Frage von salmar77, 100

Kündigung nach 14 Jahren. Was soll ich tun?

Vorab eine Kurzerfassung zu meinem Fall: - bin seit 2002 im Betrieb, seit 2008 als Abteilungsleiter beschäftigt (Leitung der gesamten Instandhaltung, tätig auch bei verschiedenen Invest, -Projekten). - meine Personalakte ist sauber; zum Jahresende immer eine Leistungsprämie bekommen. - seit Oktober 2015 neuer Betriebsleiter in der Firma - Februar 2016 Aussage vom Chef: „Wir müssen sparen und wir glauben, dass deine Arbeitsstelle falsch besetzt ist. Wir wollen mit Dir nicht mehr arbeiten, deinen Arbeitsvertrag werden wir auflösen.“ - März 2016 einen Aufhebungsvertrag bekommen. Abfindung mit Faktor 0,5 berechnet – keine Einigung. - April 2016 eine Verhandlungsrunde, von AG Faktor 0,55 vorgeschlagen – keine Einigung. - Mai 2016 betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen mit 9 Monaten Kündigungsfrist (wie im Arbeitsvertrag). Grund: Reorganisation-/ Umstrukturierung im Betrieb somit Verfall meines Arbeitsplatzes. Meine Aufgaben sind auf andere Mitarbeiter verteilt. - Widerspruch von BTR. Grund: laut Betriebsvereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen sind z.Z. ausgeschlossen. Die BTR sieht mich auch nicht als leitenden Angestellten. Außerdem hat sich festgestellt dass meine Kündigung nicht von berechtigten Person unterschrieben ist. - Zweite Verhandlungsrunde, AG bietet weiter Faktor 0,55; AN fordert Faktor 0,8 – keine Einigung - 07.06.2016 Ultimatum vom Chef: wenn ich keine Kündigungsschutzklage ausspreche, bietet er Faktor 0,6, meine Arbeit soll ich bis Februar 2017 weiter leisten. Ausnahme – im Fall, dass ich einen neuen Job bekomme, bietet er s.g. Turboklausur mit 50%. Wenn ich aber das Angebot nicht akzeptieren werde und die Kündigungsschutzklage ausspreche, dann ist es die Chefsache mich anderweitig loszuwerden. Er hat mir darüber Auskunft gegeben, dass meine Arbeit unter die Lupe genommen wird, streng überwacht und bei jedem möglichen Anlass eine Abmahnung ausgeschrieben wird. Er will persönlich dafür sorgen, dass ich nach den Strapazen leer ausgehe. Inzwischen fühle ich mich schon mit meinen Aufgaben „gelähmt“, bin von wichtigen Informationen ferngehalten und andere Mitarbeiter sind auch schon gegen mich sensibilisiert - was leider schlecht nachweisbar ist. Es ist mir auch klar, dass mein Abschied von diesem Arbeitsplatz sicher ist Ich persönlich kann mir auch aufgrund des enormen Vertrauensbruchs, eine weitere Beschäftigung nicht vorstellen. Also muss ich kurzfristig eine wichtige Entscheidung treffen. Ihr könnt mir bei der Entscheidung helfen. Danke.

Antwort
von SiViHa72, 42

gegenfragen sind blöd,a ber da das schon länger kaspert: ne rechtschutz inkl. Arbeitrecht hast Du natürlich längst, auch um über die Antwartzeit raus zu sein?


Bzw. Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft,d a die einen auch arbeitsrechtlich beraten und vertreten?

Denn so tricky wie das ganze ist, solltest Du Dir fundierten Rechtsrat holen.


abfindung und ihre Höhe ist immer so ein Thema.. die 0,5 pro Zugehörigkeitsjahr sind wohl typisch.

Hat "nur" der BR verhandelt opder ein ANwalt? Wobei die Frage ist, ob der was anderes rausholt..


Ich hatte, als ich mal eine seltsame Kündigung kriegte (inoffiziell: weil sie mitkriegten, dass ich grad eine  unlustige Krankheit diagnostiziert gekriegt hatte. Ofiziell weill.. äähh.. wehrt sich doch nicht. 3 Formfehler, und ob ich mich gewehrt habe).

