Frage von Jammonita25, 185

Komme ich irgendwann deutlich über 2.000 € netto mit meinem Kunstgeschichte-Studium?

Ich habe 3 Jahre auf Bachelor studiert (Note 1,3) und 2 Jahre auf Master studiert (Note 1,1) und anschließend eine Anstellung in einem Kunstmuseum gefunden, wo ich seit 3 Jahren eine Galerie bewache, dass niemand etwas anfasst oder fotografiert und manchmal Fragen der Gäste beantworte. So hätte ich mir mein Leben nicht vorgestellt, manche meiner älteren Kollegen haben nicht mal studiert. Ich lebe in einer teuren Großstadt, bin noch deutlich unter 2.000 Euro netto angesiedelt (1,7) und habe auch von langjährigen Kollegen gehört, dass sie kaum über 2.000 Euro netto gekommen sind (2,2). Das darf doch nicht wahr sein! Ich habe mir nach meinem Studium und den ganzen Entbehrungen während meiner Studienzeit nun ein gutes Leben gewünscht. Wie ist eure Meinung dazu, habe ich einfach den falschen Job für meine Quali oder wieso verdiene ich so schlecht? Ein Kollege, der Master in Ingenieurwesen und PhD in Informatik gemacht hat verdient fast das DOPPELTE als Anfangsgehalt und ist in meinem Alter!!

Antwort
von Jerne79, 84

Ja, was HAST du dir denn vorgestellt, als du angefangen hast, ein Orchideenfach zu studieren?

Und was hast du gedacht, dass du als Museumsaufsicht machst und wie relevant dein Studium dafür ist, nach dem du ja auch keine tatsächliche Berufserfahrung gesammelt hast?

Dröseln wir das mal auf:

Du hast ein Fach studiert, in dem es viele Absolventen, aber wenige Stellen gibt. Das muss dir irgendwann sicher klargeworden sein. Gute Noten ändern an den lausigen Perspektiven nur sehr bedingt etwas, da muss man schon auch Dusel haben und die richtigen Kontakte knüpfen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Und nicht einmal dann gibt es Garantien.

Dann hast du dir - und das war nicht dumm - nach dem Studium erstmal einen Job gesucht.

Du musst dir aber schon darüber im Klaren sein, dass das ein Schlumpfjob ist. Deine Qualifikation als Kunsthistoriker ist dabei mehr als zweitrangig. Du musst rumstehen und aufpassen.

Für so einen Job braucht man keine großen Qualifikationen, außer einem ordentlichen Führungszeugnis, einem ordentlichen Auftreten und im Optimalfall leidensfähigen Füßen.
Du bist da nicht als Kunsthistoriker, du bist dort in einer Position für Ungelernte. Mit Verlaub, letztlich ist das die Art Job, mit der sich andere durch´s Studium bringen oder ältere Menschen ein Zubrot verdienen. 

Deine Kollegen bekommen wahrscheinlich mehr Geld, weil ihr Gehalt im Lauf der Jahre oder aus verschiedenen Gründen aufgestockt wurde.

Wenn du dir eine bessere Bezahlung wünschst, kannst du

a) abwarten, bis die Aufstockungen auch dich erreichen

b) dir einen Job suchen, zu dem deine Qualifikation passt. Was in der Kunstgeschichte nicht leicht sein wird.

Du hast gute Noten, kannst versuchen, an Praktika und Volontariate zu kommen. Die aber - und so ehrlich muss man mit sich selbst sein - meist immernoch vorrangig an Promovierende verteilt werden. Noch dazu sind sie deutlich schlechter bezahlt als das, was du jetzt machst.

Anders wirst du kaum Zusatzpunkte sammeln, wenn du dich mal auf eine der wenigen freiwerdenden Stellen bewerben willst. Du musst Erfahrung in deinem Fach sammeln. Du kannst versuchen, in dem Museum, in dem du bist, einen Fuß in andere Aufgabengebiete zu bekommen. Das ist in der Regel auch nicht leicht.

Mit deiner aktuellen Stelle solltest du dir jedenfalls keine Hoffnungen auf die große Karriere im Fach machen. Sie ist kein Sprungbrett, und das hätte dir schon VOR der Bewerbung darauf klar sein müssen.

Kommentar von Jerne79 ,

Und vielleicht ergänzend:

Letztlich kannst du froh sein, dass du mit deiner Studienrichtung immerhin fachnah eine Stelle für Unqualifizierte gefunden hast, die genau genommen nicht schlecht bezahlt ist.

Wirf mal einen Blick um dich. Was machen die, mit denen du studiert hast? Die meisten Kunsthistoriker hangeln sich nach dem Studium von Praktikum zu Praktikum, von Volontariat zu Volontariat (wenn sie welche bekommen). Die wenigsten davon kommen nach vielen Jahren an eine feste Stelle. Die meisten verabschieden sich über kurz oder lang aus dem Fach und satteln um. Und das weiß man, wenn man so ein Fach studiert.

Wenn dir das, was du hast, nicht reicht, musst du dich für etwas qualifizieren, sei es nun im Fach oder außerhalb. Ein ordentlicher Master ist der Anfang der Qualifikation, nicht das Ende.

