Frage von hebala, 942

Kündigung mit 60 - Rente mit 63?

Die Firma, bei der ich seit 30 Jahren im Büro angestellt bin, schließt Mitte des Jahres. Ich bin 60 Jahre alt und möchte mit 63 Jahren vorzeitig in Rente, da ich länger als 35 Jahre gearbeitet habe. Nachdem ich für meine Kollegen und mich die Kündigungen bzw. Zeugnisse geschrieben habe, fiel ich erst einmal in ein Loch, weil ich mir erst da über meine Lage bewusst wurde. Ich bin schon seit einiger Zeit in psychiatrischer Behandlung (3-jährige Pflege meiner demenzkranken Mutter). Mein Arzt hätte mir gerne für eine längere Zeit eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt, da ich mit meiner Situation nicht mehr zurecht komme; dies habe ich jedoch abgelehnt, weil ich meine Arbeit ordentlich beenden möchte und mein Büro auflösen muss. Habe mich bei der Arbeitsagentur gemeldet und soll mich natürlich bewerben. Für mich Neuland, war noch nie in dieser Situation. Ich habe kaum Aussicht auf eine neue Stelle, und wenn, dann für einen Bruchteil von dem, was ich jetzt verdiene. Wenn ich 24 Monate AL1 beziehen würde, fehlen mir immer noch 15 Monate Wartezeit bis zur Rente. Das wäre eine große finanzielle Einbuße, da mein Ehemann bereits Rentner ist. Hat hier jemand die gleichen Erfahrungen oder einen Rat für mich? Vielen Dank im voraus!

Antwort
von petrapetra64, 729

Lass dich am Ende deines Jobs Krank schreiben, aber bevor er beendet ist, in diesem Fall bekommst du Krankengeld weiter und noch kein Arbeitslosengeld. Bist du bereits Arbeitslos, bekommst du nur noch das verminderte Arbeitslosengeld. Du hast dann noch den vollen Alg1 Anspruch, wenn du wieder fit bist. Das gibt dir Zeit.

Während der Arbeitslosenzeit kannst du ggf. noch eine Massnahme machen, dann hält der Anspruch auch länger. D.h. eine 6 monatige Massnahme verringert den Alg1 Anspruch nur um 3 Monate.

Und vielleicht kriegst du wenigstens noch mal einen Aushilfsjob für eine gewisse Zeit, auch das zieht deine Zeit weiter hinaus.

Hast du dich denn überhaupt schon bei der Rentenkasse ausgiebig beraten lassen? Mit lediglich 35 Jahren hast du ja noch keinen langjährigen Anspruch und kannst daher erst mit 65 Jahren und ein paar Monaten ohne Abschlag in Rente gehen, mit 63 hast du lebenslang Abschläge hinzunehmen, so weit ich weiss.

Ohne Abschlag bei Arbeitslosigkeit mit 63 ging ja nur bis Geburtsjahr 52 und wenn du jetzt erst 60 bist, bist du 1956 geboren, oder? Dann beginnt deine Regelaltersrente erst mit 65 Jahren und 10 Monaten. Oder eben mit 63 und Abschlägen.

Hol dir schnellstens einen Termin bei der Rentenkasse und informiere dich gründich.

Kommentar von hebala ,

Vielen Dank,... Ja, habe mich beraten lassen, die Rente mit 63 geht wirklich nur mit einem monatlichen Abzug; aber damit kann ich leben, wenn ich deswegen 2 Jahre früher in Rente kann. Hätte meine Firma weiter gemacht, wäre ich wahrscheinlich auch noch bis 65 geblieben.
Das ist nämlich genau mein Problem: Krankmeldung schon während der Kündigungsfrist und weiter daran anschließend  - danach erst 24 Monate AL1 oder erst AL1 und danach Krankmeldung?? Was ist da eigentlich in meinem Fall günstiger?

Kommentar von petrapetra64 ,

wer innerhalb des Alg1 Bezuges krank wird, der erhält weiterhin Alg2, kein Krankengeld und die 24 Monate laufen weiter, das ist daher ungünstig für dich.

Wird man krank während man noch arbeitet, zahlt der Arbeitgeber bis zum Ende der Kündigungsfrist weiter, danach springt die Krankenkasse ein und alg1 wird dann erst beantragt, wenn man wieder gesund ist und erhält es dann 24 Monate.

Antwort
von turnmami, 665

Warum lässt du dich nicht krankschreiben? Du kannst max. 78 Wochen Krankengeld beziehen und dann deine 24 Monate Arbeitslosigkeit daran hängen. Schon hast du die Zeit bis zu deiner Rente überbrückt.

Kommentar von hebala ,

vielen Dank für den Tip...habe ich noch nicht drüber nachgedacht. Aber wird das Arbeitslosengeld dann nicht nach dem Krankengeld (dass so ca. bei 60% vom Lohn liegt) berechnet??

Kommentar von turnmami ,

Nein. Grundsätzlich wird es aus dem Verdienst der letzten 12 Monate berechnet, ohne Verdienst wird dieser Zeitraum auf 24 Monate ausgeweitet. Liegen auch hier keine 12 Mo Beschäftigung, wird von einem fiktiven Entgelt ausgegangen. Siehe dazu §§150, 152 SGB III

Antwort
von Roquetas, 553

Hier kannst Du lesen, wie es sich mit der Berechnung von ALGI nach einer eventuellen Krankschreibung verhält:

http://www.frag-einen-anwalt.de/Arbeitslosengeld-nach-Krankheit---f251128.html

Kommentar von hebala ,

Vielen Dank, habe ich mir gerade noch ausgedruckt- hilft mir auf jeden Fall weiter....(habe gerade irrtümlich "Finger nach unten " gedrückt - kann es nicht zurück nehmen, sorry)

Kommentar von Roquetas ,

Kein Problem. Hauptsache der Link hilft Dir weiter.. Alles Gute für Dich.

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