Abfindung war 0,5. War mir erst etwas naja, dann wies mich  ein RA mal drauf hin: und die letzten x Monate waren sie freigestellt unter Fortzahlung er bezüge.. das macht nen guten Batzen.

STIMMT!

Zumal meion charmanter RA ja aucxh so verhandelte, dass die Monate der Fortzahlung definitiv nicht rückforder- oder verrechenbar waren.


Das Doofe ist wirklich:w enn sie einen mit Methode x nicht rauskriegen,d ann werden sie schon was anderes finden. Irgendwas finden sie immer.

Fast. Bei mir fanden sie nichts,a ber es war echt zermürbungstaktik:

angebloich hatte ich fehlbuchung in Buchhaltung >2000e

Glücklicherweise hatte ich schriftlich,d ass ich den verantwortlichen MA zhur Korrektur aufforderte und dies auch der geFü mitteilte.


Angeblich Ware im Wert von.. verkommen lassen.

Laut Lieferschein war diese Ware erst geliefert worden, als ich schon freigestellt war.

Generallschlüssel inkl. Tresorschlüssel verschlürt.

Ich hatte ein gegengezeichnetes Schlüsselprotokoll, dass Schlüssel an GeFü am .. übergeben hatte.

Personalplanung verbockt, deshalb sei es zu Personalengpässen gekommen. Lustigerweise hatte der ausgedruckte Plan ein automatisch aufgedrücktes Datum eit nach meiner Freistellung.. und war eh für nen zeitraum 2 Monate später.

Arbeitsplatz total chaotisch am xx.xx.xxxx, ,am habe Unterlagen nicht gefunden.

Ja, aber wie ja schriftlich festgehalten wurde, war ich zu dem Zeitpunkt scvhon 4 Wochen nicht mehr dort gewesen, da freigestellt und Haus betreten untersagt. Und 2 Aushilfen hatten in der Zeit diese Aufgaben übernommen, also schon seit Wochen dort gearbeitet.


usw. usf.


mein Anwalt sagte mir nach den ersten 2 Anschuldigen: besser sie lesen den Quatsch nicht, die wollen sie doch nur fertig machen. ich l+ümmer mich schon.


Und das tat er.


Das nur mal so als Idee,w as sich nette AG alles einfallen lassen,w enn sie einen loswerden wollen.


Halt die Ohren steif!


PS: ich persönlich hab mir ebena uch gedacht: Brücken abbrennen, mitnehmen,w as geht.. und nicht fertigmachen lassen.


Turboklausur kenn ich nicht. Die 0,6 erwäge mal. Und überleg auch: wird das noch gutgehen bis 2017, also kriegst Du das für Dich hin?


mein Anwalt hat mir damals auch zugeredet wie nem kranken Pferd, einmal das mit dre lohnfortzahlung während des gekaspers.. und dann: denken sie dran,w enn sie Kündigungsschutzklage einlegen.. und gewinnen.. was sie werden.. dann wird er sie anders los werden. Und da wird er keine Fehler mehr machen, er weiss ja jetzt, wie er sie kriegt (AG hatte ja meine  MS-Diagnose mitgekriegt, da ist man nicht unbedingt dauerhaft stressresistent)


Im Endeffekt ists echt schwer, einen Rat zu geben.

Alles Gute, egal wie Du entscheidest!



Kommentar von SiViHa72 ,

PS: und bei mir ging es so, dass er eine korrekte betriebsbedingte Kündigung ausstellte. Also  NICHT über Auflösungsvertrag, dann wird die Abfindung nämlich auf ALG angerechnet.

betriebsbedingte Kündigung, wohlwollendes 2er-Zeugnis, begleichung aller nch ausstehenden Speen (da war nämlich auch noch was) plus Urlaub und Überstunden, die noch offen waren.

Hatte damals noch keine Rechtschutz,a ber der Anwalt war echt jeden Cent wert.

