Frage von Holbizmetrics, 39

Krankenkasse Deutschland: Privat, Schweiz?

Was für Möglichkeiten gibt es wenn ich in die Schweiz gezogen bin, meine Krankenkasse zu behalten (Deutschland) und in der Schweiz zu benutzen,

oder falls ich irgendwann aus der Schweiz wieder gehen sollte, wieder in die ursprüngliche Krankenkasse zurückzukehren, ist das überhaupt möglich?

Oder muss die Krankenkasse auf jeden Fall in Deutschland gekündigt werden und in der Schweiz eine neue abgeschlossen?

Vorerst weiss ich nur, dass ich für 10 (weitere) Monate sicher hier bin.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von bitbuerster, 9

Du musst hier zwei Sachen unterscheiden:

a) Die Versicherungspflicht in der Schweiz
b) Deine private Krankenkasse in Deutschland

So merkwürdig das klingen mag: Die beiden haben nichts miteinander zu tun!
Zu a): Die Schweiz sagt Dir klipp und klar, dass Du Dich bei einer schweizer Krankenkasse zu versichern hast. Dass Deine deutsche private Krankenkasse einen vollumfänglichen Leistungskatalog hat, der weit über das hinausgeht, was die Schweiz in ihrer "obligatorischen" Krankenkasse bietet, interessiert da nicht. Ebensowenig, was das für Dich und Deine deutsche Krankenversicherung bedeutet..

Zu b): Die meisten deutschen privaten Krankenkassen leisten vollumfänglich weltweit -und damit auch für die Schweiz. In der Tat ist es sogar einfacher, denn Herr und Frau Schweizer bekommen Ihre Arztrechnungen ja eh automatisch nach Hause geschickt, zahlen selber und holen sich das Geld von ihrer Krankenkasse zurück: Eben genauso, wie Du das in DE mit Deiner PKV auch machst!

Es kann sein, dass Deine PKV am Anfang etwas rumzickt, weil die Abrechnungscodes der Schweiz (sog. TARMED ICD Codes) anders sind als die deutschen. Dann musst Du Deiner PKV einmalig eine schöne lange Liste dieser Codes schicken und dann haben sie es auch gelernt.. ;-)

Aber jetzt zur Kombination von a) und b):

1) Du kündigst Deine deutsche PKV, schliesst eine Schweizer obligatorische KV ab, nutzt die letztere:
Vorteile:
- das ist die günstigste Variante

- willst Du auf denselben Leistungslevel wie in DE kommen, kannst Du Deine OKV ja immer noch separat aufstocken um eine Schweizer Zusatzversicherung

Nachteile:
- wenn Du nach DE zurückkehrst, nimmt Dich keine PKV ohne neuerliche Gesundheitsprüfung mehr auf
- wenn Du in DE noch nie in einer GKV warst (=immer Privatpatient) nimmt Dich auch keine GKV auf (die einzige Möglichkeit ist dann, dass Du in eine PKV gehst und dort die Minimalleistungen der GKV bekommst)

- für überobligatorische Leistungen musst Du auch in CH eine Gesundheitsprüfung machen

- die Schweizer Zusatzversicherungen decken Zahnarztbehandlungen trotzdem nicht ab

2) Du stellst Deine deutsche PKV auf sog. "kleine Anwartschaft", schliesst eine Schweizer obligatorische KV ab, nutzt die letztere:
Vorteile:
- zweitgünstigste Variante
- Deine PKV muss Dich wieder in Deinen alten Tarif aufnehmen, allerdings nur nach neuerlicher Gesundheitsprüfung

- Möglichkeit der Schweizer Zusatzversicherung wie in a) auch gegeben
Nachteile:
- wenn Du nach DE zurückkehrst, wird es evtl. deutlich teurer für Dich

3) Du stellst Deine deutsche PKV auf sog. "grosse Anwartschaft", schliesst eine Schweizer obligatorische KV ab, nutzt die letztere:
Vorteile:
- wenn Du nach DE zurückkehrst, lebt Deine alte PKV wieder auf, ohne neuerliche Gesundheitsprüfung

