Frage von Freestylecookie, 169

Krampfanfall-Darf der Rettungsassistent Medikamente geben?

Hallo, wenn der RTW (ohne Notarzt) zu einer Person gerufen wird, die beim Eintreffen krampft, dürfen die Rettungsassistenten dann Medikamente geben oder fordern sie den Notarzt an und warten bis der kommt? Wenn sie schon vorher Medikamente geben dürfen, welche geben sie dann? Dürfen sie einen Zugang legen und diese i.v. geben? Fällt das alles unter den Begriff Notkompetenz?

Antwort
von nlost, 69

Huhu,

Kommt drauf an was der ÄLRD freigegeben hat, aber normal schon.

In der Regel werden Benzodiazipine gegeben, wie zum Beispiel " Midazolam " (5ml/5mg) , selbstverständlich gehört dazu ein i.V. Zugang.

Auf die rectale Gabe wird bei erwachsenen verzichtet und ist antiquiert, sollte ein i.V. Zugang nicht möglich sein so wird Midazolam über einen MAD appliziert.
(mucosal atomization device)
Mit Midazolam (3ml/15mg)

Auch auf das abwarten des Anfalls wird verzichtet, hier ist die schnelle Beendigung das Ziel des RD.

Bei all diesen Maßnahmen muss aber ein Notarzt angefordert sein. Aber auch hier, sollte das Meldebild "Krampfanfall" sein, wird der NA per NEF automatisch mit alarmiert.

Alles aus Sicht eines RettAss.

Liebe Grüße
Nlost

Kommentar von Freestylecookie ,

Danke für deine Antwort!

Mit "rectale Gabe" meinst du sicher das Diazepam rectal oder?

Warum darf man das bei Erwachsenen nicht geben?

Ich frage, weil ein bekannter Epileptiker bei uns in der Familie sämtliche Benzodiazepine nicht verträgt und allergisch darauf reagiert, außer auf Diazepam, welches er als Notfallmedikament hat (rectal). Der darf auch kein Midazolam bekommen deswegen war meine Frage ja ob der RettAss Medikamente verabreichen darf.

Was würdest du denn in dem Fall als erst eintreffender RettAss machen, wenn dir bekannt wäre, der Patient darf kein Midazolam, Lorazepam und Clonazepam bekommen, verträgt nur Diazepam?

Kommentar von nlost ,

huhu, klar kann man bei erwachsenen das diazepam rectal geben, aber im Rettungsdienst wird aus ästhetischen Gründen darauf verzichtet. wenn mir gesagt wird, das außer diazepam, kein anderes benzo vertragen wird, bekommt er natürlich das diazepam. Hauptsache der Krampf wird unterbrochen und ein neuer wird verhindert. in der Regel wird aber ein Medikament vorgezogen was eine geringere Halbwertszeit hat als diazepam um dem behandelnden Arzt in der Klinik alle Möglichkeiten offen zu lassen. aber in diesem Fall, ganz klar diazepam. liebe Grüße Nlost

Kommentar von Freestylecookie ,

Aber sind "ästhetische Gründe" nicht auch egal wenn es um einen Notfall geht?

Wenn der RettAss also nur Diazepam geben darf, dann gibt er das aber i.v. mittels Zugang oder?

Kommentar von nlost ,

huhu, ja ganz genau. ein i.v. Zugang ist einfach Standard im Rettungsdienst. da ich dadurch Zugang zum System habe kommt das Medikament sehr schnell an. natürlich ist das rectum auch gut durchblutet aber mit einem i.v. Zugang gehts eben schneller. die rectal-Tuben sind bei uns Ende 2010 vom Rettungswagen verschwunden, komplett. liebe Grüße nlost

Antwort
von Enzylexikon, 124

Das legen von Zugängen ist nach meinem Wissen im Rahmen der Notkompetenz zulässig. Die Gabe von Medikamenten ist jedoch unterschiedlich geregelt.

Im Fall eines grand mal Anfalls können als Notfallmedikation beispielsweise Benzodiazepine rektal, oder Midazolam ("Dormicum") nasal verabreicht werden.

So lange ein solch schwerer Anfall stattfindet ist es ohnehin nicht möglich, einen Zugang zu legen, da muss man auf as Einsetzen der antikonvulsiven Wirkung der Medikamente warten.

Bereits die bloße Gabe von Sauerstoff kann bei einem Grand mal schwierig sein.

Kommentar von Freestylecookie ,

Medikamente rektal? Bei einem Jugendlichen ist das doch voll erniedrigend?!

Kommentar von Negreira ,

Das ist bei einem älteren Patienten sicher auch nicht der Burner, oder meinst Du, die sind jenseits von gut und böse?

Kommentar von Enzylexikon ,

Bei einem solchen grand mal Anfall bekommt der Patient praktisch nichts mit, da das Bewusstsein extrem eingetrübt ist. Die Umgebung wird häufig nur als schemenhaftes Gewaber und Stimmengewirr von "ganz weit weg" wahrgenommen.

Lediglich klare Aufforderungen wie "ruhig atmen!" werden von den Patienten rudimentär wahrgenommen und instinktiv befolgt.

Ist der Anfall entsprechend heftig, hat man ohnehin nicht die Möglichkeit, die Hose herunterzuziehen, da nicht allein Oberkörper und obere Extremitäten krampfen und zucken, sondern der Anfall auch die Beine und Füße betrifft.

(Das Defäkieren durch Verlust der Kontrolle über Blase und Enddarm ist ein weiteres Hindernis bei der rektalen Verabreichung).

Eine weitere Möglichkeit der Notfallmedikation, die sowohl sicher als auch unkompliziert ist, ist die Verabreichung von Lorazepam (Handelsname "Tavor") als 1,0 Milligramm Gabe in Form löslicher Tabletten.

Unter die Zunge, oder in die Wangentasche gelegt, löst sich die flache Tablette schnell auf, so dass keine Erstickungsgefahr besteht.

Sofern der Patient die so genannte "Aura", also die Phase vor dem Anfall, rechtzeitig erkennt, kann er auch eine Selbstmedikation mit Lorazepam durchführen.

Das Notfallmedikament ist verschreibungspflichtig und nicht freiverkäuflich erhältlich.

Alles in allem hat man in solch einer Situation sowohl als Betroffener, als auch als medizinischer Ersthelfer andere Sorgen, als die Scham vor Entblößung.

Antwort
von Coza0310, 95

Das wird vom zuständigen Ärztlichen Leiter Rettungsdienst festgelegt. Notfallsanitäter dürfen mehr als Rettungsassistenten und Rettungsassistenten mehr als Rettungssanitäter.

Kommentar von derdorfbengel ,

..dürfen nicht  nur, **müssen** sie auch. Und das ist dann auch Last der Verantwortung...

Antwort
von dadamat, 57

Während eines Krampfes werden keine Medikamente gegeben (gespritzt), nicht vom Sanitäter und auch nicht von einem Notarzt. Es muss erst der Krampfanfall abgewartet werden, bevor medizinisch "eingegriffen" werden kann. Ausserdem erfordern ursächliche Erkrankungen unterschiedliche Maßnahmen (Medikamente). Erst nach neurologischer Abklärung oder bei bereits bekannten Krankheitsbild kann eine effektive Therapie einsetzen.

Antwort
von Gestade3, 28

Der Sanitäter darf nur erste Hilfe leisten, dazu gehören keine Medikamente.

In diesem Fall wird ein Notarzt hinzu gezogen, der auch Spritzen verabreichen kann.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community