Frage von Lossarnach,

Kontrolliertes Steigen

Ich hab mit meinem 12jährigen Friesenhengst in den letzten Jahren schon einige Lektionen erarbeitet. Er kann spanischen Schritt, Kompliment und Knien vom Boden aus und unter dem Sattel, er kann sitzen und liegen, Kopfschütteln und Nicken und gerade üben wir miteinander zu tanzen. Als nächstes würde ich ihm gerne das Steigen beibringen, in weiterer Folge auch unter dem Sattel. Jetzt fehlt mir nur ein guter Ansatz wie ich das am Besten anpacke!

Und bitte ausschließlich Antworten von Pferdekennern die Ahnung von der Materie haben, auf Kommis von Posern und Möchtegerns und Weisheiten wie "Angststeigen provozieren" verzichte ich dankend!

Antwort von little0cookie,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Hallo,

zum Steigen ist es erstmal wichtig, dass dein Pferd gut Gewicht auf die HH aufnehmen kann - deshalb konsequentes und zügiges Rückwärts mit aufgewöbltem Rücken und stark belasteter HH trainieren - das ist schon mal ein Brocken für sich.

Sobald er das kann, gehst du mal aus dem Rückwärts direkt in eine Hinterhandwendung über (Hinterbeine bleiben belastet stehen, Vorderbeine gehen vorne rum), du stehst dabei vor ihm. Bei dieser Hinterhandwedung soll er aber nicht ganz ruhig vorne kreuzen, irgendann, wenn du den Druck immer mehr steigerst, soll er auch mal einen Hüpfer zur Seite machen und die Vorderbeine dabei vom Boden heben, auch wenn es nur 10 cm sind.

Durch dieses Aktivieren der Vorderbeine erreichst du, dass die sich überhaupt mal vom Boden lösen. Nach einiger Zeit, wenn er auf einen starken Impuls von der Seite einen kleinen Hüpfer zur Seite macht, gibst du den Druck mmer öfter mehr von unten, sodass er noch ein paar Zentimeter mehr nach oben hüpft.

So versteht er, was der Druck von vorne unten meint.

Wichtig ist, dass du spielerische und übermütige Phasen deines Pferdes ausnutzt (die bei einigen Pferden mal mehr, mal weniger vorkommen... ;D), damit er immer mit Elan bei der Sache ist. Zum Steigen muss das Pfed halbwegs wach sen und braucht Energie, wenn dein Pferd auf der Vorhand steht und die Ohren schläfrig hängen lässt, stehen die CHancen aufs Steigen naürlich eher schlecht.

Also, nutze spielerische Phasen und bau den Druck erst von der Seite, dann immer mehr von unten auf, sodass er irgendwann bei einem bestimmten Signal von dir steigt. Leider finde ich zu dieser gehüpften Hintehandwendung kein Video, ich hoffe aber trotzdem, dass du verstehst, was ich meine.

Liebe Grüße und viel Glük beim Ausprobieren, unser Trainerin hat damit relativ zügig einen deutlichen Ansatz zum Steigen bekommen!

Kommentar von Lossarnach,

Ja vielen Dank, das klingt schon sehr vielversprechend!

Ich glaube sogar, dass uns das nicht so schwer fallen wird. Da wir ja gerade lernen miteinander zu tanzen (sprich ich mache Bewegungen vor, er folgt) und wir die Pirouette schon einigermaßen drauf haben (flüssiger und schneller sollte es halt noch werden ;) glaub ich, kann das nicht so schwer sein, dass ich ihn da auch vom Boden wegbringe.

Ich denke auch, dass er allgemein recht gut trainiert ist (wir arbeiten so gut wie jeden Tag, da wir gelegentlich an TREC-Bewerben teilnehmen und wiederholen auch regelmäßig die alten Lektionen) aber ich werd jetzt schon mal anfangen mehr rückwärts zu arbeiten.

