Frage von Getoasted, 64

Kündigungsfrist nach einem Jahr ohne schriftlichen Arbeitsvertrag?

Hallo, ich arbeite seit genau einem Jahr in einem recht.. unzulässigen Betrieb. Die Arbeit ansich macht mir wirklich Spaß (Mediengestaltung), allerdings ist der "Betrieb" im Keller seiner Eltern und generell läuft hier meistens alles drunter und drüber. Ich bin über einen "Kumpel" hierher gekommen, mit dem ich mich hier aber auch sehr verzofft habe, weil meiner Meinung nach hier vieles unfair für mich läuft.

Einen schriftlichen Arbeitsvertrag gibt es nicht. (Es heißt nach wie vor seit einem Jahr, er macht das noch und sein Steuerberater ist noch dabei einen zu machen...) Mein Chef wollte mich erst übers Ohr hauen (Dafür ist er hier im Dorf auch bekannt...) indem ich 40std Woche für 1000 Netto arbeiten sollte. Ich habe mündlich mit ihm dann 25std Woche ausgemacht. Die Bezahlung wird (immerhin) auch richtig steuerlich abgesetzt und ich bekomme mein Geld.

Erst nach einem halben Jahr zum Sommer hin kam dann das Gespräch über Urlaub und er wollte mich wieder mit 15 Tagen max übers Ohr hauen. Habe dann meine rechtlichen 20 Tage bekommen, was ich aber auch ganz schön kurz gebunden finde.

Langsam geht mir hier aber auch die Puste aus und ich werde mir wieder was neues suchen... ich führe den Laden hier quasi alleine, bekomme aber am laufenden Band Anschiss wenn ich etwas nicht hinbekomme, auch wenn's der Fehler meines Chefs ist. Ich versuche, die Kunden zufrieden zu stellen, aber meistens liegt das garnicht in meiner Hand (Wie zB. die viel zu späte Auslieferung der Pakete, die mein Chef übernimmt.)

Mein Chef ist eine ganz schöne linke Ratte und ich habe Angst, dass er mich quasi echt rasieren kann, wenn ich nun sage ich habe etwas neues und haue ab. Eigentlich gilt auch bei mündl. vertrag die 4 Wochen Frist. Allerdings gilt das auch nicht immer. Wir haben nie über sowas geredet und ich denke nicht, dass er mir groß was kann.

So wie es läuft, wird mein Arbeitszeugnis eh von ihm in den Dreck gezogen. Läuft nicht mehr sonderlich gut. Es war ja auch nie die Rede davon, dass ich hier unten alleine alles machen muss... Es nervt wirklich sehr.

Was meint ihr, kann er mir rechtlich was, wenn ich von heute auf morgen kündigen würde? Ohne mich sind sie ganz schön aufgeschmissen, einfach gefallen lassen wird mein Chef sich das sicherlich nicht...

Antwort
von marcussummer, 29

Die rechtlich korrekte Kündigungsfrist von vier Wochen gilt zum Monatsfünfzehnten oder Monatsende, Gründe für eine fristlose Kündigung bestehen nach deinem Sachverhalt nicht.

Wenn du trotzdem mit sofortiger Wirkung aufhörst, bekommst du natürlich ab sofort kein Geld mehr. Theoretisch besteht auch das Risiko, dass du dich schadensersatzpflichtig machst. Der Schaden könnte zum Beispiel in einer teureren Ersatzkraft bestehen.

Antwort
von Kleckerfrau, 28

Ein mündlicher Arbeitsvertrag ist genau so gültig wie ein Vertrag in schriftlicher Form. Es gelten auch die selben Kündigungsfristen. Das heißt für dich 4 Wochen zum 15. oder zum Monatsende.

Verfasse sie schriftlich und schicke sie ihm per Einschreiben.

Antwort
von Mojoi, 26

Er kann dir was, wenn du von heute auf morgen gehst. Erst recht, wenn du derjenige bist, der den Laden alleine schmeißt. Dein Arbeitseinsatz wird also nachträglich bestraft, leider.

Er könnte dir mit einiger Sicherheit nachweisen, dass Aufträge den Bach runtergegangen sind und Kosten / Verluste dadurch entstanden sind.

ABER: Das kann er wiederum nicht, wenn es in dem "Unternehmen" auch nur eine Person gibt, die deinen Job der Sache nach erledigen könnte - auch und erst recht wenn es der "Chef" selbst ist.

Die Kündigungsfrist hat man dir ja hier schon gesagt.

