Frage von sebastian73, 61

Kündigung, später Freistellung, was ist mit Resturlaub?

Am Donnerstag, 31.3., habe ich meine Kündigung zum 30.4. erhalten. Freitag bin ich arbeiten gegangen, Montag aufs Arbeitsamt, Dienstag und Mittwoch wieder arbeiten. Da die Auftragslage aber so schlecht ist, habe ich meine Zeit eigentlich nur abgesessen. Vom Chef kam nix, im Sinne von, nimm deinen Resturlaub und bleib zu Hause.

Also bin ich Donnerstag, 7.4., zum Arzt und habe mich bis einschließlich 22.4. wegen Mobbing krankschreiben lassen.

Heute, 16.4., bekam ich ein Einschreiben, dass ...ich ab sofort von der Verpflichtung zur Arbeitsleistung bis zum 30.4. unwiderruflich freigestellt werde und der anteilige Urlaubsanspruch abgegolten ist. ...

Darf der das während ich krank bin? Was ist, wenn ich mich bis zum 30.4. weiter krankschreiben lasse? Muss ich den Resturlaub dann nicht ausgezahlt bekommen?

Danke für Eure Hilfe!

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo sebastian73,

Schau mal bitte hier:
Arbeit Arbeitsrecht

Antwort
von Interesierter, 33

Bis zum 22.04. bist du krank geschrieben. Die Zeit vom 22.04. bis 30.04. wird als Urlaub verrechnet. 

Wenn ich deine Fragestellung richtig verstehe, bist du nicht wirklich krank, sondern hast dir eben eine AU-Bescheinigung geholt, damit du nicht arbeiten musst. Wenn dem so ist, muss ich dir sagen, dass das Betrug ist. 

Daher solltest du dir gut überlegen, ob du dir für die letzte Woche nochmals eine AU-Bescheinigung holen willst. 

Antwort
von Nightlover70, 13

Ich würde mich eher ganz fein ruhig verhalten und nicht viel Wirbel veranstalten. Immerhin handelt es sich bei der gefakten Krankmeldung um Betrug. Wie sehr das im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung belastbar ist, ist fraglich. So kommst Du doch ganz gut aus der Sache raus.

Antwort
von Dea2010, 31

Während der Krankschreibung kann der Urlaub nicht abgegolten werden! Krank geht vor Urlaub.

Fakt ist, du musst nicht mehr zur Arbeit und wirst bis 30.04. (trotzdem) voll bezahlt.

Den Urlaub muss er dir ggf auszahlen.

Kommentar von SchakKlusoh ,

Während der Krankschreibung kann der Urlaub nicht abgegolten werden! Krank geht vor Urlaub.

Das ist korrekt.

Kommentar von Nightlover70 ,

Aber nicht wenn man nicht wirklich krank ist.

Kommentar von Dea2010 ,

Der Arzt entscheidet, ob er dir nen gelben Schein ausstellt. Bei Zweifeln an der AU kann der Arbeitgeber die Krankenkasse bitten, dich zur Überprüfung zum Medizinischen Dienst zu "bestellen".

Macht hier aber keinen Sinn, denn egal ob jetzt Freistellung oder Lohnfortzahlung, die Firma muss den Lohn bis 30.04. zahlen.

Moralisch finde ich dein Handeln allerletze Schiene. Erwarte kein allzu wohlwollendes Arbeitszeugnis! Man darf zwar nichts schlechtes schreiben, aber besonders loben wird man dich bestimmt nicht!

Antwort
von SchakKlusoh, 21

Ich hoffe mal, daß Du der Kündigung widersprochen hast und die Gewerkschaft Dir einen Anwalt wegen der Kündigungsschutzklage bereitstellt.

Ich wüßte nicht, daß Mobbing eine Krankheit ist. Also hast Du wahrscheinlich dem Arzt ein Märchen erzählt.

Ich würde das Freistellungsschreiben dem Anwalt zeigen und ihn auf das BAG-Urteil 9 AZR 455/13 aufmerksam machen. Darin steht nämlich, daß eine Freistellung nur dann auch den Urlaub erklärt, wenn dem Arbeitnehmer das Urlaubsgeld bezahlt wurde, oder vorbehaltlos zugesagt wurde.

Kommentar von skychecker ,

Eine Kündigung ist per se ein einseitiges Rechtsgeschäft das dann wirksam wird, wenn es der Gegenseite zugeht.

Ein Widerspruch ist also regelmäßig sinnbefreit und niemals heilend.

Daher kann man sich einen Widerspruch einfach mal in die Haare schmieren und seine Zeit lieber sinnvoll damit verbringen, um Stellenanzeigen zu lesen.

Alles andere wäre albern.

Mobbing ist sicher keine Krankheit, kann aber durchaus zu welchen führen. Von daher ist es schier anmaßend, wenn man einem Fragesteller unterstellt "Märchen" zu erzählen.

Das Urteil des BAG macht nur Sinn, wenn der Fragesteller auch aus AV, TV oder BV heraus überhaupt einen Anspruch auf Urlaubsgeld hat.

Kommentar von Familiengerd ,

@ skychecker:

Es geht in dem Urteil zwar nicht um Urlaubsgeld, sondern um Urlaubsentgelt bzw. -abgeltung, trotzdem ist das BAG-Urteil hier nicht anwendbar und die von SchakKlusoh empfohlene Einschaltung eines Anwalts wegen der Freistellung wäre "raus geschmissenes" Geld.

Kommentar von Familiengerd ,

Einmal abgesehen von der Frage nach der Berechtigung der Kündigung - die hier auch nicht geklärt werden kann -:

Selbstverständlich kann ein Arbeitgeber bei berechtigtem Interesse im Falle der Kündigung die Freistellung des Arbeitnehmers von der Arbeitsverpflichtung erklären.

Das ist hier mit der Erklärung der "unwiderruflichen" Freistellung geschehen.

Bei einer unwiderruflichen Freistellung ist der Arbeitgeber berechtigt, noch bestehende Urlaubsansprüche des Arbeitnehmers mit der Zeit der Freistellung zu verrechnen; das schließt selbstverständlich die Zahlung des Urlaubsentgelts ein.

Dass in diesem Fall hier wegen der Arbeitsunfähigkeit wenigstens teilweise eine Urlaubsverrechnung nicht möglich ist, bedeutet, dass der Urlaubsanspruch entsprechend der Dauer der Erkrankung erhalten bleibt und abgegolten werden muss.

Das von Dir angeführte BAG-Urteil behandelt eine ganz andere Problematik und hat mit dem vorliegenden Fall nichts zu tun, weil es in dem verhandelten Fall dezidiert um den Zusammenhang von fristloser Kündigung mit hilfsweiser ordentlicher Kündigung (einschließlich unwiderruflicher Freistellung mit Urlaubsanrechnung) ging.

Die sich daraus ergebende Problematik der Urlaubsgewährung und -anrechnung ist im Fragefall aber nicht gegeben.

Die Einschaltung eines Anwalts wäre also ziemlich sinnlos "teuer zum Fenster hinaus geworfenes Geld".

Ich wüßte nicht, daß Mobbing eine Krankheit ist.

Selbstverständlich ist Mobbing keine Krankheit - das hat der Fragesteller wohl auch kaum so gemeint!  Allerdings können die Folgen von Mobbing zweifellos zur Erkrankung und Arbeitsunfähigkeit führen!

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