Ja, er hat schon so seine zähen Tage :D aber eigentlich ist er ein ganz aufgeweckter Kerl. Vor allem will er mir immer gefallen und alles recht machen, das erleichtert die Motivation und das Arbeiten natürlich ungemein. Ich wüsste auch nicht, ob ich ihn sonst so weit gebracht hätte. Aber ich denke das ist generell eher ein Vorzug der Friesen, da sie sehr auf eine oder sehr wenige Bezugspersonen fixiert sind.

Eine Frage hätte ich noch: Ich hab aus anderer (nicht unseriöser) Quelle den Vorschlag Target-Training bekommen. Jetzt hab ich davon im Zusammenhang mit Pferden ja noch nicht wirklich was gehört und es würde mich interessieren ob du damit Erfahrung hast bzw. ob du die Sinnhaftigkeit beurteilen kannst?

Danke nochmal!!

Kommentar von little0cookie,

Dass du mein Wort-Wirrwarr und meine kläglichen umschreibungsversuche verstanden hast, ist ja schonmal sehr gut ;D

Hmm, also Pirouette ist ja um Steigen lernen zu viel Drehung - er soll ja eine 360° Drehung machen, sondern viel gewicht auf die Hinterbeine nehmen und dann mit den Vorderbeinen zur Seite springen. Auch nicht so viel, das Hüpfen ist das wichtige!

Mit Target Training hab ich mich kam beschäftigt. Das einzige, was ich meine, zu wissen, ist, dass das Tier dabei immer einem konditionierten Gegenstand als Target (Ziel) folgt und man ihm so alles beibringen kann.

Das einzige, was ich übers Target-Training weiß, ist, dass das Tier mit dem Clicker konditoniert wird, einen bestimmten Gegenstand zu berühren, zum Beispiel diese Target-Sticks. Wie soll ich mir das vorstellen beim Steigen? Hälst du den Stick dann hoch und dein Pferd soll den dann mit der Nase berühren und dadurch dann zum Steigen gebracht werden?

Stell ich mir schwierig vor... Wie willst du da die Energie reinbringen, die das Pferd zum Hochhüpfen braucht?

Was ich an reinem Clicker- bzw. Targettraining immer schade finde, ist, dass das ja ausschließlich aus Konditionierung besteht und mit auf Körpersprache basierender Kommunikation nüscht mehr zu tun hat.

Den Clicker ergänzend zu nutzen, beispielsweise genau den Hüpfer zu clickern, finde ich dagegen schon sinnvoll, weil man dem Pferd viel präziser Rückmeldung geben kann. Natürlich muss man das Pferd vorher auf den Clicker konditionieren, damit es versteht, was das Klicken bedeutet, allerdings besteht der Unterschied zum normalen Clickertraining darin, dass das Pferd die Bewegung als Reaktion auf deine Körpersprache ausführt und nicht, weil es sie durch Zufall gemacht hat oder weil du ein Leckerli und die Luft geworfen hast ;)

Probier aus und wäge ab. Viel Spaß!

Kommentar von Lossarnach,

Ja, ja, schon klar, ich meinte auch nicht aus der Pirouette heraus steigen lassen, aber dass es dadurch, dass er den Bewegungsansatz und das Kommando schon kennt, leichter fällt die Hinterhandwendung aus der er hochhüpfen soll hinzukriegen. Vielleicht schaffe ich es sogar, dass er mir die halbe Drehung einfach nachmacht...

Naja, der Vorschlag war einen langen Peitschenstiel mit einem Gummiball zu versehen, ihn darauf zu konditionieren und ihn dem Ball quasi in die Höhe folgen zu lassen, wenn du verstehst was ich meine. Später kann man dann den Ball weglassen und das Pferd reagiert angeblich auf die Bewegung der Peitsche. Ich fand das auch sehr seltsam, aber die Kollegin hat eigentlich schon Ahnung, drum wollte ich gerne eine zweite Meinung dazu hören.

Ja, das mit der Konditionierung stimmt schon, allerdings ist das mit der Körpersprache ja auch eine gewisse Art der Konditionierung, nur eben nicht darauf einem Target zu folgen, sondern auf mich.

Naja, logischer und vor allem sinnvoller erscheint mir dein Vorschlag, drum werd ich es auch damit mal probieren.

