Frage von careetynXx,

Krise Griechenland _ Euro_ help!

Hab mal ne Frage zur aktuellen Situation der Wirtschaftskrise in Griechenland... Papandreou will ja jetzt die Bürger darüber entscheiden lassen, ob sie den Rettungsschirm annehmen wollen oder nicht. Damit zieht er den Zorn Merkels, Sarkozy & Co. auf sich... Wohl weil diese befürchten, dass das Land und somit der Euro dann zu Bruch gehen (richtig?)... So und jetzt meine Fragen:

  1. Würde es denn so einen großen Unterschied machen, ob das Land "kaputt" geht, denn anders würde man ja massig Geld nach Griechenland pumpen, das wahrscheinlich gar nicht mehr zurückgezahlt werden kann. Kommt dann unterm Strich doch was ziemlich ähnliches raus oder?

  2. allgemein: Wieso würde der Euro denn an Wert verlieren, wenn ein EU-Land pleite geht?!

Ich weiß, ich bin in Sachen Wirtschaft so schlau wie ein Stück Brot ;) vllt könnt ihr mir ja helfen :) Danke :D

Hilfreichste Antwort von srami,
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Du stellst eine sehr schwerwiegende Frage.

Also Griechenland ist über Trickserien und Verheimlichungen über ihre wahre Verschuldung vor vielen Jahren in die EURO-Zone mit aufgenommen wurden. Griechenland hat eine misserable Wirtschaftsstruktur mit vielen Staatsbetreiben und wenig privatwirtschaftlicher Eigenverantwortung. Durch die Einführung des Euros sanken die Zinsen für Kredite. Dieses zusätzliche Geld wurde aber nicht zum Abbau der Landesverschuldung genommen. Stattdessen machten sich die traditionell starken Gewerkschaften in den ersten drei Jahren nach der Euroeinführung dafür stark, die Gehälter der Beschäftigten zu erhöhen (bis zu 15 % Gehaltsteigerung pro Jahr). Diesen Gehaltserhöhungen standen aber nicht wie in Deutschland Produktivitätsfortschritt gegenüber. Also würde die einzelne Leistung im Land viel teurer. Es war also nach einigen jhren viel billiger Güter einzuführen als selbst herzustellen. Diese Importe kann man aber nur machen, wenn man Geld hat oder Geld druckt. Zweites war in Griechenland der Fall. Zudem ist die Korruption weit verbreitet und der öffentliche Beschäftigungssektor ist vergleichsweise viel größer als in Deutschland. man spricht von mind. 30% der Bevölkerung, die dort "arbeitet" bzw. Geld bekommt.

Die Verschuldung stieg also stark. Sie liegt heute bei ca. 160 % des Bruttoinlandsproduktes (also der im Land produzierten Waren in einem Jahr). Vor einem Jahr lag diese bei ca. 110 %. Dieser enorme Anstieg resultiert aus dem enormen Sparauflagen des IWF und der EU gegenüber der Regierung Griechenlands. Denn wenn du sparen musst, kannst du schlecht investieren. das gilt besonders für Griechenland, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Bevölkerung vom Staat abhängig ist.

Wenn man jetzt also Griechenland (GR) aus der Eurozone entlassen würde, wäre die Eurozone ein Länderproblem los und der relative Eurokurs zu anderen Währungen würde steigen. Dies wäre auch ein Signal an die andere PIIGS-Länder Spanien, Portugal, Italien, Irland, dass man nicht unendlich Geld in ein Land pumpen möchte und die Sparanstrengungen aus dem Inland kommen müssen.

Würde nun GR wieder die Drachme einführen, blieben viel Schulden aber in Euro nominiert. Die Drachme würde sofort stark abwerten, wie GR das auch vor der Euroeinführung gemacht hat, um das niedrige Produktivitätsniveau zu halten.

Wenn also in Deutschland die Produktivität steigt, können mehr Produkte in der selben Zeit hergestellt werden (Gehalt bleibt gleich odr steigt nur gringer als der Produktivitätsfortschritt) und in GR bleibt die Produktivität gleich, aber die Einkommen steigen. Dann muss über den Außenwert (Währung) eine Kaufkraftangleich stattfinden -> die Drachme sinkt, die DM steigt. In einer Eurowelt mit unterschiedlichen Produktivitäten aber gleicher Währung ist dieser Ausgleich nicht mehr möglich.

Die Drachme wertet also gegn den EURO ab. das ALnd kann seine Waren jetzt wieder exportieren, denn sie sind für das Ausland billiger geworden. Aber die griech. Schulden sind weiterhin zu einem großen Teil in EURO nominiert. Das Land ist also tatsächlich bankrott. Es kann also nicht einmal die Zinsen der aufgenommenen Kredite tilgen. Belastet werden damit die Inhaber dieser GR-Anleihen. Denn trotz EU gibt jedes Land selbsttätig Staatsanleihen aus und verschuldet sich selbst. Aber wer hält diese Anleihen? Banken in GR und im Ausland, Private, Versicherungen, sonstige Institutionen. Die Banken müssen nun erhebliche Abschreibungen vornehmen. Welche das nicht kann, muss auch in die Insolvenz gehen oder vom Staat gerettet werden (analog zur Finanzkrise 2008).

