Frage von klausog333, 67

Korrekte Übersetzung des "Vater unser"?

Immer schon "stolpere" ich über die Vater-unser-Bitte: "..., und führe uns nicht in Versuchung,..."

So wird sie seit Jahrhunderten von Christen so gebetet. Habe ich ein Verständnisproblem, wenn ich glaube, daß Gott nicht derjenige ist, der in Versuchung führt? Oder soll ich es so verstehen, daß Er mich nicht zu hart prüfen soll?

Neulich bekam ich eine Übersetzung in der es heißt: ..., und führe mich in der Versuchung... Das würde mir mehr Sinn machen, aber ist das korrekt übersetzt???

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Raubkatze45, 25

Diese  Bitte wurzelt in der vorhergehenden, denn unsere Sünden sind die Früchte unserer Zustimmung zur Versuchung. Wir bitten unseren Vater, uns nicht in Versuchung zu „führen". Es ist nicht einfach, den griechischen Ausdruck, der so viel bedeutet wie „laß uns nicht in Versuchung geraten" [Vgl.Mt 26,41] oder „laß uns ihr nicht erliegen" in einem Wort wiederzugeben.
„Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung" (Jak 1,13); er will uns vielmehr davon
befreien. Wir bitten ihn, uns nicht den Weg beschreiten zu lassen, der zur
Sünde führt. Wir stehen im Kampf „zwischen dem Fleisch und dem Geist". So
fleht diese Bitte des Vaterunsers um den Geist der Unterscheidung und der
Kraft.

Antwort
von Netie, 27

Lieber klauso,

hier findest du eine gute Erklärung für diese Stelle:

https://www.bibelkommentare.de/index.php?page=qa&answer_id=481

Kommentar von klausog333 ,

Gute Zusammenfassung, der verschiedenen Arten von Versuchung. Vielen Dank für den Link. Das bestätigt am ehesten meine 2. Auslegung, daß Gott uns nicht zu sehr der Versuchung überlassen soll, um uns zu prüfen. Jetzt kommt natürlich die Frage auf, ob wir darum wirklich bitten sollten? 1. haben wir die Zusage, daß keiner von uns über seine Kräfte versucht wird. 2. kann es ja nur recht sein, wenn Gott uns prüft 3. sollen wir nicht gerade in der Versuchung um Seinen Beistand bitten?

Kommentar von Netie ,

Sollen wir überhaupt als gläubige Christen das Vaterunser beten? In diesem Link steht so, wie das Vaterunser gemeint ist.

http://www.bibelstudium.de/articles/798/Genau-lesen-53-Das-Vaterunser.html

Kommentar von klausog333 ,

Auch ein interessanter Artikel. Vielen Dank dafür. Kann man so sehen, muß man aber nicht.

Das "Vater unser" gehört für mich ganz selbstverständlich zu jedem Tag. Die Gefahr es gedankenlos daher zu plappern besteht natürlich, aber daran muß jeder selbst arbeiten. Den meisten Menschen war es wohl sehr hilfreich in den letzten Jahrhunderten. Ob der Auftrag Jesu so zu beten nun nur seinen Jüngern oder nur dem jüdischen Volk galt, fasst es auch den christlichen Gedanken voll kommen zusammen. Es war das Gebet Jesu, auf dessen Leben und Wirken wir Christen uns beziehen. Wenn wir Ihm nachfolgen wollen, können wir sicher auch so beten wie er.

Es ist auch ein sehr kraftvolles Gebet. Fällt dir auf, daß auf diese Frage nicht die Spur einer religionsverachtenden Bemerkung kam? Ungewöhnlich für dieses Forum. Das nur so am Rande...

Kommentar von Netie ,

Es ist gut für dich, wenn du es betest.

Antwort
von quopiam, 19

Die griechische Version lautet bei Matthäus: "... und nicht führe hinein uns in Versuchung, sondern rette uns vom Bösen!"

Bei Lukas lautet sie: "... und nicht führe uns in Versuchung!"

Gott führt nicht in Verschungen hinein, z. B. um zu prüfen oder um sich zu amüsieren. ;-) Gott läßt höchstens zu, daß ein Mensch - meist selbstgewählt - in Versuchung kommt, etwas zu tun, von dem er weiß, daß er es nicht tun soll. Und so ist das auch gemeint im Vaterunser: Die Bitte ist, daß Gott davor bewahren soll, in eine mögliche Versuchung hineinzugeraten. 

Die Evangelisten haben es in Griechisch aufgeschrieben, Jesus hat es mit ziemlicher Sicherheit in Aramäisch gelehrt, denn er war mit seinen eigenen Leuten beisammen. Ein jüdischer Rabbiner würde dieses Gebet jedenfalls auf die genannte Weise interpretieren - ich habe selbst von Juden und ihren Rabbinern schon mehrfach gehört, daß das Vaterunser ein sehr jüdisches Gebet sei. Einige haben es bei ökumenischen Gottesdiensten sogar mitgesprochen. Gruß, q.

Antwort
von RudolfFischer, 23

Ich habe mal gelesen, dass es heißen müsste:

"Und lasse mich nicht in der Versuchung"

Aus derselben Quelle verlautete auch, dass es bei den 10 Geboten heißen sollte "Du wirst doch wohl nicht ..." anstatt "Du sollst nicht ..."

Ich meine, es sei ein jüdischer Sprachwissenschaftler gewesen, der versucht hat, den jeweiligen Urtext zu rekonstruieren, mit sehr überzeugenden Ergebnissen.

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