Frage von Lissy72, 39

Kündigung wegen wiederholt verspäteter Gehaltszahlung möglich?

Liebe Community,

ich beziehe ALG II und habe seit Juni einen Nebenjob. Mein Gehalt beträgt 180 Euro.

Schon im ersten Monat wurde das Gehalt (zahlbar am letzten Werktag des Monats) zu spät überwiesen. Die Schuld wurde auf den Steuerberater geschoben und ich wurde erst mal vertröstet. Als es einige Tage überfällig war, sprach ich den Chef an der etwas verwundert war. Angeblich wären die Zahlungen pünktlich rausgegangen. Der Büroleiter sagte mir dann schnellstmögliche Erledigung zu. Ich musste noch mal 2 Tage warten bis ich das Geld dann auf dem Konto hatte.

Spätestens am 1.8., also am Montag, hätte das Gehalt für Juli auf meinem Konto sein müssen. Doch als ich an dem Tag zur Arbeit kam, kam mir gleich der Büroleiter entgegen, dass sich die Zahlung etwas verzögern würde. Gab mir allerdings schon die Lohnbescheinigung. Ich rechnete am Mittwoch oder spätestens Donnerstag mit dem Geld. Doch auch am Donnerstag war das Gehalt nicht eingegangen. Also rief ich den Büroleiter an. Er wimmelte mich ab mit "Keine Ahnung, da muss ich den Chef fragen." Doch der war wohl in den letzten Tagen gar nicht im Büro, wie ich gestern Abend gesehen habe. Am Montag, wenn ich ihn ansprechen kann, ist das Gehalt genau eine Woche überfällig!

Ich möchte das nicht weiterhin hinnehmen. Schließlich brauche ich die 180 Euro, von denen mir ja vom Jobcenter auch noch 64 Euro angerechnet werden.

Ist eine wiederholt verspätete Gehaltszahlung ein Grund für eine Kündigung oder müsste ich dann mit Sanktionen vom Jobcenter rechnen? Ich habe echt Wut, weil ich nicht weiß ob hinter den verspäteten Zahlungen eine Absicht steckt.

Da nutzt es mir rein gar nichts, dass der Chef mit mir auf "Kuschelkurs" geht und mir Komplimente zu meinem Aussehen macht. Das ganze wirkt so unseriös!

Bitte gebt mir einen Rat, was ich machen kann.

LG Lissy

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Lavendelelf, 12

Auch als ALGII Empfänger hast du Rechte und zwar die Rechte, die jeder Arbeitnehmer hat. Verstößt ein Arbeitgeber gegen Rechte, so kannst du natürlich dagegen vorgehen ohne daß das JobCenter dich sanktionieren kannst.

Deine Rechte musst du schriftlich einfordern. In deinem Fall musst du den Arbeitgeber schriftlich auffordern dein Gehalt pünktlich zu zahlen. Im Wiederholungsfall hast du dann das Recht fristgerecht zu kündigen.

Antwort
von Toton, 25

Ich bin zwar kein ALG II Experte, würde aber sagen, dass du keine andere Wahl hast, als dieses negative Verhalten so hinzunehmen.

Solltest du kündigen, würdest du definitiv Probleme bekommen. Sanktionen oder Sperre, halte ich für möglich.

An deiner Stelle würde ich mich mit deiner Vermittlerin in Verbindung setzen und diese darüber informieren. Sie wird dir Auskunft geben müssen und auch können, wie du dich weiterhin zu verhalten hast, um keine weiteren Probleme zu bekommen.

Tut mir wirklich sehr Leid für dich. Aber als ALG II Arbeitersklave hast du so gut wie keine Rechte auf die du dich berufen kannst.

Drücke dir die Daumen und wünsche dir auch weiterhin viel Glück!

Kommentar von Familiengerd ,

dass du keine andere Wahl hast, als dieses negative Verhalten so hinzunehmen.

Das ist - ganz allgemein grundsätzlich - zwar nicht richtig, könnte aber für den konkreten Fall dennoch zutreffen.

Denn zwar reicht eine ein- oder zweimalige verspätete Entgeltzahlung nciht aus, sondern die Verzögerungen müssen schon über einen längeren Zeitraum erfolgen, die Dauer der Zahlungsverzögerung muss auch mindestens ca 1 Woche betragen, es muss sich um einen "nicht unerheblichen" Betrag handeln, und der Arbeitgeber muss vom Arbeitnehmer deswegen mit der Androhung arbeitsrechtlicher Schritte (also z.B. Kündigung) für den Wiederholungsfall abgemahnt worden sein.

Hier reichen aber wohl weder der Zeitraum noch die Dauer der Verzögerungen oder die Zahlungsbeträge, um die es geht, für eine Kündigung aus - von der fehlenden Abmahnung noch abgesehen -, so dass Du mit Deiner Einschätzung im Endeffekt Recht haben magst.

Kommentar von Toton ,

Ja, leider. Würde mich aber mehr freuen, wenn ich komplett falsch gelegen hätte :-/

Kommentar von Familiengerd ,

Erfolgreicher sollte es wohl sein, wenn die Fragestellerin noch einmal eindringlich mit dem Arbeitgeber reden und ihm ihr Angewiesensein auf eine pünktliche Zahlung - auch wenn es nur um einen relativ geringen Betrag geht - darlegen würde.

Kommentar von Toton ,

Meinst du, es würde etwas bringen mit der Vermittlerin beim Job Center zu sprechen, weil diese vielleicht etwas bewirken kann?

Oder können die nichts machen? Oder würde es unter umständen sogar nur Ihre Situation, bezüglich Arbeitsverhältnis verschlechtern?

Kommentar von Familiengerd ,

Abgesehen davon, dass ein Teil des Entgelts auf Hartz IV angerechnet wird, hat das Jobcenter damit überhaupt nichts zu tun; das berührt die Leistung des Jobcenters nicht.

Ob das Geld regelmäßig am 01. eines Monats kommt oder "ungefähr regelmäßig" einige Tage verspätet, dürfte auch ansonsten keine negativen praktischen Auswirkungen haben, so lange die Zahlungsabstände halbwegs gleichmäßig sind; es wird dadurch ja nciht weniger.

Das Geld kommt ja, und finanzielle Probleme dürfen sich alleine daraus auch beim Bezug von Hartz IV nicht ergeben.

Das ist wie bei der Umstellung der Rentenzahlung von Monatsanfang auf Monatsende vor etlichen Jahren: Es gab erst einmal eine Lücke von 1 Monat, dann waren die praktischen Verhältnisse wieder genau so wie vorher.

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