Frage von ChiefBauer, 81

Kollegin ist mit Arbeitssituation völlig überfordert?

Hallo Community,

da mir hier immer sehr gut geholfen wurde und man wirklich viele Menschen erreichen kann, wendet sich nun eine Kollegin an euch (bzw. ich mich für sie):

Meine Kollegin hat am 01.03.16 in einer Kanzlei angefangen zu arbeiten. Anfangs war alles gut, doch zunehmend geriet sie mit der Chefin aneinander (bzw. die Chefin kam bereits sauer morgens ins Büro und war dann immer nur genervt.) Sie hat daraufhin immer mehr Fehler gemacht, da sie sich auch nicht mehr richtig traute zu fragen, wie man was macht. Die Situation spitzte sich sohin immer mehr zu und sie ist jetzt an einem Punkt angelangt, an dem sie nicht mehr weiter weiß. Es ist nunmal nicht so, dass sie gemobbt wird, doch der Job und das Verhältnis zur Chefin setzen ihr mental sehr zu und sie hat auch schon an Selbstverletzung gedacht um nur einige Tage aus diesem Alltag rauszukommen... (auch wenn das für manche von euch wirklich unglaublich klingen mag)

Sie ist den ganzen Tag über aphatisch, nervös und bedrückt. Kommt sie Abends zu mir oder macht was was ihr gefällt, ist sie wie ausgewechselt, wieder lebensfroh und glücklich. Doch je später es wird desto bedrückter wird sie wieder. Nachts bleibt sie meist bis 1-2 Uhr auf, da sie nicht schlafen kann, so sehr graust es ihr vor dem nächsten Tag... Morgens steht sie mit Bauchkrämpfen und einem flauen Gefühl im Magen auf (das geht schon seit Wochen so) und würde sich am liebsten in Luft auflösen. Freitags und Samstags ist sie wieder sie selbst, so wie ich sie kenne. Doch bereits Sonntag morgens wirkt sie wieder bedrückt und klagt spätestens am frühen Sonnabend über ein flaues Bauchgefühl und angehende Krämpfe. Vom Abschalten (Kopfmäßig) ist dann sowieso keine Rede mehr...) Sie wird jetzt, nach mehrmaligem drängen von vielen Seiten, per ende August kündigen, allerdings will und kann ich ihr das nichtmehr zumuten. Ich sehe wie sehr sie darunter leidet...

Für mich hört sich das Ganze nach Depressionen an. Was sagt ihr dazu? Was wäre euer Rat? Solle sie einfach normal bis 31.08. (mit täglichem Magenkrämpfen, Aphathie und zunehmend geringer werdender Lebensfreude) arbeiten gehen? Würdet ihr sie zum Hausarzt schicken, aufgrund eventueller Depression (aber was soll das dann auch bringen, dieser wird sie wohl kaum Krankschreiben und maximal belächeln...)

Ich mache mir ernsthaft Sorgen um sie...

Antwort
von Punica08, 37

Habt ihr es schonmal mit dem einfachsten versucht und ein Gespräch mit dem Arbeitgeber gesucht? Ich kenne mich zwar zugegeben mit Depressionen nicht aus, denke aber, das wenn sie außerhalb der Arbeitszeit "normal" ist, dass das vom Unwohlsein am Arbeitsplatz kommt und geht. Nur wenn die Mauern zwischen ihr und ihrer Chefin verschwinden, wird sie sich wieder wohl fühlen.

Wut/schlechte Laune grundsätzlich und gezielt an der gleichen Person auszulassen ist übrigens sehr wohl eine Mobbinghandlung, in dem Fall aber vielleicht eine unbewusste? Nur deine Kollegin kann einschätzen, ob sie die restliche Zeit - falls in Richtung Problemlösung nichts mehr gehen sollte - noch arbeiten kann. In dem Falle könnte sie sich krankschreiben lassen oder Urlaub nehmen um die Zeit zu überbrücken.

Antwort
von BarbaraAndree, 29

Wenn sie Anfang März bei dieser Kanzlei die Arbeit aufgenommen hat, so hat sie siche noch Probezeit und könnte kurzfristig kündigen. Das wäre zu überlegen und sich jetzt schon nach einer anderen Stelle umzusehen. Der andere Weg ist der, mit der Chefin ein offenes Gespräch zu führen und ihr zu sagen, dass sie wegen dieser angespannten Situation dort nicht mehr arbeiten kann und kündigen wird. Entweder wird es danach besser oder schlechter.

