Kostenübernahme nach Schimmelbeseitigung (Tapete, Schimmelmöbel etc) Vermieter trug Schuld durch Baumängel!?

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5 Antworten

Hast Du mal die Luftfeuchtigkeit gemessen, vor allem über dem Fußboden, dort wo die Wand saniert wurde?

Das es noch muffig riecht, ist ein deutliches Zeichen, dass noch Feuchte vorhanden ist. Wurden die Wände getrocknet?

Der Schimmel ist weg, die Oberflächen sind neu, bei ausreichender Feuchte im Mauerwerk kann der Schimmel aber durchaus wieder auftreten.

An meinem alten 90 Jahre Haus gab es aussen Putzschäden, unten, über dem Sockelmauerwerk. Mein Nachbar meinte dazu, ursächlich sei aufsteigende Feuchtigkeit und ein nasser Keller. Der Keller war damals durchaus sehr feucht, bzw. nass.

Im Zuge der Sanierung bekam das Haus einen neuen Kalkverputz an der Fassade und wurde anschließend innen mit Heizleisten, die für viel Wärmestrahlung sorgen, beheizt. Hinter der feuchtebelastete Stelle an der Fassade befand sich die Küche, die früher im ofenbeheizten Haus keine eigene Heizmöglichkeit hatte.

Die Wand war demzufolge immer kalt, hiervor kühlte sich innen die Raumluft ab, was zu einem Anstieg der oberflächennahen Luftfeuchte führte und zur Befeuchtung des Mauerwerks. Bei der nun folgenden Feuchtewanderung nach aussen kühlte sich die Feuchte im Mauerwerk weiter aus und es kam zur Kondensatbildung im Mauerwerk, wodurch aussen der Putz durch die anhaltene Feuchtebelastung abfiel.

Heute, nachdem innen die Heizleisten installiert wurden, ist der Neuverputz aussen trocken. Nichts deutet auf "aufsteigende Feuchte" hin. Es wurde nichts aufgegraben, nichts neu abgedichtet, keine Drainage verlegt. Nur innen wurde für Wärme auf der Wandoberfläche durch die Heizleiste gesorgt, dass sich dort die Luft nicht mehr auskühlen kann.

In Deiner Wohnung sieht es so aus, als gäbe es ähnliche Probleme, wie früher an meinem Haus. Der bei Dir installiert Heizkörper Typ 33 produziert ca. 80% Warmluft und nur etwa 20% Wärmestrahlung.

Das Verhältnis von Wärmestrahlung zur Warmluft, das das Heizsystem letzendlich in den Raum zur Erwärmung abgibt ist aber entscheidend für eine energiesparende Beheizung und die Schimmelfreiheit.

Dabei gilt: Je höher der Anteil an Wärmestrahlung und je niedriger der Anteil an Warmluft, um so gleichmäßiger wird die Wärme im Raum verteilt und um so geringer ist die Gefahr von Schimmelwuchs.

Der Warmluftanteil steigt naturgemäß nach oben und erst wenn sich die Luft abkühlt - in der Regel oben an der Aussenwand - sinkt die Luft wieder nach unten. Im Kontakt mit der Aussenwand kühlt die Luft weiter aus, wobei sich die Waserdampfaufnahmefähigkeit vermindert, die rel. Luftfeuchte steigt an.

Unten, kurz über dem Fußboden ist die rel. Luftfeuchte am höchsten, weil die Luft dort auch am kühlsten ist. Hier kann ist nun die Gefahr der Schimmelbildung am höchsten. Die kalte Luft wird erst wieder ab der Unterkante des Heizkörpers durch Erwärmung (!!!) angehoben, die Luftschicht darunter bleibt kühl und damit sehr feucht!

Bei bodentiefen Fenstern und in EG-, bzw. Kellerwohnungen tritt dieser Effekt noch verstärkt auf, da von unten die Wärme fehlt. Die Feuchte im Sockelbereich der Wand, bzw. der Mauern wird dann fälschlicherweise oft für "aufsteigende Feuchte" gehalten und es werden falsche und teure Maßnahmen dagegen ergriffen.