Kommentar von JoachimF ,

Deine reale Chance auf mehr Gehalt besteht darin kompett umzusatteln. Also was gaaaanz anderes zu machen. Sekretariat, öffentlicher Dienst, Selbstständigkeit. Es heißt nicht umsonst "brotlose Kunst" - noch nie gehört?

Antwort
von Othetaler, 102

Naja, für deine Tätigkeit brauchst du ja auch kaum ein Studium.

Wobei 1,7 netto ja (für deine Tätigkeit, nicht für deine Qualifikation) ja auch nicht wirklich schlecht bezahlt ist.

Um dein Gehalt deutlich zu steigern brauchst du aber bestimmt auch ein anderes Betätigungsfeld. Was das sein könnte, weißt du aber bestimmt besser, als ich.

Antwort
von turnmami, 38

Wer Kunstgeschichte studiert, weis doch, dass er fast keine Jobaussichten hat und dann auch wenig verdienen wird.

Ingenieure sind gefragt, daher auch gut bezahlt, aber wieviele Jobs gibt es denn für Kunstgeschichte???

Man sollte halt vor dem Studium über die späteren Möglichkeiten nachdenken...

Antwort
von Sonne8989, 115

das ist vom Arbeitgeber zu Arbeitgeber unterschiedlich. Kommt auch darauf an, was du brutto verdienst und wie viel du an Steuern, Versicherungen etc. abgeben musst. Dein Lohn liegt bestimmt in einem guten Durchschnitt.

Ansonsten sprich das Thema mit deinem Chef an. 

Antwort
von Dahika, 61

1,7 netto für einen Job, den auch Ungelernte machen? Meine Güte, muss das Museum Geld haben.

Antwort
von hellsrentners, 43

Im Prinzip befindest du dich in einer Zwickmühle: Entweder weiter Fuzzy-Jobs im Museum oder sonstwo machen oder noch einen draufsatteln wie z. B. BWL oder Ähnliches. Dann könntest du bei einem Kunstauktionator anheuern oder Versteigerungen von Kunstwerken organisieren.

Zweite Alternative: Biete privat Kurse oder (thematisch ausgerichtete !) Stadtführungen an und versuche dich mit örtlichen Behörden (Touristen-Büro) und anderen Reiseveranstaltern zu vernetzen. Wenn du als Expertin für spezielle Themengebiete oder originelle Inhalte bekannt bist wirst du auch gebucht. Bei 10 Personen mit je 10 Euro hast du schon einen interessanten (brutto-)Stundenverdienst.

Das hängt natürlich von den Gegebenheiten deiner Region ab. Also: sortiere dich neu und starte durch. Den Museumsjob nimmst du als Sicherheitspuffer mit Sozialversicherung noch mit und reduzierst, sobald die neue Perspektive greift.

Viel Erfolg - und: Geld ist auch nicht alles!

Antwort
von Skinman, 69

Das hättest du dir mal früher überlegen müssen. Es gibt auch mit einer solchen Ausbildung Chancen auf einen hohen Verdienst, aber kaum in Museen. Du musst dazu beispielsweise als Sachverständiger in Kreisen arbeiten, wo Kunstwerke als reine Investitionen dienen.

Antwort
von grubenschmalz, 71

Ja. Was hast du erwartet mit dem Studium? Mit der Aussage Nettogehalt kann man nicht viel anfangen, Bruttogehalt ist Aussagekräftiger

Antwort
von hauseltr, 98

Da hättest du dich mal früher informieren müssen.

Wo braucht man schon großartig Kunstgeschichte? Das merkst du ja wohl auch so langsam!

Antwort
von elha98, 63

Mit 1,7 netto nach dem Master in Kunstgeschichte kannst du wirklich zufrieden sein :D Das ist mehr, als man erwarten kann mit dem Studium. Wenn du mehr möchtest, musst du dich weiterbilden lassen. Im Bereich Kunstforschung z.B.

Antwort
von Schnaps123, 89

Du bist definitiv überqualifiziert. Such dir nen neuen Job. Du könntest mit einem Masterabschluss locker in die Managementebene aufsteigen. Da würdest du ne Menge Kohle machen.

Kommentar von Othetaler ,

Management von was? Der Master ist in Kunstgeschichte und nicht in Betriebswirtschaft.  ;-)

Kommentar von Schnaps123 ,

Du kannst auch als kunstwissenschaftler einen MBA oder einen Master of General Management machen.

Antwort
von cubic123, 83

Es heißt nicht umsonst "Brotlose Kunst".

Einen Ingenieur oder Informatiker "braucht" man, bzw. man kann Geld mit ihm verdienen. Ein Künstler oder Historiker ist "nice to have". Schau dir mal die Stellenangebote in der Zeitung an. Da sind ungefähr 0 Jobs drin für die Leute mit den interessanten Studiengängen. Das sollte man jedoch "vor" dem Studienbeginn begreifen. 

Sorry (bin mit einer Master (1.0) Künstlerin zusammen)

Antwort
von glaubeesnicht, 90

Was hast du dir denn vorgestellt? Was wolltest du denn mit diesem Studium anfangen?

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