Frage von daftrucker, 167

Kündigung bei selbstverschuldeten Arbeitsunfall - können wir diesen Fahrer fristlos entlassen?

Hallo, wir sind ein kleines Transportunternehmen mit 2 Beschäftigten und ich habe daher jetzt mal eine wichtige Frage. Ein Fahrer von uns ist Rückwärts von der Ladefläche gefallen und hat sich den Ellenbogen gebrochen. Er hat auf der Ladefläche Antirutschmatten ausgelegt und ist dann am Ende der Ladefläche runtergefallen. Wir haben Ihn schon einmal zur unbedingten Einhaltung von Arbeitsschutzmaßnahmen belehren müssen. Für uns stellt sich die Sachlage eigentlich als Selbstverschulden dar, da es ja wohl jedem klar sein dürfte das die Ladefläche irgendwann zu Ende ist. Daher jetzt die Frage. Können wir diesen Fahrer fristlos entlassen? Besten Dank in voraus für die Antworten Gruß Andreas

PS. Bitte keine Kommentare wie das ist Unfair oder unsozial, es geht hier auch um das Überleben der Firma und damit auch um die Zukunft anderer.

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht & Kündigung, 167

Das ist nie und nimmer eine fristlose Kündigung.

Wenn der Mann die Anweisungen nicht einhält gibt es i.d.R. eine Abmahnung.

Da Du einen Kleinbetrieb hast, nimmst Du doch bestimmt am "U 1 Verfahren" teil und bekommst die Kosten der Entgeltfortzahlung zurück. Wenn Du dem AN dennoch kündigen willst, geht das nur unter Einhaltung der vereinbarten Kündigungsfrist.

In Kleinbetrieben ist die fristgerechte Kündigung von AN "leichter". Auch hier sind die AN zwar  vor "sitten- oder treuwidrigen" Kündigungen geschützt, der Gesetzgeber und die Arbeitsgerichte erkennen aber auch die betrieblichen Interessen des AG an. Daher greift in den meisten Fällen bei Kündigung im Kleinbetrieb das Kündigungsschutzgesetz für den AN nicht.

Soweit zur rechtlichen Lage. Kannst Du nicht noch einmal mit dem MA reden und ihm eine Chance geben? Vielleicht lernt er es ja noch die Anweisungen zu befolgen. Ich glaube nicht, dass ihm sein Bruch "Spass bringt".

Antwort
von DerHans, 102

In erster Linie ist das ein meldepflichtiger Arbeitsunfall.

Die Lohnfortzahlung wird also auf jeden Fall fällig. Als Arbeitgeber erhaltet ihr den Ausfall aber von der BG zurück. Es ist euch also eigentlich kein wirtschaftlicher Schaden entstanden. Für den Ausfall des Fahrer steht es euch ja frei, über eine Leiharbeitsfirma Ersatz zu beschaffen. (Dafür sind dir ja eigentlich gedacht)

Ein wirklicher Kündigungsgrund besteht also NICHT

Fristlos schon mal überhaupt nicht

Antwort
von FrauStressfrei, 124

Das ist ein ganz normaler Berufsunfall, den ihr der Berufsgenossenschaft melden müsst. Natürlich dürft ihr ihn nicht kündigen. Allein der Gedanke ist absurd.

Antwort
von Ontario, 102

Hier handelt es sich eindeutig um einen meldepflichtigen Arbeitsunfall. Auch wenn man dem Mitarbeiter eine Mitschuld an diesem Unfall unterstellt, so ist das kein Kündigungsgrund. Eher einen Grund zur Abmahnung, so man ihn schon mehrmals auf die Einhaltung  der Arbeitsschutzmassnahmen erfolglos hinweisen musste. Sicher spielt auch ein gewisses Mass an Eigenverantwortung eine Rolle die jeder Mitarbeiter hat, aber ein Kündigungsgrund ist dieser Unfall dennoch nicht. Werden in deinem Betrieb überhaupt Unterweisungen turnusmässig abgehalten ? Dein Mitarbeiter hat ja Antirutschmatten ausgelegt und damit Vorsorge getroffen. Dass er versehentlich das Ende der Ladefläche nicht erkannt hat, war sein persönliches Pech. Ich denke, dass du diesen Mitarbeiter los werden möchtest und diesen Unfall nun als Kündigungsgrund nimmst. Da wirst du bei keinem Arbeitsgericht mit einer Kündigung Erfolg haben. Kündigen kannst du immer, aber fristgerecht. Allerdings muss der Grund ein anderer sein.

Antwort
von Ifm001, 90

Das Nichtbeachten von Arbeitsschutzmaßnahmen ist ein Abmahngrund. Das kann aber schnell zum Boomerang werden, wenn das Unternehmen nicht die vorgesehenen Dinge wie Gefahrenbeurteilung, Sicherheitblätter, Sicherheits-Einweisungen usw. umsetzt.

Antwort
von AlderMoo, 77

...Bitte keine Kommentare wie das ist Unfair oder unsozial...


Ist es aber trotzdem! Das unternehmerische Risiko trägt der Unternehmer und nicht der Arbeitnehmer.  Er bekommt ja auch keine Gewinnbeteiligung...


Wenn die Erkrankung eines Arbeitnehmers das Unternehmen gefährdet, ist es ohnehin kaum langfristig lebensfähig. Was willst Du hier implizieren?


Viele Unternehmer spielen gern "Lieber Gott" mit ihren Arbeitnehmern und versuchen, rigoros ihre seltsamen Vorstellungen umzusetzen. Dankenswerterweise sinkt die Anzahl derart unzeitgemäßen Verhaltens kontinuierlich.


Kommentar von Ifm001 ,

Sorry ... im Endeffekt sind wir in Deutschland sehr verwöhnt, was Arbeitsrecht usw. angeht. Die Normalität ist "hire and fire".

