Frage von maggie1979,

Kontrolle der Luftfeuchtigkeit in Kellerwohnung. Wie viele Hygro- u. Thermometer sind nötig?

Hallo!

Ich wohne in einer Kellerwohnung und habe hier auch ein Schimmelproblem an der Nordseite. Nun möchte ich, um dieses endlich in den Griff zu bekommen, die Luftfeuchtigkeit besonders im Auge behalten.

Die Lage der Wohnung ist so: Bad, Küche und Arbeitszimmer an der Nordseite, die Außenwände befinden sich hier nicht im Erdreich. Das Schlafzimmer ist zwar auf der Südseite des Hauses, aber "unter der Erde". Darüber befindet sich die Terrasse. Zwischen Arbeits- und Schlafzimmer ist noch ein kleiner Abstellraum, dessen Fenster nach Westen raus geht.

Nun muss ich ja die Luftfeuchtigkeit und Temperatur beobachten um zu wissen, wann ich am besten lüften kann, um die Feuchtigkeit aus der Wohnung rauszubekommen. Sollte ich hierzu in jedem Zimmer ein Hygro- und Thermometer aufstellen, sowie eines draussen, oder reichen auch ein oder zwei Hygro- und Thermometer in der Wohnung? Wie viele sind sinnvoll? Und wo stelle ich diese am besten auf?

Ich freue mich über jeden Tipp! Vielen Dank schon mal und viele Grüße!!

Hilfreichste Antwort von Yorgos,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Das Lüften von Keller und Souterrain ist und bleibt im Sommer ein Problem. Lüfte daher nur nach Tabelle ( http://www.tis-gdv.de/tis/misc/klima.htm ). Wenn die absolute Luftfeuchte draussen niedriger als drinnen ist, dann kannst Du die Schoten öffnen. Sonst läufst Du Gefahr Deine Räumlichkeiten zu fluten. Von daher reichen zwei Hygrometer und eine Umrechnungstabelle. Eine feiner gestufte Ausführung ist bereits fertig wartet auf Veröffentlichung.

Beispiel:

Temperatur (aussen) = 35°C
relative Luftfeuchte (aussen) = 60% (lt. Hygrometer)
absolute Luftfeuchte (aussen) = 23,8 g/m³ (lt. Tabelle)

Temperatur (innen) = 20°C
relative Luftfeuchte (innen) = 70% (lt. Hygrometer)
absolute Luftfeuchte (innen) = 12,1 g/m³ (lt. Tabelle)

Obwohl auf den ersten Blick die (relative) Luftfeuchtigkeit aussen niedriger erscheint als innen und man meint, durch Lüften dem Klima seiner Räumlichkeiten gutes zu tun, hinkt der Vergleich gehörig. In Wahrheit holt man sich zusätzlich fast 12 Gramm Wasser pro m³ Luftwechsel zusätzlich in den Raum. Das mehr an Wasser schlägt sich dann an allen Bauteilen und Möbeln nieder, die den Taupunkt unterschritten haben.

Wenn Du beim Lüften die absoluten Feuchten miteinander vergleichst, liegst du auf der sicheren Seite. Dies wird meistens in den späten Abendstunden bis zum frühen Morgen sein.

Eine Alternative wäre, den Lüftungsvorgang mit einer kleinen Lüftungssteuerung zu automatisieren. Hierzu werden ständig die absoluten Feuchten innen und aussen automatisch ermittelt und der günstigste Lüftungszeitpunkt signalisiert. Oder es wird ein Lüftungsvorgang in Gang gesetzt.

Kommentar von idefix2010,

Verzeihung bitte aber das ist meiner Meinung nach nicht ganz richtig denn:

Die absolute Luftfeuchte spielt hier nicht die entscheidende Rolle sondern die Temperatur auf der Innenwand der unter Erdreich liegenden Wand. Wird die Taupunkttemperatur der einströmenden Luft mit entsprechender relativer Luftfeuchte auf der Innenwandoberfläche unterschritten, bzw. erreicht dadurch die relative Luftfeuchte auf der Innenwandoberfläche 70 - 80 %, ist die potentielle Gefahr zur Schimmelpilzbildung vorhanden.

Daher ist der Abgleich mit der Innenwandtemperatur und der Taupunkttemperatur der einströmenden Luft ausschlaggebend.

