Frage von clementinchen89, 30

Kündigung in Probezeit MIT Urlaub?

Liebe Community,

ich habe seit 1.5. einen neuen Job, in dem leider einige negative Dinge passiert sind/Erwartungen überhaupt nicht eingehalten wurden, sodass ich mir leider bereits jetzt schon wieder überlege, diesen zu kündigen. Nun habe ich folgende Situation: Mein neuer Chef hat mir meinen (bereits im Januar, noch innerhalb des Jobs beim Ex-Arbeitgeber) gebuchten Jahresurlaub freundlicherweise bewilligt, obwohl ich ja in der Probezeit gar nicht das Recht auf 14 Tage am Stück habe. Wenn ich jetzt innerhalb meiner Probezeit kündige - hat dann mein Chef Pech gehabt oder muss ich die Urlaubstage, die ich ja streng genommen "zu viel" bekommen habe, noch mal auf die Kündigungsfrist draufrechnen? Also im konkreten Fall: Ich habe vom Urlaub von Mitte bis Ende Juli. Könnte ich dann nach meiner Rückkehr am 1.8. zum 15.8. kündigen?

Danke für eure Einschätzungen!!!

Antwort
von Familiengerd, 11

Selbstverständlich kannst du bei entsprechender Frist um 15.08. kündigen, wenn der Arbeitgeber die Kündigung (spätestens) am 01.08. erhält.

Anders als von MarkSchoen behauptet hat der Arbeitgeber aber nicht "Pech gehabt" - wenn damit gemeint sein sollte, dass der Arbeitgeber Dir "dummerweise" mehr Urlaub zugestanden hat, als Dir nach der Dauer Deiner Betriebszugehörigkeit in diesem Jahr bis zur Kündigung zusteht, und den zu viel genommenen Urlaub nicht mehr verrechnen kann.

Bei vom Arbeitnehmer zu viel genommenem und vom Arbeitgeber bewilligtem Urlaub hat der Arbeitgeber nur dann "Pech gehabt" - d.h. er kann zu viel gewährten Urlaub nicht verrechnen bzw. bereits gezahltes Urlaubsentgelt
(also die Entgeltung während des Urlaubs) nicht zurückverlangen -, wenn der Arbeitnehmer schon länger als 6 Monate beschäftigt war, in der 1. Jahreshälfte ausscheidet und das Urlaubsentgelt bereits gezahlt wurde (Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 5 "Teilurlaub" Abs. 3); außerdem dann, wenn er den Urlaub nicht lediglich im Irrtum gewährt hat, sondern im Wissen um einen geringer zustehenden als den tatsächlich beantragten Urlaub.

Die letzte Konstellation (der Arbeitgeber hat den Urlaub nicht im Irrtum, sondern im Wissen um den zu viel beantragten Urlaub gewährt) ist hier zwar auch der Fall, trotzdem darf er den zu viel gewährten Urlaub mit Ansprüchen Deinerseits verrechnen (also nur anteiliges Urlaubsentgelt zahlen oder - wenn es schon gezahlt wurde - mit dem Dir zustehenden Entgelt, mit Überstunden usw. aufrechnen), weil er so handeln durfte unter den besonderen Umständen Deines konkreten Falles und im guten Glauben um ein Fortbestehen des Arbeitsverhältnisses.

Kommentar von clementinchen89 ,

Hallo! Und vielen Dank! Wenn ich das jetzt richtig verstehe, heißt das, ich kann nach meinem Urlaub innerhalb der gesetzlichen Kündigungsfrist von 14 Tagen kündigen und mein Chef muss das hinnehmen, KANN mir aber Geld abziehen für die zu viel gewährten UT. Richtig verstanden?

Kommentar von Familiengerd ,

Ja, richtig verstanden!

Nebenbei bemerkt:

mein Chef muss das hinnehmen

Die fristgerechte Kündigung eines Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitnehmer muss der Arbeitgeber immer hinnehmen. Die Kündigung ist eine einseitige Willenserklärung, die lediglich empfangsbedürftig ist, also der anderen Partei fristgerecht zugehen muss.

Der Arbeitgeber hat nicht die rechtlichen Möglichkeiten, gegen die fristgerechte Kündigung durch einen Arbeitnehmer vorzugehen, wie sie im umgekehrten Fall - im Allgemeinen (bei Anwendung des Kündigungsschutzgesetzes KSchG - der Arbeitnehmer hat.

Antwort
von MarkSchoen, 17

Ich denke dein Chef hat Pech gehabt, und das wird durch die Umrechnerei bestimmt nicht besser. Sage ihm einfach: So ist nunmal das Leben.

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