Frage von Mueller345, 70

Könnte mir bitte einer eine spezifische Frage über den CFD-Handel erklären?

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich war neulich an der TU Berlin und hörte mir einen Vortrag zu Finanzderivaten an, unter anderem wurden dabei auch diese CFDs erläutert. Der Vortragshaltende meinte, dass blutige Anfänger die Hände davon lassen sollten, da sie sehr riskant sein.

Will mal kurz darlegen, was ich verstanden habe (bitte berichtigen, falls ich falsch liege):

Normalerweise ist es ja so, wenn man Aktien kaufen will, angenommen für 10.000 Euro Allianz-Aktien, dann muss ich das Geld überweisen und dann bin ich Teilhaber. Steigt diese Aktie um 100 Euro, so habe ich 1 % Gewinn gemacht.

Bei CFDs soll es aber so sein, dass man beispielsweise einen CFD-Derivat auf Allianz kauft für 10.000 Euro, ABER nur eine Margin von beispielsweise 1% hinterlegen muss, also nur 100 Euro, Steigt jetzt die Allianzaktie um 100 Euro, so habe ich einen Gewinn von 100 % gemacht. Negativ soll sein, dass man zur Nachschusspflicht verpflichtet sein kann und man auch alles verlieren kann.

Meine Frage ist nun: Wenn man mit Bedacht lediglich nur mit kleinen Beträgen spekuliert, kann das doch gar nicht so schmerzhaft sein. Kann nur für mich sprechen. Wenn ich aus 100 € 500 € machen kann? Das nehme ich gerne in Kauf. Auch würde ich gerne wissen wollen, wofür dieses Finanzderivat "ursprünglich" mal gedacht war. Bei Futures weiß ich das ja, aber CFD hört sich wirklich wie ein reines Zockerprodukt an.

Wäre nett, wenn einer sich die Zeit nimmt und mir das mal kurz erklärt.

Vielen Dank

Antwort
von GuenterLeipzig, 52

Aufgrund der Hebelwirkung sind die Risiken erheblich.

Es ist reine Zockerei.

Im Hintergrund laufen ganze Computerfarmen der CFD-Anbieter, die dafür sorgen, dass möglichst viele Finanzwetten zu Gunsten des Herausgeber ausgehen.

Bei CFD arbeitet der Herausgeber gegen den Zocker - ich vermeide bewusst das Wort Anleger, da das mit Geldanlage nichts mehr zu tun hat.

Günter

Antwort
von BlueBeardTrader, 12

Hi,

AnnaStark und wk7321 haben gute Antworten geliefert und dem kann ich mich nur anschließen.

Ich möchte einfach nur ergänzen: CFDs oder andere Hebelprodukte sind eine gute Möglichkeit durch Handel Geld zu verdienen, weil man durch den Hebel mehr bewegen kann.

Jedoch muss man, wenn man mit diesen Sachen handelt:
1. Margin verstehen
2. sich nicht durch mögliche Hebel verführen lassen
3. sich ganz sicher sein, was genau man handelt und was da passieren kann. (Schweizer Franken).
4. Das Risikomanagement muss stimmen.

Ich persönlich würde als Einstieg Aktien empfehlen. Wenn es dann gut mit denen läuft und man sich sicher ist, kann man zu CFDs wechseln.

Antwort
von DoTheBounce, 43

Angenommen, du hast einen Hebel von 100 (enstpricht einer Margin von 1%, wie in deinem Beispiel).

Du kaufst für 100 € Margin Allianz CFDs im Wert von 10.000. Jetzt entscheidet sich die EZB plötzlich, den Leitzins weiter zu senken (rein fiktives Beispiel), damit würden auch Versicherungen getroffen, die Allianz-Aktie bricht um 10% ein. Mit deinen eingesetzten 100€ hast du nun plötzlich ein Minus von 1000€ zu Buche stehen.

Du kannst jetzt natürlich argumentieren: "Hey, wenn ein EZB-Treffen ansteht, dann halte ich halt keine Positionen." Ja, kannst du machen, nur leider sind nicht alle Einflüsse am Markt so einfach vorauszuberechnen. Ich erinnere mich an einen Hobbytrader, der mit Forex-CFDs spekuliert hatte. Als die Schweiz die Bindung zwischen CHF und EUR aufgelöst hat, ist der EUR/CHF-Kurs eingebrochen und derjenige hat obwohl er nur wenige Tausend Euro eingesetzt hatte plötzlich einen Verlust von über 300000 € da stehen

Kommentar von Mueller345 ,

Ok, das verstehe ich, aber es gibt doch auch CFDs ohne Nachschusspflicht, oder? Das heisst mehr als mein eingesetztes Kapital kann ich eh nicht verlieren.

