Frage von Ice4Tee, 47

Körperverletzung, Versuch, Vorsatz?

Hi, ich schreibe derzeit eine Hausarbeit und hätte eine Frage zum Inhalt meines Aufbaus. Zunächst habe ich ein Versuch geprüft und nachträglich eine Körperverletzung (Error in persona). Muss ich im Versuch die körperliche Misshandlung und Gesundheitsschädigung erwähnen oder erst im nächsten Delikt. Frage aus dem Grund, da es unsinnig ist diese Begriffe im Tatenschluss zu erwähnen. Beim Versuch ist kein Taterfolg eingetreten. Demnach reicht auszusagen, dass eine körperliche Verletzung erstrebenswert war, oder? Konnte hierzu keine Fallbücher finden oder ein Lehrbuch das es aufgreift. Könnte jemand sonst ein Tip geben. Danke voraus.

Antwort
von Friedel1848, 30

Im Versuch musst du alles eigentlich genauso prüfen, wie im "normalen" Tatbestand.

Wenn du den Tatentschluss prüfst, dann musst du dort genauso vorgehen wie bei einem normalen Tatbestand - der einzige Unterschied ist, dass du aus der Perspektive des Täters prüfst. Das bedeutet konkret: Du prüfst, ob nach der Vorstellung des Täters, hätte alles so geklappt wie er es geplant hat, eine Körperverletzung vorliegt. Also musst du auch hier den Erfolg, die körperliche Misshandlung oder die Gesundheitsschädigung, prüfen, allerdings nicht so, als sei er schon eingetretren, sondern so, wie der Täter sich seine Tat vorgestellt hat.

Du versetzt dich bei der Prüfung des Tatentschlusses also in die Lage, dass alles so geklappt hat, wie der Täter es geplant hatte. Gute Formulierungen dabei sind immer "nach der Vorstellung des Täters..." oder ähnliche.

Meine Frage ist aber: Warum prüfst du erst den Versuch?

Du solltest zuerst eine vollendete Körperverletzung prüfen. Dann fliegst du im subjektiven Tatbestand raus (bei error in persona aber nicht, nur bei einem aberatio ictus). Wenn du dann da rausfliegst, kannst du danach den Versuch prüfen. Wenn du erst den Versuch prüfst, müsstest du schließlich ganz am Anfang prüfen, ob keine vollendete Tat vorliegt. Das müsstest du dann inzident machen, was im Strafrecht nicht gerne gesehen wird. Prüfst du zuerst die vollendete KV und fliegst in der Prüfung irgendwo raus, dann kannst du im Versuch beim Prüfungspunkt Vollendung einfach nach oben verweisen.

Kommentar von Ice4Tee ,

=) Danke. Müsste ich jetzt im nächsten Delikt, die Definition mit der ähnlichen Argumentation wieder geben? Ist sehr nervig. So zu deiner Frage: Ich prüfe den Versuch, um die versuchte Körperverletzung an der gewollten Person zu bestätigen. Dann fang ich mit der anderen Person an und bestätige die Körperverletzung. 

Kommentar von Friedel1848 ,

Wenn du einmal eine Definition in einer Arbeit widergegeben hast, brauchst du sie nicht nochmal hinzuschreiben. Du kannst dann nach oben verweisen und musst nur noch subsummieren.

Bei einem error in persona gibt es keinen Versuch zu prüfen!

Wenn Täter T auf A schießt, weil er glaubt, diese Person sei B, dann sind anvisiertes Ziel und getroffenes Ziel dasselbe. Dass der Täter dachte, es sei eine andere Person, ist unbeachtlich und wirkt sich auf den Vorsatz nicht aus. Es ist also ein vollendeter Totschlag, in deinem Fall eine vollendete KV.

Beachtlich wird ein Irrtum nur, wenn ein aberratio ictus vorliegt. Dann stehen A und B nebeneinander, T zielt auf A, trifft aber B. Bei dieser Konstellation liegt in Bezug auf A ein Versuch, in Bezug auf B ein Fahrlässigkeitsdelikt vor (wenn der Täter es nicht billigend in Kauf genommen hat, dass auch jemand anderes getroffen wird).