Ein Haus bleibt nur trocken, wenn es beheizt wird, denn Wärme verdrängt die Feuchte und zwar nicht die Wärme der Luft, sondern die Wärme auf der Wandoberfläche (überall!) ist wichtig, denn nur wenn sich an der Wandoberfläche die Luft erwärmen kann, so steigt in der wandoberflächennahen Luft die Wasserdampfaufnahmefähigkeit an, die rel. Luftfeuchte sinkt und die Luft bekommt deutlich bessere Trocknungseigenschaften.

Die Wandtrocknung erfolgt einzig und allein über die an der Wandoberfläche anliegende Luftschicht. Dabei ist das Feuchtegefälle von der Wandoberflächenfeuchte zur daran anliegenden Luftschicht wichtig. Je größer dieses Feuchtegefälle hin zur trockeneren Luft ist, um so schneller erfolgt die Wandtrocknung.

Profis trockenen Wände mittels Wärmestrahlung. Dadurch wird die Wandoberfläche erwärmt und die davor befindliche Luftschicht erwärmt sich an der Wandoberfläche und die rel. Luftfeuchte sinkt nun in der sich erwärmenden Luft. Das führt zu einem guten Feuchteübergang von der Wandoberfläche in die Luft und zu einer schnellen Trocknung.

Wird die Wohnung nun anschließend wieder mit der warmluftlastigen Heizung beheizt, passiert das Gegenteil: Die vor der Wand auskühlende Warmluft befeuchtet nun wieder die trockenere Wand durch die im Wandoberflächenkontakt höher werdene Luftfeuchte - in Abhängigkeit von der allgemeinen Raumluftfeuchte.

Ein großer Dachüberstand ist wichtig, um die Fassade vor Befeuchtung durch Regen zu schützen. Früher wurden an hohen Fassaden noch umlaufende Gesimse angelegt, um die Fassade zu entwässern und darunter liegende Wandbereiche vor Befeuchtung zu schützen, denn feuchte Baustoffe leiten die Wärme besser und erhöhen damit die Heizkosten. So wirkt großzügiger Fassadenstuck und ein großer Dachüberstand auch heizkostenmindernd.

Wichtig für die Trockenhaltung der Aussenwände ist auch, dass die von innen in die Wand einwandernde Feuchte aussen abdampfen kann. Dazu sollte der äußere Verputz mehr Feuchte durchlassen können, als der innere Verputz. Deshalb fanden früher innen weniger gut dampfdurchlässige Kalkzementputze Verwendung und aussen oft nur reine Kalkputze, die dampfdurchlässiger sind.

Sollte Dein Vermieter nun aussen ein Wärmedämmverbundsystem installiert haben, so erfolgt über die Fassade so gut wie keine Feuchteabgabe mehr. Die Wand muss ihre gesamte Feuchte über den Wohnraum mit der entsprechenden Lüftung des Wohnraums abgeben, was im Endeffekt zu einer erhöhten Wandfeuchte durch Feuchtestau in der Wand führt.

Insgesamt gesehen, sind die 30.000,-EUR meiner Meinung nach nicht sonderlich gut angelegt, wenn der Innenraum nach wie vor mittels warmluftlastiger Beheizung erwärmt wird.

Eine Änderung der Heizanlage hin zu mehr Wärmestrahlung wäre deutlich sinnvoller zur Wandtrocknung und zum dauerhaften Trockenhalten der Wand. Ausserdem wäre die Änderung der Heizanlage deutlich billiger gewesen und hätte durch Wandtrockung und damit nachfolgende deutlicher Dämmwertverbesserung auch zur Heizkosteneinsparung - ganz ohne zusätzlicher Dämmung - beigetragen.

Ob es nun schimmelfrei bleibt, muss man abwarten. Wichtig ist regelmäßiges Lüftung und ein kontinuierliches Heizen - auch bei Abwesenheit - weil die thermisch trägen Wände sonst bei Anheizen der sich schnell erwärmenden Raumluft noch lange Zeit mit der Oberflächentemperatur hinterher eilen und damit die Temperaturdifferenz zwischen der Raumluft und der Wandoberfläche zu groß wird, was zur Wandbefeuchtung (Erhöhung der Schimmelgefahr) beiträgt.