Bedenke dabei auch, dass du deinen Resturlaub zum Austrittsdatum hn komplett nehmen musst! Eine Verweigerung des Urlaubes ist nur bei dringenden betrieblichen Gründen möglich. Die Hürden dafür sind hoch.

Wenn dein Arbeitsverhältnis bereits am 1. Januar bestand und du nach dem 30. Juni ausscheidest, steht dir der volle Jahresurlaub zu, also die mickrigen 20 Tage.

Bei der Gelegenheit: Hast du eine 5-Tage-Woche oder 6 Tage?

Kommentar von Getoasted ,

Mein "Kumpel" arbeitet noch hier, hat nur 450€ Job und ist nur manchmal da. Aber ansich eine Arbeitskraft, die durchaus meine Arbeit erledigen kann. Ich habe nur eine 5 Tage Woche, daher die 20 Tage. Wären ja sonst 24 Tage, wobei ich auch in anderen Betrieben 5 Tage Wochen hatte und mind. 24 Tage bekam.

Also kann ich immerhin noch den Resturlaub nehmen, gut zu wissen. Der ist natürlich auch nicht schriftlich notiert, wie viel ich schon hatte. Ich weiß aber, dass mir nun noch 6 zustehen, ich hoffe mein Chef redet sich da nicht wieder raus.

Kommentar von Familiengerd ,

Da Du seit mehr als 6 Monaten dort arbeitest und wenn Du in diesem 2. Halbjahr aufhörst, hast Du Anspruch auf den gesamten gesetzlichen Urlaub - nicht nur den anteiligen!

Kommentar von Familiengerd ,

Sehe jetzt erst, dass meine Antwort auf den Kommentar von Getoasted überflüssig war.

Wenn dein Arbeitsverhältnis bereits am 1. Januar bestand und du nach dem 30. Juni ausscheidest, steht dir der volle Jahresurlaub zu

Um genau zu sein:

Voraussetzung ist nicht, dass ein Arbeitsverhältnis bereits seit dem 01.01. besteht; Voraussetzung ist, dass es bei Beendigung in der 2. Jahreshälfte länger als 6 Monate bestanden hat!

Antwort
von Maximilian112, 29

Gib ihm erst mal die Kündigung. 4 Wochen zum 15. oder zum Monatsende. Das ist die gesetzliche Frist lt §622 BGB.

Wenn er eklig wird  kann man auch andere Gründe finden nicht auf Arbeit zu gehen.

Mit richtiger Kü ist es sauberer.


Kommentar von Getoasted ,

Wie ist es dann mit restlichem Urlaub? Ich habe mir bisher meine letzten 6 Tage Urlaub für Weihnachten aufgehoben und mit ihm abgemacht, mir ein paar Tage Urlaub des Sommers nicht zu bezahlen. Habe also letzten und diesen Monat weniger Geld bekommen, was okay ist, ich war ja einverstanden. Den restlichen Urlaub kann ich dann aber in der Frist noch nutzen oder ausgezahlt bekommen, wenn ich es schriftlich in der Kündigung festhalte?

Antwort
von Chocominza, 31

Du hast nichts unterschrieben? - Dann kann er dir gar nichts rein rechtlich gesehen!

Kommentar von marcussummer ,

Das trifft nicht zu. Auch in einem nicht schriftlich niedergelegten Arbeitsvertrag bestehen gegenseitige Rechte und Pflichten. Auf welcher Grundlage wird sonst das Gehalt gezahlt...? Und aus der Verletzung einer solchen arbeitsvertraglichen Pflicht können selbstredend auch Schadensersatzansprüche entstehen.

Kommentar von Chocominza ,

Koennen,nur im Gerichtsfall geht es dann um Beweislast, dass so ein Vertrag besteht...das kann belegt werden durch glaubhafte Zeugen und schriftlichen Vertrag.

Kommentar von DarthMario72 ,

Du hast nichts unterschrieben? - Dann kann er dir gar nichts rein rechtlich gesehen!

Da liegst du falsch. Auch ohne schriftlichen Vertrag kann man das Arbeitsverhältnis ganz leicht belegen: Zeugen, Kontoauszüge, das dürfte schon reichen. Und für alles, was nicht nachweisbar anders wirksam vereinbart ist, gelten die gesetzlichen Bestimmungen - in dem Fall also z. B. die gesetzliche Kündigungsfrist von 4 Wochen zum 15. oder Monatsletzten.

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