Lies dir das ganze mal im Wessels/Beulke/Satzger Lehrbuch zum Strafrecht AT unter Randnummer 247ff. durch.

Noch ein Tipp zum Aufbau. Bevor du einen Versuch prüfst, prüfe immer erst das vollendete Delikt und lasse die Prüfung dann am entscheidenden Punkt scheitern. Fange nicht mit einem Versuch an.

Nehmen wir mal an, es läge die Situation des aberratio ictus vor. Dann würde ich so prüfen:
I. vollendete KV in Bezug auf A. Hier fliegst du raus, weil kein Erfolg eingetreten ist.
II. versuchte KV in Bezug auf A. Hier kommst du wahrscheinlich (wenn kein anderes Problem vorliegt) bis zum Ende durch und bejahst die Strafbarkeit.
III. vollendete KV in Bezug auf B. Hier fehlt (wahrscheinlich, außer es liegt dolus evenutalis vor) der Vorsatz, du fliegst also raus.
IV. fahrlässige KV in Bezug auf B. Hier wirst du dann wieder bis zum Ende durchkommen und eine Strafbarkeit bejahen.

Aber nochmal: Bei eine error in persona liegt eine vollendete Tat vor, kein Versuch. Das ist nur dann eventuell anders, wenn besondere Konstelationen mit Teilnehmern vorliegen, beispielsweise bei mittelbarer Täterschaft.

Kommentar von Friedel1848 ,

Ein error in perona (vel objecto) ist für den Vorsatz des Täters nur dann von Beachtung, wenn die beiden Tatobjekte keine tatbestandliche Gleichwertigkeit haben.

Wenn T also den Hund des Nachbarn erschießen will, auf ein entsprechendes Objekt zielt und dieses auch trifft, das Objekt aber Nachbar N war, dann sind die beiden Tatobjekte nicht tatbestandlich gleichwertig. Die Folge ist, dass T wegen versuchter Sachbeschädigung (an dem Hund) und fahrlässiger Tötung (an N) strafbar ist.

Sind aber beide Tatobjekte tatbestandlich gleichwertig, dann ist kein Raum für einen Versuch, weil der Vorsatz des Täters sich auf das anvisierte Ziel bezog und er dieses auch getroffen hat. Er hat sich also vorgestellt, einen Menschen zu töten/verletzen und hat dies auch getan, und zwar genau das Tatobjekt, dass er auch in seinen Vorastz aufgenommen hatte. Ob das Opfer jetzt Müller oder Meier heißt, ist für den Vorsatz unerheblich, da es in beiden Fällen ein Mensch ist.

Tatbestandlich nicht gleichwertig wären zwei Menschen in so einer Konstellation nur dann nicht, wenn noch etwas dazu kommt. Steht beispielsweise ein Vater am Ufer und sieht einen Menschen ertrinken, und er denkt, es sei ein Unbekannter, dann macht er sich, wenn er nicht hilft, obwohl er könnte, wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar. Ist die Person aber sein minderjähriges Kind, dann würde er sich wegen Totschlags durch Unterlassen strafbar machen. Erkennt er das aber nicht, dann liegt hier ausnahmsweise ein error in persona vor, der für den Vorsatz von Bedeutung ist.

Kommentar von Ice4Tee ,

Ich habe natürlich den Sachverhalt nicht geschildert. Ein aberratio ictus ist nicht gegeben. Habe auch nicht gesagt, dass meine Prüfung mit dem Versuch beginnt =) Interessant finde ich, wie du dadrauf gekommen bist, dass ich die KV im Versuch prüfen will :D

Antwort
von wfwbinder, 14

Ich würde bei der Gliederung mit der fahrlässigen Körperverletzung beginnen, also da wo kein Vorsatz vorliegt, sondern z. B. durch einen Unfall verursacht ist.

Dann bei der beabsichtigten Körperverletzung den Versuch, also die Absicht Jemanden körperlichen Schaden zuzufügen, was aber im Versuch stecken bleibt.

Dann die beabsichtigte Körperverletzung, die auch durchgeführt wird.

Am Schluss die Varianten "Gefährliche KV," also mit einer Waffe, was auch z. B. Gift sein kann, oder die "schwere Körperverletzung" also die mit bleibenden Schäden.

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