Zu höher temperierten Zimmern sind die Türen stehts geschlossen zu halten, da sonst die warmfeuchte Luft ins kühlere Zimmer wandert und dort ihre Feuchte an der noch kühleren Wand hinterlässt.

Zum Schadensersatz einigst Du Dich am Besten mit dem Vermieter so. Der Schimmel an Möbelstücken lässt sich in der Regel mit Alkohol, bzw. Isopropanol (Desinfektionsmittel) abwischen. Bleiben die Möbel trocken, wächst auch kein Schimmel mehr. Bei Polstermöbeln wird es komplizierter. Bei sichbarem Schimmelbefall ist eine Entsorgung und Neuanschaffung sinnvoll.

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Kommentar von Lasak
17.02.2016, 12:40

Sehr gute Beschreibung zum Verhalten der Luft und Wärme/ Feuchte. Bissel komplex aber durch meine Berufsausbildung konnte ich gut Folgen :) bissel Abschweifend aber definitiv gut zu wissen. Ich glaube er weiß sowas nicht :( Bzw das nicht nur die Fassade entscheidend ist sondern auch die Art des Heizkörpers. Also seid der Umbaumaßnahme zeigt sich schon deutliche Besserung in der rel Feuchte

- Auf Tischhöhe:20,5°C bei einer 55% Feuchte

- Auf dem Boden vor der Wand: 19.3°C bei 59% Feuchte

Vor dem Umbau bei ähnlicher Witterung:

Temperatur ähnlich aber die Feuchte auf Tischhöhe immer so bei 70-89%

(Kellerwohnung/ Hanghaus und in mein Hausflur angrenzend ist die Waschküche) 

Also hoffe ich das das Problem weg oder fast weg ist!

Primär ging es mir um die Kostenerstattung bzw Tapete und Farbe wie es da rechtlich aussieht. 

Ich Danke dir :)

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Sie können diese Folgekosten, ggfs. auf dem Klageweg,  versuchen vom Vermieter zurück zu erhalten.

Mit den Verfahrenskosten müssen Sie in Vorlage treten; falls Sie vor Gericht Recht bekommen, gehen die Kosten ggf. zu Lasten des im Verfahren Unterlegenen.


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Kommentar von Lasak
17.02.2016, 12:42

Wie Oben gerade erwähnt will ich das aus Kostengründen ja Vermeiden :)

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Spontan - so wie du schreibst - würde ich mit dem Vermieter reden - er scheint ja doch friedlich zu sein - und hat ja seine "Schuld" eingestanden.

Also REDEN .......ich wünsche dir eine einvernehmliche Lösung.

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Kommentar von Lasak
17.02.2016, 12:46

Ja wird ein Lustiges Gespräch :) ist Südländischer Abstammung und kann gut Reden und verhandeln :D Aber Dankeschön. Als Mensch ist er echt Top und als Vermieter in den 4 1/2 Jahren bis jetzt auch :)

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Ansprüche immer am "Verursacher" stellen, wenn nötig über ein RA Rechtsmöglichkeiten einholen 

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Kommentar von Lasak
17.02.2016, 12:42

Ja die RA Geschichte will ich ja für die 200-300 Hundert € nicht nehmen und kann ich mir im moment auch leider nicht Leisten -.-

Trozdem Danke

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Wenn eindeutig feststeht, dass es ein Baumangel war (so wie du es schilderst wäre ich mir da garnicht mal so sicher), macht er sich natürlich schadenersatzpflichtig, auch deinen Möbeln, Tapeten usw. gegenüber. Also müßte er diese ebenfalls ersetzen.

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Kommentar von Lasak
17.02.2016, 12:45

Wieso wäre das nicht  sicher? Bin gerade bissel verwirrt :D 

Aber ok er hatte es an der gleichen Stelle in der Wohnung über mir und außen am Haus sah man das da auch noch zusätzlich eine Regenrinne lang lief und eine gewisse "andere" Außenwandverfärbung zu sehen war. :)

Bitte einmal Erklären wieso es nicht der Fall sein könnte das wäre nett :)

LG

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