Frage von Despote, 72

Könnten wir die Sprache wie sie z B. im 12. Jahrhundert hier bei uns gesprochen wurde ohne weiteres verstehen?

Antwort
von Hardware02, 16

Das hier hat Walther von der Vogelweide um 1200 geschrieben. Es heißt "Unter den Linden". Verstehst du es auf Anhieb?

Vnder der linden
an der heide
da vnser zweier bette was
da mugent ir vinden
schone beide
gebrochen bluomen vnd gras
vor dem walte in einem tal
tandaradei schone sanc dui nahtegal.

Ich kan gegangen
zvo der ovwe
do was min friedel komene
da wart ich enpfangen
here frowe
dc ich bin selig iemer me.
er kuste mich wol tusent stunt.
tandaradei seht wie rot mir ist der munt.

Do hat er gemachet
also riche
von bluomen ein bette stat
des wirt noch gelachet innekliche
kvmt iemen an dc selbe pfat
bi den rosen er wol mac
tandaradei merken wa mirs hovbet lac.

Das er bi mir lege
wesses iemen
nvn welle got so schamt ich mich
wes er mit mir pflege
niemer niemen
bevinde dc wan er vnd ich
vnd ein kleines vogellin
tandaradei dc mac wol getruiwe sin.

Kommentar von OlliBjoern ,

"da mugent ir finden" = da mögt ihr finden: da könnt ihr finden
(der Wortstamm findet man auch im Isländischen "þið megið" = ihr könnt/dürft)

Im Imperativ kenne ich diese Lautung auch aus dem Dialekt: wir sagten nicht "lauft!" sondern "lauf-ent!" oder "kauf-ent!" usw.

Da sieht man schon die hochdeutsche Lautverschiebung: "pfat"

"bi" ist aber noch ohne den hochdeutschen Diphthong (bei).

Antwort
von stubenkuecken, 46

Ich verstehe bereits die Sprache vieler Zeitgenossen nicht, obwohl sie nur Dialekt reden.

Antwort
von Dahika, 35

Nein. Ich denke, es klingt für uns wie das Holländisch von heute. Da kann man einiges verstehen, aber viel auch nicht.

Antwort
von Ansegisel, 42

Mit Übung und etwas Erfahrung könnte man es wahrscheinlich schon verstehen, aber mit ziemlicher Sicherheit nicht "ohne weiteres". Dafür ist das Mittelhochdeutsche doch zu weit vom heutigen Hochdeutsch entfernt.

Hier gibt es eine kleine Textstelle aus dem Niebelungenlied. Man kann es zwar verhältnismäßig gut lesen, aber gesprochen wird es wahrscheinlich schon schwieriger nachvollziehbar sein.

https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelhochdeutsch#Textprobe

Kommentar von Despote ,

Glaub die haben früher in 3. Person gesprochen. z. B. Oho edler Regge durstet es euch nach einem Trinkgelage. oder so ähnlich. Mein Schwertes Griffe wird eure Schulterblätter zieren.

Kommentar von Despote ,

Oder: Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmacket.

Kommentar von schmidtmechau ,

Euch ist allerdings nicht die 3. Person, sondern die 2.!

Expertenantwort
von latricolore, Community-Experte für Italien, Italienisch, Deutsch, Sprache & Schule, 26

Ich reiche mal noch ein paar Zeilen aus dieser Zeit nach - so kann man deine Frage besser beantworten:

Ich han lande vil gesehen,
unde nam der besten gerne war:
übel müeze mir geschehen,
künde ich ie mîn herze bringen dar,
daz im wol gevallen
wolde fremeder site.

Falls es nicht klappt, die Übersetzung gibt's hier:
http://deutschland-im-mittelalter.de/Kulturgeschichte/Sprache#mittelhochdeutsche

Ohne weiteres wohl eher nicht.
Denn es gibt ja noch den Unterschied zwischen in Ruhe lesen und sie in entsprechendem Tempo gesprochen zu hören.

Kommentar von Despote ,

Verstehe ich ziemlich alles. Ist das Original vom Mittelalter?

Kommentar von latricolore ,

Schau in meinen link und schau dir dann den Autor an. :-)

Kommentar von Volens ,

@ Despote :

Dänisch kannst du auch ganz gut lesen.
Aber hör es dir mal an!
In Norddeutschland steht immer die Frage an, ob Dänisch eine Sprache sei oder eine Halskrankheit ...

Ihre Hauptstastdt schreiben sie: København
Gesprochen wird es: Tschöbenhomm

Kommentar von Despote ,

Was bedeutet müeze: vielleicht Unglück, Unheil, Mißgeschick?

Kommentar von latricolore ,

Lies meine Antwort noch einmal gaanz genau...

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