Ohne bauphysikalische Kenntnisse und dem exakten ablesen und interpretieren von Tabellenwerten ist das nur durch elektronisch gesteuerte Lüftungsanlagen zu schaffen.

mfg Idefix 2010

Kommentar von Yorgos,

Die absolute Luftfeuchte spielt hier nicht die entscheidende Rolle......

Für die Bestimmung des richtigen Lüftungszeitpunktes schon! Denn das Ziel der hygienischen Raumlüftung ist doch, Feuchtigkeit durch den Lüftungsvorgang aus dem Raumklima zu entfernen. Das funktioniert aber nur, wenn die zugeführte Luft trockner als die abgeführte Luft ist. Und hier kann nur die absolute Feuchte als Vergleichswert dienen.

Wird die Taupunkttemperatur der einströmenden Luft mit entsprechender relativer Luftfeuchte auf der Innenwandoberfläche unterschritten,

Nun, hatte ich ja bereits geschrieben! Da aber nach dem Lüftungsvorgang, sofern er denn zum richtigen Zeitpunkt erfolgt ist, die absolute Luftfeuchtigkeit geringer ist als vorher, sinkt auch die Taupunkttemperatur. Die Gefahr des Tauwasserausfalls ist also gesunken.

Ohne bauphysikalische Kenntnisse und dem exakten ablesen und interpretieren von Tabellenwerten ist das nur durch elektronisch gesteuerte Lüftungsanlagen zu schaffen.

Muss ich aus meiner Erfahrung heraus widersprechen. Bei den meisten von mir betreuten Projekten war das Ablesen von Werten aus einer simplen Tabelle sowie deren Vergleich kein Problem. Viele sind aber auch dazu bereit, für den Komfort einer automatischen Kellerlüftung in die Tasche zu greifen. Diese arbeitet übrigens auch mit dem Vergleich der absoluten Feuchtewerte. Eine auf dieser Basis von mir programmierte Steuerung läuft jetzt seit fast 2 Jahren mit dem gewünschten Ergebnis.

Daher ist der Abgleich mit der Innenwandtemperatur und der Taupunkttemperatur der einströmenden Luft ausschlaggebend.

Zu Deinem Lösungsansatz: Natürlich ist es auch möglich, die Taupunkttemperatur der Zuluft und die Oberflächentemperatur der Wand (u.a.) hinzu zuziehen. Aber auch hier benötigst Du Tabellen oder eine Steuerung. Einen Vorteil bietet diese Methode hier schon mal nicht. Weiterhin ist es hierbei wesentlich aufwendiger, die gefährdeten Flächen im Auge zu behalten, da sich die zu messende Oberflächentemperatur nicht lokal auf eine Stelle begrenzen lässt. Einen Vorteil bietet diese Variante höchstens in der Automatisierung, weil die Kosten für die Sensorik etwas geringer ausfallen. Aber auch nur dann, wenn höchstens eine Stelle überwacht werden soll.

Ich hoffe, ich konnte überzeugen.

Gruß Yorgos

Kommentar von maggie1979,

Wow super! Danke für die schnellen und vor allem so genauen Antworten!! Sie sind sehr hilfreich.

Ich bin bisher immer nur von der relativen LF ausgegangen. Dass es diese Feuchtetabelle gibt, bei der es auf die absolute LF ankommt, wußte ich noch nicht. Werde mich jetzt gleich mal dran halten und dies umsetzen :) Zusammenfassend kann man dann quasi sagen, man kann lüften, wenn:

• die absolute LF draussen < die absolute LF drinnen

• die Taupunkttemperatur draußen < Taupunkttemperatur drinnen

• die Taupunkttemperatur draußen < Innenwandtemperatur bzw. die kälteste Stelle im Raum

Stimmt das so?

Was mir aber noch nicht ganz klar ist: Die Räume werden ja unterschiedlich genutzt und auch geheizt. Ähnlich sind hier Bad + Küche, Schlafzimmer + der kleine Stauraum. Der Arbeitsbereich ist meist mehr beheizt und genutzt. Müsste ich hier dann nicht in allen drei Bereichen separat die Temp. und LF messen und diese dann entsprechend separat voneinander belüften / nicht belüften?