Also vielen Dank nochmal, du hast mir sehr geholfen!

Kommentar von little0cookie,

Achso, ok. Klar, das kann hilfreich sein.

Hmm - klingt etwas merkwürdig mit dem Gummiball. Kommt bestimmt aufs Pferd an, aber sowohl meine mittlerweile seeehr entspannte Stute als auch mein elanvoller Wallach würden da nicht hinterher - sind ja keine Meerschweinchen, die die irrsten verrenkungen für ein Salatblatt vollziehen ;-)

Ich weiß nicht - ich finde, man muss dem Pferd den Schwung schon mitgeben, sonst fände ich das auch komisch. Außerdem motiviert er ja auch, hochzuhüpfen.

Aber klar, Körpersprachliche Kommunikation ist auch Konditionierung - mit dem Unterschied, dass das ein natürliche Reaktion auf eine bestimmte Aktion von mir ist und diese Art der Kommunikation bei Pferden genetisch veranlagt, also nicht bloß antrainiert, ist.

Jetzt ist ja schon ein bisschen Zeit vergangen, hast dus mal ausprobiert?

Liebe Grüße und gern geschehen!

Kommentar von Lossarnach,

Nein, das wird noch ein wenig dauern bis ich damit anfange. Zunächst soll das Tanzen einwandfrei klappen. Ich hab ja auch nicht den ganzen Tag Zeit das zu üben :) Ich will ihn nicht überfordern indem er zwei Sachen gleichzeitig lernen soll, es ist ja nur zum Spaß. Ich wollte nur schon vorab mal so viele Informationen wie möglich sammeln, damit ich dann wirklich einen Plan hab wenn es so weit ist. Ich hasse nichts mehr als schlecht vorbereitet an etwas ranzugehen, und wenn es nur etwas ist, das ich in der Freizeit und wegen dem Spaß an der Freude mache. Außerdem möchte ich nicht mit einer Methode anfangen und dann kommt vielleicht jemand mit einem besseren Vorschlag und mitten in der Arbeit ändere ich das dann. Wäre nicht fair dem Pferd gegenüber. Aber mit der Rückwärtsarbeit hab ich schon angefangen.

Naja, ich fand es auch komisch mit dem Ball. Andererseits hab ich mir gedacht, wenn man die Pferdedressur im Zirkus sieht, schaut es auch so aus, als würden die Pferde auf die Peitsche oder auf die erhobenen Hände reagieren. Ich wollte es nicht als Blödsinn abtun bevor ich nicht mehr als eine Meinung dazu gehört habe.

Mittlerweile wurden mir auch noch zwei andere Methoden vorgeschlagen. Einmal aus dem spanischen Schritt heraus (den er ja bereits beherrscht) indem man beide Vorderbeine gleichzeitig aktiviert und ihn so animiert hochzuhüpfen (soll es angeblich erleichtern, das Pferd auch unter dem Sattel steigen zu lassen). Vielleicht ließe sich das auch mit deiner Methode kombinieren... Und das zweite wäre in drei Schritten über die Piaffe (die er nicht kann), daraus in die Pesade und schließlich zum hohen Steigen. Klingt für mich aber seeehhhr langwierig. Auf jeden Fall habe ich mich entschlossen, ihn nicht von vorne zu trainieren sondern nur von der Seite (damit fällt die Gummiball-Methode sowieso flach). Von vorne käme das nämlich einer Aufforderung zum Spielkampf bzw. Kräftemessen am nächsten und nachdem meiner Hengst bleiben durfte, bin ich nicht scharf darauf ihn herauszufordern. Die Rangfolge ist zwar eindeutig geklärt und er ist auch total lieb und zeigt kaum Hengstmanieren aber man weiß ja nie.

Wenn es dir nicht schon zu lästig wird, würde es mich sehr interessieren was du von den beiden Methoden hältst :) Die Leute, die sich wirklich mit Pferden und dann auch noch mit Zirkuslektionen auskennen sind ja eher dünn gesäht drum bin ich für jede zusätzliche Meinung sehr dankbar.

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