Antwort
von AnnaStark, 33

CFD´s sind sog. Hebelprodukte. Die meisten Broker berechnen dabei eine Margin von 10 %.  Kaufst Du also Allianz für 10.000,- wird Dein Konto nur mit 1.000,- belastet. Wenn die Aktie jedoch 10 % fällt, ist Dein Kapital weg.

Automatisch wird die Position (bei den meisten Brokern) dann glatt gestellt und Du kannst nicht ausharren, bis sie wieder steigt. Fällt der Kurs mit einem Gap, d.h. zu Börsenöffnung schlagartig runter, so hast Du sogar Nachschusspflicht.

Generell: Handel mit CFD ist sehr gefährlich und der Schuss kann nach Hinten losgehen.

Ich handle mit CFD´s ausschließlich nur das Quartalstrading, da kann man noch mit wenig Risiko einsteigen. Für (langfristige) Anlagen sind CFD´s absolut ungeeignet.

Kommentar von Mueller345 ,

Vielen Dank für die Antwort. Aber es gibt auch CFDs ohne Nachschusspflicht. So habe ich zumindest davon gelesen. Kann mich auch irren.

Kommentar von AnnaStark ,

Nachschusspflicht hat nichts mit den einzelnen CFD´s zu tun !!!

Mal ein Beispiel:  Die Aktie Dycom Industries ist gestern (22.11.2016) bei Börsenöffnung um 20 % gefallen. Hast Du bei einem kapital von 1.000,- für 10.000,- tags zuvor diese CFD gekauft, hast Du schlagartig gestern 2.000,- verlust. Da die Aktie bei Börsenöffnung durch diesen Gap fiel, konntest Du nicht mehr "ausgestoppt" werden und kommst so 1.000,- ins Minus, und diese Summe musst Du dem Broker nachschiessen.

Andereseits: Hast Du z.B. gewusst oder geahnt, dass dieser Wert fällt und bist short in diese eingestiegen, bist Du heute 2.000,- reicher.

Bei Nutzung des Tools Q4logic, der solche Werte anzeigt, (die Quartalszahlen veröffentlichen), hat man bei der Dycom am Abend zuvor gesehen, dass so ein Gap passieren könnte.

Antwort
von Sonnenstern811, 10

Hier ist schon alles Richtige erwähnt. Im Exrtremfall Kurs sfr/€ sind sogar echte Profis finanziell ruiniert worden.

Von mir deshalb nur ein kleiner Hinweis. In den USA sind solcherlei "Bankschöpfungen" zu denen auch Optionsscheine gehören, verboten. Warren Buffett nannte sie mal zu Recht Teufelszeug.

Zugelassen sind Optionen, aber auch da kann man Miese machen und sollte schon über einiges spezielle Wissen verfügen. Dort gibt es auch keine Nachschusspflicht. Banken verstehen es ausgezeichnet, Kurse zu ihren Gunsten bei solch künstlichen Schöpfungen zu manipulieren. Bei Optionen ist dies ausgeschlossen.

Statt schon unverblümt und lautstark nach eine höheren Kapitalertragssteuer zu schreien, sollten die Genossen sich mal hier um eine Regulierung in Europa bemühen und sich der Zeiten unter Brandt und Schmidt erinnern. Da waren diese Kapitalerträge nach 6 Monaten steuerfrei, und das aus gutem Grund. Aber dies sei hier nur mal am Rande mit erwähnt.

Antwort
von grubenschmalz, 45

Du kannst aus 100 € aber auch problemlos  -500 € machen.

Kommentar von wk7321 ,

Viele CFD Broker haben eine Einlagesicherung, sodass man nur das eingesetzte Kapital verlieren kann. Außerdem wird eine CFD Position geschlossen wenn sie ihr Wert auf 0 fällt. Nur in Ausnahmefällen wenn Märkte so Volatil sind, dass es nicht möglich ist die Position zu dem vereinbarten Preis zu schließen (STOP-Level, oder Wertverfall des CFD Kontraktes) kann es passieren, dass man Schulden beim Broker macht. Dies passiert jedoch meistens nur in Ausnahmesituationen, wie dem Loslösen des Schweizer Frankens.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community