Frage von Neumondsdichter, 84

Kündigung wegen arbeit trotz Krankheit?

Hallo Freunde, Vorweg: Wir sind ein mittelständisches Handwerkunternehmen aus NRW.

Wir haben einen langjährigen Mitarbeiter (über 25 Jahre), der offensichtlich keine richtige Lust mehr hat(sehr häufig Krank). Wir würden ihn seit längerem gerne kündigen, weil er nicht mehr in den Betrieb passt. Meine Leute haben morgens keine Lust mehr mit ihm zu arbeiten und ich als Arbeitgeber muss es vor mir selbst rechtfertige wen ich mit ihm arbeiten lasse ('wem ich es antue')... Die Kündigung gestaltet sich durch seine langjährigen Betriebszugehörigkeit und seinen Schwerbehindertenausweis als schwierig. Jetzt hat er sich neulich an der Arbeit verletzt und hat 3 Wochen Krank gefeiert. Während dieser Zeit ist mir zu Ohren gekommen, dass er daheim Holz gemacht hat. Nicht der erste Fall dieser art. Wir hatten bisher allerdings von Abmahnungen abgesehen. Nur dieses mal ist er jetzt einen Schritt zu weit gegangen. Und auf ein ansprechen meinte er zugebend, dass Holz machen wäre gegangen -arbeiten aber nicht. Ist ja quatsch. Gibt es eine Möglichkeit diesen Mitarbeiter gehen zu lassen? Seine häufigen Krankmeldungen sind langsam schwierig zu händeln, weil ich morgens nicht weiß ob ich mit ihm rechnen kann und schon Kunden versetzt werden mussten. Für Antworten mit Rechtshinweisen wäre ich sehr Dankbar!

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht & Kündigung, 31

Wenn eindeutig beweisbar ist, dass der AN während einer Krankschreibung körperlich anstrengende Arbeiten verrichtet hat, die er aufgrund des Krankheitsbildes eigentlich gar nicht hätte ausüben können, steht die Möglichkeit einer fristlosen Kündigung im Raum.

Das sollte aber ein Anwalt für Arbeitsrecht genau anschauen. Dann können entsprechende Schritte eingeleitet werden.

Wie lange geht das denn schon mit dem MA? Wenn er schon seit mindestens drei Jahren jedes Jahr länger als 6 Wochen (alle Krankheitszeiten des Jahres zusammengerechnet) arbeitsunfähig ist, kann man evtl. wegen häufiger Kurzerkrankungen kündigen.

Hier gibt es dann die sogenannte "Drei-Stufenprüfung". Dazu gehört:

  1. Eine negative Zukunftsprognose
  2. Die Beeinträchtigung betrieblicher Belange z.B. durch Störungen des Betriebsablaufs
  3. Interessenabwägung

Außerdem muss das Integrationsamt eingeschaltet werden.

Hast Du schon mal mit dem Mitarbeiter gesprochen und gefragt, warum er so viel krank ist und ob man evtl. arbeitstechnisch etwas ändern kann? Hat er vielleicht auch private Probleme die sich auf seine Leistung und Motivation auswirken?

Ich verstehe Deinen Wunsch diesen MA "loszuwerden". Rate Dir aber dringend umgehend einen Anwalt aufzusuchen der Deine Interessen vertritt.

Fristlose Kündigungen können z.B. nur dann ausgesprochen werden wenn der AG noch nicht länger als 14 Tage Kenntnis davon hat. Danach wäre keine fristlose Kündigung wegen dieses speziellen Vorfalls mehr möglich.

Kommentar von Hexle2 ,
Antwort
von marcussummer, 47

Rechtsberatung erteilt ein Anwalt, in deinem Fall am besten ein im Arbeitsrecht spezialisierter Anwalt. Grundsätzlich kann man in dem geschilderten Fall schon in Richtung Kündigung denken. Die formalen Voraussetzungen sind aber wegen der bei einem Schwerbehinderten erforderlichen Beteiligung des Integrationsamtes und der formalen Hürden beim Ausspruch einer ordentlichen oder fristlosen Kündigung ohne anwaltliche Hilfe kaum zu bewältigen. Insofern würde ich ganz massiv eine Beratung durch einen Anwalt empfehlen, anstatt mir in einem anonymen Forum Teilaspekte eines rechtlich komplexen Fall von Leuten erklären zu lassen, deren Qualifikation für mich nicht nachprüfbar ist!

Antwort
von DarthMario72, 45

Und auf ein ansprechen meinte er zugebend, dass Holz machen wäre gegangen -arbeiten aber nicht. Ist ja quatsch.