Es ist ein Teufelskreis und ich weiß, was es heißt, launische Chefs zu haben. Ich hatte einige Jahre so einen Launebär, aber ich war eingearbeitet und hatte keine Scheu vor ihm, das verleiht einem selbst auch Standfestigkeit. Wenn das - wie bei deiner Freundin - nicht der Fall ist, dann verkraftet man das psychisch nicht. 

Kommentar von ChiefBauer ,

Leider dauerte die Probezeit lediglich 1 Monat an, in diesem sich alles gut abspielte.

Das offene Gespräch mit der Chefin wurde gesucht, doch sie plädiert auf den Fehlern meiner Kollegin... Natürlich hat sie recht, die Fehler zu bemängeln, aber die Fehler rühren aus dem schlechten Arbeitsklima und nicht der inkompetenz meiner Kollegin...

Kommentar von BarbaraAndree ,

Das hätte man der Chefin sagen sollen, dass das ein Teufelkreis ist: schlechtes Klima, Fehler bei der Arbeit. Wie lange will sie das denn noch durchhalten? Bis sie gesundheitlich am Ende ist? Empfehlen kann ich nur eine neue Stelle, wenn alles andere niicht klappt.

Antwort
von DatSchoof, 28

Hallo liebe Fragestellerin,

zunächst einmal möchte ich Dir schreiben, dass es mir für Deine Freundin sehr leid tut, dass sie sich in so einer Situation befindet. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es ist, wenn man mit allen Gedanken auf Abwehrhaltung gepolt ist und partout nicht zur Arbeit gehen möchte, es dann aber doch muss. So eine Situation hatte ich bereits selbst und das ist beileibe überhaupt nicht schön.

Ob sie nun eine Depression hat oder nicht, ist ganz schwer zu beurteilen. Dazu konsultiert sie wirklich am Besten einen Arzt, und sollte der sie belächeln, sollte sie unbedingt einen anderen Arzt suchen, der ihre Sorgen ernst nimmt. Hier ist das Vertrauensverhältnis absolut wichtig. Es gibt hier genügend Ärzte, die sich Zeit nehmen und die in solchen Situationen auch krank schreiben. Vor allem wenn es in Richtung Selbstverletzung geht.

Vielleicht hat Deine Freundin auch erst einmal nur eine depressive Phase oder, und das ist anzunehmen, sie kommt schlicht auf der Arbeitsstelle nicht klar und macht sich jetzt einen Druck, der ihr aufgrund irgendwelcher Außenwirkungen auferlegt wird. Damit meine ich, wir neigen dazu, dass wir meinen einen Job aushalten zu müssen. Weil wir denken, wir hätten keine Alternativen oder wir würden irgendwie gebrandtmarkt werden, nur weil wir einen Job schmeißen. Bloß nicht selbst kündigen, am Ende gibt es keinen Job mehr und eine Sperre bekomme ich dann auch und und und und. Letztlich schleppt man sich dann zur Arbeit und wird krank und kränker. Und für was? Für Geld? Für andere?

Ich kann Deiner Freundin nur empfehlen, dass sie sich entweder mit ihrer Chefin ausspricht, oder sich nach einem neuen Job umsieht. Frei nach dem Motto: Entweder Du liebst es, oder Du änderst es, oder Du verlässt es. Mehr Alternativen gibt es aus meiner Sicht nicht. Und man muss sich immer die Frage stellen, wenn ich es nicht lieben kann, warum will ich nicht ändern? Und wenn ich es nicht ändern kann, warum will ich es nicht verlassen? Oft sind hier die eigenen Ängste im weg. Darüber kannst Du mit ihr sprechen und ihr Stütze sein.

Wie auch immer, ich drücke Deiner Freundin ganz fest die Daumen, dass sie die Phase irgendwie gemeistert bekommt und bald wieder glücklich in ihrem Job ist. Dem oder einem anderen.

Viele Grüße
DatSchoof

Kommentar von DatSchoof ,

Achja, da haben wir wieder einen äußeren Einfluss. Siehe Antwort von Frangge: "Selbst kündigen sollte sie übrigens nicht." Ich frage mich dann immer, warum denn nicht? Wer legt solche Dinge fest?

Kommentar von ChiefBauer ,

Denke den meisten geht es ums Geld.. Das spielt hierbei aber keine Rolle, sie hat was auf der Seite und in der Not leihe ich ihr auch gerne mein letztes Hemd...

