Frage von unbekanntekarto, 101

Inwiefern ist aussagekräftige Kritik am Kapitalismus auszusetzen?

Inwiefern ist aussagekräftige Kritik am Kapitalismus auszusetzen? Was sind seine Vor-und Nachteile?Schadet er der Umwelt?Wenn ja,in welcher Hinsicht?

Antwort
von alashatt, 39

Inwiefern ist aussagekräftige Kritik am Kapitalismus auszusetzen?

Man übt nicht mal eben so eine kleine Kritik am Kapitalismus - der ist schließlich ein riesiger Komplex. Das sieht man vor allem an der umfangreichsten Schrift gegen ihn, dem "Kapital" von Marx, das ja bei weitem nicht hinreichend ist (es ist nicht mal fertig geschrieben worden). Bedeutungsvolle Kritik an ihm übt man, indem man seine inneren Gegensätze, die ihn bedingen, akzentuiert und ihre historische Tendenz erkennt. Marx hat dafür die nötigen Grundsteine gelegt.

Schadet er der Umwelt?

Nicht der Kapitalismus schadet der Umwelt, sondern der Mensch an sich - bzw. Produktion generell, die ja den Menschen ausmacht. "Ressourcenknappheit" und "Umweltzerstörung" sind "Probleme" (ich setze die Begriffe bewusst in Anführungszeichen) ökonomischen Betreibens im Allgemeinen. Was dem Kapitalismus eigen ist, ist bloß die Schwierigkeit, gleichzeitig die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, weil die Kapitalakkumulation an oberster Stelle steht - und gerne auch mal im Widerspruch zur Lebensgrundlage des Menschen. Eine von der gesamten Gesellschaft organisierte Wirtschaft hat da bessere Karten.

Kommentar von Snanifo ,

Ich denke, dass du einen sehr idealistischen Begriff von Umweltschädigung hast. Mit dem könnte ja nicht mal eine Pflanze, geschweige denn ein Tier oder der Mensch überhaupt nicht existieren. Ich würde dafür den Begriff Veränderung benutzen. Die findet ja sogar ohne Leben auf der Erde statt durch chemische und physikalische Prozesse. Umwelt bzw. Umweltverschmutzung bezieht sich doch auf das Handeln der Menschen, ob sie sich mit diesem Handeln solche Schäden der Umwelt antun, die ihnen selbst schadet oder anders ausgedrückt, ihr auf Dauer das Leben ungemütlich, gesundheitsschädlich oder schwierig macht. Auf den Kapitalismus bezogen heißt das, diese politsche Ökonomie zerstört seine Voraussetzungen: Erde, Luft und den Arbeiter.

Kommentar von alashatt ,

Der Begriff der Umwelt wird ja auch, besonders in unserer Gesellschaft, sehr idealistisch verwendet. Insofern hab ich mich auch darauf bezogen. Unter dem Deckmantel des Arguments, dass wir unsere eigene Lebensgrundlage zerstören würden, wird nämlich eine ideologische, unwissenschaftliche, antiaufklärerische Auffassung von Natur bzw. Umwelt verteidigt. Das heißt, man spricht von dem "natürlichen" Zustand der Dinge, dass wir nicht "Gott spielen" sollten, dass wir "im Einklang mit Mutter Natur" zu leben haben etc. Ich behaupte, das ist eine Illusion. Seit Anbeginn des Menschen steht er in einem direkten Gegensatz zur Natur, indem er produziert.

Die einzige bedeutsame Auffassung von Umwelt ist die materialistische, dass sie alles ist, was außerhalb von uns existiert. Das bedeutet anzuerkennen, dass die Natur eine Reihe von völlig willkürlichen, zufälligen, chaotischen Prozessen ist, die nur insofern "harmonisch" sind, als sie sich relativ auf uns beziehen (und umgekehrt). Produktion ist die Beherrschung der Natur und die hat der Kapitalismus nicht erfunden (der Kapitalismus ist ohnehin kein handelndes Subjekt), sondern in ihm wurden bloß die Produktivkräfte gesteigert. Es gibt zum Beispiel auch keinen Grund anzunehmen, dass eine zukünftige kommunistische Gesellschaft "ökologisch bewusst" ist.

Das heißt nicht, dass wir kein Sauerstoff etc. brauchen, um zu (über)leben und das soll auch nicht heißen, dass diese Steigerung der Produktivkräfte Zustände schafft, die uns eventuell schädigen. Aber diese Zustände können wissenschaftlich verstanden und dementsprechend auch gemeistert werden. Wenn wir dazu in der Lage wären, unsere physiologische Konstitution "künstlich" zu reproduzieren, dann würde nichts dagegen sprechen, wenn wir zum Beispiel die gesamte Erdoberfläche zementieren würden. Und trotzdem widert allein schon die Vorstellung unsere Umweltschützer an. Warum? Weil ihr Verständnis von Natur/Umwelt abergläubisch ist.

Deshalb hab ich auch in dem einen Satz die Anführungszeichen verwendet. "Umwelt", daher auch ihre Zerstörung, existiert nicht in dem Sinne, wie sie heute begriffen wird.

