Frage von Shanakor, 67

Konzentrationsprobleme oder Informationsüberforderung?

Ich bin und war schon immer ein sehr langsamer Denker. Ich bin nicht dumm, das weiß ich, da ich schon einige Programme geschrieben habe, die glaube ich eine gewisse Intelligenz erfordern.

Es stört mich nur in letzter Zeit extrem, dass ich so lange brauche um neue Informationen aufzunehmen (dadurch wird auch meine Arbeitsgeschwindigkeit um einiges reduziert)

Z.B. merke ich es gerade beim Führerschein lernen, dass ich einfach überfordert bin mit den ganzen Informationen. Überall sind Fußgänger und Autos und weiß Gott was noch. Natürlich ist es ganz normal, dass man am Anfang Schwierigkeiten beim Fahren hat, aber ich bin einfach der Inbegriff von dem was man "Blitzmerker" nennt.

In der Schule verpasse ich offensichtliche Dinge, zum Beispiel Dinge die der Lehrer vor ein paar Minuten gesagt hat, oder, dass ein Klassenkamerad seit einiger Zeit eine eigene Wohnung hat. Diese Informationen rutschen irgendwie einfach vorbei bei mir.

Wenn mir jemand in einer Zeit von unter 1 Minute 4 Dinge sagt (z.B.: Essen gibts um 12, wasch dein Teller ab, stell es dann auf die Anrichte und nimm deinen Ausweis mit), muss ich ein paar Minuten hart daran arbeiten, dass ich mir das einpräge um nichts zu vergessen. Wenn derjenige währenddessen aber wieder ein paar Dinge sagt, bekomme ich entweder das neue nicht mit oder vergesse das Alte sofort wieder. Andere Leute scheinen damit aber überhaupt keine Schwierigkeiten zu haben.

Wenn ich mich überfordert fühle (und das passiert sehr schnell) fängt meine Sicht an irgendwie ein bisschen weißer zu werden. Nicht direkt verschwommen, aber so, dass es schwer fällt sich auf etwas zu konzentrieren.

Könnte das an Konzentrationsproblemen liegen? Sauerstoffmangel? Bin ich einfach so, und wenn ja, was kann man dagegen tun? Gibt es andere Leute mit ähnlichen Problemen? (habe nämlich leider noch niemanden getroffen)

Antwort
von Hyperdinosaurus, 29

Hey lieber Artgenosse du bist nicht allein, ich brauche auch immer etwas länger um Sachen zu verstehen& zu merken, ich glaube das ist zu nem gewissen Grad genetisch bedingt, sagt aber wie du schon festgestellt hast nichts über deine Intelligenz aus.

Ich komme trotzdem irgendwie zu Recht, manchmal kann ich Sachen  nicht aufnehme, aber sei es drum, einfach kein Drama daraus machen.

Dafür haben wir unsere anderen Stärken, ich kann zum Beispiel große Zusammenhänge gut erschließen, erkenne Dynamiken und Muster klarer als andere.

Irgendwann lernt man auch mit seinen Schwächen klarzukommen.

In der Schule war es schon ein Nachteil, ( vor allem in Sprachen)  aber ich konnte das mit meinen Stärken ausgleichen.

Antwort
von Grautvornix16, 31

Hi, eine technische Anleitung zur Problemlösung kann ich dir nicht geben aber vielleicht Mut machen. (Oder ich habe dein Problem nicht verstanden).

Aus meiner Sicht ist dein Problem eine durchnormierte Gesellschaft, die es geschafft hat, eine ihrer Normen in deinem Kopf festzusetzen.

Das du offensichtlich darunter leidest, diese Norm nicht erfüllen zu können scheint klar. Aussagen in wie weit es sich tatsächlich um ein Problem handelt könnte man wahrscheinlich erst dann treffen wenn es auf der anderen Seite kein Äquivalent in Form von kognitiver Organisation gäbe, die dir zu deiner Zufriedenheit gut gelingt. Ich vermute aber, daß es die gibt, diese aber für deinen Alltag und die Erfüllung "externer" Anforderungen nicht so im Vordergrund stehen.

