Frage von FritzHidding, 96

Kündigung eines unbefristeten Arbeitsverhätnisses ohne Abmahnung?

Hallo, für meinen folgenden Fall bitte ich Sie um Hilfe. Ich versuche die Anfrage möglichst knapp und Fakten bezogen zu halten. Das soll keine Unhöflichkeit darstellen, sondern nur der besseren Klarheit dienen.

Folgende Details zu meinem Arbeitsvertrag und Arbeitgeber: Mein Arbeitsvertrag ist unbefristet. Die Dauer des Arbeitsverhältnisses beträgt mehr als 3 1/2 Jahre. Das Unternehmen hat weniger als 10 Vollzeitangestellte, jedoch deutlich mehr mit freiberuflichen Mitarbeitern, Teilzeitkräften und Praktikanten.

Ich erhielt nun kürzlich meine Kündigung mit einer Kündigungsfrist von einem Monat (Kündigung zum Ende des Monats), ohne schriftliche Angabe von Gründen. Gründe wurden mir im Gespräch genannt. (sehr allgemein und unspezifisch) Es gab jedoch keine Abmahnung im Vorfeld.

Meine Fragen an Sie sind nun: Ist diese Kündigung 100% rechtens? (soweit diese Aussage ohne weiteres Detailwissen möglich ist) Wenn nicht, warum könnte Sie nicht rechtens sein bzw. ist sie nicht rechtens? Welche Details wären noch wichtig, damit diese Kündigung nicht rechtens ist?

Für alle Antworten und Bemühungen bedanke ich mich ganz herzlich im Voraus. Ein Hilfesuchender.

Antwort
von Interesierter, 96

Zunächst mal müssen wir hier einige Dinge klarstellen:

In der Kündigung muss kein Grund genannt werden. Auch ohne Angabe eines Grundes kann die Kündigung rechtswirksam sein.

Das Kündigungsschutzgesetz gilt erst ab einer Belegschaftsstärke von 10 Mitarbeitern. Mitarbeiter mit mehr als 30 Wochenstunden werden mit dem Faktor 1,0, Mitarbeiter mit über 20 bis einschl. 30 Wochenstunden werden mit dem Faktor 0,75 und Mitarbeiter mit bis zu 20 Wochenstunden werden mit dem Faktor 0,5 berücksichtigt.

Als Mitarbeiter gelten alle dauerhaft beschäftigten Mitarbeiter. Dazu können auch freie Mitarbeiter zählen. Auszubildende zählen nicht. Praktikanten zählen ebenfalls nicht.

Wir wissen nun nicht, aus welchem Grund der Arbeitgeber kündigt. Ist es eine betriebsbedingte, eine verhaltensbedingte oder eine personenbedingte Kündigung. Daher ist eine Voraussage, ob die Kündigung rechtens ist, aus der Ferne schlicht und einfach nicht möglich. Wenn jedoch keine Kritik an deiner Arbeitsleistung geäussert wurde, keine Personalreduktion durchgeführt wird und du auch nicht die silbernen Löffel mitgenommen hast, würde ich zu der Vermutung tendieren, dass die Kündigung eher nicht haltbar ist.

Falls du dich wehren willst, wirst du um die Konsultation eines Anwaltes nicht herum kommen. Beachten solltest du auf jeden Fall, dass du innerhalb von 3 Wochen ab Zugang der Kündigung Klage einreichen müsstest, wenn du dich wehren willst.

Kommentar von Familiengerd ,

Nur so nebenbei:

Auch ohne Angabe eines Grundes kann die Kündigung rechtswirksam sein.

Jede Kündigung ist (oder wird) rechtswirksam, wenn nicht gegen sie geklagt wird - gleichgültig, wie fehlerhaft sie formal und wie unberechtigt sie inhaltlich sein mag!

Falls du dich wehren willst, wirst du um die Konsultation eines Anwaltes nicht herum kommen.

Wenn der Arbeitnehmer es sich von seinen Rechtskenntnissen her (und nervlich) zutraut, muss er keinen Anwalt konsultieren: er kann auch ohne Anwalt klagen (aber ich glaube, das weißt Du).

Kommentar von Interesierter ,

Jede Kündigung ist (oder wird) rechtswirksam, wenn nicht gegen sie geklagt wird

Richtig! Allerdings erst, wenn die Klagefrist verstrichen ist.

Wenn der Arbeitnehmer es sich von seinen Rechtskenntnissen her (und nervlich) zutraut, muss er keinen Anwalt konsultieren: er kann auch ohne Anwalt klagen (aber ich glaube, das weißt Du).

Ja, das weiss ich. Die Fragestellung lässt aber nach meiner Ansicht durchaus den Schluss zu, dass der Fragesteller selbst nicht über das notwendige Fachwissen verfügt, eine solche Klage im Alleingang durchzuziehen.

Kommentar von Familiengerd ,

Richtig! Allerdings erst, wenn die Klagefrist verstrichen ist.

Logo - und sie verstreicht eben, wenn man nicht klagt!

Die Anmerkung zur Klagemöglichkeit ohne Anwalt kam deshalb, weil Deine Formulierung "Falls du dich wehren willst, wirst du um die Konsultation eines Anwaltes nicht herum kommen." sich liest wie eine juristischen Notwendigkeit.

Also: Alles gut!

Antwort
von DarthMario72, 75

Zunächst einmal: eine ordentliche Kündigung muss der AG nicht begründen - in keinem Gesetz ist eine Begründungspflicht festgeschrieben.

Wichtig ist die Frage, ob es sich um einen Kleinbetrieb handelt oder nicht. Dazu hat @Interesierter ja schon ausführlich geschrieben. Sind es mehr als 10 Beschäftigte, wäre das Kündigungsschutzgesetz anwendbar und es müsste bei Kündigung u. a. auch eine Sozialauswahl getroffen werden.

Ich denke, dass es in deinem Fall sinnvoller ist, dir anwaltlichen Rat zu holen und innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung die Kündigungsschutzklage einzureichen.

Antwort
von 5432112345, 74

Das hier könnte dir weiterhelfen.

http://www.anwalt.de/rechtstipps/die-kuendigung-durch-den-arbeitgeber-im-kleinbe...

Wichtig ist vor allem die Frage ob dein Arbeitgeber aus rechtlicher Sicht zu den Kleinbetrieben zählt.


Antwort
von angy2001, 74

Nein, die Kündigung ist nicht rechtens. Geh zum Arbeitsgericht und erhebe eine Kündigungsschutzklage. Du brauchst da erstmal keinen Anwalt.

Kommentar von Tim2k12 ,

Soweit ich weis gilt das erst ab 10 Vollzeitbeschäftigten.

Kommentar von angy2001 ,

1. Sind auch die Teilzeitkräfte und Minijober dazu zu rechnen.

2. Die Küdigungsfrist verlängert sich je nach Betriebszugehörigkeit.

Es sollte also durchaus ein Richter überprüfen, ob die Kündigung gerechtfertigt ist.

Kommentar von Interesierter ,

Eine solch pauschale Aussage ist nicht sehr hilfreich. Ob die Kündigung rechtens ist, wissen wir nicht. Es wurde kein Grund angegeben. Daher wissen wir nicht, ob ein statthafter Grund vorliegt oder nicht. Nach der Angabe der Beschäftigtenzahlen ist davon auszugehen, dass hier das Kündigungsschutzgesetz greift.

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