Antwort
von voayager, 24

Im Gegenteil, eine aussagekräftige Kritik am Kapitalismus, so wie du es nennst, dringt doch zum Wesenskern des Problems vor. Wie kann ich z.B. die AKW-Problematik, Treibhauseffekt, Ozonloch, TTIP usw. mit all ihren Ursachen und Folgeerscheinungwen aufführen, wenn ich das dazu gehörige kapitalistische Gebahren, vor allem gewisser Konzerne außen vor lasse?! Man muß schon Roß und Reiter nennen, andernfalls betreibt man sonst entweder Nebelwerferei oder sorgt so nur für Verwirrung. Gerade das Treiben der multinationalen Konzerne und ihres Staates (Staatsmonopolkapitalismus =Stamokap) gehört auf den Tisch. Auch die Autokonzerne und ihr Treiben muß systematisch aufgeführt werden.

Antwort
von Nijori, 41

Er fördert Konkurrenzdenken, macht durch Geld alles beeinflussbar, selbst Gesetze können in so einem System gebogen werden und um es kurz zu fassen, er fördert alles was am menschlichen Charakter am besten unterdrückt werden würde.
Außerdem übervorteilt er Reiche vor ärmeren.

An sich das System schadet der Umwelt nicht, aber da alle immer ihre Kosten in Grenzen halten wollen, bei höherem Profit versucht man oft Umweltschutzregeln zu umgehen.

Wie schon gesagt es ist ein System das unmoralisches Verhalten fördert....

Antwort
von berkersheim, 36

"Wissensdurst84" schreibt richtigerweise:

Kapitalismus ist eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.

Als Wirtschaftsordnung gibt es in dem Ziel die Menschenmassen unserer Zeit einigermaßen mit Gütern zu versorgen keine Alternative zur Massenproduktion. Ohne die modernen Produktionsmittel, die inzwischen mit Industrie 4.0 immer mehr digitalisiert werden, wird man die beständige Zunahme der Weltbevölkerung nicht versorgen können. Auch im Sozialismus konnte man auf diese Form der Produktion nicht verzichten. Im Gegenteil, wie wir heute wissen, ist man da sogar etwas unbekümmerter mit der Umwelt umgegangen, weil niemand Einspruch erheben durfte.

Umstritten ist Kapitalismus als Gesellschaftsform, wobei vielfach übersehen wird, dass sie von feudalistischen Zügen bis zu parlamentarischer Demokratie reicht - z.B. in der Schweiz. Die Gesellschaftsformen sind geprägt von den unterschiedlichen historischen Verläufen und daraus resultierenden Gesetzgebungen, z.B. welche Verpflichtungen und Rechenschaftslegung mit dem Besitz von Eigentum verbunden ist. In Deutschland wird das im Prinzip von den Parteien gestaltet und wer Auto- bzw. Hausbesitzer ist, weiß, wie man reglementiert ist, wenn man nicht zu den politischen Seilschaften gehört. Den Kleinen wird verboten, einen Baum abzusägen, obwohl schon zwei neue gepflanzt sind und der alte mit seinen Wurzeln die Grundmauern zerstört und Leute mit Beziehungen zur örtlichen Politik können ganze Grünflächen platt machen. Doch wie immer rächt sich Reglementierungswut und bremst sinnvolle Initiativen aus. Wie man an Brüssel erkennen kann, ist Geld milliardenfach zum Fenster rausschmeißen noch lange keine sinnvolle Investitionspolitik.

Antwort
von MrHilfestellung, 29

Die "Vorteile" sind natürlich, dass wir als (West)-Europäer davon profitieren, dass andere Erdteile ausgebeutet werden. 

Nachteile sind natürlich, dass ein sehr großer Teil der Weltbevölkerung verarmt ist. Viele haben nicht mal den Zugang zu grundlegenden Dingen wie zu sauberen Wasser. 

Ja, Kapitalimus schadet der Umwelt, da in einer Wirtschaftsform in der nur der Gewinn und die Vermehrung von Reichtum zählt, die Umwelt logischerweise zweitrangig ist.

Das äußert sich dann in Regenwaldrodungen, billige Filteranlagen für Abgase, etc.

Man kann jetzt natürlich noch mit marxistischer Kritik anfangen. Also Entfremdung des Arbeiters von seinem eigenen Produkt, aber das ginge jetzt zu weit.

Antwort
von Wissensdurst84, 35

Kapitalismus ist eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Das Kapital sind Maschinen, Anlagen, Fabrikhallen, Geld, Fahrzeuge etc. Das Kapital ist in diesem System im Besitz von Unternehmern. Der Staat schützt das Privateigentum, die Unternehmer können ohne staatliche Eingriffe weitgehend frei arbeiten und arbeiten lassen. In der Vergangenheit, als es noch keine Gesetze zum Schutz der Arbeiter gab, führte dies oft dazu, dass die Arbeiter ausgebeutet wurden und für wenig Lohn arbeiten mussten. Die Unternehmer häuften immer mehr Kapital an, die Arbeiter verarmten. Dies führte besonders in der Zeit der sogenannten Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert, als das Leben der Menschen immer mehr durch die Arbeit in den Fabriken bestimmt wurde, zu Auseinandersetzungen und politischen Gegenbewegungen. Karl Marx war der schärfste Gegner des kapitalistischen Systems. Er kritisierte, dass die Arbeiter ohne Besitz und wirtschaftlich abhängig von den Kapitalbesitzern waren, die sich um die Situation der Arbeiter nicht scherten. 

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