Mir geht es hierbei hautpsächlich um ihren psychischen Zustand, Gesund kann dies jedenfalls nicht sein.

Sie muss bis zum 31.08. arbeiten, diese Zeit ist zwar nicht mehr lang, aber auch nicht leicht... Zumindest nicht für sie... Eine Überbrückung dieserseits gibt es nicht, außer Krankenstand, doch ich denke einen Krankenstand in dieser Länge wäre nicht möglich, außer sie sollte wirklich an einer Depression leiden...

Kommentar von DatSchoof ,

Ich verstehe zwar nicht ganz, warum sie bis zum 31.08. arbeiten muss, aber gut das nehmen wir mal als gegeben hin. Doch es ist möglich, dass sie so lange krank geschrieben wird. Mobbing wird mittlerweile auch von Ärzten anerkannt. Wenn sie die Symptome so beschreibt, wie Du sie hier geschildert hast, gibt es durchaus Ärzte, die jemanden dann krank schreiben. Auch für einen längeren Zeitraum. Da kenne ich wirklich viele, die entsprechend lange ausgefallen sind, oder auch gar nicht mehr wiedergekommen sind, weil der Vertrag ausgelaufen ist. Da gehört halt eine Menge Mut und der richtige Arzt dazu.

Kommentar von ChiefBauer ,

Sie hat eine Kündigungsfrist von 4 Wochen, die Kündigung ist somit wirksam per 31.08.2016.

Ich werde sie aufjedenfall zum Arzt drängen... Sie schämt sich jedoch ein wenig und dentk man würde über sie und ihre "Problemchen" lächeln (da sie denkt, dass sie einfach zu wenig aushält)

Kommentar von DatSchoof ,

Nun der Schritt mit dem Arzt ist auch gar nicht so leicht. Da hilft auch drängen nicht wirklich. Entweder sie geht den Schritt selbst, dann wird es auch gelingen. Mit Zwang erreichst Du nur eher das Gegenteil. Lieber mit viel positiver Energie zur Seite stehen. Und wie schon geschrieben, wenn der Arzt sie belächelt, dann darin bestärken, dass der Typ ein Trottel ist und es auch andere Ärzte gibt.

Antwort
von einfachichseinn, 15

Ich denke nicht, dass es sich dabei um eine Depression handelt. Das klingt eher danach als hättest du/sie 'nur' Angst vor der Arbeit.

Ich würde das noch bis August so gut es geht durchziehen.

Antwort
von Minischweinchen, 4

Hallo,

Deine Freundin ist in einer schlimmen Arbeitssituation und muss schnellstmöglich dort heraus, da sonst ihre beginnenden Beschwerden in eine Depression ausarten werden und sie dann auch an den "angstfreien" Tagen nicht mehr lustig sein wird. Es wird sie krank machen.

Ich kann Dir/Ihr nur den Rat geben, geh zu einem Psychologen - nicht zum Hausarzt, da dieser eben nur ein Hausarzt ist und kein Facharzt für diese Art von Problemen- und sie soll sich krank schreiben lassen.

Sie muss ihr Problem schildern, ganz ehrlich sein, nicht beschönigen und auch Ihre Gefühl dabei, die Ängste usw. erklären. Er wird sie verstehen und wenn er ein guter Psychologe ist, sie aus dieser Situation heraus nehmen.

Wahrscheinlich wird er ihr auch eine Gesprächstherapie empfehlen, evtl . ein Medikament, aber das muss der Arzt selber entscheiden.

Sie soll den Termin auch dringend machen, denn sonst dauert es zu lange. Sie muss der Helferin am Telefon nicht sagen, um was es geht, aber eben sagen, das es sehr dringend ist.  Die Helferin darf sie nicht abweisen!

Dann muss Deiner Kollegin der Arzt oder die Ärztin auch sympathisch sein. Es bringt überhaupt nichts, wenn sie sich dann nicht öffnen kann und erzählen, wenn kein "Draht" da ist. Sie hat jederzeit das Recht sich einen anderen Arzt zu suchen.

Das mit der Selbstverletzung soll sie ganz schnell mal vergessen, dies aber beim Arzt erwähnen, damit dieser auch die Dringlichkeit sieht. Denn diese Gedanken als Ausweg sind wirklich erschreckend.

Sie kann jederzeit ohne Überweisungsschein, nur mit der Versichertenkarten, den Psychologen aufsuchen.

