Frage von Karajanae, 178

Kostenübernahme Bruststraffung?

Hallöchen

ich habe seit 8 Jahren Bandscheibenprobleme (GdB, 3 OPs, X konservative Behandlungen, gehe 2x die Woche schwimmen und bis zu 4x zur Physio - ein Marathon). Nun ist eine weitere LWS-OP ausgeschlossen worden :-) Dennoch hat durch die medikamentenbedingte Zu- und wieder Abnehmerei (schwankte zwischen 90 und 70 kg bei einer Größe von 1.80 m, derzeit 80 kg mit Schwimmerrücken, also nicht zierlich, bin aber fit) die Brust extrem in Mitleidenschaft gezogen. Soll heißen: kein Gefühl mehr, das sind nur noch Hautlappen, hängt extrem, ich schäme mich sehr mich meinem Mann zu zeigen, er darf mich dort nicht anfassen. Es ist zwar "nur" 90 D, aber es zieht mich ständig nach vorn und sorgt für schmerzhafte Rückenblockaden.

Frage: Was muss ich tun um eine Kostenerstattung von der Techniker zu bekommen? Gutachten vom Psychologen?

Antwort
von Kunterbunt23, 81

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten einer Brust-OP nur,
wenn sie medizinisch notwendig ist. Unter medizinisch notwendig versteht
man, dass ohne die OP schwerwiegende gesundheitliche Folgen zu erwarten
sind oder selbige bereits bestehen, die durch keine andere Maßnahme zu
beseitigen sind. Psychologische Probleme zählen übrigens nicht dazu.

Das heißt, rein ästhetische Gründe sind kein Grund zur Kostenübernahme. Daher ist wohl auch die Straffung nicht übernahmefähigdurch die Krankenkasse, aber eine Brustverkleinerung könnte sinnvoll sein. Die Brust wird daduch ja auch straffer, weil überschüssiges Gewebe entfernt wird.

Anerkannt sind bei Brust-OPs nur Rückenschäden. Insofern wäre der erste Schritt nicht zur Kankenkasse und auch nicht zum Psychologen, sondern zum Orthopäden. Wenn dieser bestätigen kann, dass (eventuell vorhandene) Rückenschmerzen nicht durch bereits versuchten Rehasport bzw. Krankengymnastik zu beseitigen sind, kann man den nächsten Schritt Richtung Brust-OP wagen.

Ich würde vorschlagen, sich beim örtlichen Brustzentrum
vorzustellen. Die behandeln zwar meist Brustkrebsangelegenheiten, haben
aber immer einen plastischen Chirurgen in Partnerschaft, mit dem sie
zusammenarbeiten und der auch auf Kassenabrechnung arbeitet. Du brauchst eine Überweisung zum Brustzentrum, die Dir Dein Hausarzt oder Dein Frauenarzt austtellen kann. Das Brustzentrum wird eine Überweisung zum plastischen Chirurgen ausstellen, bei dem man sich dann vorstellst und beraten lässt.

Wenn auch der bestätigen kann, dass aus seiner Sicht eine Brustverkleinerung medizinisch notwendig ist, erst dann kann man sich
mit einem Antrag auf Kostenübernahme an die KK wenden. Diese wird den
Antrag an den MDK weitergeben.

Der MDK besteht aus unabhängigen Ärzten, die beurteilen können, ob es tatsächlich medizinisch notwendig ist und der KK, die ja keine medizinischen Fachleute hat, eine Empfehlung bezüglich Kostenübernahme geben werden.

Der MDK wird dazu von dem Orthopäden und dem plastischen Chirurgen
Berichte anfordern, dass es aus deren Sicht medizinisch notwendig sei.
Auch ist es üblich, eine Bilddokumentation, also Fotos der Brüste, an
den MDK zu geben.

Hat dann die KK die Empfehlung des MDK erhalten, dass es sich hierbei um eine medizinisch notwendige OP handelt, wird die KK vom plastischen Chirurgen einen Kostenvoranschlag einholen. Erst dann könnte es von der KK her ein Okay zur Kostenübernahme geben.

Bedenke aber bitte, dass bei einer Brustverkleinerung lebenslang
sichtbare Narben vertikal von Brustumschlagsfalte zur Brustwarze
bleiben. Die kommen vom sogenannten T-Schnitt, der bei einer
Brustverkleinerung unumgänglich ist.

Auch rings um die Brustwarze wird man eine ringförmige Narbe sehen, denn selbige wird komplett ausgeschnitten und nach Zusammensetzung der verkleinerten Brust wieder mittig eingepuzzelt. Sie könnte dabei sogar verlorengehen, sofern bei einer Wundheilungsstörung ein Wiederanwachsen verhindert wird.

Nach der OP wird man ca 8 Wochen lang einen Kompressions-BH tag und
nacht tragen müssen, das ist ein recht unerotischer Panzer, der Deine
Brüste in die richtige Form quetscht, während sie heilen.
Erschütternder Sport, Sauna und Schwimmen sind für ca. ein halbes Jahr
tabu. Dass das Ganze eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit über
Wochen ist, brauche ich nicht zu erwähnen.

Ein langer unbequemer Weg, den Du da vor Dir hast.

Wenn Du es wirklich willst, wünsche ich dabei viel Kraft und Erfolg!

Antwort
von nobido, 73

Du solltest erst einmal mit Deinem behandelnden Arzt über Dein Problem sprechen. Er kann Dir auch sagen, ob eine medizinische Indikation für eine Bruststraffung gegeben und die operative Therapie zur Behandlung empfehlenswert ist. Dann kann eine Kostenübernahme angestrebt werden. Hierfür reicht es, die medizinische Bescheinigung bei der Krankenkasse einzureichen. Grundsätzlich gilt jedoch, dass jeder Fall im Einzelnen betrachten werden muss und die Krankenkasse individuell über eine Übernahme der Kosten entscheidet. Sprich am Besten aber erst einmal mit Deinem behandelnden Arzt - der wird Dir sicherlich auch bei den weiteren Schritten behilflich sein. Alles Gute! 

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community