Die Frage ist also: Was ist billiger? Mein oben dargestelltes Szenario oder das was wir aktuell in Radio, fernsehen und in Zeitungen nachverfolgen können? Immer wieder Geld nach GR pumpen. Eine schlussbetrachtung ist heute nicht möglich. Eine passende Antwort habe ich auch nicht.

Ob GR die Hilfskredite der EU und des IWF je wieder zurück zahlen kann, ist mehr als fraglich. Denn kann man einem Überschuldeten mit neuen Krediten helfen? Nein. Wir benötigen eher eine Art Marshallplan wie nach dem 2. Weltkrieg um die Südländer wieder auf Trab zu bringen. Alleine Kredite verschlimmern es eher als dass sie das Feuer löschen.

Zu deiner 2. Frage: Der Euro würde kurz gegenüber den anderen Währungen verlieren, um kurz danach stark zuzulegen (Schocksituation und Aufatmen). Das ist die Realität der Finanz- und Devisenmärkte. Zuerst lastet ein ungelöstes Problem auf einer Währung. Sobald aber ein endgültiges Szenario eintritt, fällt diese Last ab und die eigene Währung steigt wieder.

Konntest du etwas mehr Einblick in die Materie bekommen?

Antwort von downlink,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich
  1. Ja, das ganze ist nur eine Momentlösung. Und niemand hilft Griechenland aus Menschlichkeit, sondern wegen der Rückzahlungen (die, wie du schon erkannt hast, für Griechenland ziemlich unmöglich werden, deswegen werde die "Hilfspakete" auch kritisiert).

  2. kann ich nur vermuten, bin auch nicht so ein Wirtschafts-Talent... ich denk mal die Preise in Griechenland würden erhöht werden, die Steuern auch, um das Geld wieder reinzuholen, also würde der Euro weniger wert sein, weil man dafür beispielsweise nicht mehr 2 Brote sondern nur noch 1 Brot bekommt.

Aber generell ist dieses System der größte Dreck überhaupt. Die Wall Street-Demonstranten hams begriffen, und hier auch ein paar Leute (guck dir das fette Camp in Frankfurt an, in Berlin is am Wochenende auch wieder ne Demo). Und weißt du warum Papandreou so kritisiert wird? Lies mal das hier, ist wirklich schön geschrieben und zeigt die Situation ganz gut. http://www.faz.net/aktuell/der-griechische-weg-demokratie-ist-ramsch-11514358.ht...

Wer das Volk fragt wird zur Bedrohung Europas, so siehts aus. Das können die eigentlich nicht ernst meinen, aber es ist leider bitterer Ernst. Da muss sich schleunigst was ändern, die Leute müssen anfangen sich zu wehren.

Kommentar von srami,

Eine sehr einseitige Darstellung. Occupy-Wall Street ist nicht die Lösung. Wir brauchen Banken, aber keine Schattenbanken. Wer sagt denn, dass sie alleinige Abspaltung der Investmentabteilungen Besserung bringt. Lehman Brothers war auch eine alleinstehende Investmentbank und hat das gesamte Finanzsystem ins Wanken gebracht. Ein Trennbankensystem ist keine Lösung!

Und eine Volksbefragung ist kein Allheilmittel. Man kann nicht alles über Volksbfragungen lösen. Für rein microregionale Entscheidungen sind diese einwnadfrei, aber nicht für so komplexe Dinge wie wir diese derzeit in Griechenland sehen. Hier werden überaus komplexe Prozesse hemdsärmelig dargestellt. So macht man Populismus, aber keine Politik!

GR beeinflusst den Euro - rein auf seiner wirtschaftlichen Stärke gemessen - nahezu gar nicht. dafür ist die griech. Volkswirtschaft zu winzig.

Kommentar von benutzer11094,

Man braucht einfach nur eine vernünftige Regulierung des Bankenwesens, damit der Handel mit Derivaten, der teilweise keinen Sinn macht (CDS ohne, dass man das eigentliche Underlying besitzt) eingeschränkt wird.

Antwort von Realito,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

In so einer Situation dürfte das Volk nicht befragt werden, weil das Volk nicht genau über EU-Gipfel und Entscheidungen unterrichtet wurde. Alles Theater/spielchen und sich klammern an der Macht.

Kommentar von srami,

Theoretisch hast du recht.

Allerdings sieht die griechische Verfassung nur auf Staatsebene eine direktdemokratische Volksbefragung vor. Daher wird die haltung von Papandreu legitimiert. Na klar war es schlecht verständlich für Außenstehende weshalb die Befragung nicht bereits bei Entscheidungen zuvor durchgeführt wurde. Aber es ist so in der griechischen verfassung normiert und daran hätten sich auch Frau Merkel und Herr Sarkozy halten müssen. Ihr Verhalten war verständlich aber vor dem rechtlichen Hintergrund absolut deplaziert.

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