Welchen Grund sollte es denn geben, sich Dinge, Aussagen, Begriffe und deren Abfolgen, möglichst vielleicht sogar in der vorgeschriebenen Reihenfolge zu merken oder in ein  "Gedächtnis-System" zu bringen wenn mindestens ein Element oder vielleicht so gar alle für dich (zumindest in diesem Moment) ohne Bedeutung sind.

Wahrnehmung ist primär (bei intakter Sensorik und anderen Begleitfaktoren) immer interessensgesteuert mit entsprechender Auswirkung auch auf das Gedächtnis. - Problematisch wird es erst wenn alles in jedem Moment immer gleich interessant ist und der Mensch dadurch keine "prädikativen Hierarchien" bilden, also nicht hierarchisch filtern kann. Das hat aber nicht zwangsläufig mit neuronalen Problemen zu tun. (diese Diagnose ist oft nur einfacher für das medizinische Handling und attraktiver für die Pharmaindustrie - siehe ADHS-Diskussion).

Oft ist ein anderes Problem der Hintergrund.

Beispiel: Schnelligkeit scheint in Schulen ein Wert an sich zu sein und Schüler, die einer entsprechenden Erwartungsnorm des Lehrers nicht entsprechen werden schnell als dumm oder weniger begabt eingestuft. Das führt bei den betroffenen Schülern zu einem Konfusionsstress, der sie glauben macht, etwas nicht zu können / zu verstehen und damit zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Richtig ist aber auch, daß z.B. ein Schüler, der eine Lehrer-Frage mit viel mehr Komplexität aufnimmt auch deutlich mehr Zeit benötigt, um seine vielen (unausgesprochenen) Zusatzüberlegungen abzuarbeiten und damit zu einer Antwort zu kommen.

Grundsätzlich würde ich aus meiner beruflichen Arbeit die Aussage unterstreichen: Niemand ist zu dumm für irgendwas. Es sind nur unterschiedliche Schwerpunkte und Perspektiven mit unterschiedlichem Zeitbedarf mit denen wir die Welt betrachten und ihre Informationen ordnen und verarbeiten.

Ich würde dir das Buch empfehlen: "Die Entdeckung der Langsamkeit" von Stan Nadolny.

Gruß


Kommentar von Hyperdinosaurus ,

Danke für diesen erhellenden Text.

Kommentar von Grautvornix16 ,

;-) - Die Buchempfehlung handelt übrigens von einer Abenteuererzählung über den realen Sir John Franklin, Admiral der Britischen Marine und legendärer Forscher mit 3 Expeditionen zur damals gesuchten Nord-West-Pssage, um über die Arktis einen Weg nach Indien und China zu finden. (Nebenbei Erfinder des Dia-Apparates) Sein Problem als Kind und Jugendlicher war seine Langsamkeit im Denken mit katastrophaler Prognose. Entweder konnte er die Dinge nicht schnell genug erfassen und verarbeiten oder er kam aus dem Gedanken, wenn er ihn erstmal hatte, nicht schnell genug wieder raus. Am Ende wurde das angebliche Defizit seine Stärke weil er in der Lage war im Langsamen viel schärfer und komplexer und damit viel urteilsfähiger zu sein als die "Schnellen". - Eine tolle, spannende und lebendig geschriebene Geschichte über eine tolle Persönlichkeit.  - Wichtig ist, das man nicht von dem Gefühl besiegt wird, "falsch" zu sein oder "nicht richtig zu funktionieren". - Dein Beitrag war auch prima.