UND die Anwaltskosten lassen sich noch über Werbekosten in der Steuer absetzen.. denn sie sind ja arbeitstechnisch bedingt (eben der Versuch,d en Arbeitsplatz zu erhalten)

Kommentar von SiViHa72 ,

Sorry für Vertipper,werde dauernd gestört

Antwort
von marcus1984, 51

Hallo Salmar,

das ist eine schwierige Situation. Grundsätzlich ist das Vorgehen deines AG rechtswidrig, das würde dir ein Arbeitsrechtler bestätigen. Fraglich ist, ob es für dich am günstigsten wäre hiergegen juristisch vorzugehen, da du einerseits eine gerichtlich Auseinandersetzung wohl gewinnen würdest, jedoch andererseits dein AG, wie bereits angekündigt alles unternehmen würde, um dich dann auf anderem Wege zu kündigen.

Allerdings kann auch nicht einfach hingenommen werden, dass AG durch Druck auf den AN versuchen den Kündigungsschutz zu umgehen.

Eine valdie Auskunft wirst du hier wohl nicht bekommen, da sehr viele Faktoren zu beachten sind. Die Tatsache, dass du bereits 14 Jahre für deinen AG arbeitest, hilft dir. Auf der anderen Seite, ist es schwer abzusehen, welche Mittel dein AG ins Feld führen würde.

Such lieber einen Arbeitsrechtler auf!

Viel Erfolg!

Kommentar von salmar77 ,

Danke Marcus. Mein RA kann für mich nicht entscheiden. Die Klage ist zu gewinnen, sagte er, aber bei der Arbeit kann er mich nicht schützen.

Kommentar von marcus1984 ,

Hallo Salmar,

das ist klar, die Entscheidung wird dir niemand abnehmen. Deswegen handhabe ich das meistens so, dass ich meine Entscheidungen auf Basis möglichst vieler valider Informationen über einen Sachverhalt treffe. Interessant wäre die Einschätzung deines RA auf welche Weise dich AG im Anschluss kündigen könnte. Meines Erachtens dürfte das mit einer (gewonnenen) Klage im Vorfeld nicht möglich sein.

Kommentar von SiViHa72 ,

Vielleichta uch nich eine Überlegung wert: Ich war damals 8s.o.) in einem nicht sehr großen betreib 8einem gemeinnützigen übrigens, ja, sehr sozial).

Da hätte ich bei erfolgreicher Kü-Schutzklage kein Bein mehr an den Boden gekriegt.

Mein Freund arbeitet in einem sehr großen metallverarbeitenden Betrieb.

Hat grad letztens noch gesagt: was meinste,w ie viele bei uns rumlaufen, schon mit unserem AG vor Gericht w aren.. gewonnen.. und id guckt keiner aus der Chefriege schräg an

Sprich: so was kann auch einen sehr großen Unterschied machen!

Antwort
von Ernsterwin, 20

Wei fast immer ist im solchen Fall nicht entscheidend, ob du Recht hast, sondern ob Du clever und stark genug bist, Recht zu bekommen. Gerade wenn schon mit solche "Kündigungs-Vorbereitungs-Methoden" gedroht wird (siehe auch das Video auf http://www.abfindunginfo.de/kundigung-entlassung-abfindung.html).

In Deinem Fall geht es auch nicht mehr nur um die Kündigung, sondern möglicherweise auch um "Bossing". Wenn Du selbst anhand der Checkliste "
„Die 12 häufigsten Fehler bei einer Kündigung“ (siehe ebenda) Ansätze für eine Kündigungsschutzklage erkennst, würde ich diese sofort einreichen. Ansonsten solltest Du Dir unbedingt Expertenunterstützung (Anwalt, Coach) suchen.

Antwort
von WosIsLos, 35

Bezüglich Abfindung:

Bedenke, daß du heutzutage von einer Abfindung nur etwas hast, wenn du NICHT Langzeitarbeitslos wirst.

Denn bei Hartz IV sind die persönlichen Rücklagen großteils aufzubrauchen.

Also ich sehe den Streit über die Höhe der Abfindung nachrangig.

Am besten wäre, wenn du schnell einen neuen Arbeitsplatz findest; überlege dir, ob du sofort mit Bewerbungsschreiben anfängst, wenn du nämlich durch den Kündigungsstreß krank wirst, ist das dein Nachteil, der Firma macht das nichts aus.

Vielleicht überlegst du dir auch mal, ob du dich mit deinem Fachwissen und Erfahrung gar selbständig machst.

Ob du eine Kündigungsschutzklage anstrengen willst, solltest du mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht besprechen.



Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community