Es ist sehr schön von Dir, das Du Deine Kollegin unterstützt. Ich Denke mal , Du würdest ihr sehr helfen, wenn Du weiterhin hinter ihr stehst und ihr hilfst, damit sie nicht so alleine da steht.

Liebe Grüsse und ich wünsch Deiner Kollegin nur das Allerbeste und das sie viel Glück hat mit der neuen Arbeitsstelle!

Antwort
von snatchington, 18

Zum einen: Selbst kündigen ist nur dann sinnvoll, wenn sie schon eine neue Stelle in Aussicht hat, ansonsten muss sie mit Leistungssperren rechnen.

Zum anderen: Wenn ihre Situation tatsächlich auf das aktuelle Arbeitsumfeld / die aktuelle Chefin zurückzuführen ist, dann ist langfristig ein Wechsel des Arbeitsplatzes wohl sinnvoll. Ein klärendes Gespräch mit der Chefin wird vermutlich (wenn überhaupt) nur eine kurzfristige Besserung herbeiführen.

Sollte sie aber an einem anderen Arbeitsplatz auch wieder diese Probleme bekommen, dann wäre wohl ein Termin bei einem Facharzt angebracht.

Kommentar von ChiefBauer ,

Die Leistungssperre dauert 1 Monat an, wäre verkraftbar und m.M.n sollte die Psyche im Vordergrund stehen, Geld kann ich ihr zur Not auch zur Verfügung stellen. An dem soll es nicht scheitern.

Antwort
von Deichgoettin, 12

Ich verstehe nicht, warum sie mit ihrer Chefin kein klärendes Gespräch führt. Manchmal führen solche Gespräche auch zum Erfolg.
Das sollte doch der erste Weg sein.

Alles in sich hineinfressen macht krank.
Kündigen sollte sie nicht, bevor sie eine neue Arbeitsstelle hat.
Zum Arzt sollte sie auf alle Fälle gehen.

Kommentar von ChiefBauer ,

Die Leistungssperre hier in Österreich dauert "nur" einen Monat, und da sie noch bei den Eltern wohnt wäre diese zu verkraften. Sie wird die Kündigung auch durchbringen.

Das klärende Gespräch mit der Chefin wurde schon versucht zu führen, aber diese sieht nicht ein, dass sie, verzeih bitte den Ausdruck, eine pissige Kuh ist... Sie wirft ihr immer wieder Fehler vor, die auch passieren, aber eher aus der Situation resultieren, da ich sie auch gut kenne und weiß, dass sie normalerweiße sehr gewissenhaft ist...

Was kann der Arzt bringen, ich kann ihr keinen weiteren Monat dort zumuten, sie hat bereits 8 KG abgenommen und sieht wirklich sehr schlecht aus, von ihrer mentalen Verfassung will ich gar nicht erst anfangen...

Kommentar von Deichgoettin ,

wenn sie mit ihrem Hausarzt offen spricht, kann ich mir vorstellen, dass er sie eine Weile aus " dem Verkehr" zieht. Unüblich ist das nicht.

Antwort
von Virginia47, 2

Also meine Hausärztin würde mich garantiert krankschreiben.

Ich habe Ähnliches durch. Und da hatte sie mich sogar länger krankgeschrieben, als die Kündigungsfrist dauerte.

Kein Arzt würde deine Freundin bei diesen Symptomen belächeln.

Das ist zwar keine Depression - meiner Meinung nach - aber gesund ist es auch nicht.

Sie soll sich einen Dreck um einen sauberen Abgang scheren und zum Arzt gehen. Gesünder wäre das allemal, wenn diese Last von ihr genommen würde.

Antwort
von jimpo, 9

Als Arbeitnehmerin  muß Sie sich auch mal was sagen  lassen und  Kritik einstecken können. Das Arbeitsleben ist kein Wunschkonzert und heile Welt. Das weiß jeder Arbeitnehmer.

Kommentar von ChiefBauer ,

Genau, das habe ich ihr auch gesagt, doch das Arbeitsklima ist bereits so nachhaltig gestört, dass sie aufgrund der Anspannung immer nur mehr Fehler macht, die die Chefin dann wieder kritisiert, aber auch nach Hinweis auf das schlechte Arbeitsklima nicht reagiert....

Antwort
von Frangge, 17

Du, ääähm. deine Kollegin sollte zum Arzt gehen und ihm die Situation schildern. Ich bin sicher, da wird sich eine Lösung finden.

Selbst kündigen sollte sie übrigens nicht.

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