Konnten DDR-Bürger westliche Bücher lesen?

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6 Antworten

"Wie nah sich beide deutschen Staaten aus literarischer Perspektive waren, zeigt sich an den Buchausstellungen, die die Verlage auf beiden Seiten initiierten.

Eine der wichtigsten Ausstellungen war Bücher aus der Bundesrepublik Deutschland, die gemeinsam vom Börsenverein der Deutschen Buchhändler in Leipzig und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main organisiert wurde.
Sie fand vor dem Hintergrund des 1986 beschlossenen Kulturabkommens zwischen der DDR und der Bundesrepublik statt, dem ein fast dreizehnjähriger Verhandlungsmarathon vorausgegangen war. 1988 sollte das erste Jahr werden, in dem der darin geplante Kulturaustausch verwirklicht wurde. In besagter Ausstellung wurden über 3.000 Werke von 413 westdeutschen Verlagen in Berlin, Rostock, Dresden und Weimar präsentiert. Das Medienecho in der DDR war gewaltig: Alle großen Zeitungen berichteten; kritische Stimme über die westdeutsche Literatur waren nicht zu vernehmen. Auch Günther Christiansen, der als Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ein Grußwort beisteuerte, wusste über die innerdeutschen Beziehungen nur Gutes zu berichten.

http://www.zeitgeschichte-online.de/thema/literaturaustausch

Das war nicht immer so. In den frühen DDR-Jahren wurden Bücher westdeutscher Autoren in der DDR nicht zugelassen.

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Es gab als Lizenz auch westdeutsche Autoren zu kaufen. Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern, als ich begeistert "Timm Thaler" von James Krüss gelesen habe. Auch Ottfried Preußler ("Krabat") wurde als Lizenzausgabe gedruckt. Ich besitze noch "Der Barras" von Karl Ludwig Opitz. War ein ziemlich heftiger Roman über den Krieg in Nordafrika unter Rommel. Das blieben allerdings Ausnahmen.

Allgemeine Westliteratur gab es schon mehr - Maigret, Sherlock Holmes, die Noir-Krimis von Chandler, Hammett (Dashiell, nicht Kirk) u.ä. Weitere Krmis erschienen in den Reihen NB-Roman und deren Nachfolger DIE-Reihe. Hier übrigens auch bundesdeutsche Autoren wie -ky und Rainer Erler.

Karl May kam hier erst Anfang oder Mitte der 1980er Jahre heraus. Vorher war er verpönt, es gab aber in den 50ern tatsächlich mal ein Abenteuerheft mit einem Auszug aus einem seiner Orient-Abenteuer.

Mehr fällt mir auf die Schnelle nicht ein. Viel Erfolg für Deinen Bachelor.

LG metalfreak311

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Ich habe als Kind mit meiner Mutter die DDR besucht,Zugreisende,werde nie vergessen,wie ein -freundlicher- Zollbeamter vor der Grenze ins Abteil kam-und mir mein MickyMaus-Heft wegnahm,sich auch quasi entschuldigt. Ich sah traurig zu meiner Mutter,sie erklärte es mir.
Ein Staat,der sich vor Comics fürchtet.
Ich hoffe,dieses Streiflicht hilft Dir ein bisschen. ;)

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Es herrschte absolutes Einfuhrverbot für Druckerzeugnisse, aus privaten Paketen wurden unter Umständen sogar Kalender konfisziert. Was nicht heißt, dass nicht trotzdem vieles ankam bzw. auch geschmuggelt wurde, entweder vom Westbesuch oder von Leuten, die reisen durften (wie Rentner oder auch Kirchenleute, denen man eine Ausnahmegenehmigung erteilt hatte). Weiterhin erschienen zahlreich Bücher auch bei uns unter Lizenz (wie Bücher von Heinrich Böll oder auch so etwas wie "Pippi Langstrumpf"), wenn auch nur in kleinen Auflagen. Ich kann mir vorstellen, dass die Leute vom Zoll etwas gnädiger waren, wenn sie ein solches Buch, nur von einem westlichen Verlag herausgegeben, bei einem Reisenden fanden.

In Budapest, in der Vaci utca, gab es eine große deutsche Buchhandlung, wo wir uns mit längst vergriffener DDR-Literatur eindeckten. Dort bekam man auch - wenn auch nur wenige - Bücher westlicher Verlage. Wenn wir in unserer Zollerklärung "Bücher" eintrugen, wollten die Kontolleure immer wissen, von welchem Verlag (aber sie haben es zum Glück nicht nachgeprüft).

Eine Ausnahme gab es für wissenschaftliche bzw. Fachliteratur. Da auch unseren Wissenschaftlern die neuesten Forschungsergebnisse auf bestimmten Gebieten nicht vorenthalten werden sollten, erhielten zumindest Betriebe bzw. Institute mit eigenen Bibliotheken (vor allem Fachbibliotheken) die Genehmigung, entsprechende Literatur einzukaufen. Diese konnte sich jedoch nicht jeder ausleihen.

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nein konnten sie nicht. das war "schmuggelware"

nur bücher die von den Herren freigegeben und als staatskonform befunden wurden waren zugänglich

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Kommentar von 666Phoenix
03.11.2016, 09:29

Dummes Zeug - und, pardon, "kuhdoof"!

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Na klar, konnten die! Die konnten nämlich, im Unterschied zu hier und heute, alle lesen!

Eine andere Frage: durften sie!!

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