Antwort
von Grautvornix16, 18

Ach so: noch eine Anmerkung zu meinem Beitrag von vorhin: wenn man ganz hoch spekulieren möchte könnte man auch - und jetzt erschreck nicht bei dem Begriff und vergeß alle Hollywood- und Bildzeitungsklischees zu dem Thema - an eine Form von Authismus denken. - Authismus gibt es in vielen unterschiedlichen Formen und Stufen aber nur wenige Fachärzte, die sich damit auskennen. Tatsache ist aber, daß bestimmte Formen von Authisten von großen Firmen sogar mit Headhuntern gesucht werden weil für sie typisch ist, dass sie (oft vor allem im sozialen Bereich) sehr schnell durch die Menge an Informationen eines bestimmten Typus überfordert werden und damit nicht umgehen können aber ein hohes Potential haben, sich auf abstrakt-komplexe Aufgaben stundenlang fokussieren zu können. Im Alltag auch ein trauriges Beispiel wie ganze Universen in Menschen "aussortiert" werden weil die Durchnittsnorm selber zu "blöd" ist um zu erkennen was da außerhalb der Norm wächst und blüht. Das mal nur so noch als Beispiel und Anregung ;-)

Kommentar von Shanakor ,

Vielen Dank für die tollen Antworten. Mir wurde schon oft gesagt, dass ich energetisch/spirituell eine sehr sensible Gabe habe. Davon kan man halten was man will. Fakt ist dass ich damit sehr bodenständig umgehe. Es laufen ja in diesem Sektor sehr viele abgehobene realitätsferne Gestalten herum. Kann man daraus etwas machen? Also beruflich?

Kommentar von Grautvornix16 ,

Hm, da bin ich doch wohl eher der "trockene nüchterne Denker" und kann nicht sehr viel dazu sagen. Sensibilität ist ja auch etwas ganz Natürliches, was in jedem Menschen veranlagt ist solange man es ihm nicht gewaltsam entzieht. Ein erhöhtes Maß an Sensibilität - solange diese sich nicht nur auf sich selbst bezieht sondern auch und besonders auf die Wahrnehmung anderer Menschen - könnte eine Begabung zu einer besonderen Beziehungsfähigkeit darstellen, die dann mit der richtigen Kombination aus Empathie, Fachwissen und charakterlicher Eignung (man darf kein "Machtmensch" und nicht eitel sein) auf ein Talent zur Erkennung von Problemmustern und damit zur Arbeit in psychologischen / sozialen, also helfenden Berufen hinweißt.

Das ist aber nichts "Spirituelles" oder "Energetisches". Es ist konkrete Arbeit in fachlicher Verantwortung, um da zu helfen wo nicht der Körper sondern die Psyche eines anderen Menschen leidet. Und man selbst braucht dabei eine sehr stabile Psyche.

Antwort
von sweetycube, 34

Hatte das problem auch aber zurzeit hat sich das gebessert auch wenns nicht ganz weg ist ^^ ich hatte auch immer das problem mir solche dinge einzuprägen und hab auch fast immer das meiste vergessen. Leider weiß ich aber nicht was man dagegen tun kann, ich denke das geht schon iwie von alleine weg. Vielleicht solltest du versuchen dein gehirn so zu trainieren, dass dir iwann das auswendiglernen leichter fällt. Dank der schule konnte ich dies auch automatisch machen und jzt gliedert mein gehirn die information auch dementsprechend gut :)

Ich hoffe dass es bei dir auch klappen wird ^^

LG sweetycube

Kommentar von Shanakor ,

Mit auswendig lernen selbst habe ich ja kein Problem. Es dauert halt sehr lange (nicht im Sinne von vielen Wiederholungen, sondern im Sinne von ich muss mich in Ruhe daheim hinsetzen und dann schaue ich in Ruhe über den Stoff drüber). 

Es geht eher darum, dass dieses Informationen verbinden, sortieren und zu ordnen bei mir sehr lange dauert und das leider oft im zwischenmenschlichen Bereich hinderlich ist, weil die Leute denken, man interessiert sich gar nicht für sie oder hört ihnen gar nicht zu. Dabei kann man die Infos einfach nicht aufnehmen :/

Kommentar von sweetycube ,

Dadurch kannst du dieses sprtieren doch üben :) ich hab auch kein problem mit dem auswendiglernen aber das mit dem gliedern oder sortieren dauert halt ^^ das lernt man dann dadurch dass mans wiederholt übt :3

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