Statt nun gleich den Finger auf den "bösen, bösen Unternehmer" zu zeigen, sollte man sich doch die spezifischen Gegebenheiten ansehen.

Auch dein Argument, dass ein Unternehmen, welches eine solche Krankheit nicht stemmen kann, eh keine Marktchanche hat, ist Schwachsinn. Jedes Unternehmen hat mal so angefangen und es gibt zahlreiche davon, die in Summe eine Menge Arbeitsplätze schaffen.

Kommentar von Familiengerd ,

Die Normalität ist "hire and fire".

Zum Glück ist das in Deutschland nicht "Normalität" - und in vielen andren Ländern auch nicht. Und wenn es in den US "Normalität" ist, muss das für uns kein Maßstab sein!

im Endeffekt sind wir in Deutschland sehr verwöhnt, was Arbeitsrecht usw. angeht.

Das ist Unsinn!

Kommentar von Ifm001 ,

Ich gabe nirgendwo geschrieben, das ich es gut finde, wie es in den meisten anderen Ländern läuft. Trotzdem sollte man durchaus die Relation betrachten. Weltweit gesehen ist "hire and fire" die Normalität. Da hilft es auch nicht, wenn Du meine Worte verdrehst.

Kommentar von Familiengerd ,

Ich habe nirgendwo geschrieben, das ich es gut finde, wie es in den meisten anderen Ländern läuft.

Habe ich das behauptet?? Nein!! Ich habe allerdings - berechtigterweise - in Frage gestellt, was Du als "Normalität" behauptet hast.

Da hilft es auch nicht, wenn Du meine Worte verdrehst.

Wo also habe ich denn Deine Worte verdreht?!?!

Kommentar von DerHans ,

Hier handelt es sich eindeutig um einen Arbeitsunfall. Die Firma wird dadurch höchsten wirtschaftlich geschädigt, wenn sie bei der BG falsche Angaben gemacht hat.

Für Personalengpässe gibt es Leiharbeitsfirmen. Das ist eigentlich die einzige Daseinsberechtigung dieser Unternehmen.

Antwort
von daftrucker, 54

Ich bedanke mich bei Euch für die Antworten und muß sagen das wir uns nur informieren wollten ob es überhaupt ginge! Natürlich stellt uns das vor gewaltige Probleme aber auch das schaffen wir und der Fahrer wird nicht entlassen. Habe mich falsch ausgedrückt! Sorry

Antwort
von tanpopo, 84

Der Mann ist doch nicht absichtlich die Rampe runtergefallen.
Ihm nochmals eine letzte Verwarnung aussprechen und mit fristloser Kündigung drohen wäre diplomatischer als ihn vor vollenderen Tatsachen zu stellen.
Dem Mann wird dann der Ernst der Lage sehr deutlich!

Antwort
von BalTab, 66

Selbstverständlich NICHT! Dabei kommt ihr nicht mal mit ner Abmahnung durch! Das war DUSSELIGKEIT, kein VORSATZ

Habt ihr eigentlich den Knall nicht gehört? Auf solche Arbeitgeber kann die Welt verzichten.

Kommentar von Ifm001 ,

Schade, dass Du den letzten Satz der Frage nicht gelesen hast. Wenn in dem Unternehmen ein Mitarbeiter ausfällt, so ist 50% der Mitarbeiter weg. Ein längere Krankheit eines Mitarbeiters kann so ein Unternehmen finanziell nicht stemmen. Klar könnten die einen anderen Mitarbeiter einstellen, bis der andere genesen ist. Aber erstmal ist das mit dem Timing gar nicht so einfach (oder was würdest Du sagen, wenn dem Ersatzmann von heute auf morgen gekündigt wird, weil der andere wieder aus der Krankheit zurück ist?) zudem muss der Neue ja auch erstmal angelernt werden. Somit ist auch der zweite Stammmitarbeiter in den ersten zwei Wochen zur Hälfte damit beschäftigt ... wenn der Ersatz-Mitarbeiter gut aufnahmefähig ist.

Und was meinst Du, was mit dem Unternehmen passiert, wenn es nur noch 25% der Mitarbeiterleistung zur Verfügung hat? ... genau ... das Unternehmen ist pleite, der kranke Mitarbeiter hat auch dann keinen Arbeitsplatz mehr und mit ihn auch sein Kollege und der Chef ist auch bei Arbeitsamt zu finden.

Kommentar von DerHans ,

Genau für diese Situation sind eigentlich Leiharbeitsunternehmen gedacht

Kommentar von BalTab ,

Selbstverständlich hab ich den letzten Satz gelesen. Dadurch wird ein Arbeitsunfall aber trotzdem kein Kündigungsgrund.

Du hast nicht den Kündigungsschutz, wie in einem größeren Unternehmen, ABER

Kündigungen sind auch in Unternehmen mit weniger al 10 Mitarbeitern unzulässig, wenn..

2. Verstoß gegen die guten Sitten
Die Kündigung darf nicht sittenwidrig sein. Beispielsweise sind verwerfliche Motive wie Rachsucht oder aber eine Kündigung wegen einer durch den Arbeitgeber selbst herbeigeführter Krankheit sittenwidrig. Gefährdet aber wie in Ihrem Fall der längere krankheitsbedingte Ausfall eines Mitarbeiters die Fortführung des Unternehmens, ist eine solche Kündigung nicht sittenwidrig, da ein Kleinbetrieb den längeren Ausfall eines Beschäftigten in der Regel kaum verkraften könne, so dass Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz - Az. 2 Sa 373/07.




http://www.frag-einen-anwalt.de/Kuendigungsschutz-Kleinunternehmen,-Kuendig-bei-...

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