Frage von Grimler, 87

Wie kann bei einer Kündigung ohne Arbeitsvertrag vorgehen?

Ich habe vor gut 3 Monaten das Jobangebot der Büroleitung einer kleinen Agentur angenommen und arbeite dort jetzt auch seit 3 Monaten. Die Konditionen wurden nur mündlich vereinbart, im Vorfeld dazu gab es eine E-Mail, mit einem Angebot an mich. Seit dem warte ich auf den zugesagten Vertrag, was der Chef, der fast ausschließlich auf Geschäftsreisen weilt, nicht auf die Reihe bringt. Da auch der Rest des Jobs nicht meinen Vorstellungen und ursprünglichen Versprechnugen entspricht, ich ein deutlich höheres Arbeitspensum als vereinbart bewältigen muss, div. Zusagen nicht eingehalten werden und das Klima allg. sehr frostig ist, möchte ich zeitnah kündigen und den Job wechseln, da ich hier nicht glücklich werde.

Mdl. vereinbart wurde eine 3-monatige Probezeit, die verstrichen ist. Zur Kündigungsfrist wurden keine konkreten Vereinbarungen getroffen. Gehe ich richtig in der Annahme, dass nun bei mir die einmonatige Kündungsfrist zum Monatsende bzw. zum 15. greift?

Ich freue mich auch über Tipps, wie ich bei der Kündigung (von der der Chef vermutlich noch nichts ahnt) am besten vorgehe. Wie würdet ihr diese recht kurze Zeit bei dem Arbeitgeber, bei einer Bewerbung und ggf. Vorstellungsgesprächen verkaufen?

Danke für ein paar Antworten und Tipps!

Antwort
von DarthMario72, 51

Mdl. vereinbart wurde eine 3-monatige Probezeit, die verstrichen ist.

Grundsätzlich kann eine Probezeit auch mündlich vereinbart werden. Allerdings ist das im Streitfall schwer zu belegen.

Gehe ich richtig in der Annahme, dass nun bei mir die einmonatige Kündungsfrist zum Monatsende bzw. zum 15. greift?

Nicht ein Monat, sondern vier Wochen - nur ausnahmsweise im Februar, wenn kein Schaltjahr ist, ist das derselbe Zeitraum.

Antwort
von marcussummer, 87

Es gilt die vierwöchige(!) Kündigungsfrist nach §622I BGB, Schriftform natürlich erforderlich, die Angabe eines Grundes nicht.

Bei künftigen Bewerbungen würde ich Offenheit empfehlen und angeben, dass die Tätigkeit nicht der Vorstellung entsprach. Immerhin war nicht dein Chef so unzufrieden, dass er dich gekündigt hätte, sondern anders herum.

Antwort
von SiViHa72, 54

Ohne Vertrag gelten alle gesetzlichen Konditionen.

 Erstes Beispiel:

http://www.welt.de/finanzen/article3300303/Muss-ich-ohne-Vertrag-fristgerecht-ku...

ich google noch nach dem §§

Kommentar von SiViHa72 ,

Ah, hier:

"

2. Gesetzliche Kündigungsfristen

Ist im Arbeitsvertrag (ohne Tarifbindung) keine Kündigungsfrist vereinbart worden oder wird auf die gesetzliche Kündigungsfrist verwiesen, gilt § 622 BGB:

Für Arbeiter und Angestellte gilt eine einheitliche gesetzliche Mindestkündigungsfrist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats.

"

Quelle: https://www.hk24.de/recht_und_steuern/wirtschaftsrecht/arbeitsrecht/Kuendigung/K...

Kommentar von SiViHa72 ,

Übrigens, ich würde dezent offen damit umgehen in Bewerbungen: also nicht abziehen, loslegen, sondern : leider entsprach die Stelle nicht den Vereinbarungen, da sich keine Änderung abzeichnete, zog ich es vor..

Kommentar von SiViHa72 ,

Und noh was vergessen: fordere auf jeden Fall ein qualifiziertes Zeugnis an, ohne Anforderung muss der AG es nich5ta usstellen.

Und denk dran, auch wenn Du jetzt nur kurz da warst, für jeden vollen MOnat dort hast Du 1/12 Deines Jahresurlaubs! Der wird entweder ausgezahlt oder abgefeiert> Absprache mit AG.

Expertenantwort
von ShinyShadow, Community-Experte für Bewerbung, 64

Gehe ich richtig in der Annahme, dass nun bei mir die einmonatige Kündungsfrist zum Monatsende bzw. zum 15. greift?

Kurz und schmerzlos: Ja. Wenn nichts anderes vereinbart wurde, zählt die gesetzliche Kündigungsfrist.

Kommentar von DarthMario72 ,

...die aber nicht einen Monat beträgt, sondern vier Wochen.

Kommentar von ShinyShadow ,

stimmt ja... hab ich jetzt gar nicht so drauf geachtet ehrlich gesagt in der Formulierung in der Frage. Danke für die Korrektur! :)

Antwort
von Markus Galuschka, 62

Hallo, auch bei einem (bis jetzt) mündlich geschlossenen Arbeitsvertrag gelten immer die gesetzlichen Kündigungsfristen. Nach der 3 monatigen Probezeit sind das 4 Wochen, also zum 15. oder 30/32. des Monats.

Die Kündigung sollest Du schriftlich machen und hierbei auf die Kündigungsfrist achten.

Bei zukünftigen Arbeitgebern und/oder Bewerbungsgesprächen würde ich das auf alle Fälle mitteilen, es waren ja dann 4 Monate wo Du dort gearbeitet hast. Das kann und soll man nicht unter den Tische fallen lassen.

Bei der Wahrheit und guten, sachlichen Begründung ist das auch kein Problem.

Kommentar von DarthMario72 ,

30/32. des Monats

Habe ich eine Kalenderreform verpasst?

Die Kündigung sollest Du schriftlich machen

Nicht "solltest", sondern "musst"! Schriftform ist gesetzlich vorgeschrieben, eine mündliche Kündigung ist unwirksam.

Kommentar von Markus Galuschka ,

stell Dir vor, man kann sich mal verschreiben! Natürlich meine ich 30/31. des Monats. Aber Danke für den Hinweis DarthMario

Kommentar von Markus Galuschka ,

Grundsätzlich soll eine Kündigung schriftlich erfolgen, dann ist man immer auf der sicheren Seite. Allerdings gibt es auch eine Entscheidung des Landesarbeitsgericht Rheinland Pfalz, dass eine mündliche Kündigung ausreicht.

Aber darum geht es nicht, die Schriftform ist immer der richtige Weg.

Kommentar von DarthMario72 ,

Grundsätzlich soll eine Kündigung schriftlich erfolgen

Nein, nicht "soll," nach § 623 BGB muss sie schriftlich erfolgen.

Allerdings gibt es auch eine Entscheidung des Landesarbeitsgericht Rheinland Pfalz, dass eine mündliche Kündigung ausreicht.

Sicher, diese Entscheidung gibt es. Aber das ist eine Entscheidung, die sich auf die besonderen Umstände des Einzelfalls bezog und keinesfalls verallgemeinert werden darf. § 623 BGB wurde dadurch nicht aufgehoben!

Aber das ist ja auch nicht das Thema der Fragestellung.

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