Kommentar von Yorgos,

Zusammenfassend kann man dann quasi sagen, man kann lüften, wenn:

• die absolute LF draussen < die absolute LF drinnen

Absolut richtig! Wenn Du nach dieser Regel lüftest, reicht das voll und ganz. Da kannst Du Dir zu 100% sicher sein, Feuchtigkeit aus dem Kellerraum heraus zu lüften.

Kommentar von idefix2010,

"...Zu Deinem Lösungsansatz: Natürlich ist es auch möglich, die Taupunkttemperatur der Zuluft und die Oberflächentemperatur der Wand (u.a.) hinzu zuziehen. Aber auch hier benötigst Du Tabellen oder eine Steuerung. Einen Vorteil bietet diese Methode hier schon mal nicht..."

Diese Methode ist sehr sinnvoll weil die unter Erdreich liegenden Wände Probleme machen können.

"...Weiterhin ist es hierbei wesentlich aufwendiger, die gefährdeten Flächen im Auge zu behalten, da sich die zu messende Oberflächentemperatur nicht lokal auf eine Stelle begrenzen lässt. Einen Vorteil bietet diese Variante höchstens in der Automatisierung, weil die Kosten für die Sensorik etwas geringer ausfallen. Aber auch nur dann, wenn höchstens eine Stelle überwacht werden soll..."

Genau das ist doch das Ziel und nicht aufwendig, Temperaturfühler auf der Innenwand, Abgleich mit Feuchtelast im Aussenbereich und dann gezielte Lüftungsvorgänge automatisieren.

In den anderen Punkten denke ich gehen wir, auch wenn aus verschiedenen fachlichen Perspektiven, den gleichen Weg.

Mfg Idefix2010

Kommentar von Yorgos,

Diese Methode ist sehr sinnvoll weil die unter Erdreich liegenden Wände Probleme machen können.

Du hast Dir schon meinen Beitrag eingangs durchgelesen!?

Antwort von maggie1979,

Um nun noch einmal auf die anfangs gestellte Frage zurückzukommen:

"Wie viele Hygro- u. Thermometer sind nötig?"

Nochmal: Die Räume werden ja unterschiedlich genutzt und auch geheizt. Ähnlich sind hier Bad + Küche, Schlafzimmer + der kleine Stauraum. Der Arbeitsbereich ist meist mehr beheizt und genutzt. Müsste ich hier dann nicht in allen drei Bereichen separat die Temp. und LF messen und diese dann entsprechend separat voneinander belüften / nicht belüften?

Oder aber: Wäre es sinnvoller, alle Türen in der Wohnung immer offen zu lassen, alles immer gleich warm zu heizen, damit sich die LF eher verteilt?

Kommentar von Yorgos,

Erst mal danke für Dein Sternchen!

Wie ich schon in meinem ersten Beitrag erwähnte, reicht eigentlich je ein Hygro-/Thermometer für draussen und drinnen. Also draussen ist trockner als drinnen und die Zeit zum Lüften ist da. Das hatten wir ja schon.

Jetzt kommt das grosse "Aber". Hierzu beschreibe ich mal folgende Szenarien, in der Hoffnung Deine Grundrissbeschreibung richtig verstanden zu haben:


Szenario 1 (Sommer)

  • draussen ist es trockner als in allen Innenräumen;
  • im Bad ist es sehr feucht;
  • in der Küche ist es mässig feucht;
  • im Arbeitszimmer ist es normal feucht;
  • im Schlafzimmer ist es mässig feucht;

Jetzt im Sommer, alle Fenster auf und eine ordentliche Querlüftung; gerne auch Dauerlüftung durch gekippte Fenster! Solange es draussen trockner ist; alles kein Problem. Egal, ob die Windrichtung nun Nord, Süd, Ost oder West ist.


Szenario 2 (Sommer)

  • draussen ist es trockner als in Bad und Küche;
  • in den restlichen Räumen ist es trockner als draussen;

Jetzt sollten nur die betroffenen Räume intensiv gelüftet werden. In diesem Fall hilft natürlich ein zweites Thermo-/Hygrometer für den Bereich mit der geringeren Feuchtebelastung.


