Könnte sich ein Deutscher aus 2016 mit einer deutschsprachigen Person aus dem Jahre 1000 flüssig unterhalten oder sind die Sprachunterschiede zu groß?

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20 Antworten

In diese Zeit fällt der Übergang vom Althochdeutsch zum Mittelhochdeutsch.

Das Mittelhochdeutsch wurde ab 1050 durch die Staufer geprägt, die aus dem schwäbisch-alemannischen Sprachraum kamen. Daher besitzt Mittelhochdeutsch eine sehr enge Verwandtschaft zum heutigen Schwitzerdütsch, Schwäbisch und teils zum Bayerischen Dialekt.

Wer Schwäbisch oder Schwitzerdütsch kann, kann ziemlich viel von den mittelhochdeutschen Texten verstehen, da es in vielen Dingen sehr ähnlich ist.

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Das damalige hochdeutsch könnte man durchaus verstehen, zumindest deutlich besser als heute so manch einen Dialekt. ;)

Zum Vergleich, die erste Strophe des Palästinaliedes (geschrieben an der Wende vom 12. zum 13. Jh.):

Nû lebe ich mir alrêrst werde,
sît mîn sündic ouge sihet
daz hêre lant und ouch die erde,
der man vil der êren gihet.
Nû ist geschehen, des ich ie bat:
ich bin komen an die stat,
dâ got mennischlîchen trat.

Übersetzung:
Nun erst lebe ich mir würdig,
seit mein sündiges Auge
das hehre Land und auch die Erde sieht,
die man so vieler Ehren rühmt.
Nun ist geschehen, worum ich immer bat:
ich bin an den Ort gekommen,
den Gott als Mensch betrat.

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Kommentar von DudelFlanders
07.03.2016, 13:07

Danke...

also mein Fazit nach all den bisherigen Antworten ist, dass man sich sehr wohl mit einer Person aus ungefähr dieser Zeit gut verständigen könnte, wenn man nicht ganz auf den Kopf gefallen ist. Hätte ich nicht erwartet!

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Schlicht NEIN. Sieh dir mal die Merseburger Zaubersprüche an

https://de.wikipedia.org/wiki/Merseburger_Zauberspr%C3%BCche

Man datiert die heute zwischen 750 und 800, also nicht SOO viel älter als deine Zielvorgabe 1000. Weder ein Deutscher, noch ein Niederländer oder Engländer versteht diese Sprache ohne zusätzliche Ausbildung. Wenn man die Übersetzung hat, dann kann man den zweiten Spruch ein bisschen verstehen, ist aber sehr schwierig. 

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Schau Dir mal die Filme Zurück in die Zukunft 1 und 3 an. Dir wird sicher auffallen, dass die Leute sich über manche Redewendungen wundern, die Marty ganz normal findet. Dabei ist die zeitliche Differenz im ersten Film nur 30 Jahre und im dritten Film 100 Jahre. Dahingehend wäre es bei einem Unterschied von über 1000 Jahren wahrscheinlich schon mit relativ zeitlosen Redewendungen so, dass diese nicht verstanden werden würden - nicht nur bei recht modernen, wie in der Zurück-in-die-Zukunft-Trilogie. Allerdings ist es bei mehr als 1000 Jahren Unterschied wahrscheinlich ebenso der Fall, dass man mit zumindest manchen damals üblichen Redewendungen heute nichts mehr anfangen könnte. Wörter die durch späteren Fremdspracheneinfluss Eingang in die deutsche Sprache fanden, sollte man ebenso vermeiden, sondern lieber deren deutsche Synonyme verwenden. Zum Beispiel muss man nicht bei jedem Bisschen von einem Event sprechen, sondern der Begriff Ereignis beschreibt es genauso gut.

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Kommentar von DudelFlanders
07.03.2016, 11:48

Selbst ich verstehe heute viele Redewendungen aus unserer Zeit nicht. Einfach weil ich selbst nicht mit Redewendungen um mich schmeiße und mein Umfeld auch nicht. Ich könnte mir höchstens zusammenreimen, was damit gemeint sein könnte... das könnten die Vorfahren aber auch.

