Das mit der Polizei werde ich versuchen. Mehr kann man wohl nicht machen. Danke! 

Kommentar von kevin1905 ,

Ich würde Ihn zur rede Stellen und ihm vor der Wohnungstür ne richtig peinliche Szene machen.

Und dann fordert mich der Mensch auf zu gehen und wenn ich dem nicht folge Leiste bekomme ich Probleme mit der Staatsmacht. Brauch ich nicht.

Kommentar von mepeisen ,

Dieses öffentliche zur Schau stellen bzw. Öffentliche Anprangern ist leider für sich ebenso eine Straftat (Nötigung). Sollte man nicht machen.

Antwort
von franneck1989, 52

Für solche Geschichten wurde das gerichtliche Mahnverfahren erfunden.

Du hast seine Adresse?

Dann einmal schriftlich -per Einschreiben- mahnen und eine angemessene Frist setzen.

Nach Ablauf der Frist kannst du einen Mahnbescheid beantragen, dieser kostet 32,-. Dann muss er sich zumindest äußern und kann nicht mehr auf stur schalten. Die 32,- können als Nebenforderung geltend gemacht werden

Antwort
von noname68, 58

du kannst auf einem polizeirevier eine anzeige wegen betrugs aufnehmen lassen (bei der das verfahren vermutlich irgendwann eingestellt wird) aber zumindest befriedigt es dein ego und die pappnase bekommt einen gehörigen schrecken, falls sich die polizei wegen der anzeige meldet.

lerne draus, sei in zukunft unerbittlich, wenn es ums bezahlen geht und verbuche das unter "lehrgeld"

Kommentar von ChiwiChicki ,

Ja, dann suche ich mal die Polizei auf. Danke! 

Antwort
von Johannisbeergel, 55

Schick ihm doch erstmal ne schriftliche Mahnung mit Nachfrist anstatt da jetzt so Hühnerkram mit Anrufen zu machen. 

Antwort
von latricolore, 60

Tief durchatmen - und abhaken.

Der entgangene Verlust steht in keiner Relation zu dem Stress, den du dir machst.
http://www.mikele.at/wp-content/uploads/2011/03/guter-kaffee.jpg

Kommentar von kevin1905 ,

entgangene Verlust

^^

Also ich finde entgangene Verluste eigentlich ziemlich toll. Entgangene Gewinne bzw. Umsätze weniger ;-)

Kommentar von latricolore ,

:-))))
Thanks!

Antwort
von meini77, 44

Rechtlich gesehen geht es hier um Betrug.

Sowohl für den Anwalt, als auch für ein Inkassounternehmen, als auch für ein gerichtliches Mahnverfahren ist der Streitwert allerdings zu gering - obwohl Du eindeutig im Recht bist. Der Kunde müsste natürlich erstmal beweisen, daß er die Ware bezahlt hat.

Allerdings steht das, wie Du selbst schon festgestellt hast, nicht in Relation zum Aufwand.

Meine Empfehlung:

- den Vorgang unter "gemachte Erfahrungen" verbuchen und künftig solche Deals nicht mehr eingehen. Wer nicht zahlt, bekommt auch nix.

- den Kunden für künftige Lieferungen sperren.

Kommentar von mepeisen ,

als auch für ein gerichtliches Mahnverfahren ist der Streitwert allerdings zu gering

Wie kommst du denn darauf? Es gibt keine Streitwertbegrenzung im gerichtlichen Mahnverfahren.

Kommentar von meini77 ,

na gut, ungenau ausgedrückt.

Es würde dann ein Mahnbescheid folgen.

Diesem widerspricht der Gläubiger.

Anschließend wird das wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Kommentar von mepeisen ,

Anschließend wird das wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Das ist Quatsch. Es gibt keine Geringfügigkeit im Zivilrecht.

Antwort
von schwarzwaldkarl, 58

Nun, ich hätte von ihm ein Foto gemacht und groß bei Euch aufgehängt mit dem Zusatz  "Klaus Müller darf hier nicht mehr einkaufen, weil er die Rechnungen nicht bezahlt"... 

Kommentar von ChiwiChicki ,

Lustig wäre es, aber sowas darf man doch nicht :)

Kommentar von schwarzwaldkarl ,

Leider darfst Du das mit dem Foto nicht machen, aber den Namen mit dem Zusatz "Hausverbot" ist durchaus möglich...

Kommentar von mepeisen ,

Auch das ist, wenn es als öffentlicher Pranger verstanden wird, fragwürdig. Hinter die Theke das Bild und die Adresse zu hinterlegen, damit die Angestellten Bescheid wissen und ihn bei Erscheinen sofort aufzufordern, das Lokal zu verlassen, sonst würde man die Polizei rufen, ist in Ordnung. Das Hausverbot ggf. noch ausdrücklich schriftlich aussprechen.

Antwort
von berlina76, 56

Leider bleibt nur, den Kunden in die Speerliste zu schreiben und ihn nicht mehr zu beliefern. 

20 € sind die Aufregung nicht wert, leider. 

Aber wenn er das bei allen macht, wird er bald gar nicht mehr beliefert.

Kommentar von hagebeg ,

Man kann seine Daten auch an die restlichen Lieferservice in der Gegend weitergeben. Dann hat es sich ganz schnell zum letzten mal bestellt.

Kommentar von berlina76 ,

nein darf man nicht. Datenschutz. Diese Erfahrung muß leider jeder Lieferdienst mit Ihm selber machen.

Kommentar von mepeisen ,

Allerdings könnte man diese Sperre mit Begründung an die eigenen Vertragspartner weitergeben (Lieferando usw.). Um zu verhindern, dass er auch nochmal online bestellt. Was die dann mit dem Datensatz machen, ist deren Sache *hust*

Natürlich bin ich normalerweise Verfechter vom Datenschutz, aber die Schilderung hier zeigt nur eines: Dieser "Kunde" ist extrem dreist, der hatte von Anfang an nie vor, zu bezahlen. Alleine der Versuch, die Pizza geschenkt zu bekommen, da sie ja nun angefertigt sei und sonst im Müll landen würde, ist etwas, was bestraft gehört.

Antwort
von ViribusUnitis, 53

Verbuche es unter Lebenserfahrung und lerne daraus... Alles Andere ist (noch mehr) verlorene Zeit und Geld, das wäre die Sache, das Geld - und der Betrupser - nicht wert


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