Szenario 3 (Winter)

  • Es ist überwiegend Stosslüftung statt Dauerlüftung angesagt;
  • draussen ist es trockner als in allen Innenräumen;
  • im Bad ist es sehr feucht;
  • in der Küche ist es mässig feucht;
  • im Arbeitszimmer ist es normal feucht;
  • im Schlafzimmer ist es mässig feucht;

Jetzt spielt die Windrichtung eine grosse Rolle! Die entstandene Feuchte sollte direkt nach draussen transportiert werden. Wenn jetzt Nordwind herrscht, wird bei Querlüftung die Feuchtigkeit aus den höher belasteten Räumen wie Bad und Küche durch das Schlafzimmerfenster nach aussen transportiert. Allerdings besteht dann die Gefahr, das die Feuchtigkeit an den im Winter kühleren Bauteilen und Einbauten auskondensiert. (z.B. im Schlafzimmer.)


Mein abschliessender Rat in Deinem Fall:

  • 1 Thermo-/Hygrometer für draussen
  • 1 Thermo-/Hygrometer für den Bereich Küche und/oder Bad
  • 1 Thermo-/Hygrometer für das Schlafzimmer
  • 1 Umrechnungstabelle oder Mollier-Diagramm

Lüfte im Sommer ständig, solange es die Werte der absoluten Feuchte erlauben. Passe Dein Heiz- und Lüftungsverhalten im Winter entsprechend an.

Viel Erfolg!

Kommentar von maggie1979,

Danke auch für das Kompliment!! :)

Und vor allem natürlich auch für Deine Profitipps, die Du so detailiert und ausführlich beantworet hast!! :) PERFEKT!! Freut mich echt riesig, weil man sonst oft 1000 Antworten bekommt, aber nicht eine konkrete oder richtige dabei ist.

Bin jetzt auf jeden Fall einiges schlauer und werde Deine Tipps zukünftig auf jeden Fall alle beachten :)

Antwort von Stirling,

Eine einfache Regel die du ohne Hygrometer anwenden kannst ist:

Einfach nur Lüften wenn es draußen Kälter ist als drinnen. Mit der Regel brauchst du relative und absolute Feuchte nicht Beachten.

Kommentar von Yorgos,

Einfach nur Lüften wenn es draußen Kälter ist als drinnen. Mit der Regel brauchst du relative und absolute Feuchte nicht Beachten.

Und läufst Gefahr, regelmässig mehr Feuchtigkeit hinein zu lüften, statt heraus!

Um sich bei Deiner Methode halbwegs auf der sicheren Seite wähnen zu können, sollte die Temperatur draussen mindestens 5°K weniger betragen als drinnen. Und trotzdem bleibt es dann noch immer eine Entscheidung nach "dem dicken Daumen"!

Kommentar von Stirling,

Ich habe einen sehr dünnen Daumen :-)

Sicher ist es besser sich nach den Tabellen zu Richten. Aber für 90% der Leuten die keine Ahnung von der Materie haben ist das mit der Temperatur der Praktikablere Weg.

Kommentar von Yorgos,

Aber nicht mit der pauschalen Aussage : Wenn draussen kälter als drinnen!

Kommentar von maggie1979,

@ Stirling: Es geht mir nicht darum, ob es ein praktikablerer Weg ist, oder was einfacher umzusetzen ist, sondern darum, endlich das Problem an den Wurzeln zu packen und loszuwerden. Langsam aber sicher gehts nämlich auf die Gesundheit. Da guck ich lieber 2x mehr auf ne Tabelle und stell 5 Thermo- und Hygrometer mehr auf, bevor ich die Wohnung wieder "flute".

Kommentar von Stirling,

Ok. Super wenn mal alle so Denken würden gäbe es mit einem Schlag viel weniger Schimmelprobleme in Deutschland.

Wenn Sichtbarer Schimmel vorhanden ist einfach 10%iges Wasserstoffperoxid draufsprühen. Oder wenn man auf Schwimmbad steht DanKlorix :-)

Kommentar von maggie1979,

Danke für den Tipp. Ist wirklich schon sichtbarer Schimmel vorhanden. DanKlorix auch. Das probier im mal im Bad aus (vielleicht mutierts zum schimmelfreien Schwimmbad hihi).

Keine passende Antwort gefunden?

Verwandte Fragen

Fragen Sie die Community