Kündigen im Krankenstand was passiert mit meinem Urlaub?

... komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Urlaub, den Du wegen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr nehmen kannst, muss ausgezahlt werden (Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 7 "Zeitpunkt, Übertragbarkeit und Abgeltung des Urlaubs" Abs. 4).

Wenn Du Deinen Urlaub wegen 'Erkrankung nicht nehmen kannst, verfällt er - so lange das Arbeitsverhältnis besteht - nicht bis zum 31.03. des übernächsten auf das Anspruchsjahr folgenden Jahres (das ist aufgrund von EU-Recht eine Abweichung von der gesetzlichen Bestimmung des BUrlG, wonach Urlaub spätestens zum 31.03. des Folgejahres verfällt).

Anders, als von Ursusmaritimus behauptet, hast Du aber nicht nur den anteiligen Urlaubsanspruch, sondern Anspruch auf den vollen vereinbarten, mindestens aber den vollen gesetzlichen Jahresurlaub.

Anspruch auf den vollen vereinbarten - wenn er denn über den gesetzlichen Anspruch hinaus geht - Jahresurlaub hast Du dann, wenn es im Arbeits- oder einem anzuwendenden Tarifvertrag keine Vereinbarung zu einer anteiligen Urlaubsberechnung bei unterjährigem Ausscheiden (Zwölftelung) gibt oder die Urlaubsvereinbarung keine Unterscheidung trifft zwischen gesetzlichem und zusätzlichem Urlaub.

Gibt es eine solche Vereinbarung oder Differenzierung, dann darf bei der anteiligen Berechnung allerdings nicht der gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch von 24 Werktagen (entsprechend einer 6-Tage-Woche, 20 Arbeitstagen bei einer 5-Tage-Woche) unterschritten werden.

Diese Regelung ergibt sich - da Dein Arbeitsverhältnis in diesem Kalenderjahr seit mehr als 6 Monaten besteht und wenn es in dieser 2. Jahreshälfte beendet wird - aus dem Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 4 "Wartezeit" in Verbindung mit § 5 "Teilurlaub" Abs. 1 (durch Ausschluss der Buchstaben a, b und c, die regeln, wann nur Teilurlaub zu gewähren ist). Außerdem ist das einheitliche Rechtsauffassung und durchgängige Rechtsprechung.

Wenn Du diesen vollen Anspruch wahrnimmst, hast Du in diesem Kalenderjahr allerdings keinen Urlaubsanspruch mehr gegen einen neuen Arbeitgeber - es sei denn, der Urlaub dort wäre länger als jetzt.

Solltest Du nach der Kündigung Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 haben, wird der Beginn der Zahlung des ALG 1 allerdings um den Zeitraum verzögert/hinausgeschoben (der Zeitraum der Zahlung also nicht verkürzt), der dem Zeitraum des abgegoltenen Urlaubs entspricht.

Das wird zwar von vielen Betroffenen als ungerecht nicht nachvollzogen, ist aber logisch und konsequent, um ALG 1-Empfänger, die ihren Urlaub noch genommen und keine Abgeltung erhalten haben, nicht zu benachteiligen: Du nimmst dann gewissermaßen verspätet bezahlten Urlaub zwischen Ende des Arbeitsverhältnisses und Beginn der ALG 1-Zahlung.

Wenn Du bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses immer noch krankgeschrieben bist, solltest Du Dich zwar auch unbedingt bei der Arbeitsagentur melden, Du kannst Dich aber noch nicht arbeitslos melden, da Du während der Erkrankung nicht zur Vermittlung zur Verfügung stehst.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Ursusmaritimus
27.09.2016, 12:56

Nachvollziebare gute Ausführungen, wie aber verhält es sich wenn der Krankenstand z.B. vier Wochen über Kündigung hinausläuft und dann ALG1 beginnt mit dem ausgezahlten Urlaubsanspruch, findet auch dann eine Auszahlungsverzögerung statt?

0

Den Urlaubsanspruch (in Zwölfteln des Jahresurlaubes) welchen du noch nicht genommen hast wird dir ausbezahlt, wenn du bis zum Ende der Kündigungsfrist im Krankenstand bist.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von michi1974
26.09.2016, 22:03

Danke für die schnelle Antwort...Ich habe noch keinen Urlaub genommen gehabt...Muss ich es in der Kündigung mit rein schreiben das ich um Ausbezahlung des Urlaubs bitte

0
Kommentar von Familiengerd
27.09.2016, 12:29

Den Urlaubsanspruch (in Zwölfteln des Jahresurlaubes)

Hier besteht nicht nur Anspruch auf den anteiligen Urlaub (ein Zwölftel für jeden vollen Beschäftigungsmonat), sondern auf den vollen vereinbarten oder - wenn es eine Regelung zu einer anteiligen Berechnung gibt - mindestens auf den vollen gesetzlichen Urlaubsanspruch!

0