- Möglichkeit der Schweizer Zusatzversicherung wie in a) auch gegeben

Nachteile:
- teuerste Variante, weil sich die meisten PKVs diese Anwartschaft sehr teuer bezahlen lassen

4) Du nutzt Deine deutsche PKV in der Schweiz, schliesst eine Schweizer obligatorische KV ab, nutzt nur die erstere:
Vorteile:
- höchster Leistungsumfang
- wenn Du nach DE zurückkehrst bleibt auch dort alles beim alten
- Du kannst aber auch den Trick machen, auf die Art aus der deutschen PKV herauszukommen, wenn die Dir zu teuer ist und Du unbedingt in die GKV zurück willst: Vor der Rückkehr nach DE die deutsche PKV kündigen (mit Verweis auf bestehende Schweizer OKV); dann Umzug nach DE, dort Antrag zur Aufnahme in die GKV (mit Verweis auf langjährige Mitgliedschaft in Schweizer OKV)
Nachteile:
- Du zahlst für zwei KVs, obwohl Du die Schweizer KV nie nutzt

- Die AGBs Deiner deutschen PKV / Schweizer OKV können das als "missbräuchlich" ausschliessen (wenn sie es je bemerken sollten)

Auch wenn das komisch klingt: Die letzte Option ist tatsächlich meistens billiger als 3), denn da Du bei 4) natürlich die allerbilligste Schweizer obligatorische KV nimmst, ist das weniger Geld als die Anwartschaftsbeträge -und Du hast keinerlei Franchise oder Selbstbehalt, den Du bei der Schweizer OKV natürlich auch erst mal finanzieren müsstest.

Antwort
von Barmenia, Business Partner, 9

Hallo Holbizmetrics,

ich unterstelle, dass du in Deutschland privat versichert bist!

In der Schweiz gibt es die Versicherungspflicht für die Krankenversicherung, so dass du theoretisch deine private Krankenversicherung nicht in der Schweiz fortführen kannst. In einigen Kantonen und unter gewissen Umständen kannst du dich vor der Krankenversicherungspflicht in der Schweiz befreien lassen. Am besten du fragst bei den Behörden vor Ort mal nach. Es macht nur dann Sinn dich in der Schweiz von der Krankenversicherungspflicht befreien zu lassen, wenn du einen guten privaten Krankenversicherungsschutz hast, der für die Schweiz im vollen Umfang leistet. Ansonsten könnten dir Nachteile und hohe Kosten bei Behandlungen in der Schweiz entstehen.

Wenn du dich in der Schweiz versicherst und innerhalb von ca. 10 Monaten wieder nach Deutschland zurückkehren möchtest, solltest du über eine Anwartschaftsversicherung nachdenken. Der Vorteil ist dann, dass du für einen reduzierten Monatsbeitrag, bei deiner Rückkehr nach Deutschland, deinen alten Versicherungsschutz fortführen kannst und nicht bei „Null“ wieder beginnst. Das solltest du mit deiner privaten Krankenversicherung besprechen.

Alles Gute für deinen Auslandsaufenthalt.

Viele Grüße Denis vom Barmenia-Team

Antwort
von jottlieb, 13

Das Krankenversicherungsgesetz ist eindeutig:
"Jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz muss sich innert drei Monaten
nach der Wohnsitznahme oder der Geburt in der Schweiz für Krankenpflege
versichern oder von ihrem gesetzlichen Vertreter beziehungsweise ihrer
gesetzlichen Vertreterin versichern lassen."

Ausnahmen werden hier erläutert, aber von denen dürfte keine auf dich zutreffen:

https://www.kvg.org/de/ueberblick-_content---1--1036.html

oder falls ich irgendwann aus der Schweiz wieder gehen sollte, wieder in
die ursprüngliche Krankenkasse zurückzukehren, ist das überhaupt
möglich?

Ja, das ist möglich.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community