Das ist nicht zwangsläufig Quatsch! Es kommt darauf an, warum er krank geschrieben ist. Man darf nichts tun, was die Genesung gefährdet - wenn er sich daran hält, wäre eine Abmahnung nicht viel wert.

Allerdings sehe ich das ähnlich, dass das nicht geht. Du weißt ja sicher, dass du aufgrund der Schwerbehinderung nur kündigen darfst, wenn das zuständige Integrationsamt zustimmt. Setze dich also mit denen in Verbindung.

Kommentar von Neumondsdichter ,

wir arbeiten auf dem Bau und er ist von der Leiter gefallen....hatte was an der Hüfte. Soweit such ok, aber Holz machen geht mit einer kaputten Hüfte nicht

Kommentar von DarthMario72 ,

OK, das ist nachvollziehbar. Setze dich umgehend mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht und dem Integrationsamt in Verbindung.

Antwort
von Interesierter, 26

Hier solltest du dir einen Anwalt mit Fachgebiet Arbeitsrecht suchen.

Grundsätzlich sind krankheitsbedingte Kündigungen möglich aber doch aufwändig und schwierig.

Im hier vorliegenden Fall könnte man auch darauf hinausgehen, dass seitens des Arbeitnehmers ein Betrug vorliegt. Dieser würde die sofortige ausserordentliche Kündigung rechtfertigen. Allerdings stehst du dazu in der Beweispflicht.

Aber wie gesagt, die Materie ist zu umfangreich, als dass dir hier jemand wirklich weiterhelfen könnte.

Antwort
von GoodFella2306, 46

Die Situation ist zu diffizil, um sie hier wirklich ausreichend erörtern zu können.

Als mittelständisches Unternehmen sollten Sie willens und in der Lage sein, einen Fachanwalt für Arbeitsrecht hinzuzuziehen.

Die Investition erspart Ihnen jede Menge Geld, falls Sie es im Alleingang falsch machen.

Antwort
von loema, 15

Das Integrationsamt hat auch bei dir zuständige Integrationsfachdienste.
Die Mitarbeiter dort, haben genau dein Themengebiet zur Aufgabe.
Also wenn Arbeitgeber Probleme haben, bei der Beschäftigung eines Mitarbeiters mit einem Schwerbehindertenausweises.
Du kannst also dort anrufen und deinen Fall schildern.
Da bekommst du dann rellevante Antworten auf deine Fragen.

Antwort
von Maximilian112, 17

Anwalt ist ja schon mehrmals gesagt worden.

Warum schreibst du keine Abmahnungen? Das ist das allererste und vor allen notwendige Mittel wenn sich Mitarbeiter nicht benehmen können und der Gedanke an eine Trennung aufkommt.

Aber zu deinem Mitarbeiter: Wenn er sich derartige Dinge wie das Holzhacken nicht all zu oft erlaubt wird die Kü nicht einfach werden und vor allen teuer.

Du kannst eine Kü mit Abfindungsangebot schreiben. Aber auch das sollte mit dem RA besprochen werden.

Antwort
von troublemaker200, 23

Kann ich gut nachvollziehen. Dein Schuß muss sitzen!

Ich würde hier einen Fachanwalt beauftrage die Angelegenheit genau zu prüfen. Lange Zugehörigkeit und Behinderung, nicht das Du einen winzigen Formfehler machst aus Versehen und sein Anwalt (den er sich mirt Sicherheit nimmt) dreht den Spieß um.

Antwort
von Kometenstaub, 25

Sie sind Arbeitgeber eines mittelständigen Handwerkunternehmens? Und fragen hier um Rat?

Wäre es da nicht besser, sie würden sich einen Anwalt nehmen?  Und nicht jede Krankschreibung zwingt einen zur Untätigkeit......

Kommentar von Neumondsdichter ,

Ja, ich bin Arbeitgeber eines mittelständischen Unternehmen und frage hier um Rat. Mannchmal helfen erste Antworten schonmal weiter

Expertenantwort
von Robert Mudter, Fachanwalt für Arbeitsrecht, 24

Ganz offen: Falsche Stelle um nach Rat zu fragen. Das Forum hier ist wunderbar, jedoch nicht für eine solche komplexe Angelegenheit.

Eine Trennung ist fast immer möglich. Die Wege sind Aufhebungsvereinbarung oder eine Kündigung mit vorgeschalteter Anhörung des Integrationsamtes. All dies muss taktisch geschickt angegangen werden. Genaue Art der Tätigkeit, Dauer und Fehlzeiten, Zuschnitt des Betriebes etc spielen eine große Rolle.

Es gibt immer Mittel und Wege: An einem Erstgespräch mit einem versierten Arbeitsrechtler führt kein Weg vorbei.

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