Frage von JustMaintain, 51

Körperliche Abhängigkeit?

Hallo z'ammen
Wie wird man eigendlich genau körperlich abhängig, also substanzbezogen? Was macht der Körper genau? Könnt ihr mir das irgendwie erklären, damit ich eine logische Vorstellung habe? Die verhaltensbezogene Abhängigkeit verstehe ich voll und ganz.

Antwort
von Harlekin59, 10

Es ist nur schwer möglich, körperliche Sucht von der psychischen zu trennen. Der Körper produziert selbst Substanzen, die dem Hirn sagen "Ich bin zufrieden, es geht mir wunderbar!". Diese Endo-Morphine werden immer dann ausgeschüttet, wenn wir 'ein schönes Erlebnis' haben (Orgasmus, gutes Essen, wohliges Vollbad usw.). Es besetzt Aufnahmestellen (Rezeptoren), die das 'Signal Glück' auslösen.

Ausgeschüttet werden sie auch dann, wenn wir in Situationen geraten, in denen vom Körper Höchstleistung erwartet wird (Leistungssport!). Dann stellt das Hirn die Funktionen ein, die momentan nicht wichtig sind (wir haben keinen Hunger, Durst, sind hellwach).

In der Urzeit der Menschen hatte das den Grund, Höchstleistungen zu vollbringen, wenn wir in Gefahr waren.

Von außen verabreichte Morphine bewirken dasselbe: der Körper wird künstlich auf Höchstleistung gebracht, bis hin zur völligen Erschöpfung (weil das Gehirn ja nicht mitgeteilt bekommt, daß keine Reserven mehr da sind)!

Auswirkung ist z.B. extremer Bluthochdruck (er gibt Alarm), kein Hungergefühl, keine Schmerzen, völlige Bedürfnisfreiheit (die wir ja wollen!).

Der Körper produziert in Folge keine Endorphine mehr (wozu auch...). Wird nichts mehr verabreicht, schlägt die Bedürfnisfreiheit um in genau das Gegenteil: extremes Schlafbedürfnis, aber wegen des Blutdrucks Schlaflosigkeit, Hunger, aber der Magen will nicht, Durchfall, weil nichts drin ist, also völlige Erschöpfung, bis hin zur Bewußtlosigkeit.

Der Körper macht schlapp...

Ich schreibe später, wenn du willst, noch etwas mehr, auch über andere Süchte. Das Prinzip ist auf jeden Fall immer das gleiche.

Kommentar von JustMaintain ,

Danke für deine Bemühungen, ich würde mich freuen;)

Antwort
von john201050, 6

die substanzen greifen in die gehirnchemie ein. der körper merkt das und reagiert dagegen um den normalzustand wieder herzustellen.

nimmst du jetzt die substanz weg, bist du wieder nicht auf dem normalzustand - aber eben in die andere richtung.

bsp koffein: koffein blockiert die rezeptoren, an welche "die müdigkeit" andocken sollte. ergebnis: du bist weniger müde. dein körper merkt, dass er nicht genug müde ist und erhöht die produktion von "müdikeit". jetzt lässt du das koffein weg. ergebnis: du bist deutlich müder, als du es normalerweise wärst.

PS: mit "müdigkeit" sind selbstverständlich die für sie zuständigen neurotransmitter gemeint.

Kommentar von Harlekin59 ,

Also, lieber john201050, das stimmt ja nun garnicht! Koffein macht nämlich überhauptnicht körperlich abhängig (ob psychisch, ist noch nicht so sicher). Tatsache ist, daß Koffein die körpereigenen Reserven über einen einigermaßen komplizierten biochemischen Prozeß mobil macht.

Jeder, der einmal gejoggt, eine lange Strecke geschwommen oder in kaltem Wasser gebadet hat, kennt das: irgendwann kommt man einen Punkt der völligen Erschöpfung, an dem der Körper sagt: "So, jetzt Schluß, ich brauche eine Pause/Wärme!".

Ist das gerade nicht machbar oder man überwindet diesen "toten" Punkt, gibt der Körper Alarm. Alle akut unwichtigen Funktionen werden eingeschränkt, alle überlebenswichtigen dagegen verstärkt, z.B. der Blutdruck, die Muskeln werden stärker durchblutet, das Gehirn wird auf Sparflamme umgestellt.

Koffein wirkt genauso auf uns, wir geraten in Streß. Das führt dazu, daß der Körper irgendwann "nicht mehr kann", alle Reserven sind verbraucht.

Sorry, aber Tiere sind da ein gutes Beispiel. Wird eine Antilope von Löwen gejagt, weiß sie, daß sie keine Chance hat. Also rennt sie weg, solange, bis sie vor Erschöpfung zusammenbricht. Und das wissen die Löwen...

Kommentar von john201050 ,

niemand behauptet, dass koffein unendlich wach macht. und schon gar nicht, dass es gegen körperliche erschöpfung geeignet ist.

es ist biologisch eine recht harte wirkung, aber die absoluten auswirkungen sind begrenzt.

wer mehr will, der nimmt amphetamine. da wird dann massiv noradrenalin raus gepumpt, was der gejagten antilope nahe kommt.

und selbstverständlich macht koffein abhängig. nur weil man beim entzug nicht wie bei alkohol mit wahnvorstellungen und krämpfen im bett liegt heisst das nicht, dass es keinen entzug gibt.

Expertenantwort
von dadamat, Community-Experte für Medizin, 11

Eine körperliche Abhängigkeit kann nur durch längeren Einsatz "zentral wirksamer Substanzen" (starke Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Drogen, Rauschgifte usw) entstehen. Eine (weitaus häufigere und schwerer zu behandelnde) "psychische Abhängigkeit" kann bei allem entstehen, sogar bei Mineralwasser.

Antwort
von PrimeExpert, 20

Das Thema ist sehr umfrangreich. Manche Suchtstoffe führen zu strukturellen Veränderungen am Körper. Oder der Organismus reagiert auf die ständige Reizung durch die Substanz
mit einer Umstellung von Stoffwechsel­prozessen. Eine körperliche
Abhängigkeit ist somit entstanden. Zu den Substanzen, die dazu führen, gehören vor allem Alkohol, Opiate und Tranquilizer.

Wird nun der Suchtstoff entzogen, entgleist das krankhafte Gleichgewicht. Das kann zu heftigen Entzugserscheinungen führen. Vor allem beim Alkohol können sie unbehandelt tödlich enden. Die Angst vor den Entzugserscheinungen vertieft die Abhängigkeit des Süchtigen von seiner Substanz.

Abhängigkeit bedeutet eigentlich immer eine psychische Abhängigkeit. Das
Ob auch eine körperliche Abhängigkeit entsteht, ist von der jeweiligen
Substanz abhängig. Eine psychische Abhängigkeit sitzt viel tiefer und es
ist schwerer von ihr loszukommen.

Kommentar von JustMaintain ,

Yeej super Antwort vielen Dank^^

Antwort
von ralph0905, 20

Bei benzos kann man glaub ich auch von nem rebound-effekt reden, da man während des konsums ja den noradrenalinspiegel die ganze zeit gedämpft wird und beim absetzten dann der körper versucht, ein gleichgewicht herzustellen.

Der überschuss von adrenalin äussert sich dann in den bekannten entzugssymptome wie unruhe, übelkeit usw...

Kommentar von JustMaintain ,

benzos was ist das? aber es stimmt, plötzlich kommt so eim Druck auf!

Kommentar von ralph0905 ,

Benzos sind beruhigungsmittel. Haben angst- krampflösende usw. Eigenschaften. Die wirkung im gehirn ist der von alkohol ähnlich

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