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das wird echte probleme geben und sich kaum von denen unterscheiden, wenn du heute in ein fremdes land fährst. allein schon die vielen dialekte und regionalen besonderheiten (z.b. plattdeutsch) beeinflussen auf dauer die entwicklung einer sprache.

sprache ist lebendig und entwickelt sich ständig und unablässig weiter. so wie viele französchen wörter seit der französichen besatzung anfang den 19.jahrhunderts in unsere sprache eingeflossen sind (friseur, charme usw.) nehmen wir z.zt. mehr und mehr englische begriffe in die umgangssprache auf.

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Ich weiß noch aus der Schulzeit etwas darüber.
Die deutsche Sprache ist vergleichsweise mit anderen Sprachen eine sehr junge Sprache.

Wir hatten damals Textbeispiele aus dem Jahren 
1800
1600
1200

Und ich muss ehrlich gestehen, ab 1600 ist die gesprochene Sprache sehr schwer zu verstehen. Leichte Sätze gehen ohne Probleme aber sobald die Sätze etwas verschachtelt werden geht nichts mehr. und beim Jahr 1200 sah es ganz schlecht aus. Das liegt vorallem daran das es keine einheitliche Sprache gab. Die Leute Sprachen wie es ihnen passte. So entstanden auch heutige Dialekte. 
Fazit:

Nein flüssig sprechen mit einer historischen Person aus dem Jahr 1000 in Deutschland ist nicht möglich (außer du bist Sprachwissenschaftler

Hoffe ich konnte etwas helfen

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Kommentar von rolfzuhause
07.03.2016, 11:04

Da bin ich aber froh, dass sich hier wenigstens noch einer an seine Schulzeit erinnert. Da ich unter anderem Geschichte unterrichte, weiß ich sehr genau, dass diese Dinge auf dem Lehrplan stehen. Nur leider sind unsere Schüler so "vergesslich".

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Es kommt etwas auf die Region an. Kommst du aus dem nördlichen Teil oder südlichen Teil Deutschlands, etwa der Benrather Linie. Diese Linie kennzeichnet die Gebiete wo man Plattdeutsch sprach und wo der Dialekt vorherrschte. Gebildete Menschen aus dem Jahre 1000 konnten sich aber auch lateinisch unterhalten. Da es vielfache Handelsbeziehungen gab, war offensichtlich die Verständigung kein Problem.

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Ich kann Platt, verstehe, leicht untertrieben, drei Worte Holländisch, vier Worte Altenglisch, 5 Worte Mittelenglisch, habe ein ganz ordentliches Bauchgefühl für Sprache(n), aber für eine wirklich flüssige Unterhaltung würde es wohl kaum reichen.

(Mit einigen Sprachgenies auf dieser Seite kann ich natürlich nicht mithalten ...)

Gruß, earnest


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Nur wenig.

Aber auf jeden Fall ist modernes Hochdeutsch den Althochdeutschen viel ähnlicher als modernes Englisch mit Altenglisch. Altenglisch und Althochdeutsch sind germanische Dialekte und man kann sie verstehen.

Als die Altnordischen (Wikinger, hauptsächlich Dänen) nach Angelsachsen (Großbritannien) kamen, konnten sie auch Altenglisch verstehen.

https://www.gutefrage.net/frage/koennten-wir-die-sprache-wie-sie-z-b-im-12-jahrhundert-hier-bei-uns-gesprochen-wurde-ohne-weiteres-verstehen?foundIn=list-answers-by-user#answer-197131474

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Kommentar von DudelFlanders
07.03.2016, 11:41

Die Frage ist ja gerade mal 15 Stunden alt ^^ danke.

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Die Sprachunterschiede sind ziemlich groß, versuch doch mal, Texte in Mittel- oder Althochdeutsch zu lesen...

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Na ja, wir mussten in der Schule einige Gedichte aus dieser Zeit lesen. Das war schon eine fremde Sprache. Auch wenn man einiges verstanden hatte. Ich verstehe ja auch einiges im Holländischen, aber unterhalten könnte ich mich mit einem Holländer nicht.
Die erste Strophe des Palästinaliedes.... nun ja. Holländisch verstehe ich besser, ohne Holländisch zu können.

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Kommentar von DudelFlanders
07.03.2016, 14:46

Es reicht auch, wenn du Deutsch sprichst und ein Holländer verstehst dich und er spricht holländisch und du verstehst ihn. Das ist dann auch eine flüssige Kommunikation.

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Und eines der Unterthemen ist Physik?

Aha.


Nicht nur in Deutzschland iste s so, dass sich die Sprache über die Jahrhunderte sehr verändert hat. Also dürfte das nicht so einfach werden.

http://www.pohlw.de/literatur/sadl/ma/wal-min.htm


Wir versuchen, für iunseren Sport mittelalterliche Bücher zu verstehen.. da kann man endlos diskutieren, bis man was wirklich sinngemäß richtig hat.

Und jeder, der die Vorlagen das erste Mal liest, lacht hiilflos.


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Kommentar von DudelFlanders
07.03.2016, 11:08

Wegen Zeitreisen.

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Wenn du Glück hättest, würdest du ein Wort von 100 verstehen.

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Kommentar von rolfzuhause
07.03.2016, 10:52

Eher anders herum. Ich glaube  nicht, dass der Mensch des Jahres 1000 weiß, was ein Handy, das Internet oder online bedeutet.

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Ich denke nicht. Wenn du allein Hochdeutsch mit Platt vergleichst merkst du, dass dieser Unterschied schon sehr groß ist. Also ich denke, dass sich die deutsche Sprache innerhalb von 1000 Jahren schon sehr verändert hat, sodass man sich nicht flüssig unterhalten kann. Du könntest ja mal versuchen, Literatur aus dem Jahre 1000 n. Chr. suchen und versuchen, diese zu lesen. LG

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Nein Sprache ist lebendig.

 "Ich horte ein wazzer diezen  und sach die vische fliezen" stammt aus einem Gedicht von Anfang des 13. Jahrhunderts und kann nicht so einfach verstanden werden.

http://www.literaturwelt.com/werke/walther_vogelweide/reichston.html#reichston1

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Kommentar von DudelFlanders
07.03.2016, 11:05

Ich finde das etwas eigenartig. Sowohl du als auch ein anderer User hier haben mir jetzt schon Texte von 1000 bis 1300 vorgelegt und ich habe sie verstanden. Und ich habe nichts mit Sprachwissenschaften am Hut.

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Kommentar von rolfzuhause
07.03.2016, 11:06

Jetzt mal Hand auf's Herz: Wer DAS nicht versteht, hat wohl seine Schulzeit verschlafen. Auch wenn ich vorbelastet bin, aber diese Texte sind doch wirklich leicht zu verstehen.

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Kommentar von rolfzuhause
07.03.2016, 11:56

Ich horte ein wazzer diezen  und sach die vische fliezen

Sooo einfach:

Ich hörte ein Wasser rauschen und sah die Fische schwimmen.

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Deutscher `?

Können sich heute friesisch und allemannisch Sprechende  - mit Worten - gut verständigen?

Eine "deutsche Sprache" verbreitete sich erst mit der Bibel-Übersetzung Martin Luthers

Allerdings, obwohl Marconi noch nicht lebte, gab es zwischen einander sympathischen Menschen "Antennen" ;-)))

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Ich jedenfalls nicht.

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Solange er keine modernen Wörter wie "online, gedownloaded, Internet, Turbo, geil, Handy, Auto, Computer ....." etc. verwendet, wird das bestimmt reibungslos funktionieren.

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Kommentar von dandy100
07.03.2016, 10:57

...also, dass die Menschen im frühen Mittelalter eine grundsätzlich andere Sprachen gesprochen haben, dürfte doch aber bekannt sein...

Eine reibungslose Verständigung wäre so gut wie unmöglich, ohne vorher zumindest Frühhochdeutsch zu lernen

https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChneuhochdeutsch

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